Center for Interdisciplinary and Intercultural Studies

Sommerakademie 2007

Unter dem Titel "Globalisierung – Kulturen – Wissenschaft" lud das FORUM SCIENTIARUM 20 ausgewählte Studierende aus verschiedensten Fachrichtungen vom 23. - 25. Juli 2007 zu einer Sommerakademie ein. In der anregenden Atmosphäre des Evangelischen Stifts Bad Urach diskutierten die Dozenten Professor Joachim Starbatty, Ökonomie, Professor Jürgen Wertheimer, Germanistik, und Professor Georg Wieland, Philosophie und Kath. Theologie, mit den Teilnehmern verschiedene Aspekte der Globalisierung. Die Sommerakademie fand zeitlich und thematisch im Anschluss an die von Professor Starbatty und Professor Wertheimer initiierte Expertentagung "Globalisierung und Kultur(en)" auf der Insel Reichenau statt.

Im ersten Themenblock widmete sich Professor Wieland der Rolle der Wissenschaften in der Globalisierung, wobei er darunter in erster Linie die Naturwissenschaften verstand. Er stellte die Arbeit des Wissenschaftlers als Möglichkeit dar, in eine Distanz zu den Bedingungen des eigenen Lebens- und Kulturkreises zu treten, ohne dabei die eigene Identität aufgeben zu müssen. Wissenschaft könne somit zu einem besseren Verständnis der eigenen Lebenssituation beitragen, wogegen es die Domäne der Kultur sei, Antworten auf existentielle Fragen zu geben. Zwischen beiden bestehe ein koordiniertes Wechselspiel.

Aus der Perspektive der Kultur näherte sich Professor Wertheimer dem Thema Globalisierung. Nach seiner Auffassung führt die Vielfalt der heute verfügbaren Kulturen zur Ausbildung einer plurikulturellen Identität jedes Individuums. Das Konzept eines Clash of Civilizations greife daher viel zu kurz; der Kontakt zwischen den verschiedenen Kulturen ergebe vielmehr ein produktives Mischungsverhältnis. Analog zur freien Marktwirtschaft gebe es auch eine freie Gedankenwirtschaft, in der unterschiedliche kulturelle Konzepte verbreitet werden.

Professor Starbatty stellte die Frage, ob eine globalisierte Welt auch einen globalen Friedensstifter benötigt. Nach seiner Auffassung ist die Globalisierung in erster Linie von wirtschaftlichen Interessen getrieben, wobei sich die Wirtschaft nur dort entfalten könne, wo Rechts- und Planungssicherheit herrschen. Daher sei anzunehmen, dass das Bestreben, diese Interessen durchzusetzen, in einem eigendynamischen Prozess zur Etablierung von reglementierenden Institutionen und damit von Frieden führen werde.

In eine andere Richtung ging ein Vortrag von Peter Kuhfus vom Seminar für Sinologie. Nach seiner Darstellung gibt es in der chinesischen Politik Bestrebungen, die weltweite Wahrnehmung der chinesischen Kultur gezielt in Richtung einer "Kultur der Harmonie" zu steuern, um mit Hilfe dieses Bildes eigene Interessen besser durchsetzen zu können.

Als Abschluss und Zusammenfassung der Sommerakademie erarbeiteten die Teilnehmer eigene Präsentationen, wobei sie einzelne Aspekte aus den Vorträgen der Dozenten aufgriffen und vertieften. Besonders deutlich wurde dabei noch einmal, dass die Globalisierung nicht auf ökonomische Prozesse reduzierbar ist. Neben Fragen nach der Rolle der Kultur spielen dabei auch Fragen zur globalen Ökologie eine bedeutende Rolle.