Institute for Eastern European History and Area Studies

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2020/21

Aufgrund der Covid-19-Pandemie laufen die Planungen für das Wintersemester 2020/21 noch. Alle Angaben sind daher zunächst vorläufig. Die Kommentare zu den Lehrveranstaltungen werden schrittweise hier und auf ALMA veröffentlicht. Insbesondere sind Angaben zu Zeiten und Räumen aus Gründen des verschobenen Vorlesungsbeginns und wegen Infektionsschutzmaßnahmen Änderungen unterworfen.

Vorlesungen & Repetitorien

Der Zerfall des Sowjetimperiums (Prof. Dr. Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Vorlesung
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin: Fr, 12.00-14.00
Beginn: 13.11.2020
Ort: Online
Anmeldung: Für Teilnehmende aller Semester. Keine Anmeldung erforderlich. Die Vorlesung findet online statt. Vollskripte mit veranschaulichenden Powerpoint-Dateien werden den Teilnehmenden zugänglich gemacht. Regelmäßige Videositzungen werden die Möglichkeit zu gemeinsamen Diskussionen geben.
Inhalt

Nachdem Gorbatschow im März 1985 die Macht im Kreml übernommen und anschließend abgesichert hatte, kündigte er mit Perestrojka und Glasnostʾ die längst überfällige Modernisierung der Sowjetmoderne an, um den Sozialismus fit für das 21. Jahrhundert zu machen. Doch der zunächst mitreißende Aufbruch ging spätestens seit 1989 in die Finalitätskrise des Sowjetimperiums ein. Gorbatschows Reformvorhaben scheiterte auf tragische und zugleich auf glanzvolle Weise an seinen für den Kreml schließlich unlösbaren Widersprüchen. Mit seiner Politik nahm Gorbatschows Team der Welt zwar die Angst vor einem nuklearen Weltkrieg und gewährte den Sowjetbürgern die lange ersehnte Freiheit. Zugleich kamen die ehrgeizigen Reformen aber nicht in die Erfolgsspur. Die Sowjetbevölkerung litt unter wachsenden Unsicherheiten und sozialen Verwerfungen. Deshalb schien 1991 niemand mehr die Sowjetunion zu brauchen. Nationale Selbstständigkeit, parlamentarische Demokratie und Marktwirtschaft versprachen diejenigen Herausforderungen der Zeit besser zu meistern, die sich aus dem Aufstieg des Informationszeitalters und der Globalisierung ergaben.

Themen der Vorlesung sind: (1) wie das „Neuen Denken“ die internationalen Beziehungen entspannte und zum Ende des Kalten Kriegs führte, (2) welche innergesellschaftlichen Problemlagen sich aus dem ökonomischen Absturz, der wagemutigen Demokratisierung sowie der „Explosion des Ethnischen“ ergaben, (3) wie das Ausland die Prozesse im Sowjetimperium deutete, (4) welche sowjetischen Erblasten und Transformationsdynamiken nach dem Erfahrungsbruch von 1991 bis heute die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen prägen.

Einführende Lektüre

Dietmar Neutatz, Träume und Alpträume. Eine Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert, München 2013; Martin Malek/Anna Schor-Tschudnowskaja (Hrsg.), Der Zerfall der Sowjetunion. Ursachen – Begleiterscheinungen – Hintergründe, Baden-Baden 2013; Corinna Kuhr-Korolev, Gerechtigkeit und Herrschaft. Von der Sowjetunion zum neuen Russland, Paderborn 2015; William Taubman, Gorbatschow. Der Mann und seine Zeit, München 2018.

 

Das Russische Imperium im 19. Jahrhundert (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform:

Repetitorium

Dozent: Ingrid Schierle
Termin: 2st., Mo 11.00-12.00
Beginn: 09.11.2020
Ort:

Das Repetitorium ist als Online-Lehrveranstaltung konzipiert

Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Bemerkungen: Keine Russischkenntnisse notwendig
 
Inhalt

Das Repetitorium gibt anhand ausgewählter Quellentexte und der neuesten Forschungsliteratur einen Überblick über zentrale Ereignisse, Strukturen und Entwicklungen in der Geschichte des Russischen Reichs vom Ende des 18. bis Anfang des 20. Jahrhunderts.

Einführende Lektüre

Manfred Hildermeier, Geschichte Russlands: vom Mittelalter bis zur Oktoberrevolution, München 2013; Andreas Kappeler, Russland als Vielvölkerreich. Entstehung, Geschichte, Zerfall, München 2008; Dominic Lieven (Hrsg.), The Cambridge History of Russia. Vol. 2: Imperial Russia, 1689-1917, Cambridge 2006; Helmut Altrichter et al. (Hrsg.), Deutschland-Russland. Bd. 2: Das 19. Jahrhundert, Berlin/Boston 2020.

Hauptseminare

Die Wende in Ostmitteleuropa 1989: Protest, Aufbruch und Enttäuschung im letzten Drittel des 20. Jahrhunderts (Prof. Dr. Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Hauptseminar
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin: Di, 10.00-13.00
Beginn: 10.11.2020
Ort:

Online

Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Das Hauptseminar findet online in Form von Videositzungen statt. Die Vorbereitung auf alle Sitzungen durch eine sorgsame Lektüre ausgewählter (oft englischsprachiger) Fachliteratur und Quellen wird erwartet. Eigenständige Recherchearbeit und Diskussionsfreude werden vorausgesetzt. Auf die studentischen Präsentationen und die gemeinsame Seminardiskussion entfällt jeweils die Hälfte der Sitzung.
 
Inhalt

Das Seminar thematisiert, welche Besonderheiten den Kollaps des ostmitteleuropäischen Staatssozialismus schwer vorhersehbar und gleichzeitig möglich machten, um so den historischen Nexus zwischen langen Kontinuitätsbögen und abrupten Abbrüchen besser zu begreifen. Dabei richtet sich der Blick zum einen auf den sich seit den 1970er Jahren abzeichnenden Niedergang der Plan- und Kommandowirtschaft, zum anderen auf die damit verflochtenen, schließlich erdrutschartigen Legitimations- und Autoritätsverluste der regierenden Staatspartei. Als Planwirtschaft und Parteiherrschaft immer mehr an Zugriff und Zuspruch verloren, kam es im wundersamen und zugleich wunderbaren Jahr 1989 zur Freisetzung schließlich kaum mehr zu kontrollierender Wandlungspotentiale. Mit einem weitgehend friedlich verlaufenden „Karneval der Revolution“ fand ein neues politisches und ökonomisches System mit Demokratie und Marktwirtschaft den Weg in die gesellschaftliche Wirklichkeit. Die damit verbundenen schmerzhaften Turbulenzen sorgten anschließend dafür, dass der nach 1989 entstehende wilde Kapitalismus die vorherige sozialistische Propaganda wie milde Untertreibung aussehen und in ganz Europa eine neue, stark vom Neoliberalismus geprägte gesellschaftliche Ordnung entstehen ließ.

Einführende Lektüre

Philipp Ther, Die neue Ordnung auf dem alten Kontinent. Eine Geschichte des neoliberalen Europa, Berlin 2014; ders., Das andere Ende der Geschichte. Über die große Transformation, Berlin 2019; Kristina Spohr, Wendezeit. Die Neuordnung der Welt nach 1989, München 2019; Ivan Krastev/Stephen Holmes, Das Licht, das erlosch. Eine Abrechnung, Berlin 2019.

Proseminare

Menschen in Bewegung: Migrationsgeschichte in der Neuzeit am Beispiel der Auswanderung in das Russische Reich (18. und 19. Jahrhundert)

Veranstaltungsform: Proseminar
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin: 4 std., Do 08.00-10.30 (mit Tutorium)
Beginn:

05.11.2020

Ort: Hörsaal Keplerstr. 2
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Keine Russischkenntnisse notwendig
Bemerkungen: Zusammen mit der Übung „Helden und Heldenkulte im 20. Jahrhundert“ bildet das Proseminar eine vom Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde angebotene Lehreinheit im Präsenzunterricht für Studierende im 1. und 2. Semester.
 
Inhalt

Blanke Not, aber auch religiöse Motive zum Beispiel bei Württemberger Pietisten führten zur Auswanderung großer Bevölkerungsgruppen aus deutschen Territorien in das Russische Reich. Privilegien wie Steuerfreiheit, Landzuteilung und Befreiung vom Militärdienst lockten die Siedler an. Vor allem an der unteren Wolga und am Schwarzen Meer entstanden Siedlungsgebiete der deutschen Einwanderer. Die offizielle Anwerbungspolitik hatte unter Katharina II. 1763 begonnen und wurde unter Alexander I. Anfang des 19. Jahrhunderts fortgeführt.

Am Beispiel der Geschichte dieser deutschen „Kolonisten“ – so der Quellenbegriff in den russischen Verwaltungsakten - bietet das Proseminar eine Einführung in die Migrationsforschung. Auf der Grundlage ausgewählter Forschungsliteratur werden wir Formen, Motive und Verläufe von Migration sowie das Aufnahmeregime im Zielland diskutieren. Das Proseminar wird die Wege der Auswanderer und ihr Schicksal im Russischen Reich verfolgen und dabei die Stimmen der Auswanderer anhand von Selbstzeugnissen zu Wort kommen lassen.

Zum Abschluss schlägt das Proseminar einen zeitlichen Bogen in das 20. Jahrhundert bis zur Liquidation der Autonomen Sozialistischen Sowjetrepublik der Wolgadeutschen und der Deportation der deutschen Minderheit 1941 aus dem europäischen Teil der Sowjetunion.

Leistungsnachweis

Lektüre von ca. 40 Seiten Text pro Sitzung. Lektürenachweise in Form von Text- oder Audiodateien. Aktive Teilnahme an den Diskussionen im Proseminar, Testat, Hausarbeit.

Einführende Lektüre

Mathias Beer/ Dittmar Dahlmann (Hrsg.), Migration nach Ost- und Südosteuropa vom 18. bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts, Stuttgart 1999; Klaus J. Bade et al. (Hrsg.), Enzyklopädie Migration in Europa. Vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Paderborn 2007; Barbara Lüthi, Migration and Migration History, Version: 1.0, in: Docupedia-Zeitgeschichte, 28.09.2010; Alfred Eisfeld (Hrsg.), Einwanderung in das Wolgagebiet 1764-1767, Göttingen 1999; Viktor Krieger, Von der Anwerbung unter Katharina II. bis 1917, Bonn 2017 (Bundeszentrale für politische Bildung, by-nc-nd/3.0); Victor Dönninghaus/ Jannis Panagiotidis/ Hans-Christian Petersen (Hrsg.), Jenseits der "Volksgruppe". Neue Perspektiven auf die Russlanddeutschen zwischen Russland, Deutschland und Amerika, Berlin/Boston 2018.

Das Opium des Volks: Religion und Atheismus in der Sowjetunion (Alexa von Winning, M.A.)

Veranstaltungsform: Proseminar
Dozentin: Alexa von Winning, M.A.
Termin: Mi, 10.00-13.00 (mit Tutorium)
Beginn: 04.11.2020
Ort:

Das Proseminar ist als Online-Lehrveranstaltung konzipiert und stützt sich auf verschiedene Arbeitsformate (Zoom, Wiki, Audiodateien; Hinweise siehe Kommentar).

Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen:

Keine Russischkenntnisse notwendig. Für die Teilnahme am Proseminar sind fundierte Englischkenntnisse Voraussetzung.

Lektüre von ca. 50 Seiten Text pro Sitzung (oft in englischer Sprache), Lektürenachweise (Text- oder Audiodateien) und Mitarbeit am Wiki, aktive Teilnahme an den Diskussionen im Proseminar, Testat, Hausarbeit.

 
Inhalt

Im Jahr 1905 schrieb Lenin: „Die Religion ist das Opium des Volkes. Die Religion ist eine Art von geistigem Fusel, in dem die Sklaven des Kapitals ihr menschliches Antlitz und ihre Ansprüche auf ein halbwegs menschenwürdiges Leben ertränken.“ Als die Bolschewiki mit der Oktoberrevolution 1917 die Macht in Russland übernahmen, wurde diese klassenkämpferische Polemik zur Politik. Staatliche Angriffe richteten sich vor allem gegen die Russisch Orthodoxe Kirche, die größte religiöse Institution des Landes und frühere Staatskirche, aber auch andere Konfessionen sollten ausgemerzt werden und dem „wissenschaftlichen Atheismus“ weichen.

Das Proseminar wird – anhand von Sekundärliteratur und übersetzten Quellen – die Konfrontation zwischen Glaube und Atheismus bis zum Ende der Sowjetunion 1991 untersuchen. Tatsächlich wandelte sich die anti-religiöse Politik mehrfach und ermöglichte Formen von Kooperation und Adaptation aufseiten der Kirche. Volksfrömmigkeit, Glaube im Untergrund und religiöser Dissens werden ebenfalls beleuchtet. Neben der russischen Orthodoxie werden auch Judentum und Islam behandelt.

Das Proseminar wird als digitale Lehrveranstaltung durchgeführt und enthält synchrone wie asynchrone Elemente. 60-minütige Zoom-Sitzungen dienen der Diskussion und vertiefenden Analyse. Dazu werden die Studierenden zu Hause kurze Artikel für ein gemeinsames Wiki zu „Glaube und Atheismus in der Sowjetunion“ verfassen. Das Endprodukt wird allen Teilnehmer*innen zur Verfügung stehen. Auch wird es die Möglichkeit geben, kleine Podcasts anstelle von schriftlichen Lektürenachweisen zu erstellen. Erfahrungsgemäß bietet das eine erfreuliche Abwechslung zu schriftlichen Arbeiten. Das Arbeitsvolumen wird das vorgesehene Maß nicht übersteigen.

Einführende Lektüre

Nadežda A. Beljakova, Thomas Bremer, Katharina Kunter, "Es gibt keinen Gott!". Kirchen und Kommunismus. Eine Konfliktgeschichte. Freiburg, Basel, Wien 2016; Dominic Erdozain (Ed.), The Dangerous God. Christianity and the Soviet Experiment. DeKalb 2017; Victoria Smolin, A Sacred Space is Never Empty. Oxford 2018.

Übungen

Vor dem Gericht des Volkes: Jugoslawische Kriegsverbrecherprozesse 1943-1948 (Sabina Ferhadbegović)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Dr. Sabina Ferhadbegović
Termin: Fr, 09.30-10.30
Beginn: 06.11.2020
Ort:

Die Übung findet online in Form von Videositzungen statt.

Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
 
Inhalt

Noch während des Zweiten Weltkriegs, der in Jugoslawien einen Bürgerkrieg auslöste, legte die Kommunistische Partei Jugoslawiens Grundlagen für die Entwicklung zukünftiger staatlicher Institutionen fest. Eine besondere Bedeutung kam dem Recht zu. Gerichtsprozesse vor Militärgerichten der Partisanenarmee und Erlasse zur Ahndung von Kriegsverbrechen waren folglich die ersten institutionalisierten Handlungen eines sich noch formierenden Staates.

Vor diesem Hintergrund stehen im Mittelpunkt der Übung Fragen nach den rechtlichen und kulturellen Grundlagen, der Funktionslogik und der öffentlichen Wirkung von jugoslawischen Kriegsverbrecherprozessen. Das Ziel ist es, entlang ausgewählter Quellen zu analysieren, welche internationale Diskussionen und jugoslawische Entwicklungen die juristische Ahndung von Kriegsverbrechen beeinflusst hatten und wie sich jugoslawische Entwicklungen im internationalen Kontext einordnen lassen.

Einführende Lektüre

Kerstin von Lingen, "Crimes against Humanity": eine Ideengeschichte der Zivilisierung von Kriegsgewalt 1864–1945, Paderborn 2018; Julia  Eichenberg, Macht auf der Flucht: Europäische Regierungen in London (1940-1944), in: Zeithistorische Forschungen 15 (2018), S. 452-473; Alexander Korb, Im Schatten des Weltkrieges. Massengewalt der Ustaša gegen Serben, Juden und Roma in Kroatien 1941–1945, Hamburg 2013; Tomislav Dulić, Forging Brotherhood and Unity: War Propaganda and Transitional Justice in Yugoslavia, 1941–48, in: Rory Yeomans  (Ed.), The Utopia of Terror: Life and Death in Wartime Croatia, Rochester (NY) 2015, S. 241-259.

Perestrojka und Glasnost’. Analyse von Bild- und Textquellen in spätsowjetischer Zeit (Prof. Dr. Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin:

Mo, 15.30-16.30

Beginn: 09.11.2020
Ort: Die Übung findet online in Form von Videositzungen statt.
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Russischkenntnisse sind nicht erforderlich.
 
Inhalt

Gorbatschows letztlich gescheiterter Versuch, unter den Slogans Perestrojka und Glasnost‘ den realexistierenden Sozialismus durch ein Update der Sowjetmoderne fit für das 21. Jahrhundert zu machen, hat zu einer Vielzahl aussagekräftiger historischer Zeugnisse geführt. Im Mittelpunkt der Übung steht darum die sorgsame Quelleninterpretation, um ein breites Themenspektrum vom Ende des Sowjetimperium zu erschließen. Analysiert werden neben wichtigen Reden und den Erinnerungen führender Politiker*innen auch Meinungsumfragen, Zeitungsartikel, Liedtexte, Plakate, Gemälde, Fotos und Spielfilme. Zudem gibt es mittlerweile zahlreiche publizierte Archivakten, die einen guten Eindruck in die internen Entscheidungsprozesse geben. Jenseits der Politik werden soziale und kulturelle Phänomene untersucht wie die Bedeutung von Literatur, Film und Rockmusik sowie die neue Form des sowjetischen Enthüllungsjournalismus. Die Übung geht ferner auf Drogen- und Umweltprobleme, AIDS, Familien- und Genderkonzeptionen ein. Der desolate Zustand der Roten Armee, der nukleare Super-GAU in Tschernobylʾ und die sich in den einzelnen Sowjetrepubliken formierenden Nationalbewegungen lassen sich gleichfalls über unterschiedliche Bild- und Textquellen gut fassen. Die Quellen werden in deutscher und englischer Übersetzung besprochen. Russischkundige können gern auch die Originalquellen analysieren.

Einführende Lektüre

Hedrick Smith, Die neuen Russen, Reinbek bei Hamburg 1991; Juri Lewada, Die Sowjetmenschen 1989-1991. Soziogramm eines Zerfalls, München 1993; Gerhard und Nadja Simon, Verfall und Untergang des sowjetischen Imperiums, München 1993; Michail Gorbatschow, Erinnerungen, Berlin 1995; Svetlana Alexijewitsch, Secondhand-Zeit. Leben auf den Trümmern des Sozialismus, Bonn 2013; Stefan Karner, u.a. (Hrsg.), Der Kreml und die Wende 1989, Wien 2014.

Helden und Heldenkulte im 20. Jahrhundert

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin: 2 st., Do 11.00-12.00
Beginn: 05.11.2020
Ort: Hörsaal Keplerstr. 2
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen:

Keine Russischkenntnisse notwendig

Bemerkungen: Zusammen mit dem Proseminar „Menschen in Bewegung: Migrationsgeschichte in der Neuzeit am Beispiel der Auswanderung in das Russische Reich (18. und 19. Jahrhundert)“ bildet die Übung zur Einführung in das wissenschaftliche Lesen eine vom Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde angebotene Lehreinheit im Präsenzunterricht für Studierende im 1. und 2. Semester.
 
Inhalt

Wozu brauchen Gesellschaften Helden und Heldenkulte? Sind sie eine „Projektionsfläche für gesellschaftliche Normen, Handlungsorientierungen und Werte“, „eine Reaktion auf ein kollektives Bedürfnis“ (van den Hoff) und damit unverzichtbar? Wie und in welchen Kontexten werden Helden und Heldinnen gemacht? „Wann ist ein Held ein Held“? (Essig). „Müssen Helden sterben“ (Brink)?

Die Übung führt in die historischen Fragestellungen und Forschungen zum Heroischen und zur Entstehung von Heldenkulten ein. Prozesse der Heroisierung diskutieren wir anhand von Überblicksartikeln zur Entstehung von Heldenkulten im 19. und 20. Jahrhundert. Wir vertiefen das Thema an Beispielen des „Landes der Helden“, das seit 1934 den Ehrentitel „Held der Sowjetunion“ verlieh. Dem Heroischen in der Sowjetunion nähern wir uns am Beispiel der Polarforscher, der Helden des Zweiten Weltkriegs und des Kults um den ersten Menschen im Kosmos, Jurij Gagarin. Den Abschluss bilden Überlegungen zu „Antihelden“ und den „müden Helden“ im postheroischen Zeitalter. Hier werden wir die These diskutieren, welchen besonderen Stellenwert Sporthelden in der Gegenwart haben.

Leistungsnachweis

Lektüre von ca. 30 Seiten Text pro Sitzung. Lektürenachweise in Form von Text- oder Audiodateien. Aktive Teilnahme an den Diskussionen.

Einführende Lektüre

Cornelia Brink/ Nicole Falkenhayner/ Ralf von den Hoff (Hrsg.), Helden müssen sterben. Von Sinn und Fragwürdigkeit des heroischen Todes, Baden-Baden 2019 (https://doi.org/10.5771/9783956504075-1); Ulrich Bröckling, Postheroische Helden. Ein Zeitbild, Frankfurt 2020; Ralf von den Hoff et al., Das Heroische in der neueren kulturhistorischen Forschung: Ein kritischer Bericht, in: H-Soz-Kult, 28.07.2015, www.hsozkult.de/literaturereview/id/forschungsberichte-2216; Julia Herzberg, Das Land der Helden: die Auszeichnung Held der Sowjetunion und die Einheit des sowjetischen Imperiums (1934-1991), in: Helden 6, 1 (2018), S. 45-56; Rainer Gries/ Silke Satjukow (Hrsg.), Sozialistische Helden. Eine Kulturgeschichte der Propagandafiguren in Osteuropa und der DDR, Berlin 2002; Tobias Schlechtriemen, “Der Held als Effekt. Boundary work in Heroisierungsprozessen”, in: Berliner Debatte Initial 29 (2018), S. 106-119.

Russland und Asien im 18. und 19. Jahrhundert

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin:

2 std., Di 15.00-16.00

Beginn: 03.11.2020
Ort: Die Übung findet online in Form von Videositzungen statt.
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Russischkenntnisse sind nicht notwendig.
 Inhalt

Im 18. Jahrhundert bewegte die Frage „Wo endet Europa, wo beginnt Asien“ nicht nur die Kartographen. Das kontinentale Argument als kulturelle Grenze wurde vor allem für Russland bedeutsam: Was bedeutete „Asien“ in Russland, das sich als europäische Großmacht verstand und zugleich seine asiatischen Grenzen immer weiter ausdehnte?

In der Übung wird es sowohl um den asiatischen Teil des Imperiums als auch um die wechselseitigen Beziehungen zu asiatischen Nachbarstaaten, in erster Linie zu China und dem Osmanischen Reich, gehen. Wir verfolgen die Diskussion um den Ural als Grenze, in deren Ergebnis das Reich in einen europäischen und einen asiatischen Teil kartographisch gegliedert wurde und diskutieren den Umgang mit dem mongolischen Erbe der Selbstherrschaft im Zuge der Inkorporierung von Khanaten seit dem 16. Jahrhundert. Auf internationaler Ebene begeben wir uns auf die Spuren von Reisenden, Händlern, Missionaren und Gesandten auf der Seidenstraße und anderen Wegen in die asiatischen Reiche. Abschließend werden wir überprüfen, ob die These Jürgen Osterhammels von der „Entzauberung Asiens“ im 18. Jahrhundert auch auf das Russische Reich zutrifft.

Einführende Lektüre

Giulia Cecere, Wo Europa endet. Die Grenze zwischen Europa und Asien im 18. Jahrhundert, in: Christof Dipper / Ute Schneider, Kartenwelten. Der Raum und seine Repräsentation in der Neuzeit, Darmstadt 2006, S. 127-145; Otto Hoetzsch, Russland in Asien. Geschichte einer Expansion, Stuttgart 1966; Andreas Kappeler, Rußland als Vielvölkerreich: Entstehung, Geschichte, Zerfall. München 22008; Jürgen Osterhammel, Die Entzauberung Asiens. Europa und die asiatischen Reiche im 18. Jahrhundert, München 1998; Andreas Renner, Peter der Große und Russlands Fenster nach Asien, in: Historische Zeitschrift 306 (2018), S. 71-96; Viktor Taki, Tsar and Sultan: Russian Encounters with the Ottoman Empire, London 2016.

Grundlagentexte der russisch-sowjetischen Geschichte: 1990er Jahre (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin: Do, 15.00-16.00
Beginn: 05.11.2020
Ort:

Die Übung findet online in Form von Videositzungen statt

Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Russischkenntnisse sind notwendig
Inhalt

Die Jahre nach dem Zerfall der Sowjetunion werden oft als „wilde 1990er“ („lichie devjanostye“) und eine Phase des dramatischen wirtschaftlichen Niedergangs, der Armut, Kriminalität und Korruption beschrieben. Eine andere Sichtweise sucht diese gängige Etikettierung als Propagandaformulierung („propagandistskij štamp“) zu entlarven und betont den gesellschaftlichen Aufbruch dieser Übergangszeit als „Erfahrung der Freiheit“ („opyt svobody“).

In der Übung nähern wir uns diesem Jahrzehnt der Transformation über seine Sprache und Rhetorik. Die Auswahl der Textsorten, die wir besprechen und übersetzen werden, reicht von Zeitungsartikeln, wissenschaftlichen Beiträgen, Reden, „offenen Briefen“ von Personen des kulturellen Lebens, soziologischen Umfragen bis hin zu Liedtexten und Filmskripten.

Ziel ist es, anhand der kritischen Lektüre der Texte in Grundfragen der Forschung zur Umbruchphase der 1990er Jahre einzuführen und ein russisch-deutsches Glossar zu erstellen.

Einführende Lektüre

Die Texte werden ausgegeben. Zur vorbereitenden Lektüre empfohlen: Dossiers zu den 1990er Jahren: https://www.dekoder.org/de/dossier/wilde-1990er-jahre-aufloesung-sowjetunion.

Kolloquium / Oberseminar

Kolloquium: Neuere Forschungen zur Osteuropäischen Geschichte (Prof. Dr. Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Kolloquium
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin Montag, 18 c.t. – 20 Uhr
Beginn: folgt
Ort: Das Kolloquium findet als Webinar statt.
Anmeldung: keine Anmeldung erforderlich
Voraussetzungen:

Für alle, die sich für Osteuropäische Geschichte interessieren. Keine Anmeldung erforderlich. ECTS-Punkte können durch regelmäßigen Besuch und die Abfassung eines Essays erworben werden.

 
Inhalt

Im Rahmen des Kolloquiums werden interessante neue Studien erörtert und aktuelle Forschungsdiskussionen besprochen.

Oberseminar für fortgeschrittene Studierende, Examenskandidat*innen und Promovierende (Prof. Dr. Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Oberseminar
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin Termine nach Vereinbarung
Ort: Das Oberseminar findet als Webinar statt.
Bemerkungen: Für fortgeschrittene Studierende, Examenskandidat/innen und Promovierende. Keine Anmeldung erforderlich.
 
Inhalt

Im Oberseminar stellen Examenskandidat*innen und Promovierende ihre Projekte zur Diskussion. Es finden Studientage und Kompaktsitzungen statt, auf denen ausgewählte Fachliteratur und Filme gemeinsam erörtert werden. Des Weiteren gibt es Treffen zur Vorbereitung auf die mündlichen Staatsexamensprüfungen 

Das Programm und die genauen Termine werden zu Beginn des Semesters bekannt gegeben.