Dissertationsprojekt

Arbeitstitel: Gott im Minnesang

In den Liedern des Minnesangs spielt Gott eine zwar kontinuierliche, aber eher unauffällige, oft (scheinbar) nur floskelhafte Rolle. In der bisherigen Forschung wurden diese Gottesbezüge meist nicht näher untersucht, im besten Falle als spannungsreiche Opposition ‚weltlicher‘ und ‚geistlicher‘ Forderungen betrachtet. Der Fokus der Forschung lag hierbei vor allem auf der Kreuzzugslyrik, in der diese Forderungen durch das Abwägen von Gottes- gegenüber Frauendienst greifbar werden.

Im Dissertationsvorhaben erweitere ich das Untersuchungsfeld sowohl synchron als auch diachron, um aufzuzeigen, wie – mit Blick auf die spezifischen Ausformungen – und warum die Gottesfigur im Minnesang Eingang findet. Denn Gott stellt keineswegs eine simple Opposition zur höfisch-irdischen Liebe dar, sondern übernimmt im Minnelied verschiedene Rollen: etwa als Kreator weltlicher Schönheit, als Protektor der Liebenden, als Zeuge aufrichtiger minne oder aber als Gewährender sexueller Freuden. Durch den Gottesbezug können hierbei zugleich Aussagen entschärft und hypothetisch legitimiert, aber auch Provokationen hervorgerufen werden. Im Blickfeld der detaillierten Analysen stehen neben den argumentativen Einbindungen die Auswirkungen zum einen auf die Aussagen der einzelnen Lieder, zum anderen aber auch die Auswirkungen auf die sich im 12. Jahrhundert konstituierende Diskussion der Liebe im volkssprachlichen Sang, dessen Legitimierung und Aufwertung, sprachliche Gestaltung sowie seinen Entwurf verschiedener Minneauffassungen. Zudem werden die dynamischen Wechselbezüge zwischen ‚weltlich‘ und ‚geistlich‘ beleuchtet, denn die Inkorporation Gottes in den ‚säkularen‘ Sang hat nicht nur Konsequenzen für das Minnelied, sondern auch für das Gottesbild selbst.  


Projekte / Workshops

Praxisprojekt des GrK 1662: „Keplers Welten. Wissenschaft und Musik über höhere Sphären“. Buchvorstellung von Ulinka Rublack („Der Astronom und die Hexe“) und Uraufführung der Kepler-Motetten von Tim Watts („Harmonices mundi“); 17. Januar 2019.

Studentisches Theaterprojekt (mit Myriam Bittner, Marion Darilek, Silke von Fürich):
Das Nibelungenlied – Alte mæren neu erzählt. Aufführung am 23. Februar 2016 im Landestheater Tübingen (http://www.kupferblau.de/2016/02/25/die-nibelungen-lebendiges-heldenepos-im-ltt/).