Kath. Institut für berufsorientierte Religionspädagogik

Konfession - Bekenntnis - Dialog. Konfessionalität des RUabS (KBD)

Der Religionsunterricht an berufsbildenen Schulen (RUabS) begleitet junge Menschen in ihrer religiösen Identitätsfindung. Er ermöglicht und eröffnet Wege zu Toleranz und Gerechtigkeit und macht die Notwendigkeit von Religion in der Gesellschaft sichtbar. Dies geschieht im Modus von Konfessionalität, wobei sich für den RUabS die Frage der konfessionellen Profilierung dringend stellt. Für religiöse Bildungsprozesse an beruflichen Schulen hat sich im Dialog mit der Berufspädagogik ein Dreieck aus Subjekt-, Berufs- und Gesellschaftsbezogenheit herauskristallisiert, innerhalb dessen der RUabS zu profilieren ist. Anhand dieser Bezugsdimensionen ist am KIBOR ein Kompetenzmodell herausgebildet worden, das religionsdidaktisch Orientierung gibt und zugleich den Dialog mit der Berufspädagogik ermöglicht. Daran anschließend untersucht dieses Projekt die Bedeutung der Konfessionalität des RUabS.

Hintergrund und Forschungsfragen

Was den Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen zu einem besonderen Fach macht, kann verdeutlicht werden, indem man seine Schulartspezifität und seinen besonderen biografischen Ort im Leben der Auszubildenden in den Blick nimmt. Die Berufsschule (in Nordrhein-Westfalen Berufskolleg genannt) bildet (junge) Menschen für einen speziellen Beruf aus, zum Beispiel zur Kauffrau im Einzelhandel, zum Maurer, Stukkateur oder zur Fleischereifachverkäuferin. Sie soll aber auch allgemeine Bildungsprozesse begleiten und befördern, d.h. die Berufsschule hat einen allgemeinen Bildungsauftrag, der sich nicht in der Berufsausbildung erschöpft.

Folgende Beobachtungen lassen nach der Kontur von Konfessionalität im RUabS fragen:

Biografisch treten die meisten Auszubildenden diejenige Berufsausbildung, die ihre spätere Erwerbsarbeit bestimmt, mehrheitlich erst mit 18-20 Jahren an (Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Stand: 2014). Für den Berufsschulreligionsunterricht bedeutet das, dass er sehr oft mit jungen Erwachsenen zu tun hat, gleichwohl in den Lerngruppen auch noch Auszubildende zwischen 15 und 17 Jahren anzutreffen sind.

Bundesweit sind derzeit ca. 1,5 Mio. Auszubildende an berufsbildenden Schulen. Dieser Bereich deckt jedoch nicht das gesamte System berufsbildender Schulen ab, sondern nur den Bereich der dualen Ausbildung. Betrachtet man die Bildungsgänge an Berufsschulen in Summe, kommt man für das Jahr 2013/14 auf 2.530.586 Schülerinnen und Schüler (bei 869.545 an allgemeinbildenden Gymnasien) (Quelle: Statistisches Bundesamt Wiesbaden, Stand: 2014). Den berufsbildenden Schulen kommt also eine herausgehoben relevante gesellschaftliche Position zu.

In der Wahrnehmung der Auszubildenden dient die Berufsschule vorrangig der Berufsausbildung. In einer Gesellschaft, die stark vom Leistungsprinzip geprägt ist und auf Effizienz und ökonomisches Controlling Wert legt, muss sich der Religionsunterricht an der Berufsschule vor diesem Hintergrund immer wieder neu behaupten. Neben der Qualität des Unterrichts sollte er, so die These, die visionäre Kraft des Evangeliums nutzen. So kann er dazu beitragen, Gesellschaft zu gestalten, Menschen zu einem gelingenden Leben zu ermutigen und die religiöse Dimension von Arbeit und Beruf erschließen.

Für religiöse Bildungsprozesse in berufsbildenden Schulen hat sich im Dialog mit der Berufspädagogik ein Dreieck aus Subjekt-, Berufs- und Gesellschaftsbezogenheit herauskristallisiert, innerhalb dessen der Religionsunterricht an der Berufsschule zu profilieren ist. Das Katholische Institut für berufsorientierte Religionspädagogik (KIBOR) arbeitete anhand dieser Bezugsdimensionen ein Kompetenzmodell aus, das religionsdidaktisch Orientierung gibt und zugleich den Dialog mit der Berufspädagogik ermöglicht (Biesinger, Albert / Kemmler, Aggi / Schmidt, Joachim, Religiöse Kompetenz - Ein Definitionsangebot für den Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen, in: Kompetenzorientierung im Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen, hrsg. von Albert Biesinger / Matthias Gronover et al., Münster/New York 2014, S. 19-26).

Offen blieb in diesem Kontext bislang die Frage, welche Bedeutungen der Konfessionalität den oben genannten Dimensionen Subjekt, Gesellschaft und Beruf zukommen.

Vorgehen

Der Frage nach Konfessionalität geht das Projekt in drei Schritten nach:

  1. In einem ersten Schritt wurde die Literatur zum Thema aufgearbeitet und die Fragestellung durch verschiedene Kooperationen konkretisiert. Dieser Schritt ist abgeschlossen (vgl. hierzu den Beitrag von Matthias Gronover / Andreas Obermann, Von der Konfessionalität des Religionsunterrichts an berufsbildenden Schulen zur Pluralität im Religionsunterricht an berufsbildenden Schulen, in: Theo-Web 13,2 (2014), S. 218-234.).
  2. Zur weiteren Vertiefungen wird am 9. Oktober 2015 ein ExpertInnen-Fachtag durchgeführt, der neben einer Aussprache zum Thema weitere Inputs liefern soll.
  3. Abschließend sollen die Ergebnisse in einer Publikation gebündelt werden.

Beiträge

Religionsunterricht – ein Fisch für alle (Skript und Podcast), in: Deutschlandradio. (05.12.2018)

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