Forum Scientiarum

Human Enhancement – auf dem Weg zum neuen Menschen?

Anthropologische und ethische Perspektiven auf biologische und technische Möglichkeiten

Human Enhancement: toward a new kind of human being?
Anthropological and ethical perspectives on biological and technical possibilities

Interdisziplinärer Doktorandenworkshop

15. und 16. Januar 2016

Organisation: Katrin E. Lörch-Merkle and Albert H. van der Veer

Thema
Als Natur-Kulturwesen verändert der Mensch sich selbst und seine Umwelt seit jeher und strebt dabei nach der steten Verbesserung seiner Fähigkeiten und spezifischen Eigenschaften. Durch die rasant zunehmenden Optionen der Biotechnologien direkt modifizierend in den Organismus einzugreifen, werden die klassischen Arten der Selbstformung allerdings bei weitem übertroffen und Ethik und Anthropologie mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Bereits mögliche oder zumindest antizipierte biotechnische Interventionen zielen auf invasive Potenzierung der grundlegenden physischen und psychischen Dispositionen. Diese Praktiken des Human Enhancements sind bereits seit einiger Zeit Gegenstand einer kontroversen fachlichen und gesellschaftlichen Debatte, wobei sich laut dem österreichischen Philosophen Konrad Paul Liessmann „Menschsein nur noch als offenes Projekt beschreiben lässt.“

Aufgrund ihres Eingriffsortes und ihrer Eingriffstiefe sind es besonders die Verfahren des Neuro-Enhancements, die ein großes Unbehagen evozieren, insofern sie unsere allgemeine Auffassung personaler Integrität in besonderer Weise zu verändern scheinen und damit unmittelbar unser Selbstverständnis tangieren. Die ethischen Empfehlungen für eine Praxis des Umgangs mit dem Phänomen Human Enhancement basierten lange hauptsächlich auf rechtlichen, medizinischen und sozialen Abwägungen. Eingedenk des moralischen Pluralismus und um der Brisanz der Problematik des Enhancements in ihrer Komplexität gerecht zu werden ist es aber notwendig, die ganze Bandbreite der anthropologischen und moralphilosophischen Theorien zu berücksichtigen. So wünschen sich viele derjenigen, die im Rahmen ihrer praktischen oder wissenschaftlichen Tätigkeit mit dem Spektrum des Human Enhancements konfrontiert sind, Erwägungen die gerade nicht nur von gesellschaftlichen Konventionen, rechtlichen Übereinkünften oder empirischen Daten geprägt sind, dafür aber in stärkerem Maße unsere moralischen Überzeugungen und unsere Menschenbilder in Betracht ziehen und explizieren. Die zunehmende Steuerbarkeit menschlichen Lebens soll daher zum Anlass genommen werden, unseren basalen moralischen Überzeugungen und ihre Verbindungen mit anthropologischen Theorien nachzugehen und fachübergreifend zu bedenken.

Gerade die mit Eingriffen ins Nervensystem einhergehenden Techniken des Neuro-Enhancements dienen dabei aufgrund ihrer weitreichenden Konsequenz für unser Selbst-Verständnis als Personen und das, was wir als solche für wertvoll erachten, als konkretes Anwendungsbeispiel für diese Fortsetzung der interdisziplinären Reflexion. Denn sie konfrontieren uns mit der fundamentalen Frage danach, wie wir uns zukünftig als menschliche Wesen verstehen wollen und führen uns zu weiteren Diskussionen über die Grundlagen und Bedingungen von Personalität und die Voraussetzungen und Möglichkeiten für autonomes und selbstverantwortliches Handeln.

Keynote Speakers:
* Prof. Dr. Jens Clausen
* Prof. Dr. Marcus Düwell
* Dr. Reinoud de Jongh
* Prof. Dr. Karl-Siegbert Rehberg
* Prof. Dr. Stephan Schleim