Tübingen School of Education (TüSE)

Als Fremdsprachenassistentin in Toul, Frankreich

Desiree, Lehramtsstudentin in Tübingen, war sechs Monate lang als Fremdsprachenassistentin an einem französischen Lycée in Toul.

Warum ein Praktikum im Ausland?

Im Französischstudium ist es dringend angeraten, eine Zeit im franzö­sischsprachigen Ausland zu verbringen, und ich hätte mir so eine Erfah­rung auch niemals entgehen lassen. Man lernt eine Sprache einfach ganz anders, wenn man sie „lebt“. Der Vorteil ist, dass man mit dem Pädagogischen Austauschdienst (PAD) ganze sechs Monate ins Aus­land gehen kann.

Da mich Erasmus wenig angesprochen hat (vor allem wegen der kurzen Dauer sowie der entstehenden Kosten) und ich durch einen glücklichen Zufall von einem Lycée in Toul gehört hatte, welches noch auf der Suche nach einer Fremdsprachenassistenz war, entschloss ich mich spontan dazu, diese Chance zu ergreifen.

Der Grund für meine Entscheidung war weniger der Ort. Mir war es nicht wichtig, wohin die Reise geht. Ich war glücklich im kleinen, charmanten Toul – und wenn ich Sehnsucht nach der Stadt hatte, konnte ich nach Nancy fahren.

Land und Leute

Meine Kolleginnen und Kollegen an der Schule waren von Anfang an sehr freundlich und hilfsbereit. Ich hatte das Glück, ganz schnell da­zuzugehören. Ich wurde zu soirées eingeladen (Abendgesellschaften mit viel Plauderei und gutem Essen), genoss jeden Tag das liebevoll zubereitete Menü in der Schulkantine (für mich ein äußerst bemerkens­werter Aspekt: der Stellenwert des Kochens) oder traf mich mit Bekann­ten und Freunden in einem Café in Nancy. Ich muss schon sagen, meine Geschmacksnerven erinnern sich sehr gerne an meinen Aufenthalt in Frankreich.

Die anderen Leute außerhalb der Schule habe ich ebenfalls als offen und interessiert erlebt. Mehrfach wurde ich angesprochen auf meine Herkunft, sei es im Supermarkt oder beim Friseur. Es ergaben sich stets nette Gespräche, was sicherlich damit zusammenhängt, dass Toul so winzig ist und praktisch jeder jeden kennt.

Die französischen Teenager scheinen sich gar nicht sehr zu unterschei­den von den deutschen. Mag sein, dass die französischen Mädchen nicht so stark geschminkt sind wie die deutschen. Aber das war es dann auch schon.

Ich muss schon sagen, meine Geschmacksnerven erinnern sich sehr gerne an meinen Aufenthalt in Frankreich.

Schule und Lernen
Ich war auf einem Lycée, was in etwa der hiesigen Oberstufe entspricht. Allerdings sind die Schülerinnen und Schüler mit 16 bzw. 17 Jahren etwas jünger, wenn sie (innerhalb von drei Jahren) das Bac (Abitur) erlangen. Bis zum Lycée, das in verschiedenen Fachrichtungen besucht werden kann, kommt es zu keiner Teilung – es gibt keine Hauptschule, Realschule oder Gymnasium, alle Schüler*innen gehen gemeinsam auf das Collè­ge. Deutliche Leistungsunterschiede sind trotzdem zu erkennen. Ich spreche von meiner Warte aus natürlich nur vom Fach Deutsch. Das Niveau der Schülerinnen und Schüler der ‚Eingangsklasse‘ bewegte sich meinem Gefühl nach zwischen A1 (also „gerade erst begonnen“) und B2 („relativ fertig“). Was mich begeistert hat, war die Section Européenne – ein bilin­gualer Zug in jedem Jahrgang, in welchem die Fächer Mathematik, Geschichte und Geografie zweisprachig unterrichtet wurden. Die Schü­ler*innen in diesem Zug befanden sich auf einem wesentlich höheren Deutsch-Niveau als die anderen.

Gut fand ich auch, dass die Schülerschaft in Freistunden in einem be­stimmten Raum unter Aufsicht Hausaufgaben machen konnte. Die Un­terstützung der Lehrkräfte durch die surveillants (Betreuerinnen und Betreuer) an der Schule, die auf einen geregelten Ablauf achten, scheint mir ein sinnvol­les Konzept zu sein. Lehrkräfte haben deshalb nicht zwingend zu wenig zwischenmenschlichen Kontakt zu ihren Schülerinnen und Schülern, aber sie sind sicher an vielen Stellen entlastet.

Erfahrungen als Lehrkraft
Im Nachhinein muss ich sagen, es wäre gut gewesen, im Vorfeld Kennt­nisse im Bereich „Deutsch als Fremdsprache“ zu besitzen. Ich wurde ziemlich ins kalte Wasser geworfen. Ich hatte keine andere Vorgabe als „die Schülerinnen und Schüler zum Deutsch sprechen zu bringen“. Nach einem fes­ten Stundenplan unterrichtete ich Gruppen der „Eingangsklasse” in einer Größe zwischen vier und zwölf Personen. Die gesamte Vorbereitung, die Themenwahl, die Methoden – alles war mir selbst überlassen. Man­che Dinge liefen sehr gut, andere nur in bestimmten Gruppen, wieder andere liefen eher mühsam.

Etwas überfordert war ich mit Bac-Klassen, die ich aus einem Notfall heraus zwei Wochen lang in den normalen Deutschstunden unterrichte­te. Für sie hatte das Fach mit Blick auf ihren Schulabschluss im Grunde kaum Bedeutung. Dementsprechend desinteressiert und aufmüpfig ha­ben sie sich präsentiert.

Toll war die Mitarbeit in der Section Européenne. Während ich in der ei­nen Stufe mehrfach assistierte und mich mit einem Vortrag aktiv einbrin­gen konnte, durfte ich in der anderen Stufe sogar eine mündliche Pro­be-Prüfung mit den Schülerinnen und Schülern durchführen und ihre Leistungen auch bewerten – was gar nicht so einfach war!
Ich denke, es wäre von Vorteil, soviel fachdidaktisches Wissen wie mög­lich mitzubringen und solch einen Aufenthalt nach dem eigentlichen Schulpraxissemester einzuplanen.

Ich habe das Schulpraxissemester im vollen Umfang (nicht nur die weni­gen Wochen, zu denen ich aufgrund meines Assistenzjahres nur noch verpflichtet war) erst nach meiner Zeit in Frankreich absolviert. Heute würde ich an manche Dinge anders herangehen und es würde den Schülerinnen und Schülern eventuell mehr bringen. Diverses Wissen aus dem Bereich der Lernpsycholo­gie erachte ich ebenfalls für wichtig. Wirklich vorbereitet war ich auf meine Tätigkeiten in Frankreich aber nicht, es kam mir stellenweise eher wie ein großes Ex­periment vor. Ich würde gerne noch viel mehr über Psychologie von Kin­dern und Jugendlichen in unserer heutigen Zeit erfahren. Wie sie ticken, was sie brauchen, ...

Was mich begeistert hat, war die Section Européenne – ein bilin­gualer Zug in jedem Jahrgang, in welchem die Fächer Mathematik, Geschichte und Geografie zweisprachig unterrichtet wurden. Die Schü­ler*innen in diesem Zug befanden sich auf einem wesentlich höheren Deutsch-Niveau als die anderen.

Meine Empfehlungen
Das Praktikum hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich hatte die Möglichkeit, mich selbst als Lehrkraft in einem recht ungezwungenen Rahmen aus­zuprobieren. Ich lebte ein halbes Jahr lang wirklich unter Franzosen, hatte außerdem eine amerikanische Mitbewohnerin und führte gelegent­lich Unternehmungen mit anderen Assistentinnen und Assistenten unterschiedlicher Herkunft durch. Ich verdiente Geld und konnte so an unbe­kannte Orte reisen und neue Kontakte knüpfen.

Meine abschließende Empfehlung ist, trotz des Assistenzjahres beim PAD das Schulpraxissemester an einer deutschen Schule im vollen Um­fang zu absolvieren und dabei so viel wie möglich mitzunehmen.