China Centrum Tübingen (CCT)

Wirtschaftsethik in China: Theorie und Praxis

Unter der Leitung von Jun.-Prof. Dr. Matthias Niedenführ (Vizedirektor des CCT) untersucht dieses Projekt ethische Normen in ihrer Anwendung auf die Unternehmenswelt des heutigen China. Bei der Analyse der theoretischen Diskurse der Wirtschaftsethik interessiert uns nicht nur deren Inhalt, sondern auch, wie sie auf institutioneller und individueller Ebene in der Praxis umgesetzt werden.

Besonderes Augenmerk wird dabei auf die Interaktion zwischen „westlichen“ Konzepten, die in den letzten Jahren in China rezipiert, verbreitet und an die heimische Situation angepasst worden sind und indigenen chinesischen Ansätzen wie dem "konfuzianischen Unternehmer" (rushang). Dieser Ansatz versucht, traditionelles konfuzianisches Denken und wirtschaftliches Profitstreben mit der Argumentation in Einklang zu bringen, dass Geschäftserfolg auch einen Nutzen für die Gemeinschaft bringen kann.

Durch Kombination von Diskursanalysen mit qualitativen Interviews, wird die Rolle von Top-Down-Vorstellungen zu individuellen Rollen von Unternehmern und sozialer Verantwortung von Unternehmen untersucht, weiterhin die Mittel, mit denen diese Ideen verbreitet werden und die Mechanismen, welche von institutionellen und individuellen Akteuren für die Definition und die Durchsetzung von „erwünschtem“ Verhalten genutzt werden. Diese wiederum werden mit Bottom-Up-Vorstellungen und praktischer Beispielen ethisch-verantwortlicher Geschäftstätigkeit verglichen, um zu ermitteln, wo und inwieweit diese übereinstimmen, sich widersprechen und welche Werte sich im Konfliktfall durchsetzen.

Auf diese Weise wollen wir Aufschluss geben über die Werte und Handlungsweisen chinesischer Unternehmen und im gleichen Zuge gegenseitiges Verständnis und Engagement ausländischer und chinesischer Unternehmen fördern.