Center for Interdisciplinary and Intercultural Studies

„Zwischen“
Über die Erfahrung der interkulturellen Situation

Ein phänomenologischer Beitrag zur Interkulturalität

Es gibt im Moment über die Ansätze zur Weltphilosophie und die kulturwissenschaftlichen Beiträge zur Identität in der globalisierten Welt hinaus ein steigendes Interesse an der interkulturellen Annährung an Philosophie (komparative Philosophie, Lehre der ostasiatischen, indischen und islamischen Philosophie an den europäischen Universitäten) und aufblühende Forschung zum Postkolonialismus und zur Dekolonisierung des Denkens. Diese Sachlage veranlasst eine philosophische Reflexion über die Interkulturalität als einen Aspekt der Weltphilosophie in phänomenologischer Hinsicht. Mein Anliegen in diesem Aufsatz besteht darin:

  1. den Fokus explizit auf das durch die Philosophie bisher wenig erforschte Erfahrungsfeld der Interkulturalität zu legen und ihre Modalität der Sinnbildung – mit Ausdrucksformen wie dem Denken der Nicht-Identität und dem nomadischen Denken - herauszustellen;
  2. eine Kritik an verfehlten Ansätzen zu entwickeln, die das sinnstiftende Potenzial der Erfahrung der Interkulturalität nicht wahrnehmen;
  3. einen phänomenologischen Beitrag zur interkulturellen Identität zu leisten.

Unter der Interkulturalität verstehe ich phänomenologisch eine Situation, in der das Subjekt seine Identität in einer heterogenen symbolischen Doppel- oder Mehrfach-Referenz strukturiert, ohne ein kulturelles Referenzsystem auf das andere reduzieren zu können. Die Phänomenologie der Interkulturalität zielt darauf ab, diese kulturelle Heterogenität als Erfahrung der Unstimmigkeit zu erforschen. Der Akzent wird somit von der Interkulturalität als einer Herangehensweise an die Philosophie (z.B. komparative Philosophie, Interkulturalität als Methodenbegriff in den Geisteswissenschaften, Philosophie und Globalisierung) zur interkulturellen Situation als einem Moment der Philosophie selbst verschoben. Die interkulturelle Situation wird auf diese Weise zu einer Grenzsituation und öffnet einen „Zwischenbereich“ (Inter-), der ins Zentrum der philosophischen Betrachtung gestellt werden muss.

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