Institute of Classical Archaeology

Im Westen was anderes?! - Ressourcensuche und die Gründung griechischer Pflanzstädte in der Magna Graecia

Als Teilprojekt des SFB 1070 RessourcenKulturen befasst sich dieses Dissertationsvorhaben mit der sog. Griechischen Kolonisation Unteritaliens und Siziliens zwischen dem 8. und 6. Jh. v. Chr. Innerhalb der älteren Forschung wurde hierfür die Erschließung von sowie der Handel mit vornehmlich materiellen Ressourcen als Antrieb der zumeist als Ereignisabfolge betrachteten Gründungen angesehen, ohne dabei jedoch diese angenommen Kausalität tiefer gehend zu untersuchen und/oder bereits ansässige Bevölkerungen umfassend zu berücksichtigen. Unter Einbezug postkolonialer Theoreme hat sich die jüngere Forschung hingegen verstärkt den verschiedenen Kontaktformen zwischen jenen Gruppen und den Neuankömmlingen zugewandt, dabei jedoch zumeist die Frage nach möglichen Ursachen der nun eher als Prozess verstandenen Migrationen ausgeklammert.

Mit dem im SFB entwickelten erweiterten Ressourcenbegriff als Mittel der Bildung, Aufrechterhaltung und Veränderung von sozialen Einheiten im Rahmen kulturell geprägter Interaktion, möchte sich die Dissertation der Suche nach Ressourcen als möglicher Triebfeder der Gründungsbewegungen nähern sowie ihre Rolle im Zuge gesellschaftlicher Veränderungen innerhalb und zwischen den Gemeinschaften beleuchten. Hierfür scheint sowohl eine diachrone wie interregionale Betrachtung von kulturlandschaftlichen Voraussetzungen, Funden, Befunden und Kontexten in den Ausgangs- und Zielgebieten notwendig, wie auch die tatsächliche Inwertsetzung potentieller Ressourcen im Rahmen der Migrationen zu prüfen ist. Die Untersuchung steht somit an der Schnittstelle zwischen Prähistorischer und Klassischer Archäologie und kann unter Zuhilfenahme sozial- bzw. kulturwissenschaftlicher Konzepte ein breiteres Verständnis von Prozessen der Raumerschließung, Identitätsbildung und soziokulturellen Entwicklungen im Rahmen der Griechischen Kolonisation wie auch darüber hinaus generieren.

Als Arbeitsgrundlage dienen hierfür neben der umfassenden Sichtung von Grabungs- und Materialpublikationen auch eigens erhobene archäometrische Analysen.