International Center for Ethics in the Sciences and Humanities (IZEW)

BedenkZeiten – Zur Weiterführung des Ethik-Blogs am IZEW

Die Frage nach dem guten und richtigen Handeln ist eine der Dreh- und Angelpunkte menschlichen Lebens – und Gegenstand der Reflexion und Begründung in der Ethik. Das betrifft weitreichende gesellschaftspolitische Entscheidungen ebenso wie ganz konkrete Herausforderungen, denen Einzelne im Alltag gegenüberstehen. Weil Wertvorstellungen dabei, ebenso wie Menschen, divers sind und es – jenseits grundlegender Menschenrechte, dies sei ausdrücklich auch erwähnt – nur selten ein einfaches „Richtig“ oder „Falsch“ gibt, ist es für jede Gesellschaft wichtig, der Bestimmung von konkreten Zielen und der Aushandlung von Konflikten zwischen Normen und Wertvorstellungen einen Raum zu bieten. Ein solcher Raum erlaubt es, aus einer ethischen Perspektive heraus gesellschaftliches Handeln zugleich kritisch und produktiv zu reflektieren.

Dass diese Räume nicht immer gegeben sind oder im Angesicht anderer Perspektiven auf gesellschaftliches Handeln in den Hintergrund rücken, zeigt sich seit Anfang dieses Jahrs in besonderer Weise. Mit dem Beginn der Covid19-Pandemie wurden weltweit weitreichende Maßnahmen ergriffen, um das Leben und die Gesundheit von Menschen zu schützen. Gerade in der ersten Zeit stand dabei die medizinisch-virologische Perspektive im Zentrum. Zugleich zeigte sich recht schnell, dass eben dieser Blick nicht ausreicht, um die vielfältigen gesellschaftlichen Herausforderungen anzugehen, die mit einer globalen Pandemie einhergehen. Im März dieses Jahres haben wir deshalb den Blog BedenkZeiten gestartet, um die Diskussionen rund um die Pandemie auf interdisziplinäre ethische Aspekte zu erweitern. In den ersten 14 Wochen des Blogs sind dabei über 30 Beiträge entstanden, die aus ganz verschiedenen Blickwinkeln ethisch bedeutsame Themen der Pandemie in den Blick genommen haben.

Nun, etwa ein halbes Jahr später, ist die Krise zwar noch lange nicht überstanden, aber es wird deutlich, dass alle auf die eine oder andere Weise zu einer Art – neuer oder anderer – Normalität zurückkehren wollen und müssen. Das heißt nicht, dass die Pandemie aufhört, alle Bereiche unseres Lebens weiterhin zentral zu beeinflussen, sondern es bedeutet vielmehr, dass es auch Zeit ist, anderen Themen wieder mehr Raum zu geben. In eben diesem Sinne möchten wir unseren Blog weiterentwickeln und auf der BedenkZeiten Plattform durch eine Vielfalt an Themenspektren Anregung zur Reflexion zu geben.

Das IZEW befasst sich mit der ganzen Bandbreite anwendungsbezogener ethischer Fragen. Standen in der Vergangenheit einzig Aspekte der Pandemie im Zentrum, soll der Blog in Zukunft die gesamte Vielfalt ethisch relevanter gesellschaftlicher Entwicklungen und Herausforderungen beleuchten. Neben grundlegenden Fragen der Ethik in den Wissenschaften reicht das Spektrum von Ethik und Bildung über gesellschaftliche Wertfragen von Kultur und technischem Wandel bis zu Fragen gelingender Naturverhältnisse und Nachhaltiger Entwicklung. Der Blog versteht sich als Impulsgeber für eine breite gesellschaftliche Diskussion über die vielfältige Frage nach Gerechtigkeit und dem Guten Leben. In diesem Sinne geht es darum, ethische Fragen aus der aktuellen Forschung oder neue Herausforderungen aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen knapp und verständlich zu beleuchten und damit einen Einblick zu geben, was es heißt, normative und Wertekonflikte zu bearbeiten. Dabei wird weiterhin die Inter- und Transdisziplinarität einer Ethik in den Wissenschaften sowohl Ausgangspunkt als auch Ziel sein, sodass die ethisch relevanten Fragen, die sich für wissenschaftliche eben wie andere gesellschaftliche Kontexte stellen, hier einen Ort haben.

Regina Ammicht Quinn, Thomas Potthast und die BedenkZeiten Redaktion