Systematische Theologie II

Vulnerabilität.
Dimension menschlichen Lebens

Überregionale theologische Fortbildung 2022
für Pfarrerinnen und Pfarrer, Lehrerinnen und Lehrer
19.-22. September 2022

am Institut für Ethik, Ev.-Theol. Fakultät, Universität Tübingen
unter Leitung von Prof. Dr. Elisabeth Gräb-Schmidt

Zweifellos legte die Corona-Pandemie die Verwundbarkeit des Menschen sowie der gesellschaftlichen Systeme schonungslos offen. Zwar ist dem Menschen seit jeher deutlich, dass er als Leibwesen kör-perlich und seelisch verletzlich ist. Doch zum einen verspricht der rasante technologische Fortschritt Potentiale, die selbst den gehassten Stachel des Todes meinen ziehen zu können („Transhumanis-mus“). Zum anderen scheint das reflexhafte Überdecken der eigenen sowie der gesellschaftlichen Verletzlichkeit in unserem Zeitalter nicht nur zum guten Ton zu gehören, sondern seinerseits einen not-wendigen Schutzmechanismus darzustellen.

In der Pandemie-Situation lässt sich aber die menschliche Verletzlichkeit nicht mehr wegdiskutieren, sodass Fragestellung diesbezüglich in den Fokus gesellschaftlichen Interesses rücken. Anthropolo-gisch eröffnet sich das Fragefeld, das die sogenannte Vulnerabilitätsforschung seit etwa 40 Jahren verhandelt: Was ist Vulnerabilität genau? Birgt die Verletzlichkeit menschlichen Daseins auch etwas Gutes? Vulnerabilität ist aber nicht nur eine anthropologische, sondern auch eine soziale Größe. Sozial stellt Vulnerabilität ein multifaktorielles Konstrukt dar, denn wer oder was aufgrund welcher Faktoren als „vulnerabel“ gilt, ist eine Definitions- und somit Machtfrage, die gehöriges Diskussionspotential aufweist. Neben diesem diskurstheoretischen Problem stellen sich dann diverse sozialethische An-wendungsprobleme, die zugleich medizinische, politische und juristische Aspekte aufweisen. So ist in der Pandemiesituation bspw. zu fragen, inwiefern besonders vulnerable Gruppen zu schützen und das Gesundheitssystem vor dem Kollaps zu bewahren sind, wenn die gegebenen Maßnahmen wie bspw. Quarantäne massiv in die Grundrechte der Bürgerinnen und Bürger eingreifen. 
Theologisch betrachtet ist die Debatte um die Vulnerabilität darum verheißungsvoll, da sich Gott ge-rade in der menschlichen Schwäche offenbaren will (2Kor 12,9). Hier stellt sich die Frage, inwiefern Theologie ein spezifisches Moment menschlicher Verletzlichkeit zur Geltung bringen kann, welches der Diskurs nicht aus anderen Quellen beziehen kann.

In bewährter Form wird sich die Tagung auf akademischem Niveau mit Fachtexten befassen, die in Gruppen und im Plenum reichlich diskutiert und auf Praxistauglichkeit befragt werden können.

Diesen Herausforderungen soll anhand der Lektüre von Grundlagentexten aus Philosophie und Theo-logie, sowie deren Anwendung auf einige Fallbeispiele nachgespürt werden. In mehreren Einheiten soll im Anschluss an ein einführendes Referat im Plenum in Kleingruppen an und mit den Texten gearbeitet und diskutiert werden. 

Pfarrerinnen und Pfarrer aller Landeskirchen sind herzlich zur Teilnahme an der Fortbildung eingeladen. Neben der systematisch-theologischen Grundlagenreflexion bietet die überregionale Veranstaltung auch die Möglichkeit zur Begegnung und zum Austausch zwischen Pfarrern und Pfarrerinnen verschie-dener Landeskirchen.


Zielgruppe:

Pfarrerinnen und Pfarrer, Lehrerinnen und Lehrer sind herzlich zur Teilnahme an der Fortbildung eingeladen. 

Tagungszeitraum:

Montag, den 19.09.2022, 13:00 Uhr bis Donnerstag, den 22.09.2022, 12:15 Uhr 

Tagungsort:

Institut für Ethik 
Evangelisch-Theologische Fakultät · Universität Tübingen 
Liebermeisterstr. 12 
72076 Tübingen 

Unterkunft und Verpflegung:

Evangelisches Stift, Klosterberg 2, 72070 Tübingen - leider ist das Zimmer-Kontingent bereits ausgebucht!

Fortbildungskosten:

Für Auslagen des Instituts (Porto, Kopien, Kaffeeservice, etc.):        EUR   75,-
3 Übernachtungen & Frühstück im EZ im Ev. Stift:                             EUR 177,- 

HINWEIS: Die zur Verfügung stehende Zimmerzahl im Ev. Stift ist begrenzt. Teilnehmende müssen ggf. selbst für die Unterbringung sorgen. Auskunft gibt das Sekretariat gerne auf Anfrage.

Die Kosten der Fortbildung werden für Pfarrerinnen und Pfarrer i.d.R. von der jeweiligen Landeskirche übernommen.

Teilnehmerzahl: 

Maximal 25 Teilnehmer 

Anmeldeschluss:
29. Mai 2022 

Leitung: 
Prof. Dr. Elisabeth Gräb-Schmidt, Tübingen 
In Zusammenarbeit mit: 
Friedhelm Meier
Christian Schlenker
Sebestian Mense
Tatjana Petkovic

Anmeldung / Rückfragen zur Tagung /Kontakt:

Christine Beuter 
Sekretariat Prof. Dr. Elisabeth Gräb-Schmidt   
Institut für Ethik · Evangelisch-Theologische Fakultät · Universität Tübingen 
Liebermeisterstr. 12 · 72076 Tübingen 
Tel.: +49 (0)7071 29-72591 
Fax: +49 (0)7071 29-5415
E-Mail: sekretariat.graeb-schmidt@ev-theologie.uni-tuebingen.de

Weitere und aktuelle Informationen unter „Theologische Fortbildungen“ auf:
www.ethik.uni-tuebingen.de
 

Abendvorträge im Rahmen der theologischen Fortbildung »Hoffnung und Kritik« 2021