Institute of Historical and Cultural Anthropology

Katharina Winkler: Stuttgart 21 - Öffentliche Empörung als emotionale Praxis der Bedrohungskommunikation (Arbeitstitel)

Erstbetreuerin: Prof. Dr. Monique Scheer
Zweitbetreuer: Prof. Dr. Reinhard Johler

Vor dem thematischen Hintergrund des Tübinger Sonderforschungsbereichs 923 „Bedrohte Ordnungen“ befasst sich die Dissertation mit den Protestaktionen rund um das Bauvorhaben „Stuttgart 21“. Für die Protestteilnehmer sind mit dem Umbau des Stuttgarter Hauptbahnhofs in einen unterirdischen Durchgangsbahnhof diverse Bedrohungsszenarien verknüpft. Diese beinhalten u.a. die Gefährdung der demokratischen Ordnung, der Infrastruktur der Stadt, des ökologischen Nahraums, des Stadtbilds oder der Lebensqualität in Stuttgart. Beginnend mit ihrem medial stark beachteten Höhepunkt im Spätsommer 2010 bis zu den aktuellen, in der Öffentlichkeit vergleichsweise kaum noch wahrgenommenen Aktionen sollen Wandel und Dynamiken der Stuttgarter Protestgeschehnisse ethnographisch untersucht werden. Den thematischen Fokus der Untersuchung bilden (kollektive) Emotionen bzw. Emotionspraktiken im politischen Straßenprotest – hier speziell unter dem Charakteristikum eines „Langzeit“-Protests. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei auf den seit Ende 2009 wöchentlich stattfindenden „Montagsdemonstrationen“, deren Regelmäßigkeit und Langlebigkeit auffallend sind. Am Beispiel wichtiger Schlüsselereignisse der Stuttgarter Proteste, wie etwa dem sogenannten „Schwarzen Donnerstag“ 2010 oder der verlorenen Volksabstimmung 2011 soll die Rolle von Emotionen für die Bedrohungskommunikation und Deutungsmuster der Protestakteure nachgezeichnet sowie ihre Bedeutung für Praktiken und Handlungsstrategien im Protestgeschehen in den Blick genommen werden.

Kurzvita

Geboren 1984 in Hannover. Studium der Empirischen Kulturwissenschaft und Linguistik des Deutschen an der Eberhard Karls Universität Tübingen, 2012 Magister Artium. Januar 2013 bis Oktober 2014 Stipendiatin/wissenschaftliche Angestellte (Doktorandin) im Rahmen des Zusatzverbundes „Kulturelle Dynamiken der Bedrohungskonstitution“ am Tübinger Sonderforschungsbereich 923 „Bedrohte Ordnungen“, ab Oktober 2014 assoziiertes Mitglied. 2014 bis 2016 wissenschaftliche Mitarbeiterin am Ludwig-Uhland-Institut für Empirische Kulturwissenschaft.

Kontakt

luispam prevention@uni-tuebingen.de