Institute of Media Studies

Die Filmteams

Wer einen schönen Film haben will, muss leiden

Dreharbeiten finden selbst bei eisigen Temperaturen und Schnee statt

von Lisa-Katharina Hensel

Es weht ein eisiger Wind, als ich mich Richtung Lustnau in Tübingen aufmache, um einer weiteren Teilnehmergruppe der Tübinale einen Besuch beim Dreh abzustatten. „TransAtlas“ haben sich einen der kältesten Tage im neuen Jahr ausgesucht, um an ihrem Film zu arbeiten. Für heute ist Schnee angekündigt und mir frieren schon beim kurzen Weg zu unserem Treffpunkt in der Viktor-Renner-Straße fast die Finger ab.

In der Einganshalle des Studentenwohnheims treffe ich auf Meike, die hier auf einem Rollstuhl sitzend auf ihre beiden Mitstreiterinnen wartet. Sie begrüßt mich mit den Worten „Ich sitz hier zwar im Rollstuhl, aber keine Sorge, ich kann laufen“ und lacht. „Den benutzen wir als Dolly, ist von der Uni geliehen“, fügt sie als Erklärung hinzu. Ein „Dolly“ ist im Filmbereich kein Schaf, sondern ein Wagen, mit dem Kamerafahrten möglichst ruckelfrei gemacht werden können. Während der Rest im oberen Stockwerk noch mit der Maske für die Schauspielerin beschäftigt ist, erzählt mir Meike ein wenig über ihr Team und den geplanten Film. „Treasure“ soll der Titel sein und es geht – ohne zuviel zu verraten – um eine Art Schatzsuche. Die Idee für den Film entstand in einer Nachtschicht, ganz vorbildlich inklusive Storyboard, Drehbuch und Drehplan. Die drei Mädels wollen später alle am liebsten etwas in Richtung Film machen und versuchen deshalb, möglichst alle Angebote der Uni aus diesem Bereich wahrzunehmen. Kennengelernt haben sie sich schon im ersten Semester, und im Rahmen eines Seminars bereits zuvor zusammen einen Kurzfilm für die „Naturfreunde Tübingen“ gedreht und daher alle schon Vorerfahrung mit Kamera und Schnitt. Außerdem hat Meike schon für das uninterne „CampusTV“ einen Beitrag über das für Tübingen typische Stocherkahnrennen gemacht.

Jetzt endlich kommen auch die beiden anderen Gruppenmitglieder – Sandra und Sabrina – die Treppe herunter, zusammen mit ihrer Hauptdarstellerin Meryem. Diese haben sie über einen facebook Aufruf und ein darauf folgendes Casting kennengelernt. Auf die Frage hin, ob sie denn auch selbst in ihrem Film mitspielen würden, lachen alle. Das sei nur der Notfallplan gewesen. So könne man sich viel besser auf Bild, Ton und den Ablauf konzentrieren.

Meine Hoffnung, dass bei diesem Wetter keine Außenszenen stattfinden würden, wird zunichte gemacht, als wir aus der warmen Eingangshalle ins Freie treten. Auch Meryem schaut nicht begeistert: sie hat zwar eine Jacke an, muss diese aber aufgrund voriger Szenen, offen lassen und auch auf Mütze und Handschuhe verzichten. Man will ja im Endergebnis keine Filmfehler haben. Auch Kamera und Tonangel halten ist bei dem Wind kein Spaß. Die Schauspielerin wird von Sandra noch mal instruiert, die auch den Part ihres Gegenübers an der Sprechanlage übernimmt. Denn ohne Dialogpartner ist es gar nicht so einfach, das richtige Timing für das spätere Nachvertonen der Szene zu finden. Das Equipment wird aufgebaut, die Rollen sind klar verteilt: Sabrina ist für die Kamera zuständig, Meike für den Ton. Man helfe sich aber generell gegenseitig, bekomme ich versichert. Man merkt, dass die Mädels schon zusammen gedreht haben – es wird professionell gearbeitet, die Technik wird gecheckt, ein Weißabgleich wird gemacht, jeder ist auf seinem Platz und generell ist die Atmosphäre sehr locker und entspannt, es wird viel gelacht. Und trotzdem wird die Szene – Meryem kommt den Weg entlang, klingelt an der Tür, unterhält sich kurz und betritt das Gebäude – immer wieder gedreht. So oft, wie es eben nötig ist, bis sie perfekt passt. Hier meckert keiner, auch wenn allen langsam die Kälte in die Schuhe kriecht. „Wir wollen ja schließlich einen Preis gewinnen, mindestens unter die ersten drei!“, bekomme ich zu hören.

Probleme gab es vor allem von technischer Seite: Licht und Ton haben oft nicht gepasst, die Tonangel war locker, was aber mit Tesafilm und etwas Improvisation schnell gelöst werden konnte. Generell sind die drei ganz groß im Improvisieren – gegen Wind und Schnee hilft ein Schirm heute genauso gut wie gegen die ab und an herauskommende Sonne. Außerdem mussten für die Drehorte erst Genehmigungen eingeholt werden, aber darin hatten alle schon Erfahrung und es gab keine größeren Komplikationen.

Als die Szene zur allgemeinen Zufriedenheit im Kasten ist, geht es noch einmal zum Aufwärmen in die Eingangshalle. Hier wartet schon der nötige Zucker in Form von M&Ms auf uns und die nächste Szene, in der Meryems Ankunft in einem Smart gefilmt werden soll, wird besprochen. Für die nächsten Tage steht noch eine Szene mit vielen Statisten an und ebenso eine Bluescreen Aufnahme (siehe Artikel „Strand, Sand und Sonne im Wintersemester„). Außerdem haben „TransAtlas“ geplant, im Februar für eine ganze Woche im AVID-Pool zu verschwinden und den Film bis zur finalen Version zu schneiden.

Die Arbeit geht weiter und ich verabschiede mich von der Gruppe. Vom Bus aus beobachte ich den etwas stockend fahrenden Smart auf der Straße. „Ich bin so ein Auto noch nie gefahren...“, hat mir Meryem kurz zuvor noch verraten.

„Die Konkurrenz ist hart“

Die ersten Teilnehmer der Tübinale 2014 sind bereit für den Dreh

von Dominic Knauber

Die Phase der Ideenfindung und Konzeptplanung der einzelnen Filmgruppen der Tübinale 2014 geht zu Ende. Für viele Teams beginnt jetzt die heiße Drehphase. Die Medienwissenschaft-Studentinnen Meike Glombeck, Sabrina Pfeifer und Sandra Bauer von der Gruppe „Trans Atlas“ duften bereits vergangenes Semester zusammen ein Filmprojekt realisieren und freuen sich ein weiteres Mal hinter der Kamera zu stehen. „Das Thema Medienkonvergenz eröffnet viele Möglichkeiten und es ist abstrakt“, sagt Sandra Bauer. Aber auch die Tatsache, dass von der Universität problemlos filmtechnisches Equipment zur Verfügung gestellt werde, habe der Entscheidung für das Projekt beigetragen. Nichtsdestotrotz ergibt sich ein weiterer Vorteil: „Damit wir die Klausur nicht schreiben müssen“, geben die Drei lachend zu erkennen.

Trotz der vielen Möglichkeiten das Thema darzustellen, hatten sie zu Beginn Schwierigkeiten. „Es hat eine Weile gedauert, bis wir eine Geschichte hatten“, sagt Sabrina Pfeifer. Nach „stundenlangem Brainstorming“ gelang es ihnen doch noch ein Konzept auszuarbeiten. „Mit Medienkonvergenz hat heutzutage jeder zu tun, sei es mit dem Handy oder dem TV“, sagt Sandra Bauer.

Am meisten freuen sich die drei Studentinnen auf das Drehen und hoffen, dass das Wetter mitmacht. Da verschiedene Drehtage auf dem Plan stehen, wäre es von Nachteil, wenn es an einem Tag regnen und am nächsten die Sonne scheinen würde. „Die Konkurrenz ist hart“, sagt Sandra Bauer, „aber wir wollen schon gewinnen“, sind die Drei sich einig. Am Ende jedoch zähle, dass sie selber mit ihrem Projekt zufrieden sind. „Wir haben hohe Ansprüche an uns selber“, verdeutlichen die Drei.

Die eigene Kreativität ausleben

Kurz vor dem Dreh stehen auch die „Warner Sisters“, bestehend aus Johanna Ebel, Marina Schulz und Andrea Stettmer, ebenfalls Studentinnen der Medienwissenschaft. Sie freuen sich mit dem Filmprojekt eine „angenehmere Lösung“ als die alternative Klausur zu haben und ihrer Kreativität freien Lauf lassen zu können.

Probleme bei der Konzeptentwicklung bereiteten den Dreien, den Begriff „Medienkonvergenz“ erst genauer zu bestimmen und dann festzulegen, welche Medien sie überhaupt einsetzen wollen. Dabei lautete das Ziel „den Film so umzusetzen, dass der Zuschauer die Geschichte am Ende versteht“, sagt Johanna Ebel. Filmerfahrungen konnten sie bereits bei CampusTV, dem Hochschul-TV-Kanal der Universität Tübingen, sammeln. Die drei Studentinnen freuen sich ebenfalls am meisten auf das Drehen und erhoffen sich von der Tübinale 2014 „ viel Spaß, neue Erfahrungen und Praxis“.

Die Studenten-WG wird zum Set

Filmnachwuchs bei der Arbeit: Eindrücke eines Drehtags

von Lisa-Katharina Hensel

Nicht nur das Organisationsteam der Tübinale befindet sich mittlerweile in der heißen Phase der Festivalplanung, auch die einzelnen Teilnehmergruppen finden sich nun mitten in der Arbeit an ihren Filmen wieder. Konzepte und Drehbücher stehen zum Großteil, Schauspieler und Statisten konnten verpflichtet und das nötige Equipment besorgt werden. Jetzt heißt es für die meisten der 12 Gruppen: Klappe und Action!

Eines der Dreierteams haben wir am Mittwoch beim Dreh besucht und konnten uns so erste Eindrücke über die Qualität der diesjährigen Wettbewerbsfilme machen.

Treffpunkt ist in Tübingens Weststadt, vor einem Mehrfamilienhaus. Auf das Klingeln öffnet uns Sven, Gruppenmitglied bei den „Minosatren“. Gedreht wird heute in seiner WG.In der Wohnung angekommen, bedeutet er uns leise zu sein. Vom Gang aus können wir einen Blick in einen kleinen Raum werfen: leer und kahl, weiße Wände, heller Boden, ein Schreibtisch und ein Stuhl sind die einzigen Möbelstücke hier. Auf dem Boden liegt ein Junge, ausgestreckt und starr. Direkt neben ihm kauert ein rothaariges Mädchen, die Kamera hat sie nur Zentimeter von seinem Gesicht entfernt. Die Person auf dem Boden ist Constantin, Schauspieler und Hauptperson des Films. Kennengelernt haben sie ihn im Café Haag in Tübingen, beim Improvisationstheater. Schauspielerfahrung hat er also schon. Daneben Marina, Gruppenmitglied Nummer zwei. Nummer drei, Eva, fehlt leider. Sie ist bereits zum Auslandssemester nach Schweden abgereist. Deshalb musste alles auch schon frühzeitig geplant und umgesetzt werden, um den Großteil des Projekts noch im kompletten Team zu meistern.

Die Gruppe ist zufrieden: bisher gibt es schon ganze acht Drehtage zu verzeichnen. Nur eine große Szene mit eigens entworfener Choreographie und vielen Statisten steht noch aus. Und da Eva, die eigentliche Kamerafrau, nicht mehr zur Verfügung steht, wurde der Job neben der Regiearbeit ebenfalls von Marina übernommen. Beide haben schon Kameraerfahrung und zusätzlich den von der Universität angebotenen „Kameraführerschein“ gemacht. Praktisch arbeiten aber natürlich alle gemeinsam an dem ganzen Film. Ideen, Umsetzungen, Probleme und eventuelle Unstimmigkeiten müssen zusammen angegangen und diskutiert werden. „Letztendlich hat aber Marina das letzte Wort“, meint Sven augenzwinkernd. Insgesamt scheint die Arbeitsatmosphäre angenehm. Das laufe nicht immer so, gibt Marina zu. Manchmal sei es doch etwas lauter geworden, Vorstellungen und Ideen auseinandergegangen. Letztendlich habe man sich aber immer wieder vertragen und sei sich einig geworden. Während den jetzigen Aufnahmen ist die Stimmung zwar angespannt und konzentriert, dazwischen fallen aber immer wieder Scherze und es wird gelacht. Als bei einer Szene alle bis auf Constantin und Jens den Raum verlassen müssen, stürzt Marina, direkt nachdem die Tür ins Schloss gefallen ist, auch schon wieder ins Zimmer und stürmt zum Schreibtisch. „Der Stift!“, ruft sie aufgeregt. Den auf dem Schreibtisch liegenden Block und Kuli verrückt sie minimal. Sven schaut stirnrunzelnd zu, dann: „Komm mir nicht wieder mit dem Stift und leg den dann einen Zentimeter weiter rüber! Rauuus!“ Allgemeines Gelächter.

Doch ganz ohne Sinn war diese Aktion nicht, denn viel Wert auf gute Arbeit und Aufnahmen legt das Team allemal: Der Rest der WG-Bewohner hat „Zimmerarrest“, damit keine störenden Geräusche und Stimmen im Hintergrund der Aufnahmen zu hören sind. Mehrmals weist Sven seine Mitbewohner darauf hin, bitte leise zu sein. Auch Marina ist nicht so leicht zufriedenzustellen. Selbst kleinste, unwichtig erscheinende Aufnahmen werden so lange wiederholt, bis jedes Detail zu stimmen scheint. Gefilmt wird oft aus mehreren Perspektiven, beachtet werden muss hierbei vor allem, dass die einzelnen Einstellungen mit den vorhergegangenen zusammenpassen, wie Schnitte gesetzt werden können und wie das ganze zum Schluss ein stimmiges Gesamtbild ergeben kann. Dabei ist vor allem ein Drehplan hilfreich, der die Reihenfolge der einzelnen Aufnahmen und deren Perspektiven vorgibt und in dem wichtige Details vermerkt sind. Auch Constantin bekommt Hilfestellung, denn sich bei den nur abschnittsweise und ohne Gesamtzusammenhang gedrehten Szenen richtig in die Rolle einzufinden, ist gar nicht so einfach. „Stell dir vor, davor ist das passiert. Dann würdest du dich natürlich so fühlen. Wie würdest du reagieren?“ und „Denk immer daran, was als nächstes kommt!“.

Sehr ambitioniert waren die „Minosatren“ bisher auch bei ihrer Drehortwahl: nicht nur in der WG wurde gefilmt, auch im Universitätsgebäude „Brechtbau“, auf dem Tübinger Schloss und im Wald. Ebenso vielseitig ist die Kameraauswahl – neben der von der Universität bereitgestellten Kamera befinden sich auch noch eigene im Einsatz, unter anderem eine „GoPro“. Das ist eine sehr kleine Kamera, die vor allem für Sportaufnahmen eingesetzt wird. Ansonsten konnte ein Großteil des benötigten Equipments geliehen werden, denn so manches, was sich die kreative Truppe vorgestellt hatte und benötigt wurde, hat man nicht so einfach daheim rumliegen. Viel mehr soll an dieser Stelle zum Film selbst aber nicht verraten werden. Nur soviel: Der Titel des Werks ist „Media Key“, es wird Referenzen zu einer Legende und wie bei einem guten Film zu erwarten, ein interessantes Ende geben. Was genau sich dahinter verbirgt, erfahrt ihr am Premierenabend des Films, auf der Tübinale. Wir sind auf jeden Fall schon sehr gespannt und halten euch selbstverständlich auch weiterhin auf dem Laufenden!