Pathologisierung mentaler Zustände

Was ist krank, was ist normal, was ist der Mensch?

Matthias Böhm, Phillip Nakov, Benedikt Reusch, Milan Babic

Seit dem Jahre 1976 hat sich die Anzahl der Krankheitstage aufgrund psychischer Erkrankungen in der BRD verfünffacht. Psychische Störungen sind mittlerweile die zweithäufigste Krankheitsursache, bei fast 30% der EU-Bürger zwischen 18 und 65 Jahren wird eine solche Störung diagnostiziert.

Vor allem in unseren Leistungsgesellschaften kommt es immer häufiger zur Ausweitung von Diagnosekatalogen, immer neue "Krankheiten" finden Eingang in den medizinischen Kanon. Doch wie gerechtfertigt sind diese Zuschreibungen? Gibt es Praktiken, die vermeintlich gesunde Zustände als krankhaft markieren und dabei scharfe Grenzen zum "Normalen" und "Gesunden" ziehen, die tatsächlich aber uneindeutig sind?

In unserer Projektarbeit wollen wir diese medizinischen Trennlinien durchleuchten und auf ihre Begründungsstrukturen eingehen. Dabei werden wir mit der Methode der Kritischen Diskursanalyse versuchen, bestehende Definitionen und gängige Festsetzungen zu dekonstruieren, um ihre impliziten Voraussetzungen, Strukturen und Folgerungen offen zu legen. Unser Augenmerk wird in einem weiteren Schritt vor allem den Übergängen von "normalen" zu "krankhaften" Zuständen gelten: sind diese wirklich strikt voneinander zu trennen oder finden hier nicht vielmehr fließende, uneindeutige Übergänge statt, die in der Realität nur schwer zu fassen sind?

Da der Mensch sich auch als funktionales Wesen begreift, berührt die Frage nach Krankheit und Normalität letzten Endes auch zentrale Aspekte des Menschseins und seiner genauen Bestimmung.