Institute for Eastern European History and Area Studies

Aktuelle Lehrveranstaltungen (SoSe 2021)

Vorlesungen & Repetitorien

Strafvollzug, Zwangsarbeit und Lagerwelten im Russischen und Sowjetischen Imperium, 18. bis 21. Jh. (Prof. Dr. Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Vorlesung
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin: Fr 12–14 Uhr
Beginn: 30.04.2021
Ort: Online
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Bemerkungen: Für Teilnehmende aller Semester. Die Vorlesung wird als digitale Lehrveranstaltung durchgeführt und enthält synchrone (Zoom-Sitzungen) wie asynchrone Elemente (Vorlesungsskripte).  
Inhalt

Die sowjetische Lagerwelt des GULag war in vielem die präziseste Verkörperung und Quintessenz des stalinistischen Terrorstaats. Über den Kontext der Sowjetgeschichte hinaus verweist das Akronym GULag auf die Schattenseiten der Moderne, die im 20. Jahrhundert nicht nur Fortschritt und Wachstum, sondern auch dem Raubbau an natürlichen und sozialen Ressourcen den Weg bereiteten. In der Vorlesung geht es darum, den historischen Ort des sowjetischen GULag im „Jahrhundert der Lager“ und in der russischen Geschichte näher zu bestimmen. Behandelt werden einleitend das sibirische Strafvollzugs- und Verbannungssystem des zarischen Russlands. Es institutionalisierte sich in vormodernen Strafkolonien, die mit den Lagersystemen und Zwangsarbeitsregimen des 20. Jahrhunderts noch wenig gemeinsam hatten. Im Mittelpunkt der Vorlesung steht dann, wie die Moskauer Parteiführer die Zwangsarbeit ideologisch legitimierten, um den GULag zu einem zentralen Instrument ihres brachialen social engineering zu machen. Ausführlich eingegangen wird auf die Lagererfahrung der Häftlinge, die seit den 1950er Jahren in eindrucksvoller Weise literarisch verarbeitet worden ist (vgl. Alexander Solschenizyn, Warlam Schalamow, Evgenija Ginzburg). Seit 1986 findet im (post)sowjetischen Raum eine öffentliche Diskussion zur Aufarbeitung der Geschichte des GULag statt. Neben den zahlreichen erinnerungskulturellen Projekten wird in der Vorlesung sowohl die offizielle Geschichtspolitik des Kremls als auch die heutige Situation des russischen Strafvollzugssystems untersucht werden.

Einführende Lektüre

Anne Applebaum, Der GULAG, Berlin 2003; Manfred Sapper u.a. (Hrsg.), Das Lager schreiben. Varlam Šalamov und die Aufarbeitung des Gulag (= Themenheft: Osteuropa 57/2007, Heft 6); Markus Ackeret, In der Welt der Katorga. Die Zwangsarbeitsstrafe für politische Delinquenten im ausgehenden Zarenreich (Ostsibirien und Sachalin), München 2007; Julia Landau/Irina Scherbakowa (Hrsg.), Gulag. Texte und Dokumente 1929-1956, Göttingen 2014; Renate Lachmann, Lager und Literatur. Zeugnisse des GULAG, Konstanz 2019; Masha Gessen, Vergessen. Stalins Gulag in Putins Russland, München 2019.

 

Hauptseminare

Das Jahrhundert der Lager. Globalgeschichte von Lager und Zwangsarbeit im 20. Jh. (Prof. Dr. Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Hauptseminar
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin: 3 st., Di 10–13 Uhr
Beginn: 27.04.2021
Ort: Das Hauptseminar ist als Online-Lehrveranstaltung konzipiert
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: folgt
 
Inhalt

Lagersysteme und Zwangsarbeit gehören zu den Schattenseiten der Industriemoderne, die im 20. Jahrhundert nicht nur Fortschritt und Wachstum, sondern auch ungehemmte Gewalt und den Raubbau an natürlichen sowie sozialen Ressourcen ermöglichte. Die Lager dienten als Muster und Schablonen für die totalitäre Gesellschaft sowie als Versuchsfelder eines brachialen social engineering. Mit der Konzentration einer großen Menschenmenge auf engstem Raum bildeten die Lager einen leicht verfügbaren Arbeitskräftefond, der keineswegs nur in Kriegszeiten für rüstungs- und volkswirtschaftliche Ziele gnadenlos ausgebeutet wurde. Lagerhaft und Zwangsarbeit fielen daher oftmals zusammen. 

Beginnend mit den ersten Lagersystemen um die Wende zum 20. Jahrhundert auf Kuba und in Afrika bis zu den Arbeitslagern im heutigen China und Nordkorea sowie aktuellen Flüchtlingslagern und dem umstrittenen Guantanamo Bay Detention Camp werden im Hauptseminar unterschiedliche Lagersysteme und Zwangsarbeitsregime untersucht. Besondere Beachtung finden der stalinistische GULag, die nationalsozialistischen Konzentrationslager und die Kriegsgefangenenlager der beiden Weltkriege.

Ausführlich erörtert wird, wie die jeweiligen politischen Verantwortlichen Lagerhaft und Zwangsarbeit legitimierten. Darüber hinaus geht es um die bedrückenden Erfahrungen der Lagerhäftlinge und Zwangsarbeiter*innen, die in eindrucksvoller Weise literarisch verarbeitet worden sind. Schließlich behandelt das Hauptseminar die öffentlichen Diskussionen zur Bewältigung der Lager- und Zwangsarbeitsgeschichte in Form von juristischer Aufarbeitung und öffentlichen Erinnerungsprojekten.

Einführende Lektüre

Joël Kotek/Pierre Rigoulot, Das Jahrhundert der Lager. Gefangenschaft, Zwangsarbeit, Vernichtung, Berlin 2001; Bettina Greiner u.a. (Hrsg.), Die Welt der Lager. Zur „Erfolgsgeschichte“ einer Institution, Hamburg 2013; Christoph Jahr/Jens Thiel (Hrsg.), Lager vor Auschwitz. Gewalt und Integration im 20. Jahrhundert, Berlin 2013; Kerstin von Lingen/Klaus Gestwa (Hrsg.), Zwangsarbeit als Kriegsressource in Europa und Asien, Paderborn 2014: Wesley Kendall, From Gulag to Guantanamo. Political, social and economic Evolutions of Mass Incarceration, London 2016.

Proseminare

Family Affairs: Politik und Privatleben im Russischen Reich (18.+19.Jh.) (Alexa von Winning, M.A.)

Veranstaltungsform: Proseminar
Dozentin: Alexa von Winning, M.A.
Termin: 3 st., Mo 13-16 (mit Tutorium)
Beginn: Montag, 26.4.2021
Ort: Das Proseminar ist als Online-Lehrveranstaltung konzipiert und stützt sich auf verschiedene Arbeitsformate (Zoom, Wiki, Audiodateien; Hinweise siehe Kommentar).
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Lektüre von ca. 50 Seiten Text pro Sitzung (oft in englischer Sprache), Lektürenachweise (Text- oder Audiodateien) und Mitarbeit am Wiki, aktive Teilnahme an den Diskussionen im Proseminar, Quelleninterpretation, Hausarbeit.
Bemerkungen: Keine Russischkenntnisse notwendig. Für die Teilnahme am Proseminar sind fundierte Englischkenntnisse Voraussetzung.
 
Inhalt

Politik und Familienleben wurden in der Geschichtswissenschaft lange als Gegensätze konzipiert: Die Politik galt als männlicher Lebensbereich, der in der Öffentlichkeit stattfand, während der Familienalltag als weibliche, im Privaten verortete Sphäre verstanden wurde. Bei genauerer Betrachtung verschwimmen diese Grenzen zwischen Politik und Familie jedoch. Tatsächlich gab es im 18. und 19. Jahrhundert zahlreiche Querverbindungen: Die Familie war ein zentraler Handlungsraum (sphere of agency) für Männer wie für Frauen; andererseits versuchte der Staat über die Familie, Zugriff auf seine Untertanen zu bekommen und sie zu regulieren. Das zentrale Ziel des Proseminars ist es, über die verschiedenen gesellschaftlichen Funktionen von Familie nachzudenken: Denn zu „family affairs“ gehört weit mehr als die Geburt und Aufzucht von Kindern.

Dafür werden wir verschiedene Funktionen der Institution Familie diskutieren. Wir werden uns auf das Russische Reich im 18. und 19. Jahrhundert konzentrieren (1762–1917). Auf Wunsch können Vergleiche zu anderen Ländern vorgenommen werden. Zu den behandelten Themen werden unter anderem gehören: Familie und imperiale Repräsentation, Familie als Ort sozialer Distinktion, Familie als Bühne für intellektuelle Leistungen, Familie als Metapher um über die Gesellschaft zu sprechen und verdeckte Kritik an den Zaren zu äußern.

Das Proseminar wird als digitale Lehrveranstaltung durchgeführt und enthält synchrone wie asynchrone Elemente. 60-minütige Zoom-Sitzungen dienen der Diskussion und vertiefenden Analyse. Dazu werden die Studierenden zu Hause kurze Artikel für ein gemeinsames Wiki zu „Family Affairs“ verfassen. Das Endprodukt wird allen Teilnehmer*innen zur Verfügung stehen. Auch wird es die Möglichkeit geben, kleine Podcasts anstelle von schriftlichen Lektürenachweisen zu erstellen. Erfahrungsgemäß bietet das eine erfreuliche Abwechslung zu schriftlichen Arbeiten. Das Arbeitsvolumen wird das vorgesehene Maß nicht übersteigen.

Leistungsnachweis

Lektüre von ca. 50 Seiten Text pro Sitzung (oft in englischer Sprache), Lektürenachweise (Text- oder Audiodateien) und Mitarbeit am Wiki, aktive Teilnahme an den Diskussionen im Proseminar, Quelleninterpretation, Hausarbeit.

Einführende Lektüre

Katherine Pickering Antonova, An Ordinary Marriage. The World of a Gentry Family in Provincial Russia. Oxford 2013; Barbara Alpern Engel, Breaking the Ties That Bound. The Politics of Marital Strife in Late Imperial Russia. Ithaca 2011; William Wagner, Marriage, Property and Law in Late Imperial Russia. Oxford 1994.

Präsenzveranstaltung für Studienanfänger*innen: Die Produktion ethnischer Grenzen und kulturelle Diversität im südslawischen Raum im 19. und 20. Jahrhundert (Dr. Daniela Simon)

Veranstaltungsform: Proseminar
Dozentin: Dr. Daniela Simon
Termin: Mi 10–13 Uhr (mit Tutorium)
Beginn:

21.04.2021

Ort: wird noch bekannt gegeben
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Erwartet werden eine regelmäßige und aktive Teilnahme auf Grundlage vorbereitender Lektüre und Quellen, die Anfertigung einer Hausarbeit und das Bestehen einer Klausur.
 
Inhalt

Das Proseminar beschäftigt sich mit der Produktion ethnischer Grenzen im südslawischen Raum im 19. und 20. Jahrhundert. Dabei werden sowohl soziosymbolische als auch politisch-räumliche und politisch-territoriale Grenzziehungsprozesse in ausgewählten kulturell heterogenen Regionen in den Blick genommen. Das Ziel des Proseminars ist es einerseits in das heterogene und dynamische Forschungsfeld der interdisziplinären Grenzforschung einzuführen. Andererseits sollen die erlernten theoretischen Grundlagen mit Beispielen aus dem südslawischen Raum erläutert und diskutiert werden.

Einführende Lektüre

Dominik Gerst /Maria Klessmann / Hannes Krämer (Hrsg.), Grenzforschung. Handbuch für Wissenschaft und Studium. Baden-Baden 2021 (Das Buch ist kostenlos im Open Access erhältlich: doi.org/10.5771/9783845295305); Marie-Janine Calic, Geschichte Jugoslawiens, 2. Auflage. München 2020.

Übungen

Stress - Zeitgestaltung und Überforderungsängste im 20. Jahrhundert (Dr. Jan Arend)

Veranstaltungsform: Übung
Dozent: Dr. Jan Arend
Termin: Mo 16-18 Uhr
Beginn: 26.04.2021
Ort: Die Übung findet online in Form von Videositzungen statt.
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: folgt
 
Inhalt

Stress gehört ganz zentral zum Erfahrungsbestand (post-)moderner Gesellschaften. Als eine spezifische Form des Belastungsempfindens mit körperlicher und psychisch-emotionaler Symptomatik steht Stress im Zusammenhang mit zentralen gesellschaftlichen Fragen der Gestaltung von Arbeits- und Lebenszeit und der Gesundheitssorge. Stress hat dabei unterschiedliche Gesichter: Wer ihn beklagt, zielt bisweilen auf die Kritik einer schnelllebigen und leistungszentrierten Gesellschaft, bisweilen auf den Nachweis der eigenen beruflichen Unersetzlichkeit und gesellschaftlichen Bedeutung. Obwohl man zunächst vermuten könnte, Stress sei ein überzeitliches Phänomen, steht fest: Stress hat eine Geschichte. Erst in den 1970er begann sich der Begriff auszubreiten und sich zur allgegenwärtigen Modevokabel zu entwickeln, die wir heute kennen. In der Übung gehen wir der (Vor-)Geschichte von Stresswahrnehmung und Entspannungstechniken nach – von der Beschäftigung mit „Nervosität“ und „Neurasthenie“ um 1900 über die „Managerkrankheit“ der 1950er Jahre bis zum „Burnout“ im 21. Jahrhundert. Dabei fragen wir nach der Geschichtlichkeit des Umgangs mit Zeit, dem Körper und den Gefühlen.

Einführende Lektüre

Patrick Kury, Der überforderte Mensch. Eine Wissensgeschichte vom Stress zum Burnout, Frankfurt a. M. 2012; Jan Arend, Ist Stress westlich? Zum zeitgeschichtlichen Ort der Belastungssorge, in: Geschichte und Gesellschaft 45 (2019), S. 245–274; Mark Jackson, The Age of Stress. Science and the Search for Stability, Oxford 2013.

Kaukasien: Geschichte einer Vielvölkerregion im 19. Jahrhundert (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin: 2 st., Mo 10-12 Uhr
Beginn: 26.04.2021
Ort: Online
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Keine Russischkenntnisse notwendig.
Bemerkungen: Die Übung wird als Online-Lehrveranstaltung durchgeführt.
 
Inhalt

Die Vielvölkerregion Kaukasien umfasst die Gebirgslandschaften des Kaukasus, die sich über 1000 Kilometer zwischen dem Schwarzen und dem Kaspischen Meer erstreckten, sowie die nördlich davon liegenden Steppengebiete und im Süden Transkaukasien mit den heutigen Staaten Armenien, Aserbaidschan und Georgien.

Dieser geostrategisch wichtige Raum wurde im 19. Jahrhundert vom Russischen Reich erobert. Die Expansion begann 1801 mit der Angliederung Ostgeorgiens. Es folgten jahrzehntelange Eroberungszüge im Kaukasus, die auf den erbitterten Widerstand der Bergvölker stießen.

Die Übung führt in Forschungsfelder der Imperiumsgeschichte ein und untersucht am Beispiel Kaukasiens die Beziehungen zwischen Zentrum und Peripherien auf drei Ebenen. Der erste Themenschwerpunkt eröffnet eine imperiale Perspektive und umfasst die Methoden der Eroberung und Herrschaftssicherung wie militärische Verwaltung, Kolonialisierung, Vertreibung der indigenen Völker und Kooperation mit einheimischen Eliten. Das zweite Themenfeld stellt die Perspektive der Peripherie in den Mittelpunkt und fokussiert auf die Entwicklung einer georgischen Nationalbewegung in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts. Am Beispiel des kulturellen Stellenwerts Kaukasiens soll auf einer dritten Ebene der Kaukasus als Projektionsfläche für die Geschichte des Eigenen im Fremden untersucht werden, so z.B. in Aleksandr Puškins Verspoem „Der Gefangene im Kaukasus“ aus dem Jahre 1821.

Einführende Lektüre

Hubertus Jahn (Hrsg.), Identities and Representations in Georgia from the 19th Century to the Present, Berlin 2021; Susan Layton, Russian Literature and Empire: Conquest of the Caucasus from Pushkin to Tolstoy, Cambridge 1994; Jeronim Perović, Der Nordkaukasus unter russischer Herrschaft. Geschichte einer Vielvölkerregion zwischen Rebellion und Anpassung, Köln, Weimar; Wien 2015; Oliver Reisner, Kaukasien als imaginierter russischer Raum und imperiale Erfolgsgeschichte.

Rebellionen, Aufstände und Umsturzversuche im östlichen Europa (18. und 19. Jahrhundert) (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin: 2 st., Mi 10-12 Uhr
Beginn: 21.04.2021
Ort: Die Übung wird als Online-Lehrveranstaltung durchgeführt.
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Keine Russischkenntnisse notwendig.
 Inhalt

Zwei Jahre lang von 1773-1775 erschütterte eine Aufstandsbewegung unter Führung des Kosakenhauptmanns Emeljan Pugačev das Zarenreich. Die Revolte wurde niedergeschlagen, die Regierung suchte vergeblich, die Erinnerung an die Aufstandsbewegung dem Vergessen anheim zu geben. Auf die Französische Revolution antwortete das Russische Reich mit verstärkten Zensurmaßnahmen. „Die französische Pest“, so die Formulierung in den Verordnungen Katharinas II., griff aber auf Polen-Litauen über. 1794 sammelte in Krakau Tadeusz Kościuszko die aufständischen Truppen zum Befreiungskampf gegen die zarische Teilungsmacht.1825 folgte ein Umsturzversuch adliger Offiziere, der sogenannten Dekabristen, die dem neuen Zaren Nikolaus I. den Eid verweigerten und mit dem Herrschaftswechsel eine Änderung der Regierungsform anvisierten. Auch diese Bewegung wurde niedergeschlagen. Nur fünf Jahre später setzte sich der polnische Befreiungskampf im Novemberaufstand 1830-1831 fort. Parallel dazu kam es im selben und im darauffolgenden Jahr zu Choleraufständen und Widerstand gegen Quarantänemaßnahmen in verschiedenen Städten des Reiches.

Die Übung untersucht den Zeitraum des letzten Drittel des 18. und des ersten Drittel des 19. Jahrhunderts als „Epoche der Unruhe und Aufstände“ im östlichen Europa. Die Verbindung von Altem und Neuem in diesen Konflikten – wie das Ringen um die Bewahrung der angestammten Freiheiten bei den kosakischen Grenzkriegergemeinschaften auf der einen Seite und die Verwirklichung der Selbstbestimmungsrechte der polnischen Nation auf der anderen Seite - soll im europäischen Kontext interpretiert werden. Folgende Themen stehen dabei in vergleichender Perspektiven auf dem Programm: Anführer und Akteursgruppen der Aufstände, ihre Forderungen, Formen des Widerstands, das Ausmaß von Gewalt in diesen Bewegungen und die gesellschaftliche Kommunikation über die Aufstände.

Einführende Lektüre

Hans-Jürgen Bömelburg, Der Revolutions- und Aufstandsdiskurs in Polen (1789-1870): Ein politischer Richtungsbegriff zwischen nationaler und gesellschaftlicher Emanzipation, in: Detlef Henning (Hrsg.), Revolution in Nordosteuropa. Wiesbaden 2011, S. 39-64; Malte Griesse/Gleb Kazakov (Hrsg.), Kosakische Aufstände und ihre Anführer: Heroisierung, Dämonisierung und Tabuisierung der Erinnerung, Themenheft der Jahrbücher für Geschichte Osteuropas 65, 1 (2017); Heidi Hein-Kircher, Der Novemberaufstand 1830/31 und seine Folgen, in: Michael G. Müller (Hrsg.), Polen in der europäischen Geschichte. Ein Handbuch in vier Bänden, Bd. 3, Stuttgart 2018, S. 197-208; Heinz-Dietrich Löwe (Hrsg.), Volksaufstände in Rußland. Von der Zeit der Wirren bis zur „Grünen Revolution“ gegen die Sowjetherrschaft, Wiesbaden 2006; Dorothea Peters, Politische und gesellschaftliche Vorstellungen in der Aufstandsbewegung unter Pugačev (1773-1775), Berlin 1973.

Grundlagentexte der russisch-sowjetischen Geschichte: 1990er Jahre (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin:

2 st., Do 14.00–16.00

Beginn: 22.04.2021
Ort: Online
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Russischkenntnisse sind notwendig.
Bemerkungen: Die Übung findet online in Form von Videositzungen statt
Inhalt

Die Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion werden oft als „wilde 1990er“ („lichie devjanostye“) und eine Phase des dramatischen wirtschaftlichen Niedergangs, der Armut, Kriminalität und Korruption beschrieben. Eine andere Sichtweise sucht diese gängige Etikettierung als Propagandaformulierung („propagandistskij štamp“) zu entlarven und betont den gesellschaftlichen Aufbruch dieser Übergangszeit als „Erfahrung der Freiheit“ („opyt svobody“).

In der Übung nähern wir uns diesem Jahrzehnt der Transformation über seine Sprache und Rhetorik. Die Auswahl der Textsorten, die wir besprechen und übersetzen werden, reicht von Zeitungsartikeln, wissenschaftlichen Beiträgen, Reden, „offenen Briefen“ von Personen des kulturellen Lebens, soziologischen Umfragen bis hin zu Liedtexten.

Ziel ist es, anhand der kritischen Lektüre der Texte in Grundfragen der Forschung zur Umbruchphase der 1990er Jahre einzuführen und ein russisch-deutsches Glossar zu erstellen.

Einführende Lektüre

Die Texte werden ausgegeben. Zur vorbereitenden Lektüre empfohlen: Dossiers zu den 1990er Jahren: www.dekoder.org/de/dossier/wilde-1990er-jahre-aufloesung-sowjetunion.

Erinnerung und Gedächtnis: Eine Einführung in die historische Gedächtnisforschung am Beispiel russischer Erinnerungsorte (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin: 2 st., Do 10-12 Uhr
Beginn: 22.04.2021
Ort: Online
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Keine Russischkenntnisse notwendig
Bemerkungen:

Die Übung wird als Online Lehrveranstaltung durchgeführt.

Inhalt

Wie funktioniert das „Erinnern, um dazuzugehören“ (Jan Assmann), wie können Erinnerungsgeschichten von Ereignissen oder spezifischen Orten eine identitätsstiftende und gruppenstabilisierende Wirkung haben? Diese Frage nach den Mechanismen von individuellem und kollektivem Erinnern und der Ausformung eines kollektiven Gedächtnisses erörtern wir am Beispiel der russischen und sowjetischen Geschichte. Die Übung bietet eine Einführung in die theoretischen Arbeiten der historischen Gedächtnisforschung und in das Konzept der „Erinnerungsorte“ (lieux de mémoire).

Als Beispiele für die Kanonisierung, die Tradierung und den Wandel von Vergangenheitsbildern gehen wir auf folgende „Erinnerungsorte“ im russischen kulturellen Gedächtnis näher ein: Halbinsel Krim; Fürst Aleksandr Nevskij; die Anführer der Landwehr von 1612 Kuzʼma Minin und Fürst Dmitrij Požarskij; Zar Peter I.; der Brand Moskaus 1812; Der Zweite Weltkrieg; Jurij Gagarin, der „Kolumbus des Kosmos“.

Einführende Literatur

Maurice Halbwachs, Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt/M. ²1991; Pierre Nora, Zwischen Geschichte und Gedächtnis, Frankfurt/M. 1998; Sabine Moller, Erinnerung und Gedächtnis, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 12.4.2010, URL: docupedia.de/zg/Erinnerung_und_Ged.C3.A4chtnis; Frithjof Benjamin Schenk, Aleksandr Nevskij. Heiliger – Fürst – Nationalheld. Eine Erinnerungsfigur im russischen kulturellen Gedächtnis (1263-2000), Köln 2004; Mischa Gabowitsch/ Cordula Gdaniec/ Ekaterina Makhotina (Hrsg.), Kriegsgedenken als Event. Der 9. Mai 2015 im postsozialistischen Europa, Paderborn 2017; Christoph Cornelißen, Erinnerungskulturen, Version: 2.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 22.10.2012 docupedia.de/zg/cornelissen_erinnerungskulturen_v2_de_201.

Marlene Dietrich und Helen Mirren: Katharina II. von Russland im Film (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin: 3 st., 14-17 Uhr
Beginn: 21.04.2021
Ort: Online
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Keine Russischkenntnisse notwendig
Bemerkungen: Die Übung ist als digitale Lehrveranstaltung konzipiert und enthält synchrone und asynchrone Elemente. Nach einführenden Sitzungen sollen in Gruppenarbeit erstellte Filmanalysen in Zoom-Sitzungen diskutiert werden.
Inhalt

Marlene Dietrich (Die scharlachrote Kaiserin, 1934) und Helen Mirren (Catherine the Great, 2019) als Katharina II. von Russland: Der Boom an Spielfilmen über die deutsche Prinzessin auf dem Zarenthron im Jahrhundert der Palastrevolutionen scheint ungebrochen. Weibliche Herrscherpersönlichkeiten gehören zu beliebten Filmheldinnen, die sich offenbar publikumswirksam vermarkten lassen.

Nach einer Einführung in Leben und Regierung Katharinas II. werden wir die Besonderheiten des Genres „Historischer Film“ und „Biographical Picture“ (Biopic) am Beispiel einer Reihe von Spielfilmen erarbeiten. Die Filmanalysen werden sich auf die Fragen konzentrieren, wie die Popularisierung historischer Stoffe funktioniert und ob der Handlungsverlauf überhaupt noch etwas mit der historischen Biographie zu tun hat. In einem zweiten thematischen Schwerpunkt wird es am Beispiel Katharinas II. um Genderfragen, um weibliche Herrschaft im 18. Jahrhundert und um Weiblichkeitsentwürfe im Film gehen.

Einführende Literatur

John T. Alexander, Catherine the Great: Life and Legend, New York 1989; Deborah Cartmell / Ashley D. Polasek (Hrsg.), A Companion to the Biopic. Newark 2020; Viktoria Ivleva, Catherine II as Female Ruler: The Power of Enlightened Womanhood, in: Vivliofika: E-Journal of Eighteenth-Century Russian Studies 3 (2017), S. 20-46; Isabel de Madariaga, Russia in the Age of Catherine the Great, London 1981; Claus Scharf, Katharina II. Deutschland und die Deutschen, Mainz 1996.

Wie schreibt man eine Rezension? Zur Praxis wissenschaftlicher Buchbesprechungen (PD Dr. Katharina Kucher)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: PD Dr. Katharina Kucher
Termin:

2 st., Fr 10-12 Uhr

Beginn: 23.04.2021
Ort: Online per ZOOM
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen:

Gute Kenntnisse der englischen Sprache ebenso die Bereitschaft, sich auf die einzelnen Sitzungen durch die angegebene Lektüre vorzubereiten.

Inhalt

Rezensionen oder Buchbesprechungen sind ein wichtiges Medium der wissenschaftlichen Kommunikation: Die Autor*innen erhalten durch die Rezensionen ein Feedback und den Leser*innen dienen sie als inhaltliche Orientierungshilfe. In der Übung werden wir uns damit beschäftigen, inwiefern Rezensionen nützlich sind, wo Rezension zu finden ist und wie sich die verschiedenen Publikationsorte unterscheiden. Weiter befassen wir uns mit der Frage: Wie schreibe ich eine gute Rezension? Dies erfolgt zunächst theoretisch anhand ausgewählter Beispiele, um dann das erarbeitete Wissen in die Praxis umzusetzen. Alle Teilnehmer*innen fertigen eine Rezension zu einem geschichtswissenschaftlichen Werk (Monographie oder Sammelband) an. Eine Liste mit Titeln wird zu Beginn der Übung ausgegeben. Die Dozentin, Leiterin der Redaktion der Jahrbücher für Geschichte Osteuropas, unterstützt die Teilnehmer*innen bei der Abfassung der Texte, die in den einzelnen Sitzungen gemeinsam besprochen werden. Herausragend gelungene Rezensionen können unter Umständen in die Auswahl für eine Publikation in den jgo e-reviews (erscheinen auf der Rezensionsplattform recensio.net) genommen werden.

Einführende Lektüre

Stefan Jordan, Einführung in das Geschichtsstudium, Stuttgart 2005, S. 73-75.

Kolloquium / Oberseminar

Kolloquium: Neuere Forschungen zur Osteuropäischen Geschichte (Prof. Dr. Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Kolloquium
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin Montag, 18 c.t. – 20 Uhr
Beginn: 26.04.2021
Ort: Das Kolloquium findet als Webinar statt.
Anmeldung: keine Anmeldung erforderlich
Voraussetzungen:

Für alle, die sich für Osteuropäische Geschichte interessieren. Keine Anmeldung erforderlich. ECTS-Punkte können durch regelmäßigen Besuch und die Abfassung eines Essays erworben werden.

 
Inhalt

Im Rahmen des Kolloquiums werden interessante neue Studien erörtert und aktuelle Forschungsdiskussionen besprochen.

Oberseminar für fortgeschrittene Studierende, Examenskandidat*innen und Promovierende (Prof. Dr. Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Oberseminar
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin 2st., n.V.
Ort: Das Oberseminar findet als Webinar statt.
Bemerkungen: Für fortgeschrittene Studierende, Examenskandidat/innen und Promovierende. Keine Anmeldung erforderlich.
 
Inhalt

Im Oberseminar stellen Examenskandidat*innen und Promovierende ihre Projekte zur Diskussion. Es finden Studientage und Kompaktsitzungen statt, auf denen ausgewählte Fachliteratur und Filme gemeinsam erörtert werden. Des Weiteren gibt es Treffen zur Vorbereitung auf die mündlichen Staatsexamensprüfungen 

Das Programm und die genauen Termine werden zu Beginn des Semesters bekannt gegeben.