Institute of Media Studies

Gewinner

Atmosphärische Musik, starke Bilder, natürliches Licht und die Geschichte zweier Liebenden, die sich verlieren. Verlieren in ihren medialen Gewohnheiten und einer emotionalen Kluft. Alles Zutaten, die It’s complicated nicht nur zum Siegerfilm der zweiten Tübinale machten, sondern auch dem Publikum besonders gut gefallen.

Seit der Premiere und dem Doppelsieg sind zwei Wochen vergangen. Genug Zeit um die eigene Arbeit, die Tübinale und den Erfolg zu reflektieren. Wir haben mit der Siegergruppe tamtam über ihren gefühlvollen Film, den Veranstaltungsabend und ihre Zukunftspläne gesprochen.

Janina, Moritz, Sebastian: Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu eurem tollen Erfolg! Wie fühlt es sich an, Gewinner der Tübinale 2013 und Publikumsliebling zugleich zu sein?

Ganz klar: Es ist ein tolles Gefühl! Wir hatten sehr harte Konkurrenz und freuen uns sowohl die Jury als auch das Publikum beeindruckt zu haben. Besonders freut uns natürlich, dass die kompetente Fachjury unseren Film als den Besten ausgewählt hat. Durch das große fachliche Wissen und die vielfältige Aufstellung der Jury denken wir, dass unser Film objektiv beurteilt wurde. Dass er gegen die sicherlich kritischen Anmerkungen bestehen konnte, ist wunderbar. Der Publikumspreis ist für uns das Sahnehäubchen. Die Wahl der Zuschauer erfolgt ja sicherlich auch stark emotionsgeleitet. Es freut uns daher sehr, dass das Publikum unseren Film und unsere Aussage offensichtlich verstanden hat.

Euer Film überzeugt auch durch ein hohes Maß an Professionalität und Qualität. Konntet ihr bereits vor „It’s Complicated“ erste Erfahrungen im Bereich Film sammeln?

Janina: Ich habe einen Einführungskurs bei Campus TV gemacht, um die wichtigsten Basics zu lernen. Ansonsten hatte ich aber vorher keine Filmerfahrung. „It’s Complicated“ war somit mein erstes größeres Filmprojekt.
Moritz & Sebastian: In einem früheren Semester haben wir ein Seminar bei Frau Uhrig belegt, in dem wir filmische Portraits erstellt haben. Hier konnten wir uns das erste Mal erproben. Frau Uhrig stand uns während des gesamten Projekts hilfestellend zur Seite. Dies hat uns natürlich gut auf die filmische Arbeit an „It’s Complicated“ vorbereitet. Außerdem konnten wir uns bei Fragen auch diesmal jederzeit an Frau Uhrig wenden.

Wie seid ihr an die Aufgabe einen Film zum Thema „Medienkonvergenz und kultureller Wandel“ zu drehen, herangegangen? Im Film erzählt ihr ja vom Ende einer Partnerschaft. Was hat euch zu dieser Umsetzung des Themas inspiriert?

Ausgangspunkt unserer Überlegungen war die Frage, wie kultureller Wandel in der heutigen Gesellschaft aussieht, was sich gerade am meisten verändert und vor allem, was dieser Wandel auch für uns bedeutet. Dabei kamen wir zu dem Schluss, dass das „große Neue“ in der heutigen Zeit die digitale Kommunikation ist. Im Laufe unserer Konzeptentwicklung kam uns dann der Gedanke, dass sich die digitale Kommunikation und ihre möglichen Auswirkungen auf das gesellschaftliche Zusammenleben gut anhand einer Liebesbeziehung darstellen lassen könnten. Also haben wir gemeinsam Ideen gesammelt, wie eine solche Geschichte aufgebaut und dabei für den Betrachter interessant gestaltet werden kann. So führte eines zum anderen – bis der Film schließlich stand.

It’s complicated - Hier könnt ihr den Film auf Youtube ansehen

Wie viel Zeit hat der Prozess der Ideenfindung und Konzeption in Anspruch genommen?

Die Idee stand recht schnell. Ein Konzept gab es am Anfang nur in Ansätzen, der Rest hat sich mit der Zeit ergeben. Wesentlich mehr Gedanken haben wir uns um die filmische Umsetzung gemacht. Natürlich hatten wir manches vorher genau geplant. Auf die Dramaturgie bezogen haben wir uns beispielsweise überlegt, die „Zigarettenszene“ immer wieder einzublenden – sozusagen als ein Stimmungsbild der Erinnerung – um eindrücklich das Gefühlsbild des Protagonisten zu zeigen und damit deutlich zu machen, wie es ihm gerade geht. Die beiden Zeitstränge waren also ganz klar von Anfang an bedacht, um die Geschichte lebendiger zu machen. Vieles hat sich aber auch nach und nach entwickelt. Für die Produktion selbst haben wir 6 Drehtage gebraucht und danach vermutlich nochmals 45-50 Stunden mit dem Schnitt und der Bearbeitung am Computer zugebracht.

Sprechen wir über die filmische und technische Umsetzung der Story: Insbesondere die hohe Farbsättigung, präzise Detailaufnahmen und ein „Sinn für Ästhetik“ wurden auch von der Jury gelobt. Wie gelang euch diese qualitativ und ästhetisch hochwertige Umsetzung? Habt ihr beispielsweise eine besondere Technik beim Dreh oder der Filmbearbeitung verwendet?

Wir denken, wir hatten in so mancher Hinsicht einfach auch sehr viel Glück. Wir haben zum Beispiel kein zusätzliches Licht verwendet, hatten kein Setting im klassischen Sinne. Im Grunde hat das natürlich vorhandene Licht an den Drehorten zufällig immer zur Situation und Stimmung in der Szene gepasst. Ein Beispiel hierfür wäre die Szene im Tunnel, in der das Licht die bedrückte, angespannte, ja düstere Atmosphäre zwischen den Protagonisten widerspiegelt. Wir mussten dadurch in dieser Hinsicht relativ wenig nachbearbeiten. Ein paar wenige Farbkorrekturen haben wir lediglich in der Bodenseeszene vorgenommen, da sie eine Erinnerung darstellen soll. Ansonsten hat uns die gute Kamera schon einiges an Arbeit abgenommen. Wir sehen das ganze immer noch als ein Prozess, eine Art Trial-and-Error-Prinzip, bei dem man verschiedene Dinge einfach ausprobieren und auf Gegebenheiten reagieren muss – und dann im Nachhinein schauen kann, was funktioniert und wie es auf der Leinwand rüberkommt. Nur die Profis können alles ganz exakt planen. Aber wir sind zufrieden mit unserer Arbeit. Wir wollten einen Film machen, der nicht zwangsweise darauf ausgelegt ist, die Konkurrenz zu schlagen, sondern der uns selbst letztendlich auch gefällt.

Ein wesentlicher Stimmungsträger im Film ist auch die verwendete Musik. Wie habt ihr die Musikauswahl getroffen?

Die Vorgabe war, gemafreie Musik zu verwenden. In den gemafreien Datenbanken konnten wir allerdings nichts wirklich Passendes finden. Daher haben wir auf die Musik von Bands zurückgegriffen, die wir selbst von Konzerten kannten und dabei nach Songs gesucht, die zu unserem Film und den Stimmungen passen. Bei der Gema haben wir uns dann die Bestätigung eingeholt, dass die Songs unserer Wahl auch wirklich gemafrei sind. Daraufhin haben wir Kontakt mit den Bands aufgenommen und gefragt, ob wir ihre Musik für unser Filmprojekt verwenden dürfen. Diese haben sofort begeistert zugestimmt.

Einmal abgesehen von der Tübinale und unserem Institut – gibt es externe Resonanz auf den Film? Habt ihr vor, „It’s Complicated“ weiter bekannt zu machen?

Wir haben den Film auf Youtube hochgeladen. Außerdem haben wir vor, an weiteren Wettbewerben teilzunehmen, um einerseits noch mehr Aufmerksamkeit für den Film zu bekommen und außerdem mehr Feedback für unsere „No-Budget“-Produktion zu erhalten. Ganz aktuell nehmen wir nächste Woche am Kurzfilmwettbewerb im Kino Arsenal teil. Auch Kurt Schneider vom Zentrum für Medienkompetenz hat uns geraten, den Film weiter publik zu machen.

Wenden wir unseren Blick in die Zukunft: Wie stellt ihr euch eure Zukunft in der Medienbranche vor? Ist der Film möglicherweise ein Bereich, in dem ihr euch auch in Zukunft sehen könnt?

Die Arbeit an einem Filmprojekt war für uns sehr interessant und hat großen Spaß gemacht. Es fasziniert uns, etwas das man im Kopf hat plastisch umzusetzen. Ausschließen wollen wir eine spätere Arbeit in der Filmbranche deshalb definitiv nicht. Erstmal wollen wir uns aber noch Verschiedenes anschauen und uns alle Möglichkeiten offen halten. An der Uni wollen wir auf jeden Fall auch noch das ein oder andere Filmprojekt realisieren.

Wie hat euch die Tübinale gefallen?

Unser Fazit: Ein toller Veranstaltungsabend! Die Location im Sudhaus war klasse! Besonders das Foyer wirkte einladend und elegant – fast wie bei einer Vernissage. Auch das Motto hat perfekt zu einem stilvollen Abend gepasst. Die ganze Atmosphäre war sehr angenehm und wir waren positiv überrascht, wie toll die Veranstaltung gelungen ist. Alles in allem ein gelungener Rahmen für ein Filmfestival wie die Tübinale.

Vielen Dank für das Interview!

Wir danken! Wir möchten uns auch nochmals bei unserer Schauspielerin Kristin bedanken, die super Arbeit geleistet und unser Team sehr unterstützt hat.
Ein weiterer Dank geht auch an das ZfM, das uns mit der professionellen Technik ausgestattet hat. Unser Dank gilt außerdem Frau Uhrig und Herrn Schneider, die uns stets unterstützt und ermutigt haben.