Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)

Migration und Sicherheit in der Stadt (migsst)

Das Projekt migsst untersucht mit einem umfassenden, interdisziplinären Forschungsansatz, ob Segregation in migrantisch geprägten städtischen Quartieren das Kriminalitätsrisiko vermindert oder erhöht. Das Teilprojekt am IZEW hinterfragt den Begriff der sogenannten „Parallelgesellschaften“ und untersucht die Potenziale einer modernen Kommunikation in multi-ethnischen Städten.

Projektbeschreibung

Migration und Sicherheit in der Stadt (migsst)

Die Aufnahme und Integration einer großen Zahl von Migrant_innen und Geflüchteten stellt Städte und Gemeinden vor große Herausforderungen. Diese betreffen nicht nur die Bereiche Arbeit, Wohnung oder Bildung, sondern auch die Sicherheit. So wird die Separierung ethnischer Gruppen in einzelnen städtischen Quartieren, d. h. die sogenannte ethnische Segregation, als ein Risikofaktor eingestuft, der das Risiko für die Bewohnerinnen und Bewohner erhöht, Täter oder Opfer einer Straftat zu werden.

Das Projekt migsst überprüft diese Annahme durch einen umfassenden und interdisziplinären Forschungsansatz. Aus verschiedenen fachwissenschaftlichen Blickrichtungen wird untersucht, welche Risikofaktoren und Potenziale identifizierbar sind und mit welchen Mitteln diese beeinflusst werden können. Durch Befragungen, Interviews und statistische Auswertungen werden Daten zu Migration, Integration und auch Segregation erhoben und zusammen mit Lagebildern zur Kriminalität sowie stadt- und quartierspezifischen Daten analysiert. Eine ethische Begleitforschung und rechtswissenschaftliche Studien ergänzen die sozialwissenschaftlichen empirischen Arbeiten.

Auf Basis der erhaltenen Erkenntnisse werden neue Ansätze für die Kriminalprävention entwickelt. Darüber hinaus wird ein Planungs- und Entscheidungsmodell für die intervenierende Polizeiarbeit erstellt und ein Anforderungskatalog für Kommunikations- und kooperative Handlungsstrategien in durch Migration geprägten Quartieren erarbeitet. Gleichzeitig werden die rechtlichen Rahmenbedingungen und Gestaltungsmöglichkeiten für die polizeilichen und präventiven Maßnahmen aufgezeigt.
Das Internationale Zentrum für Ethik in der Wissenschaft der Eberhard Karls Universität Tübingen, PD Dr. Jessica Heesen/Prof. Dr. Regina Ammicht Quinn, hinterfragt den Begriff der so genannten „Parallelgesellschaften“ und untersucht die Potenziale einer modernen Kommunikation in multiethnischen Städten.

Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird mit insgesamt 1,9 Mio. Euro vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Rahmen des Programms Forschung für die zivile Sicherheit (vgl. www.sifo.de) zur Bekanntmachung „Zivile Sicherheit – Fragen der Migration“ gefördert. Es wird koordiniert von Prof. Dr. Bernhard Frevel von der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW.

Publikationen und Projektergebnisse

  • Reinhardt, Karoline (2020): Ambivalente Aspekte der Parallelgesellschaft, Arbeitspapier im Projekt migsst, https://www.migsst.de/onewebmedia/Ambivalente%20Aspekte%20der%20Parallelgesellschaft.pdf
  • Reinhardt, Karoline (2020): Zur Aktualität des Weltbürgerrechts, in: Diethelm Klescewski (Hrsg.): Migration - Globale Bewegungsfreiheit oder nationalstaatliche Grenzen?, Paderborn: Mentis. (im Erscheinen).
  • Reinhardt, Karoline (2020): Zum Verhältnis von Philanthropie und Kosmopolitismus, in: Dieter Hüning/ Stefan Klinger (Hrsg.), Über den Gemeinspruch: Das mag für die Theorie richtig sein, taugt aber nicht für die Praxis (im Erscheinen).
  • Reinhardt, Karoline (2019): Migration und Weltbürgerrecht, Freiburg i. Br.: Verlag Karl Alber.
  • Reinhardt, Karoline (2019): Das Recht auf Auswanderung bei Locke, Kant und Rawls, in: Dagmar Borchers, Simone Dietz, Hannes Foth, Svenja Wiertz (Hrsg.): Die Freiheit zu gehen in politischen, sozialen und existenziellen Kontexten, Wiesbaden: VS:Springer, S. 21-44.
  • Reinhardt, Karoline (2019): Rezension zu Oliviero Angelis „Migration und Demokratie“, in: Zeitschrift für philosophische Forschung 73 (2), S. 292-295.
  • Karoline Reinhardt: „Migration and Cosmopolitan Right“, Vortrag am 23. April 2020 an der Universitá Teramo, Italien.
  • Karoline Reinhardt: „Diversität: Eine philosophische Annäherung“, Vortrag am 19. März 2020 an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
  • Anne Burkhardt: Kommunikationsstrategien rechter Akteure im Kampf um die Stadt. Eine Medienanalyse. Vortrag auf der Jahreskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft am 11. März 2020 in München.
  • Anne Burkhardt/Jessica Heesen: „Ethnische Segregation und Sicherheit in der Stadt: Anforderungen an eine integrative Mediennutzung aus ethischer Perspektive“. Vortrag auf der Jahreskonferenz der Deutschen Gesellschaft für Publizistik und Kommunikationswissenschaft am 11. März 2020 in München.
  • Karoline Reinhardt: „Diversity “, Vortrag am 14. Januar 2020 im Forschungskolloquium des IZEW, Universität Tübingen.
  • Heesen, Jessica (2019): „Theoretische Überlegungen und Begriffsbestimmungen – ‚Parallelgesellschaft“, in: B. Frevel (Hrsg.) Begriffe und Interpretationen. Grundlegungen für das interdisziplinäre Arbeiten im Projekt, S. 39-47.
  • Thomaß, Barbara/Günter Bentele/Nils S. Borchers/Tobias Eberwein/Jessica Heesen (2019): Ethik der öffentlichen Kommunikation. (Studienbücher zur Kommunikations- und Medienwissenschaft, Reihen-Hg.: Günter Bentele/Hans-Bernd Brosius/Otfried Jarren), darin: Ethik der öffentlichen digitalen Kommunikation, Wiesbaden: VS Springer.
  • Karoline Reinhardt: „Migration und Weltbürgerrecht“, Vortrag am 5. November 2019 im Semesterschwerpunkt „zusammenleben.zusammenhalten“ der Volkshochschule Tübingen.
  • Karoline Reinhardt: „Kant und Migration: Zur Aktualität des Weltbürgerrechts“, Keynote auf der academia philosophia iuris Sommerakademie zu „Migration: Globale Bewegungsfreiheit oder nationale Grenzen? 2. bis 6. September 2019 veranstaltet vom Institut für Grundlagen des Rechts der Juristenfakultät der Universität Leipzig in Halle-Dölau.
  • Karoline Reinhardt: „Über Philanthropie und Kosmopolitismus“, Vortrag im 8. Trierer Kant-Kolloquium vom 11. bis 13. Juli 2019 an der Universität Trier.