Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)

BedenkZeiten – Ein Ethik-Blog

Das IZEW befasst sich mit der ganzen Bandbreite anwendungsbezogener ethischer Fragen. Standen in der Vergangenheit einzig Aspekte der Pandemie im Zentrum, soll der Blog in Zukunft die gesamte Vielfalt ethisch relevanter gesellschaftlicher Entwicklungen und Herausforderungen beleuchten. Neben grundlegenden Fragen der Ethik in den Wissenschaften reicht das Spektrum von Ethik und Bildung über gesellschaftliche Wertfragen von Kultur und technischem Wandel bis zu Fragen gelingender Naturverhältnisse und Nachhaltiger Entwicklung. Der Blog versteht sich als Impulsgeber für eine breite gesellschaftliche Diskussion über die vielfältige Frage nach Gerechtigkeit und dem Guten Leben. In diesem Sinne geht es darum, ethische Fragen aus der aktuellen Forschung oder neue Herausforderungen aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen knapp und verständlich zu beleuchten und damit einen Einblick zu geben, was es heißt, normative und Wertekonflikte zu bearbeiten. Dabei wird weiterhin die Inter- und Transdisziplinarität einer Ethik in den Wissenschaften sowohl Ausgangspunkt als auch Ziel sein, sodass die ethisch relevanten Fragen, die sich für wissenschaftliche eben wie andere gesellschaftliche Kontexte stellen, hier einen Ort haben.

Regina Ammicht Quinn und Thomas Potthast

Dieser Blog soll Diskurse anregen, in diesem Sinne freuen wir uns über Anregungen, Kritik und Leserbriefe. Hierzu kann gerne das Kontaktformular genutzt werden.

Um die Herausgabe der Beiträge kümmert sich die Redaktion: Cora Bieß, Friedrich Gabel, Marcel Vondermaßen, Vanessa Weihgold und Katharina Wezel.

11. Juli 2020

What narrative for a pandemic?

Countless accounts of the reality of COVID-19 have been made since the beginning of its outbreak. The political response itself has varied over time and from one country to another, from disregarding the virus as a “distant foreign health issue” to declaring war on an “invisible enemy”. This reinforced a feeling of distrust in the received information, political discourses and containment measures among some populations, driving certain persons to alternative narratives which include problematic conspiracy theories. This article proposes to review how these stories  provide a legitimization to uncooperative attitudes such as anti-lockdown protests by fashioning them “movements of resistance”. Its main argumentation is based on the premise that human actions can be understood by apprehending the narrative by which people live. It also recalls the function of narration in order to question and better define our current approach to narratives and reality.

Article

23. Juni 2020

Nachhaltigkeitspolitik-Thesen

Die Zeit der Covid-Pandemie war auch eine Zeit der Rückbesinnungen unter der Frage, welche Reformen überfällig sind und für die nähere Zukunft anstehen sollten. Dies mag den Anschein erwecken, als wolle man bloß am Virus sein politisches Süppchen aufwärmen. Wenn sich jedoch Gründe, die schon vor der Pandemie zugunsten bestimmter Reform-Agenden gesprochen haben, nunmehr a fortiori als triftig erweisen, dann darf die Covid-bedingte Ausnahmesituation berechtigterweise zum Anlass genommen werden, eine überfällige Agenda in der Hoffnung zu aktualisieren, dass sie nunmehr auf Gehör und Resonanz stoßen möge.

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09. Juni 2020

Wissenschaft in der Corona-Pandemie: Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Seit Wochen werden in allen Medien wissenschaftliche Expert*innen zu ihren Forschungen und Kenntnissen über das Corona-Virus befragt. Von ihnen wird auch erwartet, dass sie Einschätzungen geben, wie gehandelt werden soll – mit möglichst klaren Empfehlungen für politische Entscheidungen, aber auch für das Handeln von uns Bürger*innen. Mein Interesse in diesem Beitrag ist ein nicht vorrangig ethisches, sondern wissenschaftstheoretisches – ich betrachte die Rolle der Wissenschaft als Praxis, d.h. in Handlungs- und Entscheidungskontexten unserer Gesellschaft.

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26. Mai 2020

Harry Potter in Corona-Zeiten

Bundeskanzlerin Angela Merkel mahnt in ihrem Umgang mit der Corona-Krise immer wieder zur Vorsicht. Auch bei der Verkündung maßgeblicher Lockerungen der Corona Schutzmaßnahmen (6.05.), zeigte sie sich nur vorsichtig optimistisch. Im Hintergrund steht dabei eine Debatte, die seit einiger Zeit intensiv geführt wird: Steht der Schutz des Lebens vor allen anderen wertvollen Gütern, allen voran der Freiheit oder der Würde?

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14. September 2020

Weiterführung des Ethik-Blogs

Die Frage nach dem guten und richtigen Handeln ist eine der Dreh- und Angelpunkte menschlichen Lebens – und Gegenstand der Reflexion und Begründung in der Ethik. Das betrifft weitreichende gesellschaftspolitische Entscheidungen ebenso wie ganz konkrete Herausforderungen, denen Einzelne im Alltag gegenüberstehen. Weil Wertvorstellungen dabei, ebenso wie Menschen, divers sind und es – jenseits grundlegender Menschenrechte, dies sei ausdrücklich auch erwähnt – nur selten ein einfaches „Richtig“ oder „Falsch“ gibt, ist es für jede Gesellschaft wichtig, der Bestimmung von konkreten Zielen und der Aushandlung von Konflikten zwischen Normen und Wertvorstellungen einen Raum zu bieten. Ein solcher Raum erlaubt es, aus einer ethischen Perspektive heraus gesellschaftliches Handeln zugleich kritisch und produktiv zu reflektieren.

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03. Juli 2020

Rassismus geht uns alle an

Krisen können wie ein Brennglas auf soziale Missstände und strukturelle Ungerechtigkeit in Gesellschaften hindeuten. Das ist auch mit COVID-19 der Fall: Rassismus gegenüber als asiatisch gelesenen Menschen nahm zu, in Brasilien, Großbritannien und den USA ist die COVID-19 bedingte Gefährdung und Sterberate von PoC und Schwarzen Menschen unverhältnismäßig hoch, und auch die Bedingungen unter denen ausländische Arbeiter*innen in der deutschen Lebensmittel-, allen voran Fleischproduktion, arbeiten, müssen durch eine rassismussensible Linse gelesen werden. Und dies sind nur drei bekannte Beispiele. Wir müssen über Rassismus sprechen - nicht mal wieder, sondern immer wieder. Nach der Ermordung George Floyds bei einem Polizeieinsatz und der zahlreichen Proteste der Black Lives Matter Bewegung weit über die Grenzen der USA hinaus, nimmt auch in Deutschland die Debatte um Anti-Schwarzen Rassismus zu. Hierzu folgen einige Gedanken.

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20. Juni 2020

Über Zerrissenheit

Sei es beim Ansehen der Bilder von vollen Ostseestränden, bei den eigenen Überlegungen zum Besuch von Freunden und Familie oder im Zuge der weltweiten Demonstrationen gegen Rassismus, die aktuelle Lockerungswelle und das Verhalten von Menschen in Deutschland lösen bei mir ein Gefühl innerer Zerrissenheit aus. Diese Zerrissenheit ist nicht zuletzt eine moralische Zerrissenheit, denn mein eigener Anspruch verantwortungsvoll zu handeln und andere nicht zu gefährden, ist konfrontiert mit einer Wirklichkeit, in der mir das Wissen fehlt, um eben dies zu beurteilen. Der folgende Beitrag gibt einen Einblick in meine Auseinandersetzung mit der Frage verantwortungsvollen Handels im Kontext einer abflauenden Pandemie. Dabei komme ich nicht umhin, dass eben diese Zerrissenheit aktuell jeden meiner Kontaktversuche begleitet. Dieser Beitrag repräsentiert meine persönliche Auseinandersetzung mit der Frage und ist an der ein oder anderen Stelle bewusst etwas zugespitzt.

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02. Juni 2020 

Das Ende der Kleinparteien?

Deutschland bietet den Wahlberechtigten eine große Bandbreite an unterschiedlichsten Parteien. Um bei Wahlen antreten zu können, muss eine Partei jedoch entweder bereits in deutschen Parlamenten vertreten sein, oder genügend Unterstützerunterschriften sammeln. Letzteres ist durch die Pandemie praktisch unmöglich geworden. Droht hier ein Verlust an Heterogenität und Vielseitigkeit in unserer Demokratie?

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