Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)

BedenkZeiten – Ein Ethik-Blog

Das IZEW befasst sich mit der ganzen Bandbreite anwendungsbezogener ethischer Fragen. Standen in der Vergangenheit einzig Aspekte der Pandemie im Zentrum, soll der Blog in Zukunft die gesamte Vielfalt ethisch relevanter gesellschaftlicher Entwicklungen und Herausforderungen beleuchten. Neben grundlegenden Fragen der Ethik in den Wissenschaften reicht das Spektrum von Ethik und Bildung über gesellschaftliche Wertfragen von Kultur und technischem Wandel bis zu Fragen gelingender Naturverhältnisse und Nachhaltiger Entwicklung. Der Blog versteht sich als Impulsgeber für eine breite gesellschaftliche Diskussion über die vielfältige Frage nach Gerechtigkeit und dem Guten Leben. In diesem Sinne geht es darum, ethische Fragen aus der aktuellen Forschung oder neue Herausforderungen aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen knapp und verständlich zu beleuchten und damit einen Einblick zu geben, was es heißt, normative und Wertekonflikte zu bearbeiten. Dabei wird weiterhin die Inter- und Transdisziplinarität einer Ethik in den Wissenschaften sowohl Ausgangspunkt als auch Ziel sein, sodass die ethisch relevanten Fragen, die sich für wissenschaftliche eben wie andere gesellschaftliche Kontexte stellen, hier einen Ort haben.

Regina Ammicht Quinn und Thomas Potthast

Dieser Blog soll Diskurse anregen, in diesem Sinne freuen wir uns über Anregungen, Kritik und Leserbriefe. Hierzu kann gerne das Kontaktformular genutzt werden.

Um die Herausgabe der Beiträge kümmert sich die Redaktion: Cora Bieß, Friedrich Gabel, Marcel Vondermaßen, Vanessa Weihgold und Katharina Wezel.

24. November 2020

Sie sind nicht unsere Feinde!

In seiner ersten Ansprache als „president elect“ forderte Joe Biden am 07.11.2020 beide Seiten einer unversöhnlich wirkenden politischen Landschaft in den USA dazu auf, ihre Haltung zueinander zu verändern. „We have to stop treating our opponent as our enemies. They are not our enemies. They’re Americans.” Er bezieht sich dabei auf die Anhänger*innen der in den USA vorherrschenden Parteien der Demokraten und von Präsident Trumps Partei der Republikaner, die sich seit Jahren immer unversöhnlicher gegenüberstehen. Bidens Aufforderung mag naiv wirken, wenn Präsident Trump am gleichen Tag den Demokraten Wahlfälschung vorwirft, immerhin ein schweres Verbrechen, oder einer seiner Söhne Trump auf Twitter auffordert, für die Wahl in den „totalen Krieg“ zu ziehen.

Zum Artikel

28. Oktober 2020

Technik und Diskriminierung

Die Protestwelle im Zuge der Ermordung von George Floyd in den USA ist noch nicht abgeklungen. Noch immer begegnen sich Aktivist*innen der Black Lives Matter-Bewegung und Polizei sowie die Nationalgarde auf den Straßen Amerikas, wie etwa in der Stadt Portland im Bundesstaat Oregon. Die Anti-Rassismus-Proteste machen auf die anhaltende Benachteiligung und gewaltsame Unterdrückung von schwarzen Menschen in den USA aufmerksam. Aber auch in Deutschland gibt es Rassismus, der hartnäckig Vorurteile gegenüber nicht-weißen Deutschen aufrechterhält.

Zum Artikel

28. September 2020

Katastrophenethik

Im März diesen Jahres erschien das Buch „Covid-19: Was in der Krise zählt. Über Philosophie in Echtzeit“ von Nikil Mujerji und Adriano Mannino. Kernthese des Buches: Insbesondere die Ethik müsse sich in Zeiten großer Unsicherheit, wie in der derzeitigen Pandemie, zu den Herausforderungen äußern, um das Feld nicht anderen, scheinbar praktischeren Disziplinen zu überlassen. Damit einhergehend formulieren sie Grundzüge einer Methode ethischer Entscheidungsfindung in Katastrophen. Was sie weniger thematisieren, ist, was genau diese ethischen Aspekte im Umgang mit Katastrophen sind, inwieweit also Katastrophen selbst Gegenstand ethischer Betrachtung sein können und sein sollten. Durch die Skizzierung von drei Bereichen einer inhaltlichen Beschäftigung mit ethischen Fragen von Katastrophen, möchte der folgende Beitrag dafür einen Denkanstoß geben.

Zum Artikel

11. Juli 2020

What narrative for a pandemic?

Countless accounts of the reality of COVID-19 have been made since the beginning of its outbreak. The political response itself has varied over time and from one country to another, from disregarding the virus as a “distant foreign health issue” to declaring war on an “invisible enemy”. This reinforced a feeling of distrust in the received information, political discourses and containment measures among some populations, driving certain persons to alternative narratives which include problematic conspiracy theories. This article proposes to review how these stories  provide a legitimization to uncooperative attitudes such as anti-lockdown protests by fashioning them “movements of resistance”. Its main argumentation is based on the premise that human actions can be understood by apprehending the narrative by which people live. It also recalls the function of narration in order to question and better define our current approach to narratives and reality.

Article

12. November 2020

Schaden Deepfakes der Demokratie?

Deepfakes sind synthetische audio-visuelle Medien (also Bilder, Videos und Audiodateien), die häufig mit Hilfe künstlicher Intelligenz (KI) erstellt werden. Mit dem Einsatz von Deepfakes sind zahlreiche Sorgen verbunden, insbesondere, dass sie als neue, gefährlichere Form von Fake News demokratische Prozesse und Institutionen untergraben könnten. Diese Sorgen sind durchaus berechtigt. Gleichzeitig vernachlässigt die Debatte erstens die große Gefahr von Deepfakes in einem ganz anderen Bereich, der Pornografie, und zweitens ihre zahlreichen legitimen und sogar demokratiefördernden Anwendungen.

Zum Artikel

15. Oktober 2020

Schlafschafe und Covidioten

Der Ton zwischen den Kritiker*innen und Befürworter*innen der Corona-Maßnahmen ist bisweilen rau. Brave und fügsame „Schlafschafe“ heißt es auf der einen Seite über diejenigen, die den Gesundheitsratschlägen und staatlichen Auflagen folgen. Als „Covidioten“ und „Aluhutträger*innen“ werden wiederum die Kritiker*innen bezeichnet. Während beide Seiten einander verbal angehen, gibt es einen Vorwurf, der hauptsächlich von Seiten der Gegner*innen von Corona-Maßnahmen lautstark erhoben wird: Moralisierung.

Zum Artikel

14. September 2020

Weiterführung des Ethik-Blogs

Die Frage nach dem guten und richtigen Handeln ist eine der Dreh- und Angelpunkte menschlichen Lebens – und Gegenstand der Reflexion und Begründung in der Ethik. Das betrifft weitreichende gesellschaftspolitische Entscheidungen ebenso wie ganz konkrete Herausforderungen, denen Einzelne im Alltag gegenüberstehen. Weil Wertvorstellungen dabei, ebenso wie Menschen, divers sind und es – jenseits grundlegender Menschenrechte, dies sei ausdrücklich auch erwähnt – nur selten ein einfaches „Richtig“ oder „Falsch“ gibt, ist es für jede Gesellschaft wichtig, der Bestimmung von konkreten Zielen und der Aushandlung von Konflikten zwischen Normen und Wertvorstellungen einen Raum zu bieten. Ein solcher Raum erlaubt es, aus einer ethischen Perspektive heraus gesellschaftliches Handeln zugleich kritisch und produktiv zu reflektieren.

Zum Artikel

03. Juli 2020

Rassismus geht uns alle an

Krisen können wie ein Brennglas auf soziale Missstände und strukturelle Ungerechtigkeit in Gesellschaften hindeuten. Das ist auch mit COVID-19 der Fall: Rassismus gegenüber als asiatisch gelesenen Menschen nahm zu, in Brasilien, Großbritannien und den USA ist die COVID-19 bedingte Gefährdung und Sterberate von PoC und Schwarzen Menschen unverhältnismäßig hoch, und auch die Bedingungen unter denen ausländische Arbeiter*innen in der deutschen Lebensmittel-, allen voran Fleischproduktion, arbeiten, müssen durch eine rassismussensible Linse gelesen werden. Und dies sind nur drei bekannte Beispiele. Wir müssen über Rassismus sprechen - nicht mal wieder, sondern immer wieder. Nach der Ermordung George Floyds bei einem Polizeieinsatz und der zahlreichen Proteste der Black Lives Matter Bewegung weit über die Grenzen der USA hinaus, nimmt auch in Deutschland die Debatte um Anti-Schwarzen Rassismus zu. Hierzu folgen einige Gedanken.

Zum Artikel