Institute for Eastern European History and Area Studies

Studierendenprojekte am Institut

Im Folgenden finden Sie eine Übersicht der bisherigen Studierendenprojekte des Instituts seit 2005.

Russland im Blick: Ein Streifzug durch die russische Geschichte in Bildern

Eine Ausstellung im Rahmen des 25-jährigen  Partnerschaftsjubiläums von Tübingen und Petrosawodsk

unter der Leitung von Ingrid Schierle, Sommersemester 2014

Ein Studierendenprojekt am Institut beschäftigte sich im Sommersemester 2014 mit der visuellen Kultur Russlands. Herausgekommen ist unter anderem eine Ausstellung, die Einblicke in die unterschiedlichen Lebenswelten Russlands vom 17. bis Anfang des 20. Jahrhunderts gibt.

Projektinhalt

Dieser etwas andere Blick auf die Geschichte Russlands entstand im Rahmen des 25-jährigen Partnerschaftsjubiläums von Tübingen und Petrosawodsk als Zusammenarbeit des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde der Universität Tübingen mit dem Fachbereich für Kunst und Kultur der Universitätsstadt Tübingen.

Die Ausstellung umfasste drei thematische Abteilungen: Herrschaft, Stadt und Land. Reproduktionen von Gemälden zeigen typisch „russische“ Landschaftsentwürfe, Porträts von Herrschern und adligen Familien, Szenen aus dem Landleben, Aufnahmen der russischen Intelligenzija, Werbeplakate aus dem ausgehenden Zarenreich und Fotografien, die eindrucksvoll die Mannigfaltigkeit des Vielvölkerreichs ablichteten.

Bericht der Studierenden

München 1938

Das Münchner Abkommen in multiperspektivischer Betrachtung

unter der Leitung von PD Dr. Natali Stegmann, Wintersemester 2008/2009

Im September 1938 wendeten Chamberlain und Daladier, Mussolini und Hitler den drohenden Zweiten Weltkrieg noch einmal ab. Im Münchner Abkommen vereinbarten sie die „Abtretung des Sudentenlands“ an das Deutsche Reich. Hitler hatte mit Unterstützung des Führers der Sudetendeutschen Partei Henlein das Selbstbestimmungsrecht der Völker dafür ins Feld geführt. Die tschechoslowakische Seite unterzeichnete nur unter dem schweren Druck ihrer vormaligen Bündnispartner Großbritannien und Frankreich. Nachdem das Kalkül der Appeasement-Politik nicht aufgegangen war, aberkannte die britische Regierung auf Betreiben der Londoner Exilregierung unter Beneš dem Abkommen im August 1942 die Gültigkeit. Vertreter der Sudentendeutschen Landsmannschaften beharrten jedoch noch den 1970er Jahren auf der Gültigkeit des Abkommens. Im tschechischen Diskurs ist „München“ bis heute ein Symbol für die Machtlosigkeit der „kleinen Nation“: Die kampflose Niederlage gegen Hitler und insbesondere gegen die „eigenen“ Deutschen war immer wieder Gegenstand politischer Auseinandersetzungen. Damit steht das Abkommen am Schnittpunkt deutsch-tschechischer Konflikte um die Bewertung der Ursachen und Folgen des Ersten und Zweiten Weltkriegs.

Projektinhalt

Diese Seite dokumentiert die Ergebnisse Seminars „Das Münchner Abkommen, 1938“, das ich im Wintersemester 2008/09 am Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde der Universität Tübingen gehalten habe. An dem Seminar nahmen sechs Studierende teil. Es wurde (vierzehntägig) in vierstündigen Sitzungen abgehalten, so dass eine sehr intensive Arbeitsatmosphäre entstand. In den meisten Sitzungen haben wir drei Textgattungen besprochen und miteinander konfrontiert: Forschungsliteratur, methodisch-theoretische Texte und Quellen. Dabei ging es auch um die Frage, ob der Ansatz der Kulturgeschichte der Politik eine Neubewertung des Ereignisses ermöglicht. Als besonders hilfreich erwies sich dabei der Gedanke der Multiperspektivität, durch welchen jenseits der tradierten Konfliktmuster ein Zugang zu den Quellen und eine wissenschaftliche Betrachtung ermöglicht werden. Das Kernstück der Veranstaltung bildete die gemeinsame Arbeit an Quellen ganz unterschiedlicher Prominenz, die im Kontext des Ereignisses entstanden sind. Die Studierenden haben jeweils eine dieser Quellen interpretiert und bieten sie hiermit Interessierten zur Information an. Es sind jeweils die Quelle und die Interpretation verfügbar. Bei den Interpretationen handelt es sich um reflektierte Analysen der Texte, die jeweils in mehreren Arbeitsschritten diskutiert und überarbeitet wurden. Die Ergebnisse sind natürlich nicht die einzig möglichen Schlussfolgerungen. Aber sie stellen einen kleinen Beitrag zur wissenschaftlichen und politischen Diskussion um das Ereignis dar. Wie sich gezeigt hat, erweist sich gerade die parallele Lektüre, rückgebunden an Kontextinformationen, als besonders lehrreich.

Behandelte Quellen und die jeweiligen Interpretationen

Konrad Henlein, Wir alle sind unlösbare Teile des großen deutschen Volkes. Auslandsdeutscher Appell zum 1. Turn- und Sportfest in Breslau, in: ders., Heim ins Reich. Reden aus den Jahren 1937 und 1938, Reichenberg (Liberec) 1939, S. 124-126.

Helft den Kriegsopfern! Im Jahre der Republik gedenkt vor allem derer, die ihre Pflicht für Volk und Heimat mit Blut geleistet haben und dabei arm und nicht reich geworden sind. Eine beachtenswerte Rede des Abg. Ing. Schreiber der Sudetendeutschen Partei im Parlament, in: Der Kriegsverletzte 20 (1938), Nr. 4, S. 1-2.

Letter from Lord Runciman to President Benes, in: Woodward, E. L., Butler, Rohan, Lambert, Margaret (Hrsg.), Documents on British Foreign Policy 1919-1939, Third Series, Vol. II: 1938, London 1949.

Avigdor Dagan, „München“ aus jüdischer Sicht, in: Peter Glotz (Hrsg.), München 1938: das Ende des alten Europa, Essen 1990, S. 345-355.

George F. Kennan, Personal notes on the Munich crisis, written in Early October 1938, in: ders., From Prague after Munich. Diplomatic Papers 1938-1940, Princeton 1968.

1940, 11. Dezember, London – Auszüge aus dem Einführungsteil der Rede des Präsidenten der Republik bei der Eröffnung des Staatsrates, in: Karel Jech, Jan Kuklík, Vladimír Mikule (Hrsg.), Die Deutschen und Magyaren in den Dekreten des Präsidenten der Republik, Studien und Dokumente 1940-1945, Brno 2003.

Regionales Gedächtnis in Kazan'

Regionales Gedächtnis in Kazan': Christliche und muslimische Erinnerung an die Sowjetzeit

Studentisches Kooperationsprojekt Tübingen/Kazan', März 2007 bis April 2008

Das Projekt wurde finanziert aus Mitteln des Fonds "Erinnerung und Zukunft" sowie der Robert Bosch Stiftung.

Projektinhalt

Gegenstand des Projektes war die Erinnerung von Muslimen und Christen an die Repressalien der 1920er und 1930er Jahre sowie die der Chruschtschow-Zeit in der Stadt Kazan’. Es wurde sowohl nach den „Erzählungen“ von Opfern und Aktivisten bzw. ihren Söhnen und Töchtern gefragt als auch Erinnerungsorte der antireligiösen Kampagnen erschlossen. Ein Teil der Projektarbeit bestand aus Interviews mit Beteiligten der Kampagnen (Opfern und Aktivisten), um zu prüfen, was erinnert und was vergessen worden ist. Ein zweiter Teil beschäftigte sich mit den Erinnerungsorten, die Schauplätze der antireligiösen Politik waren (Orte zerstörter oder umfunktionierter Gotteshäuser, Orte religiöser Untergrundaktivitäten, Orte von Demonstrationen und Konflikten u. a.). Die Ergebnisse beider Arbeitsschwerpunkte sind am Ende in einem historischen Stadtführer zusammengeflossen, der, viersprachig und reich bebildert, Besuchern und Bewohnern Kazan’s diese Seite der Stadtgeschichte und ihren Niederschlag in der Erinnerungskultur nahe bringt.

Beteiligte Studierende
  • Ibragimov, Almaz (Kazan’)
  • Ivanov, Anton (Kazan’)
  • Riethmüller, Philipp (Tübingen)
  • Schimmack, Barbara (Tübingen)
  • Terechova, Tatjana (Kazan’)
  • Uhl, Katharina (Tübingen)
  • Winning, Alexa von (Tübingen)

externe Homepage des Projekts

Katharina die Große und Grigorij Potemkin

unter der Leitung von Ingrid Schierle, Sommersemester 2007

Ein von Studierenden konzipiertes Hörbuch

unter der Leitung von Ingrid Schierle, Sommersemester 2007

Am 05. Oktober 2009 erschien das Hörbuch „Wir streiten um die Macht, nicht um die Liebe. Katharina II. und Fürst Potemkin“, das Studierende des Instituts für Osteuropäische Geschichte unter der Leitung von Ingrid Schierle in Zusammenarbeit mit dem Berliner Verlag "Kaleidophon" konzipiert haben. Im Rahmen einer Übung im Sommersemester 2007 befassten sich Antonia Aleker, Viktoriya Andreyeva, Boris Belge, Nadja Brekenfeld, Rüdiger Dönnges, Cindy Gonschorek, Luc-Emmanuel Hentz, Caecilia Kimmerle, Jana Klotz, Ulrike Lunow, Sarah Luscher, Robert Scheele, Caroline Schwarz, Svetlana Mozhorovskaya, Katharina Uhl und Alexa von Winning eingehend mit dem Briefwechsel zwischen der Zarin und dem exzentrischen General. Das „Team Jekaterinoslaw“ (Zum Ruhme Katharinas) wählte für das Hörbuchprojekt Briefe aus, die um Liebe, Freundschaft, Macht und Politik kreisen, übersetzte sie aus dem Russischen und Französischen ins Deutsche und entwarf ein Drehbuch für die Hörspielfassung. Die Audio-CD ist zum Preis von 16,95 EUR im Buchhandel zu beziehen.

https://backend.uni-tuebingen.de/fileadmin/Uni_Tuebingen/Fakultaeten/PhiloGeschichte/Historisches_Seminar/Osteurop%C3%A4ische_Geschichte/02_Studium/studierendenprojekte/katharinadiegrosse.jpg

Wir streiten um die Macht – nicht um die Liebe. Katharina die Große & Fürst Potemkin; 2 Audio-CDs. Disc I. 44 Min. / 11 Tracks, Disc II. 57 Min. / 14 Tracks; ISBN 978-3-9810808-5-8 Preis 16,95 €; Kaleidophon-Verlag + Team „Jekaterinoslaw“ u. d. L. von Ingrid Schierle, Berlin / Tübingen 2009.

Hörprobe

"Die Russen sind da!"

Sowjetunion nach Deutschland seit 1945

unter der Leitung von Jan Plamper, Wintersemester 2005/2006

Nach dem “großen Exodus” (Karl Schlögel) infolge der Oktoberrevolution kamen weitere “Wellen” von Migranten aus der Sowjetunion in den Westen – auch nach Deutschland, auch noch nach 1945. Allein in den 1990er Jahren reisten fast 2 Millionen deutschstämmige “Spätaussiedler” und mindestens 100.000 jüdische “Kontingentflüchtlinge” aus, von denen die meisten heute eingebürgert sind. Diese legale – aber auch die illegale – Migration in ihren politischen, sozialen, rechtlichen, kulturellen, religiösen und internationalen Kontexten ist Gegenstand des Proseminars. Neben der wöchentlichen Lektüre stehen auch Treffen mit Mitgliedern der russischsprachigen Diaspora auf dem Programm sowie am Ende die Erarbeitung einer Internet-Präsentation. Ziel ist es, ein Segment unserer Einwanderungsgesellschaft sichtbar zu machen, das bislang merkwürdig unterbelichtet geblieben ist.