Neuerscheinungen

Ein Vater neuer Zeit

Evamarie Blattner/ Wiebke Ratzeburg / Jörg Robert (Hg.): „Ein Vater neuer Zeit“ – Reuchlin, die Juden und die Reformation. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Stadtmuseum Tübingen. Tübingen 2017.

Johannes Reuchlin (1455–1522), dessen Leben und Werk eng mit Tübingen verbunden sind, repräsentiert wie kaum ein anderer deutscher Humanist den zeitlichen Bogen und inneren Zusammenhang von Renaissance und Reformation. Auch wenn Reuchlin der Reformation am Ende seines Lebens kritisch gegenübersteht, verbinden sich doch die causa Reuchlin und die causa Lutheri für die Zeitgenossen besonders eng – dies gilt für den Wittenberger Reformator selbst, der eindringlich um Reuchlin als Mitstreiter geworben hat, vor allem aber für die jüngeren Anhänger beider Männer wie Ulrich von Hutten oder Reuchlins Schüler Melanchthon, den der Gelehrte 1518 nach Wittenberg vermittelt hat.

Reuchlin macht sich nachhaltig um die wissenschaftliche Erschließung und Bewahrung der jüdischen Tradition verdient und gilt bis heute als einer der Wegbereiter der Toleranzidee. Dies drückt sich in besonderer Weise im sogenannten Judenbücherstreit aus, bei dem es um die Frage geht, ob jüdische Bücher eingezogen und verbrannt werden sollten. Hier bezieht Reuchlin in einem Gutachten (1510) einen klar pro-jüdischen Standpunkt, der in der Folge zu heftigen Auseinandersetzungen mit den Kölner Dominikanern und zur Verurteilung Reuchlins durch die römische Kurie führt. Der Streit selbst, in dem Reuchlins Augenspiegel die zentrale Rolle spielt, weitet sich zu einem medialen Ereignis von europäischen Dimensionen aus, das Phänomene der aktuellen Medienkultur vorwegnimmt.

Katalog und Ausstellungsprojekt möchten Reuchlin und seine Epoche in einem breiten Bogen von Leben und Werk über die Schriften bis hin zur Kulturgeschichte erschließen. Die Tübinger Jahre und Aktivitäten stehen dabei im Mittelpunkt.

Pressemitteilung der Stadt Tübingen zur Ausstellung hier.


Humanistische Antikenübersetzung

Regina v. Toepfer / Johannes Klaus Kipf / Jörg Robert (Hg.): Humanistische Antikenübersetzung und frühneuzeitliche Poetik in Deutschland (1450–1620). Berlin/Boston 2017.

Die Beiträge des Sammelbands untersuchen den Zusammenhang zwischen den deutschen Antikenübersetzungen des Zeitraums von 1450 bis 1620 und der frühneuzeitlichen Rhetorik und Poetik. Dabei wird der Beitrag der Übersetzungskultur, die unter dem Einfluss der humanistischen Bildungsbewegung entsteht, für die Entwicklung der deutschen Sprache und Literatur der Frühen Neuzeit neu bestimmt.

Inhaltsverzeichnis von "Humanistische Antikenübersetzung"


Intermedialität in der Frühen Neuzeit

Jörg Robert (Hg.): Intermedialität in der Frühen Neuzeit. Berlin/Boston 2017.

Intermedialität hat sich in den vergangenen Jahren zu einem Paradigma der Literatur-, Bild- und Musikwissenschaften entwickelt. Phänomene der Medienkombination und -konkurrenz wurden dabei vor allem für Literatur, Musik und Bildende Kunst des 19. bis 21. Jahrhunderts untersucht. Der hier vorliegende interdisziplinäre Band stellt den ersten Versuch dar, intermediale Formen und ihre theoretischen Grundlagen für die Frühe Neuzeit (1500–1750) zu erfassen. Im Sinne einer literaturzentrierten Intermedialität stehen Wechselwirkungen zwischen der Literatur und den übrigen Künsten im Mittelpunkt. Neben Formen der Bild-Text-Kombination bzw. -transformation wie Emblem, carmen figuratum oder Ekphrasis werden Spielarten musikalischer Intermedialität (Lied, Bühnenmusik, Oper), aber auch die Vorgeschichte der Gesamtkunstwerk-Idee des 19. Jahrhunderts erschlossen. Mit diesem weiten Spektrum füllt der Band nicht nur eine Lücke zwischen historischer Frühneuzeit- und systematischer Intermedialitätsforschung, sondern bildet zudem eine wichtige Grundlage für eine noch zu schreibende Literaturgeschichte der Intermedialität.

Inhaltsverzeichnis von "Intermedialität in der Frühen Neuzeit"


Einführung in die Intermedialität

Jörg Robert: Einführung in die Intermedialität. Darmstadt 2014.

Intermedialität hat sich in den vergangenen Jahren als Forschungsgebiet an der Schnittstelle zwischen Literatur-, Kunst- und Medienwissenschaft etabliert. Die Frage nach der Kombination und Konkurrenz der Medien und Künste betrifft ein weites Spektrum von Phänomenen. Es reicht von den Kontroversen um den Vorrang der Künste in Antike und Früher Neuzeit über die Kino- und Mediendebatten der Moderne bis zur klassischen Intertextualitätsforschung und Mediengeschichte. Dieser Band untersucht Geschichte, Theorie und Systematik der Intermedialität von einem literaturwissenschaftlichen Standpunkt aus. Neben einer Klärung der leitenden Begriffe bietet er einen Abriss der historischen Entwicklung sowie einen Überblick über die Forschungs- und Arbeitsfelder intermedialer Literaturwissenschaft. Einzelanalysen nehmen (Hyper-)Texte, Bilder, Filme, Lieder und das Verhältnis von Medium und "gender" in den Blick.

Inhaltsverzeichnis von "Einführung in die Intermedialität"


Unterwelten. Modelle und Transformationen

Unterwelten. Modelle und Transformationen, hg. von Joachim Hamm und Jörg Robert, Würzburg 2014.

Der Abstieg in die Unterwelt gehört zu den großen Narrativen der epischen Tradition. Der vorliegende Band geht von antiken literarischen Modellen der Unterweltfahrt aus und spürt ihren vielfältigen Transformationen bis in die Moderne nach. In dreizehn Fallstudien werden die traditionsbildenden Unterweltreisen der antiken Literatur, auf ihnen aufbauende Gestaltungen jenseitiger Räume im Mittelalter und Früher Neuzeit sowie literarische und bildkünstlerische Umsetzungen und Übertragungen von "Unterwelten" in der Neuzeit betrachtet - bis hin zu Berichten über Nahtod-Erfahrungen, die in einem intensivmedizinischen Ausblick analysiert werden.

Der interdisziplinäre Band beschränkt sich hierbei nicht auf die Beschreibung von Motivverwandschaften und Traditionsbildungen in Literatur und bildender Kunst. Er führt vielmehr auch vor Augen, wie das motivische Inventar und die spezifische Narrativik der Unterweltfahrt spätestens seit der Frühen Neuzeit auf ganz unterschiedliche Wissens- und Erfahrungsbereiche ausstrahlen und zur Modellierung von Grenzräumen, Anderwelten und "Heterotropen" genutzt werden, die sich ihrerseits nur im Rückgriff auf vorgängige Topiken erfassen und beschreiben lassen. Auf diese Weise entsteht ein historischer und systematischer Überblick über einen epischen Archetyp, der vom Altertum bis in die Gegenwart ein Faszinosum der Literatur, Kunst und Anthropologie darstellt.

Inhaltsverzeichnis von "Unterwelten"


"Ein Aggregat von Bruchstücken"

„Ein Aggregat von Bruchstücken“. Fragment und Fragmentarismus im Werk Friedrich Schillers, hg. von Jörg Robert unter Mitarbeit von Marisa Irawan, Würzburg 2013.

Das Fragment ist ein zentrales Problem im Werk Friedrich Schillers. Die Anthropologie des „ganzen Menschen“ findet im Bruchstückhaften der modernen Existenz ihren Gegenpol. Entsprechend wird das „in sich selbst Vollendete“ zum utopischen Ideal einer unverfügbaren Totalität, der sich Mensch und Kunst sukzessive annähern sollen. Dem steht die manifeste Unvollendung zahlreicher Vorhaben gegenüber. Insbesondere die dramatischen Fragmente oder das Romanfragment Der Geisterseher bezeugen Schillers Offenheit für kulturelle, politische und ästhetische Fragen der Zeit, deren prinzipielle Aporien nicht mehr in (ab-)geschlossenen Formen bewältigt werden können. Der vorliegende Band untersucht Schillers hinterlassene Projekte und Fragmente im Lichte seiner Theorien des Fragments und des Fragmentarischen, die der frühromantischen Nobilitierung des Fragments zur ästhetischen Form spannungsvoll gegenüberstehen.

Inhaltsverzeichnis von "Ein Aggregat von Bruchstücken"


Unordentliche Collectanea

Unordentliche Collectanea. Gotthold Ephraim Lessings Laokoon zwischen antiquarischer Gelehrsamkeit und ästhetischer Theoriebildung, hg. von Jörg Robert und Friedrich Vollhardt, Berlin/Boston 2013 (= Frühe Neuzeit Bd. 181).

Für die Ästhetik des 18. Jahrhunderts stellt G.E. Lessings Laokoon: oder über die Grenzen der Mahlerey und Poesie (1766) einen Wendepunkt dar. Die Beiträge des Bandes arbeiten die produktive Offenheit dieser unordentlichen Collectanea (Laokoon, Vorrede) heraus. Lessing will keine systematische Ästhetik vorlegen, sondern fermenta cognitionis , die in ihrer Summe ein Panorama der ästhetischen und kunsthistorischen Problemlagen der Zeit bieten.

Inhaltsverzeichnis von "Unordentliche Collectanea"


Poetik des Wilden

Poetik des Wilden. Festschrift für Wolfgang Riedel, hg. von Jörg Robert und Friederike Felicitas Günther. Würzburg: Königshausen & Neumann 2012.

Seit der Antike bildet das Wilde den Gegenpol einer Selbstbeschreibung der abendländischen Kultur und Zivilisation. Mit dem Prozess der Zivilisation geht der Regress auf Figurationen des Wilden, Archaischen und Primordialen einher. Dem Wilden kommt daher eine besondere, dialektische Funktion für die Semantik der europäischen Gesellschaften und der modernen Literatur zu, sofern dieses sich in Dimensionen einer longue durée durch Prozesse der Aufklärung, Rationalität und Zivilisation bestimmt. Der vorliegende Band zu Ehren und aus Anlass des 60. Geburtstages von Wolfgang Riedel verfolgt die literatur-, ideen- und kulturgeschichtlichen Codierungen des Wilden in einem weiten chronologischen Bogen von der griechischen Archaik und Klassik über die Frühe Neuzeit bis in die klassische Moderne und die Literatur der Gegenwart hinein. Das Konzept einer ‚Poetik des Wilden‘ enthält eine semantische Doppeldeutigkeit, die zugleich die heuristisch-methodische Leitthese des Unternehmens darstellt. Im Begriff der Poiesis ist einerseits vorausgesetzt, dass das Wilde immer ein ‚gemachtes‘, eine perspektivische Konstruktion namentlich des ‚imperialen Blicks‘ (N. Pratt) ist, die komplementär ihr Anderes, d.h. die europäische Zivilisation, mitzudenken hat. Auf der anderen Seite ist diese diskursive ‚Herstellung‘ des Wilden immer wieder an die Poiesis im engeren Sinne, d.h. an Dichtung, Literatur oder die Künste im Allgemeinen rückgebunden. Das Wilde wird so zu einem zentralen Untersuchungsgegenstand einer literarischen Anthropologie bzw. literarischen Ethnologie.

Inhaltsverzeichnis von "Poetik des Wilden"