Philosophische Fakultät

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12.03.2015

Die frühen Kelten waren Fans griechischer Keramik

Doch tranken aus den Gefäßen die Eliten oder das gemeine Volk? Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Baden-Württemberg untersuchen griechische Keramikimporte und ihre Bedeutung für die Kelten

Schnabelkanne, Stamnos, Rippenziste, Zierscheibe, Trinkhornbeschläge, attische Trinkschalen. Ensemble Kleinaspergle. Foto: P. Frankenstein / H. Zwietasch; Landesmuseum Württemberg

Wie lassen sich die zahlreichen Funde griechischer Trinkgefäße und Weinamphoren in den frühkeltischen Territorien nördlich der Alpen des 7. bis 5. Jahrhunderts v. Chr. erklären? Wissenschaftler der Universität Tübingen sind an einem Forschungsprojekt beteiligt, das dieser Frage auf den Grund geht. „Bedeutungen und Funktionen mediterraner Importe im früheisenzeitlichen Mitteleuropa“ (BEFIM) wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Förderschwerpunkts „Die Sprache der Objekte“ mit knapp 1,3 Millionen Euro bis zum Jahr 2018 gefördert. Beteiligt sind die Universitäten Tübingen und Heidelberg, das Landesmuseum Württemberg und das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart.

Eine gängige Erklärung für die großen Mengen an Keramikfundstücken war bislang, dass die keltischen Eliten aus Südwestdeutschland, der Schweiz und Ostfrankreich ein Faible für die mediterrane Trink- und Feierkultur hatten und diese nachahmen wollten. Ob die mediterranen Importe wirklich erworben wurden, um damit möglichst authentisch mediterrane Gelage feiern zu können, wird nun im Rahmen des Projektes hinterfragt. Die Forscherinnen und Forscher untersuchen einerseits die Fundkontexte der Importgefäße und analysieren andererseits Nahrungsreste und Gebrauchsspuren in den Gefäßen. So soll sich zeigen, ob die fremden Gefäße wirklich von lokalen Eliten oder eher von unterschiedlichen Teilen der Bevölkerung verwendet wurden, ob aus der Keramik Traubenwein getrunken wurde, oder vielmehr einheimischer Honigmet.

BEFIM nimmt Prozesse in den Fokus, in denen vormals fremde Gegenstände in die eigene Kultur integriert werden und dabei ihre Funktionen und Bedeutungen verändern. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass interkulturellen Begegnungen nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in der Vergangenheit eine entscheidende transformative Kraft zukam.

Die BEFIM-Kooperation wird von Philipp W. Stockhammer (Universität Heidelberg) geleitet, zusammen mit Cynthianne Debono Spiteri (Universität Tübingen), Dirk Krausse (Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart) und Thomas Hoppe (Landesmuseum Württemberg).

Kontakt:

Dr. Cynthianne Debono Spiteri
Universität Tübingen
Institut für Ur- und Frühgeschichte
Junior Professor for Archaeometry
Telefon +49 7071 29-78541
cynthianne.debono-spiteri[at]uni-tuebingen.de

Eberhard Karls Universität Tübingen
Hochschulkommunikation
Dr. Karl Guido Rijkhoek
Leitung
Antje Karbe
Pressereferentin
Telefon +49 7071 29-76789
Telefax +49 7071 29-5566
antje.karbe[at]uni-tuebingen.de

www.uni-tuebingen.de/aktuelles

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