Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)

BATATA - Bioökonomie als gesellschaftlicher Wandel

Modul2 (2): Whose Bioeconomy? Tracing Visions of Socio-ecological Transformation and their Ethical Deliberation in Tanzania

In BATATA wollen wir herausfinden, welche Vorstellungen einer nachhaltigen Bioökonomie im Globalen Süden befürwortet werden. Den empirischen Fokus legen wir auf politisch unterrepräsentierte soziale Gruppen in Tansania, einem an Biomasse reichen Land in Sub-Sahara-Afrika. Die dabei identifizierten Visionen werden wir vergleichen: (1) mit denen aus dem politischen Mainstream Tansanias und (2) mit den Vorstellungen einer nachhaltigen Bioökonomie aus dem Globalen Norden. Hierbei werden wir Argumente rekonstruieren, die für und gegen die Umsetzung dieser Visionen einer Bioökonomie vorgebracht werden, um ihre ethische Plausibilität einzuschätzen.

Details: http://batata-bioeconomy.de/

IZEW-Projektteam

Eugen Pissarskoi (Verbundkoordinator)
Thomas Potthast
Kerstin Schopp

Sebastian Cabezas (studentischer Mitarbeiter)

Projektpartner:

Professur für Wirtschaftsgeographie, Universität Bayreuth:

In Kooperation mit:

Dr. Richard Mbunda, University of Dar es Salaam

Projektlaufzeit

  • Oktober 2019 - September 2022

Projektbeschreibung

In einer Bioökonomie soll der Gebrauch fossiler Rohstoffe durch Biomasse ersetzt werden. Diese im globalen Norden politisch forcierte Vision scheint auf den ersten Blick das Streben nach einer Stärkung der Landwirtschaft in einem Land in Subsahara-Afrika wie Tansania gut zu ergänzen. Die in Tansania verfügbaren landwirtschaftlich nutzbaren Flächen könnten für eine nachhaltige Biomasseproduktion genutzt werden, um den zusätzlichen globalen Bedarf an Biomasse zu decken, welcher aus der Transformation zur Bioökonomie resultiert. Länder, die reich an Biomasse sind, könnten diese Ressource nutzen, um ihren Agrarsektor zu stärken und ihre Wirtschaft zu diversifizieren, indem sie Biomasse zu höherwertigeren Produkten verarbeiten. 

Ein solches „Win-Win-Narrativ“ ist sowohl in Diskursen des Globalen Nordens als auch in denen Subsahara-Afrikas verbreitet. In BATATA gehen wir der Frage nach, ob dieses Narrativ eine ethisch rechtfertigbare Strategie für eine sozio-ökologische Transformation für ein an Biomasse reiches Land wie Tansania beinhaltet. Hierzu untersuchen wir mit den Methoden einer gekoppelten ethisch-empirischen Analyse folgende Fragen: 

  • Wer genau unterstützt in Tansania das „Win-Win-Narrativ“?  

  • Gibt es weitere Visionen der Bioökonomie, d. h. wünschenswerte Konzepte einer Wirtschaftsweise, in der Biomasse die wesentliche Ressource darstellt, welche von tansanischen Stakeholdern vertreten werden? 

  • Wenn es lokale Visionen der Bioökonomie gibt, wer unterstützt diese und inwieweit gelingt es, diese Ideen in öffentliche Diskurse einzubringen? 

  • Wenn es mehrere lokale Visionen der Bioökonomie gibt, enthalten sie einander widersprechende ethische Annahmen? 

  • Wenn diese Visionen einander in ihren ethischen Hintergrundvorstellungen widersprechen, wie können diese ethischen Vorstellungen jeweils begründet werden? 

Ziel des Projektes BATATA ist es, tansanische Visionen einer nachhaltigen Bioökonomie zu identifizieren, die weder im globalen noch im emergierenden nationalen Diskurs über sozial-ökologische Transformationen politische Wirksamkeit erlangen, obwohl sie auf der Basis von weithin anerkannten ethischen Grundannahmen begründbar sind. 

Methoden 

„Bioökonomie“ ist bislang kein fest verankertes Konzept in der tansanischen Politik. Allerdings haben sich die Auswirkungen des globalen Diskurses zu Bioökonomie bereits vor Ort manifestiert. Deshalb wird im Rahmen von BATATA eine Diskursanalyse in Verbindung mit einer philosophischen Argumentationsanalyse durchgeführt, die sich auf folgende beiden Aspekte in tansanischen Diskursen konzentriert: 

  1. Einsatz von genetisch modifiziertem Saatgut und 
  2. Vorstellungen von Landnutzung

Mittels der Diskursanalyse werden Visionen der unterschiedlichen Stakeholder identifiziert und politische Prozesse untersucht, in denen diese Visionen politische Wirksamkeit entfalten. Durch die Argumentationsanalysen werden ethische Begründungen für die Erwünschtheit der einzelnen Visionen rekonstruiert und mögliche Konflikte zwischen diesen im Hinblick auf die vorausgesetzten ethischen Annahmen analysiert. Darüber hinaus wird BATATA auf Grundlage von Theorien der politischen Philosophie diskutieren, in welchem Verhältnis Visionen einer nachhaltigen Bioökonomie mit den Idealen globaler Gerechtigkeit stehen. 

Angestrebte Ergebnisse

BATATA soll zum einen das bestehende Wissen darüber, wie eine nachhaltige Bioökonomie aussehen könnte, erweitern. Zum anderen soll es zu einem systematischen Überblick über mögliche Meinungsverschiedenheiten darüber, wie eine nachhaltige Bioökonomie aussehen sollte, beitragen. 

Indem das Vorhaben politisch subdominante Auffassungen von wünschenswerten Zielen der sozial-ökologischen Transformationsprozesse eruiert und ihre ethischen Begründungen explizit macht, soll es die Befürworter*innen dieser Auffassungen dabei befähigen, in nationale und globale Diskurse über die Richtung sozial-ökologischer Transformationen eingebunden zu werden.

Aktivitäten

Online-Workshop "Field Work/Failed Work?"

On Wednesday, 15th July 2020, seven participants from Germany and Austria met at an online workshop conceived and organized by Kerstin Schopp. All of them try to handle the pandemic’s influence on their fieldwork. They either conducted fieldwork during the pandemic and had to omit their work due to Corona or they had to postpone their fieldwork and are planning to conduct it somewhen in the future. Since such a situation raises many questions and answers cannot be found easily, we discussed our own experiences and exchanged opinions as well as advices. We spent much time discussing research ethical questions arising from the pandemic. Since Corona is a multiplier of already existing global inequalities reinforcing divides of power and privileges the question of our responsibility and role as researchers from the Global North arises. From the practical point of view, we took into consideration the experiences of those who conducted fieldwork during Corona times and discussed challenges, adapted methods as well as alternative methods which are closely connected with data protection. Another important topic were legal and institutional rules we have to follow such as regulations for research travels, insurance, and research clearance during Corona times. At the end, we even had time to discuss issues which could help us to decide when we can return to the field. Of course, many of them are individual and depend on the researcher, the topic, the region, the kind of research, and the participant people, but we also agreed on commonly accepted criteria such as to work on an individually adapted hygienic concept considering different possible situations. Altogether, the workshop was a very good opportunity for exchange with researchers trapped in the same situation and the participants asked for a follow-up workshop to share the experiences they will have made either with a new research methodology or on the ground.