DFG-Projekt Hybrid-Edition der deutschsprachigen Werke des Martin Opitz (1630-1639), Laufzeit 2018-2020

Martin Opitz (1597-1639) steht mit Person und Werk an einem Wendepunkt der deutschen Literaturgeschichte: Sein Buch von der deutschen Poeterey (1624), von dem Bemühungen um eine Neubegründung der deutschen Dichtung aus späthumanistischem Geist ausgehen, wird schon von den Zeitgenossen als epochale Zäsur verstanden. In engem Anschluss an die internationale Renaissanceliteratur und Gelehrtenkultur etabliert Opitz systematisch das Spektrum antiker und moderner Gattungen in Deutschland. In Bearbeitungen und Übertragungen werden nicht nur die klassischen genera, sondern auch neueste Formen wie Oper und Roman erstmals in einer elaborierten Volkssprache verfügbar. Angesichts der kaum zu unterschätzenden Bedeutung des Martin Opitz für die deutsche Literatur- und Kulturgeschichte, muss der Stand der editorischen Erschließung des deutschen Werkes jedoch als unbefriedigend bezeichnet werden. Die kritische Ausgabe der Werke, die unter der Ägide von George Schulz-Behrend zwischen 1968 und 1990 erarbeitet wurde, bricht nach dem insgesamt siebten Teilband (Bd. IV,2) ab. Für die nach 1630 entstandenen Schriften liegt bis auf geringe Ausnahmen keine kritische Edition vor. Darunter befinden sich – neben anderen – so bahnbrechende Texte wie das Lehrgedicht Vesuvius (1633), das Opernlibretto Judith (1635), die Übersetzung von Sophokles’ Antigone (1636) oder eine umfangreiche dreisprachige Epigrammsammlung mit dem Titel Florilegium variorum epigrammatum (1639). In Absprache mit dem Anton Hiersemann-Verlag (Stuttgart) und der Bibliothek des Literarischen Vereins (Stuttgart) erarbeitet der Lehrstuhl für Literaturgeschichte der Frühen Neuzeit in Kooperation mit der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel Konzepte für eine Vervollständigung der kritischen Edition, die zunächst auf vier Teilbände angelegt ist. Die Ausgabe bleibt den Editions- und Kommentierungsprinzipien der erschienenen Bände verpflichtet, orientiert sich jedoch auch am Maßstab neuerer Editionen frühneuzeitlicher Autoren und Texte, nicht zuletzt an der Ausgabe der lateinischen Schriften (Opitius latinus) und des Briefwechsels. Die Edition ist als Hybride aus Printversion und digitaler Version angelegt und bietet so die Möglichkeit individuellen Zugangs. Neben der Möglichkeit ein Forschungskorpus zusammenzustellen („Mein Opitz“), werden gerade für diejenigen Texte, die immer wieder neu aufgelegt und verändert wurden, Wege gesucht, diese Mouvance darzustellen.

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Mitarbeiter:
Dr. Gudrun Bamberger – wissenschaftliche Mitarbeiterin
Katharina Fuchslocher – studentische Hilfskraft
Lydia Kuschel – studentische Hilfskraft
Philipp Marzusch – studentische Hilfskraft
Alena Schwidder – studentische Hilfskraft

Einige Vorarbeiten:

  • Jörg Robert: Martin Opitz und die Konstitution der Deutschen Poetik. Norm, Tradition und Kontinuität zwischen Aristarch und Buch von der Deutschen Poeterey, in: Euphorion 98. 2004, 281-322.
  • Jörg Robert: Vetus Poesis – nova ratio carminum. Martin Opitz und der Beginn der Deutschen Poeterey. In: Jan-Dirk Müller / Jörg Robert (Hrsg.): Maske und Mosaik. Poetik, Sprache, Wissen im 16. Jahrhundert. Münster u.a. 2007 (Pluralisierung & Autorität 11), 397-440.
  • Jörg Robert: Martin Opitz: Aristarchus sive de contemptu linguae Teutonicae”, in: Veronika Marschall / Robert Seidel (Hrsg.): Martin Opitz: Lateinische Werke Bd. 1. Berlin / New York 2009, 319-337.
  • Jörg Robert: Robert, Jörg: „Martin Opitz: Vesuvius.“ In: Literatur und Wissen. Ein interdisziplinäres Handbuch. Hrsg. von Roland Borgards / Harald Neumeyer / Nicolas Pethes / Yvonne Wübben. Stuttgart 2012.
  • Jörg Robert: Heidelberger Konstellationen um 1600. Paul Schede Melissus, Martin Opitz und die Anfänge der Deutschen Poeterey. In: Wilhelm Kreutz / Wilhelm Kühlmann / Hermann Wiegand (Hrsg.): Die Wittelsbacher und die Kurpfalz in der Neuzeit. Zwischen Reformation. Regensburg 2013, 373-387.