Institute of Media Studies

Doris Dörrie bei der 17. Tübinger Mediendozentur

Die vielfach ausgezeichnete Regisseurin und Schriftstellerin spricht über die Macht von Geschichten

Mittwoch, 6. Mai 2020, 18.30 Uhr
Festsaal in der Neuen Aula

Menschen lieben Geschichten, leben in Geschichten, träumen in Geschichten. Und lügen sich die Welt in Form von Geschichten zurecht. Geschichten können Hass erzeugen, Diktatoren zu absoluter Macht verhelfen oder aber ihren Sturz auslösen, sie können Menschen trennen und verbinden. Persönliche Neuanfänge, glückende Therapien, Veränderungen im Privaten und Revolutionen in der Gesellschaft, die Abkehr von Ungerechtigkeit und Gewalt, die aktuellen Protestzüge von Fridays for Future – nichts von alldem ist denkbar ohne die Sinnzufuhr von Stories.

Aber wer darf überhaupt sprechen? Wessen Geschichte zählt? Und wann regiert nur das Klischee? Wie verändern die rechtspopulistischen Narrative des Niedergangs das Kommunikationsklima? Und wie entdeckt man – in einer von News-Hektik und Selfie-Perfektionismus geprägten Zeit – wieder seine eigene Stimme, findet im authentischen Erzählen zu einer Würdigung des eigenen Lebens?

Diesen Fragen widmet sich die Regisseurin und Schriftstellerin Doris Dörrie in einem großen öffentlichen Vortrag aus Anlass der 17. Tübinger Mediendozentur, der am Mittwoch, den 6. Mai 2020 um 18.30 Uhr im Festsaal der Universität (Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz) stattfinden wird. Sie analysiert die gleichermaßen beglückende und beängstigende Macht von Fiktionen und zeigt autobiographisch, anekdotisch und mit Lust am Experiment, wie sehr die Macht von Geschichten die menschliche Existenz prägt.

Mit Doris Dörrie, Professorin an der Münchner Hochschule für Film und Fernsehen, kommt eine der bekanntesten Autorinnen und Filmemacherinnen nach Tübingen, die mit über 30 Ehrungen und Preisen ausgezeichnet wurde. Schon ihre Filmkomödie Männer (1985) machte sie international bekannt und wurde als bester ausländischer Beitrag für den Oscar nominiert. Es folgten zahlreiche weitere Spielfilme (u.a. Erleuchtung garantiert und Kirschblüten – Hanami). Überdies ist Doris Dörrie Autorin von erfolgreichen Romanen, Novellen, Kurzgeschichten und Kinderbüchern und hat (u.a. an der Staatsoper Berlin, und den Salzburger Festspielen) mit ihren Opern-Inszenierungen für Aufsehen gesorgt. Seit etlichen Monaten steht ihr aktuelles Buch Leben, Schreiben, Atmen auf den Bestellerlisten. In Workshops auf der ganzen Welt gibt Dörrie Schreibkurse und inspiriert ihr Publikum zu einem von Neugier, Offenheit und Lebensfreude geprägten Erzählen. „Ich schreibe, um das Leben zu feiern“, so sagt sie. „Und wer schreibt, bekommt eine Ahnung von sich selbst.“

Die thematische Einführung zur 17. Tübinger Mediendozentur am 6. Mai übernimmt der Medienwissenschaftler Professor Bernhard Pörksen. Es moderiert der Tübinger SWR-Studioleiter Dr. Andreas Narr. Ein Mitschnitt der Rede zur Mediendozentur wird in SWR Aktuell gesendet; Interessierte können die Rede auch über einen Livestream verfolgen (https://youtu.be/LVYtqQNYl7c). Das Institut für Medienwissenschaft publiziert den Text gemeinsam mit dem SWR in einer Sonderveröffentlichung.

Anmeldung

Aufgrund großer Nachfrage ist der Eintritt nur mit Gratis-Tickets möglich. Diese können per Mail bei der Hochschulkommunikation bestellt werden, unter mediendozenturspam prevention@uni-tuebingen.de. Interessentinnen und Interessenten werden gebeten, bei der Bestellung ihre Postadresse anzugeben. Pro Person können bis zu zwei Tickets bestellt werden. Die Karten werden nach Eingang der Anmeldungen vergeben und nach Anmeldeschluss (20. April 2020) per Post verschickt.


Zwischen Theorie und Praxis: Die Tübinger Mediendozentur

Die Tübinger Mediendozentur wurde 2003 von der Medienwissenschaft der Universität Tübingen und dem SWR-StudioTübingen ins Leben gerufen. Sie fördert den journalistischen Nachwuchs und vertieft die Kontakte zwischen SWR und der Universität. Mit Workshops und Vorträgen prominenter Medienvertreter, mit Projektarbeiten und gemeinsamen Veranstaltungen gilt es, Theorie und Praxis, Wissenschaft und Anwendung zu ver-binden. Die Vorträge erscheinen in einer eigenen Schriftenreihe.

Bisherige Gastdozenten waren Peter Voß, Claus Kleber, Frank Plasberg, Maybrit Illner, Patrick Leclercq, Giovanni di Lorenzo, Alice Schwarzer, Frank Schirrmacher, Hans Leyendecker, Ulrich Deppendorf, Mathias Döpfner, Miriam Meckel, Sascha Lobo, Georg Mascolo, Juli Zeh und Ranga Yogeshwar.

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