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02.01.2020

Leonhart Fuchs und sein illustriertes "New Kreuterbuch"

Objekt des Monats Januar

Nach Tübingen kam Leonhart Fuchs, als er im August 1535 den Lehrstuhl für Medizin an der Universität übernahm. Die Pflanzenkunde war damals Teil der Medizin. Zu den Anliegen von Leonhart Fuchs und letztlich zu seiner Errungenschaft gehörte auch die Verbesserung des botanischen Unterrichts. Er ging mit seinen Studenten hinaus in die Natur um das Aussehen der Pflanzen auf den Feldern und Wiesen der Umgebung zu studieren. Sprich: er war der erste Professor, der botanische Exkursionen in die Tat umsetzte.

Ein unvollendetes Manuskript eines Arzneipflanzenbuchs brachte er bereits aus Ansbach mit, wo er zuvor Leibarzt des Markgrafen Georg dem Frommen war. Vermutlich hat er aber erst in Tübingen mit der Illustration der Ausgabe begonnen, als er die Maler Heinrich Füllmaurer und Albrecht Meyer kennenlernte. Diese lateinische Ausgabe mit dem Titel „De historia stirpium commentarii insignes“ erschien daraufhin im Jahr 1542, umfasste mehr als 900 Seiten und war für die ärztliche Praxis gedacht. Die 511 Pflanzendarstellungen hatte der Holzschnitt-Schnitzer Veyt Rudolff Speckle auf Holzplatten für den Druck vorbereitet.

Nur ein Jahr später hatte Fuchs sein Buch für ein breiteres Publikum überarbeitet, indem er zahlreiche wissenschaftliche Ansätze weggelassen, die Texte ins Deutsche übersetzt und - für den Laien wichtig und verständlich - sein Augenmerk auf das Erkennen und Finden der Pflanzen gerichtet hat. Für die Pflanzendarstellungen wurden die Holzschnitte der ersten lateinischen Ausgabe verwendet und um weitere sechs erweitert. Die beiden Maler haben echte Pflanzen abgezeichnet, die Fuchs gesammelt hatte oder die in seinem botanischen Garten am Nonnenhaus wuchsen. Teilweise wurden auch antike Quellen wie die des Dioskurides und Plinius als Vorlage benutzt. Die Zeichnungen haben Füllmaurer und Meyer aquarelliert und als Vorlage für die Übertragung auf Holztafeln verwendet, in die der Formschneider Speckle die Pflanzendarstellung dann so aus dem Holz herausarbeitete, dass die Zeichnung erhaben auf der „Kräuterbuchtafel“ stehen blieb. So konnten die Zeichnungen im Hochdruckverfahren vervielfältigt werden.

An der Universitätsbibliothek Tübingen gibt es zwei Exemplare des „New Kreuterbuch“. Eines stammt aus der Bibliothek von Professor Autenrieth, das andere wurde erst vor wenigen Jahren erworben und enthält handschriftlich eingetragene Rezepte. Beide Exemplare sind nicht koloriert. Hier vorliegend sehen wir die Faksimile-Ausgabe aus dem Jahr 1938. Das handkolorierte Exemplar aus der Privatbibliothek von Leonhart Fuchs, das vollständig digitalisiert ist, befindet sich in der Stadtbibliothek Ulm.

Die „Kräuterbuchtafeln“ fanden ihr eigenes Schicksal. Bis 1853 befanden sich 196 dieser Tafeln aus Birnbaumholz in der Universitätsbibliothek, im Jahr 1899 dann nur noch 185. Diese wurden an das Botanische Institut gegeben, vermutlich aus Platzmangel. Leider geriet dann in Vergessenheit, woher die Tafeln stammten, so dass sie während der Inflation zum größten Teil verkauft und abgehobelt wurden. Heute existieren noch 23 „Kräuterbuchtafeln“ im Herbarium Tubingense, nachdem man sie in den 1960ern als Dachbodenfund gerettet hat.

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