COLLEGE OF FELLOWS
Center for Interdisciplinary and Intercultural Studies

Das College of Fellows (CoF) ist das Tübinger Modell eines universitätsbasierten Institute for Advanced Studies. Es richtet sich an alle internationalen Postdoktorand:innen und Research Fellows an der Universität Tübingen. Als Forschungs-, Vernetzungs- und Veranstaltungsplattform lädt das CoF zudem alle Universitätsangehörigen dazu ein, den internationalen und interdisziplinären Austausch innerhalb der Universität und mit der Öffentlichkeit aktiv mitzugestalten.
Weitere Informationen zum College of Fellows

Alle aktuellen Veranstaltungen

14. Dezember 2022: Humboldt Lecture mit Prof. Dr. Sabine Wilke und Dr. Qi Li

15. Dezember 2022: GIP Lecture mit Dr. Aurélie Névot 

16. Dezember 2022: Global Encounters Lecture mit Dr. Salah Punathil

Aktuelle Ausschreibungen

Call for Applications

Postdoctoral Research Fellowships in Intercultural Studies

Am College of Fellows sind aktuell Forschungsstipendien für Postdocs mit Bezug zu Intercultural Studies ausgeschrieben, die bei Bewerbung mindestens zwei Jahre akademisch außerhalb Deutschlands tätig waren.  Bewerbungen werden jederzeit angenommen, die Stipendien können bis zu zwölf Monate in Anspruch genommen werden. 
Die Ausschreibung mit detaillierten Informationen finden Sie hier.  

Rückblick

4. November 2022: Semestereröffnung

"Global Challenges - The Role of Institutes of Advanced Studies"

Am 4. November 2022 lud das College of Fellows alle internationalen Gastwissenschaftler*innen und Postdocs der Universität Tübingen und alle Interessierten in die Alte Aula ein, um das College of Fellows kennenzulernen, Sie sich über Möglichkeiten zu informieren, sich am CoF aktiv einzubringen und die Gelegenheit zu nutzen, sich mit anderen internationalen Wissenschaftler*innen an der Universität Tübingen zu vernetzen.

Im Anschluss an einen Impuls-Vortrag von Professor Alexander Easton (Direktor des IAS, Universität Durham) waren die Teilnehmenden eingeladen zu einer gemeinsamen Diskussion über die Chancen des interdisziplinären und internationalen Austauschs und zu einem informellen Kennenlernen bei einem kleinen "Get together" in der Alten Aula. 


28.-29. September 2022: Postdoc Days 2022

Bei den Postdoc Days 2022 war das College of Fellows beteiligt und hat die Teilnehmenden über die Arbeit und Rolle des College of Fellows als universitätsbasiertes Institute for Advanced Studies informiert.

Die Graduiertenakademie und die Forschungsförderung haben in Kooperation mit den Fakultäten und zentralen Beratungsstellen ein vielfältiges Programm mit Angeboten in Präsenz und online zusammengestellt. Das CoF war bei dem "Get together" in der Alten Aula am 28. September mit einem Informationsstand dabei.


CIN Dialogue 2022

Der CIN Dialogue 2022 fand am 07.07.2022 statt unter dem Titel "Love in Culture and the Brain". Prof. Dr. Eva Illouz und Prof. Dr. Larry Young führten ein von Dr. Alison Abbott moderiertes Gespräch.

Broschüre des CIN Dialogue 2022 zum Download hier.

Einen Bericht zur Veranstaltung im "Schwäbischen Tagblatt" finden Sie hier.

Prof. Dr. Eva Illouz und Prof. Dr. Larry Young: Love in Culture and the Brain

07.07.2022 - Prof. Dr. Eva Illouz und Prof. Dr. Larry Young

Abstract
Das Konzept der „Liebe“ und romantische Beziehungen sind nicht nur Gegenstand psychologischer und soziologischer, sondern auch neurowissenschaftlicher Forschung. Die Neurowissenschaften erforschen die neurobiologischen und genetischen Grundlagen der Liebe und der Mechanismen, auf denen unser Sozialverhalten beruht. Neurowissenschaftler*innen behaupten sogar, dass die neurologische Fundierung der Liebe eines der Phänomene ist, die am besten verstanden sind. Aus beiden disziplinären Perspektiven, der Soziologie und der Neurowissenschaft, können wir also aktuelle Antworten auf die Frage erwarten, wie eine angemessen komplexe Beschreibung des Konzepts „Liebe“ aussehen kann.

Was also ist „Liebe“, und was bedeuten Liebe und Partnerschaft heute? Können wir uns für die Liebe entscheiden, oder sind wir Opfer der Liebe? Sind romantische und elterliche Liebe unterschiedlich zu beschreiben? Gibt es einen kulturellen Einfluss auf die Liebe selbst, oder nur auf die Art und Weise, wie wir sie suchen und zeigen? Wie hat sich das Konzept der Liebe in den letzten Jahren verändert – insbesondere im Zeitalter des Internets, in dem Dating-Plattformen zu einem zentralen Ort für die Anbahnung romantischer Kontakte geworden sind? Lassen sich soziologische Befunde, die einen Wandel von Liebeskonzepten konstatieren, mit unterschiedlichen Arten der neuronalen Verarbeitung in Verbindung bringen? Warum unterscheiden sich Individuen in ihrer Bindung an einen Partner? Wie stark ist der genetische Einfluss auf die Liebesfähigkeit eines Individuums? Wie stark wirkt sich die Lebenserfahrung auf die Liebesfähigkeit eines Menschen aus? Und können Neurowissenschaftler*innen und Soziolog*innen voneinander lernen, wonach sie suchen sollten, wenn sie erforschen, was Liebe heute bedeutet?

Dies sind einige der Fragen, die wir mit der Soziologin Eva Illouz und dem Neurowissenschaftler Larry Young diskutieren werden. Das Gespräch wird von der Wissenschaftsjournalistin Alison Abbott (Nature) moderiert.

Bio:
Eva Illouz ist Professorin für Soziologie an der Hebräischen Universität Jerusalem und Directrice d'études an der École des hautes études en sciences sociales (EHESS) in Paris. Ihre Forschungsschwerpunkte sind die Soziologie der Kultur, der Geschlechter, des Kapitalismus sowie die Geschichte und Soziologie der Emotionen. In ihrer Arbeit untersucht sie bedeutende und anregende Themen wie die Art und Weise, in der die öffentliche Kultur und der Kapitalismus das Gefühlsleben prägen, die Kommerzialisierung der Romantik und die Bedeutung von Freiheit, Wahlmöglichkeiten und Individualismus in der modernen Welt. In mehreren Büchern, die in 25 Sprachen übersetzt wurden, hat sie sich mit der wirtschaftlichen Durchdringung des Gefühlslebens befasst. Illouz war Gastprofessorin in Princeton, Bielefeld und Zürich und hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Anneliese Meier-Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung für exzellente Forschung und den EMET-Preis für Sozialwissenschaften. Die Zeit wählte sie zu einer der 12 Intellektuellen, die das Denken der Zukunft prägen werden. Im Jahr 2022 ist sie Albertus-Magnus-Professorin an der Universität zu Köln.

Larry Young ist Direktor des Center for Translational Social Neuroscience (CTSN) und des Silvio O. Conte Center for Oxytocin and Social Cognition an der Emory University. Er leitet die Abteilung für Verhaltensneurowissenschaften und psychiatrische Störungen am Emory National Primate Center, ist William P. Timmie Professor für Psychiatrie an der Emory School of Medicine und leitet das Center for Social Neural Networks an der Universität von Tsukuba in Japan. Youngs Forschung befasst sich mit den genetischen, zellulären und neurobiologischen Mechanismen, die Beziehungen zugrunde liegen und das Sozialverhalten, einschließlich der sozialen Kognition und Bindung, regulieren. Er verfolgt einen multidisziplinären, vergleichenden neuroethologischen Ansatz und hat ein umfassendes genetisches Konzept sowie ein neuronales Modell der sozialen Bindung entwickelt, das viele Merkmale mit der Sucht teilt. Young hat die Rolle der Neuropeptide Oxytocin und Vasopressin bei der Regulierung der neuronalen Verarbeitung sozialer Signale identifiziert und versucht, soziale Bindung und Empathie zu vermitteln. Youngs Labor nutzt dieses grundlegende Verständnis der sozialen Kognition, um neue Medikamente zur Behandlung psychiatrischer Störungen zu finden, die durch eine Störung der sozialen Kognition gekennzeichnet sind, einschließlich Autismus-Spektrum-Störungen. Young ist ehemaliger Präsident der internationalen Society for Social Neuroscience (S4SN) und seit 2014 Fellow der American Academy of Arts and Sciences. Im Jahr 2012 wurde er vom American College of Neuropsychopharmacology mit dem Daniel H. Efron Award for Excellence in Research in Neuropsychopharmacology ausgezeichnet.

Alison Abbott promovierte in Pharmakologie an der Universität von Leeds. Nach einem Forschungsaufenthalt als Postdoktorandin war sie sieben Jahre lang Redakteurin von Trends in Pharmacological Sciences. Von 2014 bis 2018 war Abbott Vorsitzende des FENS-Kommunikationsausschusses. Für ihre Arbeit hat sie zahlreiche Auszeichnungen erhalten, darunter den Euroscience Science Writers Award (2009), den Medical Journalists Association Award (2015) und den ABSW Science Journalist of the Year Award (2018).


Summer Lecture 2022

On 1 June 2022, French anthropologist Professor Philippe Descola held the Summer Lecture 2022 “The multiple births of naturalism”, organised by the College of Fellows at the University of Tübingen. Descola’s lecture gave a profound, detailed, and concise insight into his comparative anthropological research, which focuses on the description of four major ontologies – animism, totemism, analogism, and naturalism – and their lifeworldly basis which he describes with the term ‘worlding’.

You find further information about this years summer lecture as well as first impressions in the following:

Professor Philippe Descola: “The multiple births of naturalism”

In his lecture, Descola focused on the "multiple births” of naturalism, pointing towards aspects of naturalistic thinking inherent already in ancient thought. At the same time, he sketched the unique historical emergence of naturalism in modern (natural) science as a way of tackling the rich yet ‘chaotic’ relations of analogism. While outlining differences between the ontologies, Descola also touched upon common features. In particular, he highlighted transitions between analogist and naturalist knowledge, which both share the notion that singularities can be linked in networks of multiple relationships, as mixed entities with intrinsic differences. He thus provided a framework both for understanding the emergence of scientific thought in Europe as one decisive form of worlding, as well as for an understanding of naturalism’s formative influences on the world in which we live today. Even if Descola rejects an all too simple alternative, as to think of a way out of the naturalist mode of worlding, his comparative insights call for a rethinking of strict dichotomies within the ontology of naturalism, especially those of nature and culture, and of humans and non-humans.

Descola’s well-attended Summer Lecture was the first large event organised by the College of Fellows, officially inaugurated in April 2022 as a platform for interdisciplinary research and networking among international research fellows at the University of Tübingen. The lecture was accompanied by a five-day workshop (30 May – 3 June) for international PhD students, who discussed Descola’s work with him, and explored its theoretical applications and stimulating potentials in their own contributions across several desciplines. Both events have been part of the activities of the Focus Group “Interdisciplinary Anthropology” at the College of Fellows.

You can find more information here.

Impressionen


Feierliche Eröffnung am 28. April 2022

Am 28. April wurde das College of Fellows offiziell eingeweiht. Vizepräsidentin Scheer hob in ihrer Eröffnungsrede hervor, dass die Universität Tübingen mit der Gründung des College of Fellows ihren vielen herausragenden internationalen Gastwissenschaftlerinnen und Gastwissenschaftlern eine akademische Heimat bietet. Dies, so Professor Scheer, werde die Sichtbarkeit der internationalen Gäste deutlich erhöhen.

Weitere Infos zur Eröffnungsfeier sowie erste Impressionen finden Sie hier:

Eröffnungsfeier

Prorektorin Scheer betonte, dass das College of Fellows die Idee der klassischen Institute for Advanced Studies insofern adaptiert, als es sich speziell an Gastwissenschaftler*innen richtet, die aus dem Ausland nach Tübingen kommen. Außerdem liegt der Fokus insbesondere auf Forschende auf Postdoc-Ebene. Scheer rief alle Mitglieder der Universität auf, sich in die Arbeit des College of Fellows einzubringen und an den Veranstaltungen teilzunehmen. 

Dr. Weidtmann, der zum Gründungsdirektor des College of Fellows ernannt wurde, betonte die interdisziplinäre und globale Ausrichtung der Institution. Nach seinen Vorstellungen soll das College of Fellows einen interdisziplinären Austausch über global drängende Fragen ermöglichen und nach neuen Antworten suchen. Auf diese Weise könnte das College of Fellows auch Impulse für die Universität und die Gesellschaft geben.

Die Keynote hielt Frau Professor Garsten, Rektorin des Swedish Collegium for Advanced Studies. Sie erinnerte an die Gründungsidee der Institutes for Advanced Studies, von denen das erste 1930 an der Princeton University gegründet wurde, forderte aber auch die Bereitschaft zur Veränderung. Wer die Idee der IAS am Leben erhalten will, muss bereit sein, seine Strukturen ständig weiterzuentwickeln. Sie verglich das Konzept der IAS mit dem der politischen Think Tanks. Beides seien Orte, an denen führende Köpfe aus Wissenschaft bzw. Politik zusammenkämen, um entscheidende Impulse für ihre jeweiligen Bereiche zu geben. Anlässlich der feierlichen Eröffnung des College of Fellows waren im ehrwürdigen "Großen Senat" moderne Jazzklänge zu hören, sehr zur Freude des großen Publikums.