Juristische Fakultät

Verleihung des Fakultätspreises 2019 und Vortrag von Oberlandesgerichtspräsidentin Cornelia Horz

Am 21. Januar 2020 beschloss das Gleichstellungsteam der Juristischen Fakultät das Semester mit einer Veranstaltung mit Vortrag von der Oberlandesgerichtspräsidentin Cornelia Horz und der Preisverleihung des Fakultätspreises 2019. Herr Professor von Bernstorff begrüßte die Rednerin Frau Cornelia Horz, Präsidentin des Oberlandesgerichts Stuttgart, die Preisträgerin Frau Laura Wilms und die Gäste. Er spannte den inhaltlichen Bogen über die zwei Teile der Veranstaltung: die Verleihung des Fakultätspreises für wissenschaftlich besonders begabte Studentinnen und den Vortrag im Rahmen der Reihe „Woman and Law“ mit dem Titel: „Karriere für Juristinnen – Gibt es eine ‚gläserne‘ Decke?“.

Die Gleichstellungsarbeit hat zum Ziel, Chancengleichheit unabhängig vom Geschlecht herzustellen. Mit dem Preis soll herausragende Leistung belohnt und dazu ermutigt werden, ehrgeizig gesetzte Ziele weiter zu verfolgen. Die Vortragsreihe „Woman and Law“ soll den Tübinger Studentinnen einen besseren Überblick über ambitionierte Berufsperspektiven verschaffen und ihnen vor Augen führen, wie unterschiedlich Karriereverläufe von Frauen aussehen können. Insbesondere durch Vorträge von arrivierten Juristinnen soll mehr Mut zu beruflichem Ehrgeiz und Durchsetzungsvermögen gemacht werden.

Zur Förderung der Durchsetzung der Chancengleichheit ist die Universität Tübingen nach § 4 Abs. 1 S. 1 LHG Baden-Württemberg auch gesetzlich verpflichtet. Ein vergleichender Blick auf den Frauenanteil bei den W3-Universitätsprofessuren und den Studienabschlüssen (51, 3 %, Stand WS 2014/2015 bis WS 2017/2018)) an der juristischen Fakultät macht deutlich, dass hier noch viel zu tun ist.

Anschließend begrüßte die Gleichstellungsbeauftragte Janina Helde die Gäste und bat die Preisträgerin Frau Wilms nach vorn. Frau Laura Wilms studiert im 5. Semester und hat im Sommersemester 2019 am Seminar „Strafrecht und Digitalisierung“ von Herrn Professor Eisele teilgenommen. Die Arbeit zum Titel „strafrechtliche Probleme der Bekämpfung des sogenannten Bitcoin Mining“ wurde mit der Note „sehr gut“ bewertet. Die Seminarnote machte 70% der Gesamtbewertung aus, mit 30 % ging der Durchschnitt der bereits bestandenen Übungen in die Bewertung ein. Laura Wilms setzte sich gegen neun Bewerberinnen durch. Dank gilt der Kanzlei Hengeler Mueller, die das Preisgeld in Höhe von 200 Euro gestiftet hat.

Sodann wurde die Rednerin, Frau Cornelia Horz, nach vorne gebeten. Die Gleichstellungsbeauftragte betonte, wie „bilderbuchartig“ und inspirierend ihr beruflicher Werdegang doch sei. Zu Beginn ihrer Rede wies Frau Horz darauf hin, wie viel sich für Frauen bereits seit ihrem Studium geändert habe. Damals gab es noch keine einzige Professorin an der Fakultät und heute könne man Frauen in staatlichen Spitzenpositionen, als Bundeskanzlerin oder als EU-Kommissionspräsidentin beispielsweise sehen. Gleichwohl „gibt es nach wie vor die Ungleichbehandlung bei der Bezahlung, in 21 % der untersuchten Vergütungen wurde ein Gender-Pay-Gap festgestellt und bei 60 % ein Gender-Pensions-Gap. 2/3 der Abgeordneten des deutschen Bundestags sind männlich.“

Der folgende Vortrag bot einen unter anderem durch Studien fundiert belegten, chronologischen Streifzug durch 150 Jahre Geschichte der Frau in der Jurisprudenz und im Berufsleben ganz allgemein. An nicht wenigen Stellen brachten wohlplatzierte Zitate die Zuhörerschaft zum Lachen, ließen jedoch auch einen Hauch von Bitterkeit zurück. Zitiert wurde beispielsweise aus der Neuen Bayrischen Landeszeitung vom 18. Januar 1900, in dem von einem „gemeingefährlichen Unfug“ die Rede ist und das Frauenstudium gemeint wird. Dem Zeitungsartikel kann man entnehmen: „je mehr Frauenzimmer höhere Schulen besuchen, umso mehr steht die Männlichkeit der Studenten in Gefahr, insofern als sie vor lauter Rücksichten gegen das weibliche Geschlecht zu duldenden Eunuchen werden. (…).“ Bevor 1924 die ersten Frauen als Richterinnen ernannt wurden, konstatierte 1921 der Landgerichtsdirektor Stadelmann: „durch die Zulassung der Frau als Berufsrichterin würde der Rechtsprechung das Grab gegraben …“.

Die Message ist: seitdem hat sich viel getan, aber dennoch gilt, dass es in Industrie und Wirtschaft noch immer eine sogenannte „gläserne Decke“ für Frauen gibt. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig. Frau Horz stellt sodann ihre Erkenntnisse aus den Untersuchungen von Soziologieprofessor Dr. Carsten Wippermann über Mentalitätsmuster von Männern in Führungspositionen dar. Zynisch lassen die sich so zusammenfassen: „Eine Frau als potentielle Führungskraft hat danach aus dieser Sicht zwei paradoxe Optionen: „1. Sie ist eine gute Führungsperson – dann ist sie ein halber Mann und verrät ihr weibliches Wesen oder 2. Sie wirkt weich und weiblich – dann kann sie eigentlich keine gute Führungskraft sein. Wenn sie aber dennoch erfolgreich ist, dann sind ihre Weiblichkeit und ihr Charme eine gezielt täuschende Kulisse für einen dahinterliegenden harten Charakter. Damit ist solch eine Frau suspekt und mit Vorsicht zu genießen.““

Frau Horz betonte, dass „die Möglichkeiten, insbesondere in der Justiz Karriere zu machen, […] für Männer und Frauen definitiv nicht unterschiedlich [sind] und dennoch sind Frauen auch dort in Führungspositionen unterrepräsentiert“. Die Botschaft sind ermutigende Worte an ihr Publikum: Sie rät, immer neugierig, aufgeschlossen und authentisch zu bleiben und sich auch etwas zuzutrauen.

Im Anschluss an den Vortrag gab es bei einem Umtrunk in der Wandelhalle noch die Möglichkeit zu Gesprächen. Dank gilt Charlotte Binder, Nina Pfuhl und Svenja Schubert, ohne deren verlässliche Mitarbeit die Veranstaltung so nicht möglich gewesen wäre.