Archäozoologie

Curriculum Vitae

Ausbildung

1985

Promotion an der Geowissenschaftlichen Fakultät der Universität Tübingen.

 
1981

Magister artium am Institut für Urgeschichte der Universität Tübingen.

 
1973-1981 Studium an der Eberhard-Karls Universität Tübingen in Urgeschichte (Jägerische Archäologie), Vor- und Frühgeschichte und Anthropologie/Humangenetik.

Ausgrabungen und Materialauswertungen

2000 Grabung Hohle Fels bei Schelklingen (Schwäbische Alb), Jung- und Mittelpaläolithikum (Prof. N. Conard)
1987 Ausgrabung in Umingmak (Banks Island, N.W.T., Kanada). Paläoeskimozeitlicher Moschusochsenjagdplatz (Prof. H. Müller-Beck).
1984 Anstellung am Deutschen Archäologischen Institut Kairo: Aufnahme des Steininventars der prädynastische Siedlung Maadi, Kairo/Ägypten (Projektleiter: Dr. J. Seeher)
1979 Grabung Heuneburg bei Hundersingen, hallstattzeitlicher Siedlungshügel (Dr. E. Gersbach, Prof. W. Kimmig). Werkvertrag zur Entnahme von Schlämmproben, Bestimmung, Auswertung und Publikation der Fauna.
1978 Grabung Abdul Hosein, Luristan/Iran, Tellgrabung, Akeramisches Neolithikum (Dr. J. Pullar, Uni Toronto). Tätigkeiten: Grabung, Präparation und Vorbestimmung der Fauna zusammen mit Prof. H.-P. Uerpmann (Uni Tübingen)
1977 Grabung Lommersum, Freilandstation Aurignacien (Prof. J. Hahn)
1977 Sondage Schwäbisch Gmünd, mesolithische Freilandstation (Prof. J. Hahn)
1977 Grabung Helga-Abri bei Schelklingen/Schwäbische Alb, Mesolithikum (Prof. J. Hahn)
1977 Grabung Abri Kartstein bei Mechernich/Eifel, Jungpaläolithikum (Dr. H. Löhr)
1976 Grabung Swifterbant, Poldern, Niederlande, neolithische Siedlung (Prof. van der Waals, Prof. D. Price, Prof. R. Whallon)
1976 Grabung Geißenklösterle bei Blaubeuren, Jungpaläolithikum (Prof. J. Hahn)
1976 Grabung Horn-Staad, Bodensee, Neolithische Uferrandsiedlung (Dr. H. Schlichterle)
1975 Grabung Geißenklösterle, Blaubeuren/Alb-Donau Kreis, Jungpaläolithikum (Prof. J. Hahn)
1975 Grabung Abri Flageolet, Perigord/Frankreich, Jungpaläolithikum(Dr. J.-Ph. Rigaud)
1975 Grabung Heidenheim-Schnaitheim, hallstattzeitliches Gräberfeld (Dr. J. Biel, LDA)
1974-1977 Mezad Masal (Israel), Auswertung eines neolithischen (PPNA) Steininventars (Prof. W. Taute)
1974 Grabung Twann, neolithische Uferrandsiedlung am Bielersee, Schweiz (Dr. H. Grütter)
1974 Grabung Petersfels (bei Engen im Hegau), Magdalénien (Dr. G. Albrecht)

Studienaufenthalte

1987 Studienaufenthalt im National Museum of Man, Ottawa, Archaeological Survey of Canada zum Erlernen von Dünnschlifftechniken (Sterling Presley) und jahreszeitlicher Interpretation an Zähnen (Dr. Bryan Gordon). Manuskript: "Vorläufiger Bericht zur jahreszeitlichen Interpretation der Moschusochsenzähne aus Umingmak mit Hilfe der Annuli im Zahnzement"
1984 Materialaufnahme der Moschusochsenknochen aus nordgrönländischen Paläoeskimo-Fundplätzen im Zoologisches Museum in Kopenhagen.
1981 Studienaufenthalt am Zoologischen Museum in Kopenhagen zur Bestimmung der Vogelknochen aus Umingmak.

Wissenschaftliche Tätigkeit

2006-08 DFG-Projekt: " Die Höhlenbären aus dem Hohle Fels im Achtal (Schwäbische Alb). Eine archäozoologische Untersuchung zur genetischen Diversität, zu den Nahrungspräferenzen und zu den Ursachen der Ablösung des Höhlenbären durch den Braunbären sowie seine Nutzung durch den paläolithischen Jäger im Jung- und Mittelpaläolithikum" (Zusammenfassung).
seit 2004 Freiberuflicher Archäologe
2003–04 Einarbeitung der Faunenfunde aus den Neugrabungen 2000-2003 im Geißenklösterle in die naturwissenschaftliche Publikation der Geißenklösterle-Höhle und Fertigstellung des Manuskripts zum Druck.
1999–2002 DFG-Projekt: "Auswertung der pleistozänen Großsäugerfauna aus dem Hohle Fels bei Schelklingen" (Zusammenfassung).
1998 Fortsetzung des DFG-Projekts: "Die Höhle Geißenklösterle: Ökonomie und Ökologie". Auswertung der Großsäugerfauna. (Zusammenfassung)
1996–97 Werkvertrag im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 275, Teilprojekt C5 an der Uni Tübingen. Thema: "Vorbestimmung der Fauna aus dem Hohle Fels bei Schelklingen"
1994–96 DFG-Projekt: "Die Höhle Geißenklösterle: Ökonomie und Ökologie". Auswertung der Großsäugerfauna. (Zusammenfassung)
1993 Werkvertrag finanziert im Rahmen des Hochschulsonderprogramms II zur Förderung von Frauen. Werkleistung: "Archäozoologische Auswertung der Faunenreste aus den Gravettienhorizonten der Geißenklösterle-Höhle im Achtal bei Blaubeuren" (unpubl. Manuskript).
1990–91 Wissenschaftliche Anstellung an der Uni Tübingen. Projekt: "Archäozoologische Auswertung der Fauna aus dem Geißenklösterle-Höhle bei Blaubeuren". Finanzierung durch Arbeitsamt und Universität Tübingen.
1989–90 Werkvertrag mit der Stadt Jülich (Kreis Düren, Rheinland) für die Tierknochenauswertung eines römischen Abfallstreifens der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts aus der Stadt Jülich
1985–88 DFG-Projekt: "Jagd in Umingmak". Archäozoologische Auswertung der Tierknochen aus den Grabungsareale A1, A2, T-1970 und F.

Lehrveranstaltungen

WS 2010/11 Knochen als Quelle (Vorlesung und Seminar)
WS 2005/06 Lonetal/Achtal (Exkursion)
SS 2005 Osteologie für Archäologen (Fauna aus Didi Gora, Armenien)
SS 2004 Osteologie für Archäologen (Fauna aus Didi Gora, Armenien)
SS 2003 Osteologische Auswertungsübung (Hohle Fels)
WS 2000/01 Wissenschaftliche Erfassung von Tierknochenfunden aus älteren Höhlengrabungen (Kesslerloch, CH)
SS 1992 Auswertung paläolithischer Höhlenfaunen (Geißenklösterle)
WS 1991/92 Auswertung paläolithischer Höhlenfaunen
SS 1991 Auswertung paläolithischer Fauneninventare (Geißenklösterle)
SS 1990 Auswertung paläolithischer Faunenkomplexe
WS 1989/90 Auswertung paläolithischer Fauneninventare (Weinberghöhlen)
SS 1989 Auswertung Umingmak (zus. mit Prof. H. Müller-Beck)
WS 1988/89 Auswertungspraktikum Umingmak (zus. mit Prof. H. Müller-Beck)
SS 1988 Auswertungspraktikum Umingmak - Arktische Archäozoologie (zus. mit Prof. H. Müller-Beck)
WS 1987/88 Archäozoologische Taphonomie (Übung)
WS 1986/87 Auswertungspraktikum Umingmak (zus. mit Prof. H. Müller-Beck)
SS 1986 Großpraktikum Auswertung Umingmak (zus. mit Prof. H. Müller-Beck)

Zusammenfassung der Dissertation

Umingmak, ein Moschusochsenjagdplatz auf Banks Island, N.W.T., Kanada. Archäozoologische Auswertung des Areals ID. Urgeschichtliche Materialhefte 5,2. Archaeologica Venatoria (Tübingen 1987). [link]

In den Jahren 1970, 1973, 1975 und 1987 hat das Urgeschichtliche Institut unter der Leitung von Prof. H. Müller-Beck auf Banks Island (N.W.T., Kanada) Grabungen in dem paläoeskimozeitlichen Moschusochsenfundplatzes Umingmak durchgeführt. Das ausgezeichnet erhaltenen Faunenmaterial war Gegenstand meiner Doktorarbeit und bot Gelegenheit unter idealen Bedingungen eine taphonomische Untersuchung durchzuführen. Ideal deshalb, weil die Fauna zu 80% aus Moschusochsenresten besteht und dadurch ein sehr hoher Bestimmungsgrad erreicht werden konnte. Ein Codierschlüssel (Münzel 1986) ermöglichte die genaue Position fast jeden Knochenfragments im Skelettteil (vgl. Abb. 1). Das Ergebnis war eine genaue Analyse des Knochenteilschwundes, den Brain (1967, 1968, 1981) in seinen wesentlichen Zügen bereits formuliert hatte, nämlich: je später eine Epiphyse verwächst, desto höher ist der Schwund dieses Gelenkes. Wichtiges Ergebnis ist auch, dass die höchsten Mindestindividuenzahlen (MIZ) nicht an den Gelenkenden auftreten sondern, bei Langknochen beispielsweise, an gut bestimmbaren Muskelansatzstellen oder Foramina (Münzel 1988, 1996). Die MIZ müssten deshalb eigentlich an Schaftfragmenten bestimmt werden, die aber häufig nicht bestimmt werden können, vor allem dann, wenn ein Fundplatz mehrere Tierarten derselben Größenklasse aufweist. Statt der MIZ wurde für die quantitative Auswertung der Tierarten und der Skeletteile pro Tierart deshalb das Knochengewicht benutzt, das mit dem Fleischgewicht korreliert (Uerpmann 1971) und somit die vom Menschen genutzte Biomasse widerspiegelt.