Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)

Forschungsschwerpunkt Sicherheitsethik

Sicherheit wird heute heute als zentraler gesellschaftlicher Wert aufgefasst und auf unterschiedlichsten Ebenen und in unterschiedlichsten Bereichen aktiv eingefordert. Sicherheitshandeln ist dabei vielfältig und vielschichtig; Kategorien, Akteur_innen und politische Werkzeuge unterliegen einem konstanten Wandel. Diese Einsicht spiegelt sich im Sicherheitsbegriff selbst, der mulitidimensional und ubiquitär geworden ist.

Diese Entwicklungen machen ethische Analysen unterschiedlicher Vorstellungen und Herstellungen von Sicherheit nötig. Sicherheitsethische Reflexionen gehen davon aus, dass unser Verständnis von Sicherheit und Unsicherheit immer kulturell und sozial eingebettet ist und Sicherheitsprobleme damit nie allein durch Technik gelöst werden können.

Der aktuell deutschlandweit einzigartige Forschungsschwerpunkt Sicherheitsethik wurde 2007 gegründet. Durch die Beschäftigung mit ethischen Fragen des Einsatzes von Körperscannern, Überwachung und Videotracking wurden dabei Grundlagen für eine systematische Beschäftigung mit wertbezogenen Fragen im Kontext von Sicherheitshandeln gelegt. Diese ethische Expertise ist in zahlreichen Projekten deutscher, europäischer und internationaler Forschung eingebracht und vertieft worden. Aktuell liegt der Fokus, neben der ethischen Reflexion auf die technische Herstellung von Sicherheit, zunehmend auf Fragen, die institutionelle (Sicherheits-)Konzepte und gesellschaftliche (Sicherheits- und Unsicherheits-)Prozesse analysieren.

In diesem Sinne wird ‚Sicherheit‘ als materielle und symbolische Dimension von ‚Kultur‘ thematisiert und über einzelne Sicherheitsentscheidungen, -handlungen und -techniken hinaus kritisch reflektiert. Der ‚Wert‘ von Sicherheit und die Frage nach dem Umgang mit Unsicherheit wird somitim Kontext von Fragen nach dem ‚richtigen Handeln‘ und dem ‚guten Leben‘ reflektiert.

Exemplarische Fragen einer Sicherheitsethik sind:

  • Welches Maß und welche Art von Sicherheit ist für eine Gesellschaft und für Individuen wünschenswert?
  • Welcher Preis – an Geld, an Freiheit, an Gerechtigkeit oder an Privatheit – ist dafür angemessen?
  • Gibt es Personen oder Personengruppen, von denen ein höherer Preis – an Freiheit oder an Privatheit beispielsweise – verlangt wird als von anderen? Wie können solche Gerechtigkeitsprobleme angemessen bearbeitet und gelöst werden?
  • Wie verändert sich die Wahrnehmung, Einforderung und Gewährleistung von Sicherheit im Kontext sozialer Medien und ‚intelligenter‘ Techniken?
  • Welchen ‚Wert‘ hat Unsicherheit?

Laufende Projekte

  • AUPIK: Aufrechterhaltung der ambulanten Pflegeinfrastrukturen in Krisensituationen

  • BuildERS: Building European Communities' Resilience and Social Capital

  • EKAMED: Ethik in der Katastrophenmedizin

  • HEIMDALL: Multi-Hazard Cooperative Management Tool for Data Exchange, Response Planning and Scenario Building Project description

  • migsst: Migration und Sicherheit in der Stadt 

  • Mitwirkung bei der Organisation des Graduierten-Netzwerks „Zivile Sicherheit” des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF)
  • PEGASUS: Polizeiliche Gewinnung und Analyse heterogener Massendaten zur Bekämpfung organisierter Kriminalitätsstrukturen
  • RESIK: Resilienz und Evakuierungsplanung für sozioökonomische Infrastrukturen im medio-sozialen Kontext

Ausgewählte Publikationen und Projektergebnisse

  • Krüger M (2020): Resilienz in der Risiko- und Krisenkommunikation. Implikationen von Resilienz für die Ausgestaltung von Kommunikation im Bevölkerungsschutz. in: Ellebrecht S, Eschenbruch N and Zoche P (Hg.): Sicherheitslagen und Sicherheitstechnologien. Beiträge der ersten Sommerakademie der zivilen Sicherheitsforschung 2018. Münster: LIT, S. 227-251.
  • Krüger M und Max M (Hg.) (2019): Resilienz im Katastrophenfall: Konzepte zur Stärkung von Pflege- und Hilfsbedürftigen im Bevölkerungsschutz. Bielefeld: transcript.
  • Krüger M (2019): Building Instead of Imposing Resilience: Revisiting the Relationship Between Resilience and the State, International Political Sociology, Jg. 13, Nr. 1, S. 53-67.
  • Krüger M (2018): The impact of video tracking routines on crowd behaviour and crowd policing. In: Melgaço L and Monaghan J (Hg.): Protest in The Information Age: Social Movements, Digital Practices and Surveillance. London, New York: Routledge, S. 135–150. 
  • Krüger, Marco (2018) Gesellschaftsethisches Gutachten zum Projekt „Multisensoriell gestützte Erfassung von Straftätern in Menschenmengen bei komplexen Einsatzlagen“. Tübingen: IZEW. http://hdl.handle.net/10900/79947.
  • Ammicht Quinn, Regina, Peter Bescherer, Friedrich Gabel und Alexander Krahmer (2017) Leitlinien für eine gerechte Verteilung von Sicherheit in der Stadt, Materialien zur Ethik in den Wissenschaften Band 13, Tübingen: IZEW.
  • Ammicht Quinn, Regina et al. (2016) Prävention und Freiheit. Zur Notwendigkeit eines Ethik-Diskurses, Gutachten für den 21. Deutschen Präventionstag am 6./7. Juni 2016 in Magdeburg.
  • Baur-Ahrens, Andreas, Marco Krüger, Regina Ammicht Quinn, Matthias Leese und Tobias Matzner (2015) How Smart Is “Smart Security”? Exploring Data Subjectivity and Resistance. Final Report. Tübingen: IZEW. http://hdl.handle.net/10900/66898.
  • Ammicht Quinn, Regina (Hg.) (2015) Intelligente Videoüberwachung: eine Handreichung, Materialien zur Ethik in den Wissenschaften Band 11, Tübingen: IZEW. http://hdl.handle.net/10900/67099.
  • Ammicht Quinn, Regina (Hg.) (2014) Sicherheitsethik, Studien zur Inneren Sicherheit Vol. 16, Wiesbaden: Springer VS.

Abgeschlossene Projekte

Eine Liste der abgeschlossenen Forschungsprojekte des Forschungsschwerpunktes Sicherheitsethik finden Sie im Archivbereich.