Tourismus

Kulturökologische und ökopoetische Perspektiven von Literatur, Kultur und Film vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart

Workshop in Zusammenarbeit mit dem von der Alexander von Humboldt Stiftung angeregten und geförderten Netzwerk Transatlantic Perspectives in the Environmental Humanities environmental-humanities-network.org

Prof. Dr. Barbara Thums, Deutsches Seminar, Universität Tübingen
Prof. Dr. Sabine Wilke, German Department, University of Washington

1. und 2. Juni 2013

Programm 

Das schwierige Verhältnis zwischen Natur und Kultur sowie problematische Mensch-Umwelt-Beziehungen sind im Kontext der Environmental Humanities mittlerweile zu einem zentralen Untersuchungsgegenstand geworden. Die Auseinandersetzung mit den Kategorien 'Raum' und 'Raumwahrnehmung' hat sich im Kontext des "spatial turn" bzw. der "topgraphischen Wende" in den Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaften bereits zu einem vielfältig ausdifferenzierten Forschungsfeld entwickelt, ohne dass ein allzu nahes Ende abzusehen wäre. Dies gilt auch insofern, als eine Verknüpfung dieser beiden Forschungsfelder immer noch zu neuen Fragen anregt und bislang wenig berücksichtigte Forschungsperspektiven eröffnet. In diesem Horizont scheint es besonders lohnenswert, den literarischen Auseinandersetzungen mit dem Phänomen Tourismus intensivere Aufmerksamkeit zu schenken, zumal die Entstehung des Tourismus im 19. Jahrhundert u.a. auch im Zeichen einer forcierten Industrialisierung sowie einer ersten Globalisierungsphase mit der Entstehung erster Umweltromane - d.h. nicht zuletzt mit dem Aufkommen einer die gestörten Mensch-Umweltbeziehungen und die Beschleunigungsphänomene der Moderne kritisch beobachtenden Literatur - zusammenfällt. So erweist sich auch die Frage danach, wie das Verhältnis von Natur und Kultur oder auch das Verhältnis von Heimat und Fremde im Kontext des Tourismus zu bestimmen ist als äußerst schwierig, ist doch der frühe Tourismus anders als der globalisierte Massentourismus von heute weniger von einer Exotik der Ferne als vielmehr von einer Exotik der Nähe geprägt. Auch wenn der von Haeckel erstmals verwendete Begriff 'Ökologie' erst um 1900 zur Verfügung steht, setzt sich bereits die Literatur des 19. Jahrhunderts mit ökologischen Folgen des Tourismus wie Landschaftszersiedelung und -zerstörung, Wasser- und Luftverschmutzung, Tier- und Pflanzengefährdung, Abfall, 'Bausünden' durch Grandhotels, Zerfall dörflicher Gemeinschaften und traditioneller Strukturen oder mit dem Ungleichgewicht des Naturhaushaltes auseinander. In dieser Perspektive lassen sich auch die um 1900 entstehende und im literarischen Feld relevante Heimat- und Naturschutzbewegung als Zeichen einer frühen Sensibilisierung für die Schattenseiten des Tourismus verstehen. Ausgehend davon verfolgt der Workshop die Austauschbeziehungen zwischen Literatur, Kultur, Film, Tourismus und Ökologie vom 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart.