Zwischen Inklusion und Exklusion

Die Bedeutung von Scham für das Zusammenspiel von Individuum und Gesellschaft

Sonja Cornelsen, Endre Holeczy, Sina Pauly, Christian Stritzelberger

Sich zu schämen ist ein eigenwilliges Phänomen. Einerseits reagiert unser Körper (Erröten, …), andererseits reagiert er aber nicht auf einen eindeutigen äußeren Reiz, sondern auf ein soziales Ereignis.

Was uns beschämt, ist kulturell geprägt und zeigt doch physiologische Auswirkungen. Unser Körper reagiert zwar auf ein in der realen Welt stattfindendes Ereignis, jedoch nicht direkt auf dessen Auftreten, sondern auf die von uns vermutete Reaktion anderer, selbst wenn diese nicht anwesend sind. Die klassischen Trennungen von Geist und Körper, von Gesellschaft und Individuum können die Scham nicht fassen.

Vielleicht wird deswegen die Scham immer wieder als Schlüsselphänomen zum Verständnis des Menschen​ in der Welt​ herangezogen. Sei es als Indiz seines Sündenproblems in der christlichen Deutung der Paradiesgeschichte, sei es als Kriterium sozialen Verhaltens und der Auseinandersetzung mit der eigenen Wirklichkeit (Kafka), sei es als Erklärung für den Ursprung der Technik (Derrida).

Dieser Spur aus ​(neuro-)psychologischer​ und physiologischer​ Realität, sozialer Vermittlung und systematischer Bedeutung für das Verständnis des Menschen geht unsere Projektgruppe nach.​