Institute of Historical and Cultural Anthropology

Elisabeth Socha: „Von Natur aus sozial“. Zur Neurophysiologisierung menschlicher Sozialität (Arbeitstitel)

Erstbetreuerin: Prof. Dr. Monique Scheer

Gefördert durch die Studienstiftung des deutschen Volkes

Im Rahmen des Promotionsprojekts soll aktuelles populärwissenschaftliches Wissen, welches menschliche Sozialität über Hirnaktivitäten erklären will, diskurstheoretisch untersucht werden. Die Analyse konzentriert sich dabei auf Darstellungen zu Hirnarealen wie der Amygdala, sog. Spiegelneuronen, biochemischen Stoffen wie dem ‚sozialen Hormon‘ Oxytocin, Vasopression oder Dopamin, zu Pheromonen, Haut und Tastsinn. Gebündelt unter dem Schlagwort ‚social brain‘ wird hierbei das Materiale mit Konzepten von Empathie, Vertrauen und sozialer Kompetenz, sowie der Fähigkeit zum Aufbau von Bindungen oder allgemein gedachtem ‚pro-sozialen‘ Verhalten in Verbindung gebracht. Dass Menschen ‚soziale Wesen‘ sind, verdanken sie ihren neuronalen und biochemischen Anlagen – so die zentrale Aussage des vorliegenden Diskurses.

Mit foucaultschem Instrumentarium sind die im Wissensfeld produzierten Subjekt- und Körpervorstellungen sowie ihre Implikationen für die Akteure herauszuarbeiten. Die diskursiven Normierungen der hier formulierten ‚Natur des Menschen‘ begrenzen die Agency der Subjekte, denn ‚normal‘ sei, sich friedfertig und verantwortlich für den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu zeigen. Erweitert wird die Studie um emotionale Praktiken, die sich an die populären Wissensbestände anlegen und als Techniken zur Formung des Selbst verstanden werden können. Mit dem untersuchten Gegenstand treten gegenwärtige Grenzverschiebungen einer langen Natur/Kultur-Debatte hervor, die durch die wachsende Deutungshoheit der Social Neuroscience und ihrer forcierten Wissensvermittlung an eine interessierte Öffentlichkeit auch wissenschaftsgeschichtlich Relevanz erhält.

Kurzvita

Seit April 2017 Promotionsstipendiatin der Studienstiftung des deutschen Volkes
2016-2017 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ludwig-Uhland-Institut
2015 Masterabschluss mit einer diskursanalytischen Arbeit zur bioethischen Debatte um Lebendorganspende und darin enthaltener Körperkonzepte
2010-2015 Stipendiatin in der Studienförderung des Cusanuswerks
2012-2015 Studium der Empirischen Kulturwissenschaft (M.A.) an der Universität Tübingen
2008-2012 Studium der Religionswissenschaft (B.A.) an der Universität Heidelberg
2004-2007 Ausbildung zur Handwerksbuchbinderin

Kontakt

elisabeth.sochaspam prevention@uni-tuebingen.de