Uni-Tübingen

Digitale Prüfungen Sommersemester 2020

Die folgenden Informationen werden regelmäßig aktualisiert und ergänzt.

Rechtliche Grundlage

Um einen verlässlichen Studienbetrieb zu gewährleisten, hat die Universität Tübingen eine Satzung erlassen, die die bestehenden Studien- und Prüfungsordnungen der Studiengänge der Universität ergänzt und die Durchführung von Prüfungen in geeigneter elektronischer Form ermöglicht – mindestens für die Dauer des Sommersemesters 2020.

Satzung für Lehre und Prüfung SoSe 2020 (Stand: 27.04.2020) 

Übersicht zu den neuen Regelungen der Satzung für Lehre und Prüfung

Handreichung der Landesrektorenkonferenz (LRK): Wie ermöglichen wir das Prüfen in der Corona-Krise? (Stand: 28.04.2020)

Auf dieser Seite wollen wir Sie informieren, wie Sie elektronische Prüfungen ordnungsgemäß durchführen können. Wir haben mit der Satzung zur Erweiterung aller Studien- und Prüfungsordnungen an der Universität Tübingen zum Umgang mit der Corona-Pandemie (Satzung für Lehre und Prüfung SoSe 2020) den Grundstein dafür gelegt, in der Krise so flexibel wie möglich zu sein. Prüfungsformen können demnach gewechselt werden, wenn die Durchführung einer Prüfung dadurch ermöglicht wird. Insbesondere können elektronische Hilfsmittel dabei zum Einsatz kommen. Dies gibt uns als Universität auch die Möglichkeit, neue Wege zu beschreiten und neuartige Prüfungsformen unter Einsatz moderner Technik zeitgemäß einzusetzen.

Folgende Punkte gilt es bei der Durchführung elektronischer Prüfungen zu beachten:

Grundsatz der Chancengleichheit

Natürlich müssen auch bei der Durchführung elektronischer Prüfungen die rechtlichen Grundsätze eines fairen Prüfungsverfahrens eingehalten werden. Es ist dies insbesondere der Grundsatz der Chancengleichheit.  So soll nach Möglichkeit allen Studierenden die Möglichkeit eingeräumt werden, an diesen neuartigen Prüfungen teilzunehmen. Für diejenigen, die nicht daran teilnehmen können, sollen Ersatzangebote bereitgestellt werden. Darüber hinaus muss die Teilnahme an elektronischen Prüfungen grundsätzlich freiwillig bleiben. Demjenigen, der nicht geprüft werden kann oder sich nicht elektronisch prüfen lassen möchte, darf daraus kein Nachteil in Form des Verlusts eines Prüfungsanspruchs entstehen. Studierende müssen außerdem die Gelegenheit erhalten, die im Kontext der Prüfungsleistungen genutzten Systeme vorher kennenzulernen und auszuprobieren.

Identitätskontrolle

Um ein faires Verfahren zu garantieren, muss die Möglichkeit, zu täuschen, so weit wie möglich minimiert werden. Hierfür ist eine Identitätskontrolle der geprüften Personen zwingend notwendig. Bei mündlichen Prüfungen über Video etwa kann diese dadurch erfolgen, dass die geprüfte Person einen Lichtbildausweis vor die Webcam hält. Schriftlichen Aufgaben sollten über ILIAS und Moodle und somit über den personalisierten Zugang der jeweils geprüften studierenden Person (Uni-Email-Adresse und Passwort) eingereicht werden. Weitere Identifikationsinstrumente (Stichwort: „proctered exams“) sind derzeit nicht vorgesehen.

Hilfsmittel & Datenschutz

Darüber hinaus bieten sich Prüfungsformen an, bei denen Hilfsmittel entweder nicht gewinnbringend eingesetzt werden können (vor allem mündliche Prüfungen) oder aber umfassend zugelassen sind (Hausarbeiten oder Open Book Exams). Außerdem müssen entsprechende Erklärungen dazu abgegeben werden, dass die Leistungen eigenständig erbracht wurden ( s. Vorlagen Hilfsmittelerklärung). In allen Prüfungen, die unter Einsatz elektronischer Übertragungswege stattfinden, müssen zudem die datenschutzrechtlichen Vorgaben beachtet werden.

Vorlage Datenschutzerklärung
LINK:
Vorlage Datenschutzerklärung (noch in Bearbeitung)

Vorlagen Hilfsmittelerklärung
Muster Erklärung zur elektronischen schriftlichen Prüfung
Erklärung zur elektronischen mündlichen Prüfung


Welche Plattformen dürfen für elektronische Prüfungsleistungen benutzt werden?

Für schriftliche Prüfungsleistungen:

  • ILIAS
  • Moodle

Für mündliche Prüfungen:

Die genannten Systeme entsprechen den datenschutzrechtlichen Vorgaben.


Allgemeine Hinweise zur Didaktik und Umsetzung

Eine Reihe bereits bekannter Prüfungsformen wird nun stärker in den digitalen Kontext eingebunden, so z.B. Hausarbeiten, Übersetzungen oder Essays.

Ziele, Kompetenzen, Bewertungskriterien
Für nun neue oder ungewohnte Formen gilt es für Sie als Lehrende zum einen zu überprüfen, welche Ziele und Kompetenzen Sie damit adressieren und zum zweiten Bewertungskriterien festzulegen und transparent zu machen. Wichtig ist an dieser Stelle auch die Überlegung, wie die Studierenden Feedback erhalten und welcher Aufwand mit Korrekturen und Feedback verbunden ist.

Formulierung der Aufgaben und Einführung in technische Bedienung
Grundsätzlich ist auf eine klare Formulierung der Aufgabenstellungen zu achten und ebenso darauf, dass die Studierenden eine Einführung in die technische Bedienung der zu benutzenden Tools erhalten.

Zeitliche Fristen
Bei schriftlichen Prüfungsleistungen können Sie über die Plattformen zeitliche Fristen setzen. Dabei können Sie unterschiedlich lange Zeiträume für die Bearbeitung einer Leistung vorsehen. Je individueller die Aufgabenstellung ist, umso länger kann der Bearbeitungszeitraum sein (da der Nutzen des Austauschs mit anderen Studierenden gering ist). Technische Probleme sind an dieser Stelle von geringerer Bedeutung, da die Systeme nur für einen kurzen Down- bzw. Upload innerhalb einer längeren Zeitspanne benötigt werden.


Mögliche schriftliche digitale Prüfungsleistungen

Die Liste der Beispiele beinhaltet Alternativen zu Klausur und Hausarbeit, die gut digital umgesetzt werden können. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird noch weiter ergänzt. Bitte achten Sie darauf, dass die Studierenden jeweils die Erklärung zur elektronischen schriftlichen Prüfung mit abgeben (s.o. Hilfsmittel & Datenschutz).

Essays, Rezensionen, Übersetzungen, Aufgaben

Für solche Aufgaben kann in ILIAS/Moodle die Übung bzw. Einreichungsaufgabe genutzt werden. Sie können die Einreichung mit einer Frist versehen.

Was die konkreten Fragestellungen anbelangt, gibt es viele Möglichkeiten: Zusammenfassung zur Literatur, Kritischer Kommentar zu einer These, erste Schritte zu einer Forschungsthese, Herausgreifen eines Satzes/eines Schlüsselwortes, das kommentiert werden muss … Wichtig ist die Festlegung einer Zeichenzahl zur Orientierung oder als konkrete Mindest- oder Maximalzahl.

Was die Rückmeldung an die Studierenden anbelangt, so kann diese direkt über das System erfolgen. Neben individuellem Feedback ist auch zusätzlich Peer Feedback möglich, die Zuteilung läuft dabei automatisiert und zufällig (ILIAS). Peer Feedback braucht allerdings eine gewisse Einführung, es hat sich jedoch gezeigt, dass Studierende hier sehr viel mitnehmen. Außerdem könnten Sie als Rückmeldung eine Musterlösung zur Verfügung stellen.

Solche Aufgaben können als „kleine“ Aufgaben mehrfach gestellt werden, um so auch den Lernprozess zu begleiten und zu unterstützen. Mit mehrfachen Einreichungen im Lauf eines Semesters können Sie zudem gewährleisten, dass die Studierenden die entsprechenden Tools kennenlernen, zugleich kann mit einem solchen „continuous assessment“ die Häufung von Prüfungsleistungen zum Ende des Semesters entzerrt werden. Möglich ist dann auch, z.B. nur zwei von drei Einreichungen zu bewerten.

Digitale Prüfungsbögen – „kleinere Klausuren“

Denkbar sind auch kleinere Klausuren mit mehreren Freitextfragen. Ein Dokument mit den Fragen wird den Studierenden zum Download zur Verfügung gestellt; es muss ausgefüllt – innerhalb einer eher kurzen Frist von einigen Stunden – wieder eingereicht werden (ebenfalls als Übung bzw. Einreichungsaufgabe). Solche Prüfungsleistungen werden z.T. auch als take home exams bezeichnet.

Fallbearbeitung/Fallanalyse

Diese schriftliche Prüfungsform kann individuell oder auch – in größeren Lehrveranstaltungen – als Gruppenarbeit durchgeführt werden. Voraussetzung ist eine detaillierte Fallbeschreibung in Form von Text und ggf. auch Videomaterial. Analyseschritte können gemeinsam erarbeitet oder vorgegeben werden; dabei kann der Ansatz des problemorientierten Lernens Berücksichtigung finden. Ebenso könnten Lösungen zu Fallbeschreibungen erarbeitet werden. Auch hier braucht es eine detaillierte Fallbeschreibung.

Vgl. dazu auch Darstellung auf den Seiten der Universität Bern mit weiteren links Fallbearbeitung mit problemorientiertem Lernen sowie Lösungen zu Fallbeschreibungen erarbeiten

Poster

Auch ein Poster lässt sich online gut einreichen (z.B. auch als Ersatz für ein Referat). Ggf. kann auch ein handschriftlich erstelltes Poster abfotografiert und eingereicht werden. Das Poster kann zudem mit einem Begleittext versehen werden. Es kann im Anschluss mit der gesamten Seminargruppe geteilt und dann in einem gemeinsamen virtuellen Gallery Walk betrachtet und diskutiert werden.

Portfolio

Das analoge Portfolio ist eine Mappe mit verschiedenen Bestandteilen, z.B. handelt es sich im Falle eines Künstlers um verschiedene Arbeitsproben. Das Portfolio, das in der universitären Lehre eingesetzt wird, enthält verschiedene Aufgaben, Reflexionen zu einem Thema bzw. zu verschiedenen Fragestellungen. In seiner digitalen Form können die Bestandteile Texte, aber auch Fotos, Links, Videos etc. sein. Das Portfolio wird in der Regel über ein ganzes Semester geführt und am Ende abgegeben. Möglich ist natürlich auch, einen kürzeren Zeitraum ins Auge zu fassen. Es empfiehlt sich vorab festzulegen, welche Teile des Portfolios in die Bewertung eingehen. Reflexionsaufgaben sind an dieser Stelle weniger geeignet.

Die elektronische Umsetzung kann über ILIAS mit dem E-Portfolio erfolgen. Das können sich Studierende über den „Persönlichen Schreibtisch“ selbst einrichten und dann zum Semesterende für den/die Lehrende/n freischalten. In ILIAS und in Moodle kann hierfür auch die Übung/Einreichungsaufgabe genutzt werden. Die Studierenden erhalten dann zu Beginn ein vorstrukturiertes Dokument, das als Basis für ein E-Portfolio genutzt und im Lauf des Semesters entsprechend ausgefüllt werden kann.

Beispiel: Lektüre-Portfolio – Die Studierenden stellen im Portfolio eine Übersicht der von ihnen gelesenen Primär-/Sekundärliteratur zusammen, z.B. Zusammenfassung, Eingehen auf Fragen seitens des/der Lehrende/n, korrekte bibliographische Angaben und „Fundstücke“ etc.


Elektronische Klausuren?

Zum jetzigen Zeitpunkt (Mai 2020) können wir aufgrund der technischen Infrastruktur und auch aufgrund rechtlicher Fragen noch nicht sagen, ob im Sommersemester 2020 elektronische Klausuren für große Lehrveranstaltungen, an denen viele Studierende teilnehmen, durchgeführt werden können. Aussagen dazu können frühestens am 15. Juni getroffen werden.

Wir möchten Sie bitten, möglichst alternative Prüfungsleistungen zu planen und einzusetzen. Falls große Klausuren möglich sein sollten, ist wiederum die Erklärung zur schriftlichen elektronischen Prüfung einzufordern.


Videos, Screencasts und Podcasts

Aufzeichnungen mit Powerpoint und zugehöriger Tonspur könnten analog z.B. zu Referaten als Prüfungsleistungen durchgeführt werden. Denkbar sind auch Bildschirmaufzeichnungen (Screencasts), die Programmierungen oder Anwendungen bestimmter Programme demonstrieren oder Rechenwege darstellen. Dabei kann bei der Verwendung von Formeln auch die handschriftliche Aufzeichnung anhand eines Tablets in Fragen kommen.

Ebenso ist die Erstellung von Videos oder Podcasts eine mögliche Prüfungsleistung – z.B. zur Dokumentation praktischer Tätigkeiten, für Interviews oder kurze Features. Diese können wiederum durch zusätzliche schriftliche Arbeiten wie Protokolle oder die Auswertung der Interviews ergänzt werden.

Auch solche Dateien können in ILIAS oder Moodle über die Übung/Einreichungsaufgabe abgegeben werden. Vgl. auch die Darstellung auf den Seiten der Universität Bern mit weiteren Links:  Referat als Video einreichen

Auch für die hier genannten Beispiele ist es wichtig, dass die Studierenden eine Erklärung mit abgeben, dass die Leistungen eigenständig erbracht wurden.


Mündliche Prüfung

Falls Sie mündliche Prüfungen durchführen möchten, müssen Sie sicherstellen, dass die Studierenden Gelegenheit haben, die entsprechenden technischen Möglichkeiten und Systeme auszuprobieren. Was die konkrete Prüfungssituation anbelangt, ist zu empfehlen, etwaige Hilfsmittel von vornherein zuzulassen, da es nicht möglich ist, definitiv zu kontrollieren, ob Hilfsmittel benutzt werden.

Weitere Hinweise zum Verfahren finden Sie in der Erklärung zu elektronischen mündlichen Prüfungen.


Weiterführende Links

Einen Überblick zu Digitalen Studienleistungen finden Sie hier.

Weitere Ideen auf den Seiten der Universität Bern unter Alternative Prüfungsformen – dabei finden sich auch eher ungewöhnliche Methoden wie die Erstellung von Prüfungsfragen durch die Studierenden.