China Centre Tübingen (CCT)

Initiative Horizontwandel

Vorstellungen von China im 'Westen' sind verknüpft mit historisch gewachsenen und gesellschaftlich geprägten Ideen und Bildern vom und auch Vorurteilen über 'die Anderen'. China-Kompetenz ist deshalb einerseits verknüpft mit der Bewältigung von Differenzerfahrungen bzw. Fremdheitserlebnissen, gleichzeitig aber auch mit der Reflektion der eigenen Vorstellungen und Position. Daher zielt die Initiative Horizontwandel des CFT auf einen Einstellungswandel im Zusammenhang mit fortdauernder kultureller Differenz. China-Kompetenz ist daher nicht ohne Aufgeschlossenheit und Neugier, aber auch nicht ohne Reflektierung der eigenen Werthorizonte denkbar.

Da sich das chinesische Wissenschaftssystem vor dem Hintergrund einer Umstellung auf innovationsgetriebenes, nachhaltiges Wachstum derzeit dynamisch reformiert, sind von dort innovative Impulse zu erwarten. Chinas Wissenschaft hat in vielen Feldern aufgeholt und chinesische Universitäten behaupten sich im internationalen Vergleich. Im Sinne des Konzeptes eines globalen Wissensaustauschs und grenzenlosen Wissenserwerbs sind daher Kooperationen der Universität Tübingen in den Bereichen Forschung und Ausbildung wissenschaftlichen Nachwuchses mit China als Wissenschaftspartner erstrebenswert. Das CFT im Chinazentrum Tübingen (CCT) dient der Erkundung und Implementierung hierzu dienlicher Handlungsstrategien.

Reform des chinesischen Wissenschaftssystems

Chinas Wissenschafts-, Technologie und Innovationspolitik befindet sich seit 2012 im Wandel. Die Reform der Steuerungsinstrumente und eine Umstrukturierung der Forschungsförderprogramme mit dem Ziel, zu einer effizienten und transparenten Umsetzung ambitionierter Entwicklungsziele beizutragen, verdienen Aufmerksamkeit. –

Mit dem 13. Fünfjahresplan (2016-2020) veröffentlichte China langfristige Ziele der Wissenschafts-, Technologie und Innovationspolitik: Bereits im Jahr 2020 will China zu den 15 innovativsten Ländern zählen und bis zum Jahr 2030 zu den führenden Innovationsländern aufschließen. Entsprechend sind Chinas Ausgaben für Forschung und Entwicklung (FuE) zwischen 2012 und 2017 um 71 Prozent angestiegen. Mit 203 Mrd. € lag China 2015 auf dem zweiten Platz der Länder mit den höchsten Ausgaben für FuE hinter den USA und vor Japan und Deutschland (dritter und vierter Platz).

Chinesische Forschungslandschaft und Förderprogramme

Chinas Forschungslandschaft lässt sich in öffentliche, universitäre und unternehmerische Forschungs- und Entwicklungs-Institutionen unterteilen. Öffentliche Forschungseinrichtungen sind z.B. die Chinese Academy of Science (CAS), die Chinese Academy of Social Science (CASS) sowie auf Provinzebene einige lokale Forschungsinstitute mit verschiedenen Schwerpunkten. Durch die Reform der CAS im Jahr 2014 wurde die Anzahl der Institute von 104 auf 60 reduziert. Außerdem soll die internationale Zusammenarbeit gestärkt werden.

Zur Anhebung des Qualitätsniveaus der Forschungslandschaft im universitären Bereich soll das „Doppel-Exzellenz-Programm“ beitragen, das sich am deutschen Model der Exzellenzinitiative orientiert. In 42 erstklassigen Universitäten (一流大学) werden sowohl die Universität insgesamt als auch Fachdisziplinen gefördert. Außerdem werden über insgesamt 465 erstklassige Fachdisziplinen (一流科学) 95 weitere Universitäten gefördert. Durch den Fokus auf einzelne Disziplinen rücken einzelne chinesische Universitäten als spezialisierte Hochschulen ins internationale Blickfeld.

Neben der CAS und den Universitäten sind chinesische Forschungs- und Innovationsplattformen mit der Umsetzung so genannter Megaprojekte befasst. Die Megaprojekte sollen mittel- bis langfristig zur Förderung von strategisch wichtigen Technologiesektoren und dem Aufbau wichtiger Industrien dienen.

Mit der Reform der öffentlichen und universitären Forschungseinrichtungen wird ein starker Förderschwerpunkt auf die Steigerung von Exzellenz gelegt. Gleichzeitig kann man erwarten, dass immer mehr chinesische Forschungseinrichtungen und Universitäten einen wissenschaftlichen Austausch und Forschungskooperationen mit international renommierten ausländischen Universitäten anstreben werden.

Studie: Monitoring des Asiatisch-Pazischen Forschungsraums (APRA) mit Schwerpunkt China

Die Universität Tübingen und Kooperationen mit chinesischen Partnern

Auf diese neuen Entwicklungen will sich die Eberhard Karls Universität einstellen, zumal dort China-Kompetenz bereits stark vertreten ist. Geistes- und Sozialwissenschaften, Wirtschafts- und Rechtswissenschaften, Natur- und Lebenswissenschaften sowie die mit der Universität als An-Institute oder im Tübingen Research Campus (TRC) verbundenen außeruniversitären Forschungsinstitute pflegen seit Jahren vielfältige Partnerschaften in bzw. mit China (siehe: WiN-China). Die Universität verfügt mit dem European Centre for Chinese Studies at Peking University (ECCS) über eine Außenstelle an der Peking-Universität (PKU). Außerdem ist mit dem European Research Center on Contemporary Taiwan (ERCCT) die Taiwan-Forschung an der Universität gut ausgebaut.

In der Lehre findet China – von den sinologischen Studiengängen abgesehen – in der Wirtschaftswissenschaft (Schwerpunkte für die B.Sc.-Studiengänge International Business Administration und International Economics sowie im M.Sc.-Studiengang International Business) sowie im interfakultären M.A.-Studiengang Politik und Gesellschaft Ostasiens Berücksichtigung. EineTübinger Besonderheit ist der 2013 eingeführte Lehramtsstudiengang Chinesisch.

Die chinesischen Studierenden stellen mit fast 13 Prozent die größte Gruppe innerhalb ausländischer Studierender an der Universität Tübingen dar. Die Universität Tübingen ist bei chinesischen Studierenden wegen ihres exzellenten internationalen Rufs und den hervorragenden Lehr- und Forschungsbedingungen beliebt.

Studiengänge mit Chinabezug

An der Universität Tübingen gibt es in verschiedenen Fachbereichen auch außerhalb der Sinologie Studiengänge, welche die Möglichkeit eines in den Studienablauf integrierten Chinaaufenthaltes bieten:

B.Sc. International Business

M.Sc. International Business