Uni-Tübingen

Gender Studies-Lehraufträge und Praxisvorträge

An der Universität Tübingen werden Lehrveranstaltungen zu Gender Studies in den meisten Fächern nicht oder nur selten angeboten. Den Studierenden fehlt so ein wesentlicher berufsqualifizierender fachlicher Aspekt im Studium. Zur Förderung von Gender Studies an der Universität Tübingen können Lehraufträge zu diesem Themenfeld beantragt werden.

Die TEA-Praxisvorträge sollen Studentinnen Einblicke in das Berufsleben erfolgreicher Frauen ermöglichen. So studieren Frauen meist sehr erfolgreich, aber es fehlt ihnen oft an weiblichen Vorbildern und an Informationen, wie die spezifischen Herausforderungen, denen Frauen im Berufsleben begegenen, bewältigt werden können. Praxisvorträge von Frauen aus der Industrie, Verwaltung und Wissenschaft sollen aufzeigen, welche beruflichen Chancen sich bieten und individuelle Karriereverläufe von Frauen vorstellen.

Die Antragstellung erfolgt über die Gleichstellungsbeauftragten bzw. Gleichstellungskommission der Fakultäten.

Im Wintersemester 2018/19 finden folgende TEA-Veranstaltung in den Fakultäten statt:

Evangelisch Theologische Fakultät

"Männlich und Weiblich" - Geschlechterrollen in der Antike und im Neuen Testament

Übung von Tanja Forderer

Was galt in der Antike als „männlich“, was als „weiblich“? Auf welcher Grundlage wurden Geschlechterrollen entwickelt und welche Stereotype gab es? Welche Männer- und Frauenrollen werden in den antiken Diskursen über Ehe, Sexualität und Scheidung sichtbar? Und was davon wird von den neutestamentlichen Texten, die sich ebenfalls mit Ehe, Sexualität und Scheidung befassen, rezipiert? Diesen Fragen werden wir u.a. mit Hilfe einer exemplarischen Lektüre von griechisch-römischer und frühjüdischer Literatur sowie von neutestamentlichen Texten nachgehen. Ziel dieser Übung ist es, die antiken Diskurse zu den genannten Themen in exemplarischer Weise zu erschließen und die Texte des Neuen Testaments mit diesen ins Gespräch zu bringen.

Donnerstag, 14 - 16 Uhr oder 18 - 20 Uhr

Katholisch-Theologische Fakultät

Vortragsreihe "Frauenfeindlichkeit mit System - Zur Logik der Misogynie in Gesellschaft, Kirche und Theologie"

Ab dem 27. November 2019 findet an der Katholisch-Theologischen Fakultät im Rahmen des TEA-Programms die Vortragsreihe "Frauenfeindlichkeit mit System - Zur Logik der Misogynie in Gesellschaft, Kirche und Theologie" statt. Die sieben Vorträge finden im Rahmen von Lehrveranstaltungen der Katholisch-Theologischen Fakultät statt. Gäste aus anderen Fakultäten sowie von außerhalb der Universität sind herzlich eingeladen.

Weitere Informationen finden sich im Flyer zur Vortragsreihe.

Philosophische Fakultät

Gender and STS (Science, Technology and Society)

Seminar in der Ethnologie von Poonam Kamath (M.A.)

Science and Technology continue to deeply influence our society. This introductory course will explore different perspectives on science and technology and their impact on society through the lens of gender, sexuality, race, and class. We will focus on a wide range of questions such as: How is technoscientific knowledge about gender produced in biomedical praxis and discourse and how valid are these entrenched assumptions? In what ways are technoscientific developments such as gender reassignment surgery changing societal discourse and practice about genders and sexualities? How do the products of science and technology such as Assisted Reproductive Technologies reconfigure our ideas of kinship and relatedness? How does biomedical knowledge and praxis view women’s bodies and in what ways do categories such as race and class add to this gendered assessment? In this seminar, we will use theoretical anchors from feminist anthropology, history and philosophy of science, feminist science and technology studies, and critical gender studies. The first half of the seminar will consist of feminist theorizing on STS and gender and the second half will be devoted to specific themes such as Assisted Reproductive Technologies; Disability, gender, and technology; Digital technology and Gender; Women in Science and technology; Plastic surgery and gender; placing them in specific cultural contexts around the globe.

Mo. 12 c.t. – 14, Schloss Hohentübingen – Seminarraum 03 (Ethnologie) (wöchentlich)

 

Gesellschaft und Kultur Indiens: Geschlechtliche Vielfalt in Indien

Seminar in der Indologie von Sarah Merkle-Schneider (M.A.)

Im Kontext der Geschlechter- bzw. transgender-Forschung wurde mit den 1990er Jahren Indien verstärkt in den Blick genommen; die sogenannten Hijras – „Indiens Drittes Geschlecht” – galten als Beweis dafür, dass Geschlecht kulturell und sozial konstruiert ist und somit auch außerhalb der binären Kategorien von Frau und Mann möglich ist. Bei genauer Betrach­tung wird jedoch deutlich, dass auch die Kategorie „Hijra” von zum Teil starren und äußerst wirkungsmächtigen Normen geprägt ist und im Diskurs um geschlechtliche Vielfalt den Blick auf weitere, sich von den Hijras deutlich unterscheidende, nicht-heteronormative Identitäten, Gemein­schaften und Lebensentwürfe in Indien verstellt. So sind lokale z.T. religiös legitimierte transgender Gemein­schaften, ebenso wie individuell lebende, nicht-hetero­normative Personen niedrigerer sozialer Schichten, oder die gerade erst in den letzten Jahren sich herausbildenden neuen Möglichkeiten für Transmänner in der indischen Gesellschaft wie auch in der Forschung vergleichsweise unsichtbar. Parallel haben sich in den vergangenen drei Jahrzehnten aber auch regio­nal und indienweit organisierte Netzwerke von Aktivist*innen und eine zunehmend sichtbare, kosmopolitisch orientierte und international vernetzte LGBTQI* Bewegung herausgebildet.

Fr. 15 c.t. – 18, Keplerstr. 2, Raum 004 (Einzelveranstaltung am 25.10.2019)

 

Frauen im Mittelalter erforschen – Mittelalterliche Frauen vermitteln – der Weg zur Museumsausstellung

Übung in der Geschichte von Dr. Annalena Müller

Im Rahmen dieser Übung werden wir eine museale Ausstellung zum Thema ’Nonnen im Mittelalter' entwickeln und dabei die Schritte durchgehen, die eine werdende Ausstellung durchläuft, bevor sich die Türen des Museums für die Besucher öffnen. Von der Konzeption, der Auswahl der Objekte, dem räumlichen Setup bis hin zum Verfassen der kurzen Ausstellungstexte, die dem Besucher Exponate und Thema prägnant und wissend vermitteln, gibt diese Übung erste Einblicke ins museale und kuratorische Arbeiten. Im Rahmen der Lehrveranstaltung findet am 10.12. eine Exkursion ans Schweizer Nationalmuseum Zürich statt. Dort treffen wir die Kuratorin der kommenden, tatsächlichen Ausstellung ’Nonnen im Mittelalter’, Dr. Christine Keller, zum Gespräch über museale Praktiken und den Herausforderungen besonders bei der Konzeption einer Ausstellung zu «Frauenthemen». Die Übung als Ganzes samt dem Gespräch mit Dr. Christine Keller gibt wichtige Einblicke in die museale Praxis und ist eine einmalige Gelegenheit, ein zentrales und spannendes Arbeitsfeld für Historiker außerhalb der Universität und Schule kennenzulernen. Des Weiteren sensibilisiert diese praxisnahe Lehrveranstaltung besonders für die von Museen geleistete Übersetzungsarbeit an der Schnittstelle Forschung und Öffentlichkeit. Und dies geschieht anhand eines Themas, welches in Anbetracht der wachsenden Salonfähigkeit von Gender-bashing von ebenfalls wachsender gesellschaftlicher Bedeutung ist. Die Teilnahme an der Exkursion am 10.12. ist verpflichtend und zählt als Blocktag. Die Übung endet dafür bereits im Januar.

Di. 12 c.t. – 14, Hegelbau – Bibliothek/Seminarraum 405

(wöchentlich)

Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät

Who Cares? Arbeitsteilung in der Familie und Geschlechtergerechtigkeit auf dem Arbeitsmarkt

BA-Seminar im Institut für Soziologie von Alexander Schlager

Ökonomische Entwicklungen, gesetzgeberische Maßnahmen, institutionelle Veränderungen sowie sich wandelnde Geschlechterrollenbilder haben in den letzten Jahren und Jahrzehnten die Muster der Aufteilung von Erwerbs- und Familienarbeit innerhalb von Paarbeziehungen grundlegend verändert. Das Modell des männlichen Alleinverdieners („male breadwinner“) wird in seinem normativen Gehalt wie in seiner empirischen Existenz zunehmend in Frage gestellt.
Im Seminar wollen wir diese Entwicklung zunächst in deskriptiver Absicht nachvollziehen und nach dem Ausmaß des Wandels in zeitlicher Perspektive und nach fortbestehenden Unterschieden im internationalen Vergleich fragen. In einem weiteren Schritt wollen wir die familiale Arbeitsteilung als Dimension geschlechtsspezifischer sozialer Ungleichheit (abhängige Variable) untersuchen und nach deren Determinanten fragen. Hierbei werden wir uns mit den zentralen theoretischen Ansätzen vertraut machen, die zur Erklärung der familialen Arbeitsteilung und deren Veränderung vorgeschlagen werden und uns Studien anschauen, die diese Theorien einer empirischen Prüfung unterziehen. Schließlich analysieren wir die Dimensionen der familialen Arbeitsteilung (und deren Veränderungen)  als unabhängige Variablen und fragen, ob diese wiederum als Determinanten für geschlechtsspezifisch ungleiche Arbeitsmarkterträge (und deren Veränderung) wirken. Auch hier werden wir uns wieder mit theoretischen Erklärungsansätzen, den aus diesen abzuleitenden Hypothesen und deren empirischer Prüfung beschäftigen.
Das Seminar ist in der Tradition theoriegeleiteter und empiriebezogener quantitativ-empirischer Sozialforschung verortet und setzt die Bereitschaft der TeilnehmerInnen voraus, sich intensiv mit empirischen Studien und mit Grundlagen der statistischen Modellierung und Überprüfung theoretisch begründeter Hypothesen auseinanderzusetzen. Neben einem Einblick in den aktuellen Stand der theoretischen Diskussion und in den empirischen Forschungsstand sollen den TeilnehmerInnen in den ersten Seminarsitzungen grundlegende methodische Kenntnisse und statistische Techniken vermittelt werden, die zum Verständnis der Forschung und für eigene Forschungsarbeiten im Themenbereich zentral sind.

Montags, 10.00-12.00 Uhr c.t.



Coaching und Mentoring von Frauen in betrieblichen Kontexten

Praxisvortrag von Nina Staudenmaier im Rahmen des Masterseminars „Anwendungsfelder der Personalentwicklung“ am Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilug Erwachsenenbildung/Weiterbildung von Viktoria Pum.

Coaching in Unternehmen mit besonderer Berücksichtigung von Frauen. Wie können Frauen im Rahmen der Personalentwicklung speziell gefördert werden, welche
Möglichkeiten und Konzepte gibt es hier? Im Rahmen des Praxisvortrages stellt Frau Staudenmaier ein aus ihrer Praxis bei der Daimler AG erprobtes Mentoring-Konzept zur Förderung von Frauen in Unternehmen vor. Darüber hinaus werden weitere Bereiche des Coachings und Mentorings in Unternehmenskontexten aufgegriffen. Abschließend gibt es Raum für eine Diskussion mit der Referentin.

10.12.2019, 16.00-18.00 Uhr c.t.