Tübingen School of Education (TüSE)

Ein Auslandssemester in Sheffield, England

Max, Lehramtsstudent in Tübingen, war für vier Monate an der University of Sheffield.

Warum ein Auslandssemester?

Da ich Anglistik/Amerikanistik studiere, wollte ich schon immer einige Zeit im englischsprachigen Ausland verbringen. Dabei favorisierte ich eigentlich ein bisschen die USA. Jedoch habe ich mich aufgrund der hohen Kosten in den USA und der Tatsache, dass ein innereuropäischer Aufenthalt durch das ERASMUS-Programm gefördert wird, schließlich für Großbritannien entschieden. Die Wahl auf Sheffield fiel dann relativ schnell, da die Universität einen guten Ruf hat, die Stadt groß, aber im Vergleich zu den anderen Großstädten wie London oder Glasgow, relativ günstig ist.
Von meinem Auslandssemester erhoffte ich mir die britische Kultur und Gesellschaft besser kennen zu lernen, sowie meine Beherrschung der englischen Sprache zu verbessern. Außerdem fand ich es interessant in ein anderes Universitätssystem einzutauchen.

Land und Leute

Mir hat die britische Mentalität sehr gut gefallen. Die Leute sind, besonders im Vergleich zu Schwaben, sehr viel offener und extrovertierter. Das hat man täglich auf der Straße erlebt. So war es nach 2 Monaten selbst in einer Stadt mit fast 600.000 Einwohnern unmöglich unangesprochen die Straßen herunter zu laufen. In England spielt sich das Leben vor allem in der Öffentlichkeit ab. Pubs werden von Alt und Jung besucht und häufig finden dort auch Konzerte statt.
Interessant war, dass ich zur Zeit des Brexit-Referendums in Großbritannien gelebt habe. So konnte ich hautnah die polarisierten Diskussionen zwischen beiden Lagern verfolgen. Interessant war hier, dass tatsächlich viele Briten der älteren Generationen und aus bildungsfernen Schichten, der Globalisierung extrem kritisch gegenüberstehen. Die EU wird zum Sündenbock für verfehlte britische Politik erklärt und viele sprechen noch immer vom Britischen Weltreich oder wünschen sich dieses zumindest zurück.

Das Einbringen über Clubs, Vereine, oder AGs hilft einem nicht nur dabei seine Fähigkeiten zu verbessern, sondern ermöglicht es einem auch, neue interessante Menschen kennen zu lernen.

Die Hochschule

Das Studium an der University of Sheffield unterscheidet sich stark von dem in Tübingen. Es wird viel weniger wissenschaftlich gearbeitet, dafür wird ein großer Fokus auf ein breitgefächertes Wissen gelegt. Unter diesem Aspekt wäre dieses Studium theoretisch besser für die Lehrerausbildung geeignet. Dennoch gefällt mir das Studium in Deutschland besser. Dies liegt daran, dass das Studium in England viel verschulter ist und man eigentlich kaum selbstständig studiert. Die Arbeitsbelastung ist unter dem Semester sehr hoch, da zusätzlich zu Präsentationen und Prüfungen auch die Hausarbeiten während des Semesters geschrieben werden müssen.
Interessant fand ich auch den finanziellen Unterschied zu den deutschen Unis. An der University of Sheffield gab es kein marodes Gebäude. Als ich ankam, wurde gerade der Diamond, ein neues, hochmodernes Lerngebäude nur für Studenten, fertiggestellt. Auch die Betreuungssituation ist komplett unterschiedlich. So hat jeder Student einen Studienbetreuer, der sich mit ihm um alle Studienbelange kümmert. Die Uni Sheffield hat ein eigenes Health Center mit Ärzten und Psychologen, nur für die eigenen Studenten usw.
Und ein letzter Punkt den ich ebenfalls interessant fand war, dass das Masterstudium so gut wie keine Rolle für die ‚normalen‘ Studenten spielt. Nach dem Bachelor geht es meist direkt in die Arbeitswelt, oder man macht seinen PhD. Manche PhD Studenten studieren dann einen Aufbau-Master, dies ist aber keinesfalls verpflichtend. Daher war es für mich so gut wie unmöglich, einen Kurs zu belegen, der mit Hauptseminaren an der Uni Tübingen zu vergleichen gewesen wäre.

Ankommen und Einleben

Aufgrund der guten Betreuungssituation hatte ich kaum Probleme, mich an der Uni zurechtzufinden. Geholfen hat mir, dass ich schon 3 Wochen vor Semesterbeginn vor Ort war und so Sheffield und das Leben in GB in Ruhe kennen lernen konnte.
Schwierig war es mit der Wohnungssuche. Obwohl Sheffield eine der günstigeren Großstädte GBs ist, habe ich dennoch keinen günstigen Wohnraum gefunden. Das angebotene Student-Housing ist dabei noch teurer als die örtlichen Mieten. Letztendlich habe ich ein 12m² Zimmer für über 600 Euro im Monat bezogen.
Ich habe relativ schnell viele Leute kenne gelernt. Dabei hat mir geholfen, dass ich gleich zu Semesterbeginn in einen Sportkurs gegangen und in ein Haus mit britischen Mitbewohnern gezogen bin. Zusätzlich ist es auch ratsam die zahlreichen Angebote wahrzunehmen, die von den Societies der Uni, von studentischen Clubs und von privaten Anbietern gemacht werden. So gab es mit VIVA-Sheffield einen eigenen privaten Anbieter, der auf internationale Studenten zugeschnitten war. Dieser hostete Parties, bot Sightseeing Trips in ganz GB an und sorgte mit Quiz-Nächten und spontan Trips dafür, dass man auch schnell viele internationale Studenten kennen lernen konnte.

Das Auslandssemester hat mich ungemein bereichert. Ich habe viele neue internationale Freunde gefunden und habe selbstständig in einer anderen Kultur gelebt. Das Auslandssemester hat mir gezeigt, dass es selbst im kleinen Europa sehr viele unterschiedliche Lebensauffassungen gibt

Neue Sichtweisen

Das Auslandssemester hat mich ungemein bereichert. Ich habe viele neue internationale Freunde gefunden und habe selbstständig in einer anderen Kultur gelebt. Das Auslandssemester hat mir gezeigt, dass es selbst im kleinen Europa sehr viele unterschiedliche Lebensauffassungen gibt.
Mir wurde deutlich, dass sich in Deutschland viel über die Arbeit definiert wird. Oft sind Lebenswege durch ein Studium auch schon vorgezeichnet. Dies ist in GB ganz anders. Die Flexibilität in Großbritannien hat mir sehr gut gefallen und mir klargemacht, dass ich mir auch gut ein Leben bzw. eine Karriere im Ausland vorstellen kann. Ich konnte mein Englisch, sowie meine interkulturellen und kommunikativen Fähigkeiten verbessern.

Meine Empfehlung

Meine Empfehlung an jeden ist, auf jeden Fall ein Auslandssemester zu machen. Es erweitert den eigenen Horizont und stellt eigene, vermeintlich feste Weltbilder in Frage. Als Student einer Sprache ist es auf jeden Fall unerlässlich eine gewisse Zeit im Ausland mit der jeweiligen Zielsprache zu verbringen.
Ich würde den Studenten auch empfehlen nicht nur das komplette Semester dort zu verbringen, sondern davor und danach auch einige Zeit einzuplanen um das Gastgeberland besser kennen zu lernen. Das Einbringen über Clubs, Vereine, oder AGs hilft einem nicht nur dabei seine Fähigkeiten zu verbessern, sondern ermöglicht es einem auch, neue interessante Menschen kennen zu lernen.