Forschung


„Gewaltverzicht religiöser Traditionen: Der moderne Katholizismus im Spannungsfeld von Distinktion und Integration“ (Karl Gabriel, Christian Spieß, Katja Winkler, 2015 abgeschlossen)

Im Projekt wurde im Rahmen des Exzellenzclusters „Religion und Politik“ an der Universität Münster der Wege des Katholizismus zur Religionsfreiheit interpretiert und aus verschiedenen Perspektiven beleuchtet. Die Thematik des "Gewaltverzichts" religiöser Traditionen dreht sich natürlich in erster Linie um den Verzicht auf politische Gewalt, also um die Frage, in welcher Weise Religion und Politik, religiöse Organisationen und der Staat aufeinander zu beziehen sind, ob sie getrennt sind oder ob es Verbindungen gibt, auch darum, welche Privilegien Religionsgemeinschaften gegebenenfalls in einem politischen Gemeinwesen genießen sollen. Gerade in dieser Hinsicht könnte der "katholische Lernprozess" zur Anerkennung der Religionsfreiheit wichtige Hinweise bieten für die Frage, wie auch andere Religionsgemeinschaften den Weg zur Anerkennung des säkularen Staates vollziehen können. Aus der Forschungsarbeit gingen fünf Publikationen hervor (s. unten), die nicht allein das Verhältnis zwischen Katholizismus und Politik analysierten und interpretierten, sondern sich auch mit Fragen des weltanschaulichen Pluralismus beschäftigten und ebenfalls die Frage nach den vermeintlich politischen oder religiösen Gründen physischer Gewalt, d. h. terroristischer Gewalt, stellten.

Uni Münster, KU Linz

Publikationen:

Karl Gabriel, Christian Spieß, Katja Winkler (Hg.), Religionsfreiheit und religiöser Pluralismus – Entwicklungslinien eines katholischen Lernprozesses (Katholizismus zwischen Religionsfreiheit und Gewalt, Band 1), Paderborn: Schöningh 2010. Tagungsband („Wie fand der Katholizismus zur Religionsfreiheit?“ Internationale Fachtagung, Münster 11.-13. März 2009) mit Beiträgen von Roman Siebenrock, Silvia Scatena, Urs Altermatt, Wilhelm Damberg, Rudolf Uertz, Antonius Liedhegener, Hans Maier, Joseph Komonchak, Klaus Unterburger und Hartmann Tyrell.

 

 

Karl Gabriel, Christian Spieß, Katja Winkler (Hg.), Wie fand der Katholizismus zur Religionsfreiheit? Faktoren der Erneuerung der katholischen Kirche (Katholizismus zwischen Religionsfreiheit und Gewalt Bd. 2), Paderborn: Schöningh 2016.

 

 

 

Karl Gabriel, Christian Spieß, Katja Winkler (Hg.), Religion – Gewalt – Terrorismus. Religionssoziologische und ethische Analysen (Katholizismus zwischen Religionsfreiheit und Gewalt, Band 3), Paderborn: Schöningh 2010. Mit Beiträgen von Hans Kippenberg, Christoph Baumgartner, Hans-Gerd Angel, Johannes Frühbauer, Wolfgang Heinz, Katharina Klöcker, Wolfgang Palaver, Sebastian Schilling, Verena Voigt, Christian Spieß).

 

 

Karl Gabriel, Christian Spieß, Katja Winkler (Hg.), Die Anerkennung der Religionsfreiheit auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil – Texte zur Interpretation eines Lernprozesses (Katholizismus zwischen Religionsfreiheit und Gewalt, Band 4), Paderborn: Schöningh 2013.

 

 

 

Karl Gabriel, Christian Spieß, Katja Winkler (Hg.), Modelle des religiösen Pluralismus – Historische, religionssoziologische und religionspolitische Perspektiven (Katholizismus zwischen Religionsfreiheit und Gewalt, Band 5), Paderborn: Schöningh 2012.

 

 

 


Theologie am Ort der Erwerbsarbeit

Weil Erwerbsarbeit das Leben der Menschen, ihre sozialen Beziehungen und gesellschaftlichen Verhältnisse maßgeblich bestimmt, ist sie der christlichen Theologie als Thema aufgegeben. Zumal in der katholischen Tradition hat die Theologie diese Aufgabe zumeist über den Begriff der Arbeit zu erledigen versucht - und dabei Erwerbsarbeit als ein gesellschaftliches Verhältnis abhängiger Beschäftigung verfehlt. Deshalb wird untersucht, wie "am Ort" der Erwerbsarbeit selbst, etwa in Kontexten der Betriebsseelsorge, Theologie betrieben wird, welche Sachverhalte und Ereignisse dabei thematisiert und welche theologischen Theorien aufgegriffen werden.

DFG-gefördertes Projekt an der Universität Vechta.

Projektbearbeiter: Mag. Uwe Daher.

Internetpräsenz: auf der Webseite der Universität Vechta


Die Kirchlichkeit kirchlicher Wohlfahrtsverbände nach ihrer Entkirchlichung. Zum theologischen Programm kirchlicher Wohlfahrtspflege

Kirchliche Wohlfahrtsverbände erbringen Soziale Dienste im Auftrag sozialstaatlicher Stellen. Als kirchliche Einrichtungen erfüllen sie zudem theologische codierte Ansprüche und genügen als Anbieter von Sozialen Diensten auch fachliche Standards. Gegenwärtig wird diese Leistung durch verschärften Wettbewerb herausgefordert. Der Sozialstaat stellt kirchliche Wohlfahrtsverbände anderen Anbietern gleich und setzt sie und ihre Mitbewerber und Qualitäts- und Preisdruck. Im Land Niedersachsen scheint diese Entwicklung besonders weit fortgeschritten. Kirchliche Wohlfahrtsverbände werden unter diesen Bedingungen zur Modernisierung angehalten. Leistungsbereiche, Einrichtungen oder Beschäftigte lösen sie auf unterschiedlichen Wegen aus dem Zusammenhang der kirchlichen Wohlfahrtspflege heraus. Dadurch stellt sich eine "Entkirchlichung" in struktureller Weise ein. Aber auch die Vermittlung der verschiedenen Fremdprogramme mit dem eigenen - theologischen - Programm wird für kirchliche Wohlfahrtsverbände zunehmend schwieriger. Zwar haben sich kirchliche Wohlfahrtsverbände erfolgreich modernisiert; doch wurde dabei kaum Rücksicht auf die eigenen Ziele genommen. Heinz-Jürgen Dahme, Gertrud Kühnlein und Norbert Wohlfahrt sprechen deshalb von einer nur "halben Modernisierung" der kirchlichen Wohlfahrtsverbände. Anhand eines konkreten Falls soll untersucht werden, ob und wie die kirchlichen Wohlfahrtsverbände und deren Einrichtung die strukturelle und programmatische Entkirchlichung bewältigen und die Kirchlichkeit ihrer Arbeit sicherstellen. Auf dem Wege von Experteninterviews werden dazu theologische Programme der kirchlichen Wohlfahrtspflege eruiert, darüber Verständnisse von Kirchlichkeit und Konzepte deren Realisierung erforscht.. Das Projekt ist disziplinäre innerhalb der Katholischen Theologie verortet, dabei insbesondere innerhalb der Caritas- bzw. Diakoniewissenschaft, der theologischen Sozialethik und der praktischen Theologie. Ein Interdisziplinärer Bezug zum Fach Soziale Arbeit, der Sozialpolitik und der Verbändeforschung ist gegeben.

Ein mit Forschungsmitteln des Landes Niedersachen gefördertes Projekt am Zentrum für Altern und Gesellschaft der Universität Vechta.

Projektbearbeiter: Dipl.-Theol. Christoph Mock.

Internetpräsenz: auf der Webseite der Universität Vechta

Christoph Mock: Die Kirchlichkeit kirchlicher Wohlfahrtspflege. Zum theologischen Konzept kirchlicher Wohlfahrtspflege unter der Bedingung des sich modernisierenden Sozialstaates, Berlin u.a.: Lit 2015 (Diakonik 14).


Generationengerechtigkeit und Sozialstaat

Vielleicht ist es Ausdruck einer stärkeren Zukunftsorientierung der Sozialpolitik, vielleicht aber auch nur eine programmatische Modeerscheinung; jedenfalls ist 'Generationengerechtigkeit' zu einem zentralen Legitimationsbegriff der bundesdeutschen Sozialpolitik geworden. Dabei ist das Konzept der Generationengerechtigkeit inhaltlich offen - und zwar schon allein deshalb, weil Generationen keine Akteure der Sozialpolitik sind, sondern von den Akteuren der Sozialpolitik, einschließlich der mit Sozialpolitik beschäftigten Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler, als Konstruktionen ihrer Rechte- und Pflichtenzuschreibungen "gemacht" werden. Deren Konstruktionen werden aufgeklärt und geprüft, dabei die Offenheit des Konzepts der Generationengerechtigkeit zumindest restringiert.