Prof. Dr. Jürgen Wertheimer

Deutsches Seminar - Internationale Literaturen


E-Mail: juergen.wertheimer[at]uni-tuebingen.de

Homepage: Jürgen Wertheimer

Prof. Dr. Jürgen Wertheimer

Prof. Dr. Jürgen Wertheimer, Geb. 1947 in München, ist Professor für Neuere Deutsche Literatur sowie Internationale Literaturen (Komparatistik) an der Universität Tübingen. 

Studium der Germanistik, Komparatistik, Anglistik und Kunstgeschichte in München, Siena und Rom, Promotion 1975 sowie Habilitation1984/85 an der Ludwig-Maximilians-Universität München, 1986/87 Professeur associé für „Littérature allemande“ in Metz, seit 1991 Profes­sur für NDL und Internationale Literaturen in Tübingen, von 1992-2011 Mitherausgeber der komparatistischen Zeitschrift „arcadia“, 1994/95 Professeur invité an der Université Paris 8, 1996-2004 Organisator der Tübinger Poetik-Dozentur. Seit 2008 Mit-Koordinator des Pro­jekts „Wertewelten“.

Von zentraler Bedeutung in Wertheimers Forschung sind Fragestellungen und Themenkom­plexe in den Bereichen „Kulturtransfer“ bzw. „Kulturkonflikte“, „Mythen“ und „Ideologien“, „Übersetzung“, Autoren und Werk „Paul Celan“ sowie „Friedrich Schiller“, „Aufklärung und Dialogizität“, „Poetik der Affekte“, „Plurikulturalität“, „Ähnlichkeiten“ sowie „Werte und Einstellungen“.

Projekt 1

Wertewelten


(Gefördert vom Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg; Homepage des Projekts: www.wertewelten.net)


Seit dem Sommersemester 2008 läuft an der Universität Tübingen das Kooperationsprojekt "Wertewelten". Koordiniert wird das Projekt von Prof. Dr. Jürgen Wertheimer vom Deutschen Seminar und Prof. Dr. Heinz-Dieter Assmann von der juristischen Fakultät in Zusammenarbeit mit dem deutsch-französischen Institut unter der Leitung von Prof. Dr. Frank Baasner. Das Vorhaben wird von der Absicht geleitet, verschiedene, in ihrer charakteristischen Denkweise begründete Wertesysteme gegenüberzustellen und ihre Spezifika, auch die eines genuin europäischen Wertekosmos, zu erkunden. Anstelle eines ethischen grundsätzlichen Ansatzes, der auf die Etablierung eines globalen Standards abzielt, erfolgt der Zugang konkret über die sprachliche Vermittlung und Konstitution von Werten. Bei jährlichen Arbeitstreffen mit Literaten, Literatur- und Rechtswissenschaftlern aus unterschiedlichsten Teilen der Welt geht es darum, die unterschiedlichen "Werte-Kulturen" an juristischen, künstlerischen und literarischen Darstellungen gemeinsam zu reflektieren und eigene kulturelle Wahrnehmungsmuster zu überprüfen. Bisherige Schwerpunkte waren „Kulturen des Dialogs“, „Szene und Tribunal“, „Normen – Standards – Werte“, „die Ware Mensch“ sowie „Ähnlichkeiten – Mischungen – Synkretismen“. (vgl. Schriftenreihe Wertewelten Hrsg. von Heinz-Dieter Assmann, Frank Baasner und Jürgen Wertheimer. Baden-Baden 2010f.)

Projekt 2

Spiel als Motiv und Struktur


Im Rahmen einer interdisziplinären Seminarreihe von Prof. Jürgen Wertheimer und Prof. Dirk Wildgruber (Psychiatrie, Neurowissenschaften) wurden seit Oktober 2009 verschiedene Phänomene von Spiel sowohl auf literarisch-philosophischer sowie auch verhaltensbiologischer Ebene untersucht. 


Der Bogen der theoretischen Modelle reicht von Schillers Konzept einer ästhetischen, d. h. "spielerischen Erziehung des Menschen" bis hin zu den Erkenntnissen neuerer 'Spieltheoretiker' wie z. B. Freud, Piaget, Huizingas „Homo Ludens“ sowie Caillois‘ „Die Spiele und die Menschen: Maske und Rausch“. Einzelne Theoriemodelle fanden bei der Untersuchung literarischer Beispiele Anwendung (u. a. Cees Nootebooms „Kinderspiele“ und Texte von Astrid Lindren, die das Spiel von Kindern fokussieren, außerdem Texte, in denen das Spiel zwischen Erzähler und Leser auf konzeptioneller Ebene Eingang findet). Auch pathologische Tendenzen wurden sowohl mittels neurobiologischer und psychologischer Studien als auch als literarisches Motiv (vgl. u. a. E. T. A. Hoffmanns „Spielerglück“, Dostojewskijs „Der Spieler“ und Zweigs „Schachnovelle“) thematisiert. Neben den literaturwissenschaftlichen wurden auch empirische Untersuchungen zur emotionalen Reaktion auf Manipulation und Spielausgang durchgeführt.

Aus den Seminaren sind einzelne Beiträge hervorgegangen, die 2012 gesammelt unter dem Titel „Spieler - Spielen - Spiele: Interdisziplinäre Forschungsansätze“ erscheinen werden.

Projekt 3

Ähnlichkeiten

(Dachprojekt als Exzellenzcluster gefördert von der DFG seit 2006; Homepage des Projekts: Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration, Uni. Konstanz)


Die Suche nach Ähnlichkeiten impliziert sowohl die Frage nach Gemeinsamkeiten wie auch die nach dem Wesen der Differenz. Dabei ist davon auszugehen, dass die Suche nach Ähnlichkeit unser Leben, zumindest die Gesamtheit unserer Wahrnehmungsmöglichkeiten bestimmt. Im Wesentlichen konzentriert sich die Fragestellungauf eine dialektische Denkfigur, die in etwa so lautet: Im Grunde macht man alles überall gleich, die Unterschiede sind marginal. Mit gleichem Recht könnte man Aussagen von Differenzfetischisten dagegensetzen, die davon ausgehen, dass man im Grunde alles überall anders macht und die Gemeinsamkeiten marginal sind. Über den Status der Ähnlichkeit, genauer der Operation Ähnlichkeiten herzustellen, werden Weichen für unsere Deutung des Befundes gestellt, wird alles Material gleichsam geordnet. 

In Zusammenarbeit mit verschiedenen am Exzellenzcluster „Kulturelle Grundlagen von Integration“ an der Universität Konstanz beteiligten WissenschftlerInnen wird es künftig folglich darum gehen, Technologien der Ähnlichkeitsherstellung, die Weitergabe von Ähnlichkeitsmustern, Produktionen/Mutationen von Ähnlichkeitsentwürfen, aber auch unsichtbare Differenzen, Anti-Ähnlichkeitsmanifestationen und trügerische Ähnlichkeiten zu beschreiben sowie darum, grundsätzlich nach dem potentiell utopischen Gehalt des Ähnlichen zu fragen.