Tübingen School of Education (TüSE)

Ein Auslandssemester in Leeds, England

Katharina, Lehramtsstudentin in Tübingen war ein Semester an der University of Leeds, England.

Besonders spannend war der Kontakt zu so vielen internationalen Studierenden aus allen möglichen Ländern. Durch diesen Austausch habe ich auch einiges über Deutschland gelernt, da ich immer wieder über die eigenen Traditionen nachgedacht habe.

Warum ein Auslandssemester?

Bereits zu Beginn meines Studiums stand fest, dass ich einmal ein Auslandssemester machen möchte. Da ich Englisch und Deutsch (Bachelor of Education) studiere, hat es sich natürlich angeboten, das Auslandsemester in einem englischsprachigen Land zu verbringen. Eigentlich wollte ich immer nach Kanada gehen, habe mich dann aber ziemlich schnell dazu entschieden, doch den etwas einfacheren Weg zu gehen und das Erasmus-Programm zu nutzen. Somit war klar, dass mich mein Auslandsaufenthalt entweder nach Großbritannien oder Irland führt. Dass ich letztendlich in Leeds gelandet bin, ist ehrlich gesagt hauptsächlich der Tatsache zu verdanken, dass die „University of Leeds“ eine Partneruniversität des Englischen Seminars in Tübingen, über das ich den Aufenthalt organisiert habe, ist. Letztendlich war es mir jedoch auch egal, in welche Stadt ich komme, da es mir lediglich wichtig war, Zeit im englischsprachigen Ausland zu verbringen. Rückblickend muss ich sagen, dass ich sehr froh bin, dass ich mich zum einen für das Erasmus-Programm entschieden habe und zum anderen die Möglichkeit hatte, in Leeds zu leben. Das Erasmus-Programm hat die Organisation des Auslandsaufenthalts in vielerlei Hinsicht vereinfacht (z.B. die Bewerbung an der ausländischen Uni, das Erlassen der Studiengebühren bzw. die Finanzierung generell). Im Nachhinein bin ich auch froh darüber, dass ich erst einmal das europäische englischsprachige Ausland richtig kennengelernt habe. Gerade im Hinblick auf meine zukünftige Tätigkeit als Englischlehrerin finde ich es doch sehr wichtig, dass man den SchülerInnen authentisches Wissen über das englischsprachige Land, das allein schon von der Entfernung am nächsten liegt, vermitteln kann. Zudem war ich sehr positiv überrascht davon, wie viele schöne Ecken Großbritannien zu bieten hat. Es lohnt sich also auf jeden Fall, das Land zu entdecken und vor allem auch andere Städte als London kennenzulernen. Leeds als Stadt hat mir auch gut gefallen, da es eine sehr spannende und lebendige Stadt ist. Auch wenn es keine wirklichen Sehenswürdigkeiten gibt, hat die Stadt viele schöne Ecken und vor allem zahlreiche Restaurants, Pubs, Clubs und Shoppingmöglichkeiten. Auch kulturell ist eigentlich immer etwas geboten gewesen, sodass einem nie langweilig wurde. Von meinem Auslandssemester habe ich mir erhofft, das Land, die Kultur und die Leute besser kennenzulernen und dabei vor allem auch sprachlich Fortschritte zu machen.

Gerade im Hinblick auf meine zukünftige Tätigkeit als Englischlehrerin finde ich es doch sehr wichtig, dass man den SchülerInnen authentisches Wissen über das englischsprachige Land, das allein schon von der Entfernung am nächsten liegt, vermitteln kann.

Land und Leute

Generell habe ich die Freundlichkeit der Engländer als sehr positiv wahrgenommen. Man kann es zwar als übertrieben bezeichnen, wenn man an der Kasse direkt als „my love“ oder „my dear“ angesprochen wird, aber es war trotzdem angenehm, dass stets ein freundlicher Umgangston herrschte. Die Menschen waren in der Regel auch alle recht hilfsbereit und meistens für einen kleinen Small Talk zu haben. Besonders aufgefallen ist mir die Höflichkeit der Engländer. So hat man sich beispielsweise immer für alles mehrmals entschuldigt, auch wenn einen selbst eigentlich gar keine Schuld getroffen hat. Faszinierend waren auch die Warteschlangen („queues“) an den Bushaltestellen. Schön fand ich, dass generell recht positiv auf meine deutsche Herkunft reagiert wurde und ein Interesse über mein Heimatland bestand. Vor allem zur Weihnachtszeit war es auffällig, wie sehr sich England an den deutschen Traditionen orientiert. So wurde nicht nur die „German Sausage“ als ein absolutes Qualitätsprodukt beworben, sondern auch die Lebkuchen, der Glühwein, das Magenbrot…und unabhängig von der Jahreszeit natürlich das Oktoberfest. In Leeds gab es vor Weihnachten sogar einen „German Christmas Market“, der durch und durch deutsch war. Sehr angenehm war auch, dass die Engländer meist recht beeindruckt davon waren, dass man mehr Sprachen als nur die eigene Muttersprache kann und so stets freundlich und interessiert auf den ausländischen Akzent reagiert haben. Bezüglich des Landes hatte ich das Glück, dass ich aufgrund der vielen Ausflüge und Wochenendtrips wirklich viel sehen konnte. Es gab ein riesiges Angebot an organisierten Ausflügen, die sich sowohl preislich als auch von den Zielen her sehr gelohnt haben. Besonders gut hat mir gefallen, dass es viele Ausflüge in Nationalparks und an die Küste gab. Auch im Hinblick auf Ausflugsmöglichkeiten war Leeds eine super Stadt, da es ziemlich mittig liegt und somit sowohl Schottland als auch die Südküste Englands oder Wales gut an einem Tag zu erreichen sind.

Die Hochschule

Gut gefallen an der „University of Leeds“ hat mir, dass alle immer sehr freundlich waren, sodass ich von Anfang an das Gefühl hatte, dass man sich wirklich darüber freut, dass ich an dieser Uni studiere. Interessant fand ich, dass zu den Dozenten ein deutlich freundschaftlicheres – und dennoch respektvolles – Verhältnis als in Deutschland bestand (was allein schon daran liegen kann, dass man sich stets mit dem Vornamen angesprochen hat). Die Einzelbetreuung war an der Uni in Leeds viel intensiver als in Tübingen und man musste sich um weniger Dinge eigenständig kümmern. Ich finde, dass man generell gemerkt hat, dass in Großbritannien hohe Studiengebühren bezahlt werden, da die Uni in allen Bereichen gut ausgestattet war. Es war eine tolle Erfahrung, einmal die Möglichkeit zu haben, auf einem richtigen Campus zu studieren und zu erleben, dass ein Großteil des studentischen Lebens sich tatsächlich dort abgespielt. Besonders toll war die „University Union“, ein riesiges Gebäude mit den verschiedensten Angeboten wie beispielsweise einem Uni-Shop, einem Supermarkt, einen Arzt, mehreren Essensständen, einem Kino und Theater, einem Club, Bars oder auch einer Dachterrasse mit Kräutergarten. Insgesamt muss ich jedoch sagen, dass das Uni-System recht verschult ist und man deutlich weniger Wahlmöglichkeiten hat als hier. Die Arbeitsweisen sind auch weniger wissenschaftlich und der Fokus liegt weniger auf dem eigenständigen Arbeiten. Ich muss ehrlich sagen, dass mir das Studium in Tübingen deutlich besser gefällt und ich das Auslandssemester nicht unbedingt wegen des Studiums machen würde. Schade fand ich auch, dass das Entgegenkommen bezüglich der Anrechnung von Leistungen aus dem Ausland ziemlich gering war.

Es war eine tolle Erfahrung, einmal die Möglichkeit zu haben, auf einem richtigen Campus zu studieren und zu erleben, dass ein Großteil des studentischen Lebens sich tatsächlich dort abgespielt.

Einleben & Ankommen

Ich habe das Ankommen in Leeds als eher einfach erfunden, da man von Anfang an sehr viel Unterstützung bekommen hat. So wurde ich beispielsweise direkt vom „Meet and Greet Service“ am Bahnhof empfangen und habe ein Willkommenspaket mit den wichtigsten Infos erhalten. Generell waren die Einführungsveranstaltungen sehr hilfreich und man hat dabei auch gleich viele neue Leute kennengelernt. Ich würde auf jeden Fall jedem empfehlen, diese Angebote zu nutzen. Als große Erleichterung habe ich es empfunden, dass ich als „International Student“ eine Garantie auf einen Wohnheimplatz hatte. Die Bewerbung auf einen Wohnheimplatz kann ich sehr empfehlen, da es noch einmal eine tolle Chance ist, Leute kennenzulernen und in den Wohnheimen an sich auch immer „Socials“ organisiert wurden. Schwierig war es am Anfang manchmal, einen Überblick über all die verschiedenen Veranstaltungen zu bewahren.

Fazit

Nach wie vor empfinde ich meine Zeit in England bzw. Leeds als eine sehr große Bereicherung. Es war toll, das Land nicht als Tourist zu besuchen, sondern wirklich dort zu leben. Ich habe auf jeden Fall sehr viele positive Erfahrungen in Bezug auf das Land und die Leute dazugewonnen. Ich fühle mich nun sicherer in der Sprache und habe Lust darauf bekommen, vielleicht noch einmal ins Ausland zu gehen. Besonders spannend war der Kontakt zu so vielen internationalen Studierenden aus allen möglichen Ländern. Durch diesen Austausch habe ich auch einiges über Deutschland gelernt, da ich immer wieder über die eigenen Traditionen nachgedacht habe. 

Ich würde jedem empfehlen, während des Studiums eine Zeit im Ausland zu verbringen. Das Erasmus-Programm empfiehlt sich dabei meiner Meinung nach besonders, da es viel Organisationsaufwand erleichtert und man zudem auch im Ausland an zahlreichen Aktivitäten teilnehmen kann. Generell denke ich, dass es wichtig ist, sich nicht zu sehr auf ein bestimmtes Land bzw. eine bestimmte Region/Stadt zu versteifen, sondern einfach offen für Neues ist.