Institute for Eastern European History and Area Studies

Lehrveranstaltungen im Wintersemester 2022/23

Vorlesungen & Repetitorien

Russisch-sowjetische Umweltgeschichte seit dem 19. Jahrhundert (Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Vorlesung
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin: Fr, 12 c.t. - 14 Uhr
Beginn: 28.10.2022
Ort: Hörsaal, OSA Keplerstr. 2
Anmeldung: Online-Anmeldung über das alma-Portal
 
Inhalt

Die Umweltgeschichte beschäftigt sich mit den vielfältigen und wechselhaften Mensch-Natur-Beziehungen. Das eröffnet ein breites Panorama unterschiedlicher historischer Themen und damit interessante Perspektiven auf Gesellschaft, Kultur und Politik. Die Vorlesung geht zunächst auf romantische Naturbilder des 19. Jahrhunderts ein, die oftmals nationalen Selbstzuschreibungen dienten. Danach werden die während der zweiten Hälfte des 19. Jahrhundert um sich greifenden Industrialisierungs- und Urbanisierungsprozessen thematisiert.  

Im Mittelpunkt der Vorlesung steht die sowjetische Zeit, während der anfänglich die sowjetische Kultur den unerbittlichen „Kampf gegen die Natur“ pries, um die Menschen für die stalinistische Modernisierungsdiktatur zu mobilisieren. Später entwickelten sich erste Formen einer Umweltschutzpolitik, die mit sozialem Aktivismus und ökologischen Protesten einhergingen. Der Blick richtet sich über das Zäsurjahr 1991 hinaus auf die postsowjetische Zeit und behandelt abschließend kurz die heutigen kriegsbedingten Umweltschäden der Ukraine.  

Die Vorlesung deckt einen weiten geographischen Raum ab. Sie geht systematisch auf die Geschichte der Ukraine, Belarus und der Baltischen Staaten sowie auf die zentralrussischen Gebiete und Sibirien und zudem auf den Kaukasus und Zentralasien ein.

Einführende Lektüre

Douglas R. Weiner, The Little Corner of Freedom. Russian Nature Protection from Stalin to Gorbachec, Berkeley 1999; Paul Josephson u.a., An Environmental History of Russia, Cambridge 2013; Nicolas B. Breyfolge (Hg.), Eurasian Environments. Nature and Ecology in Imperial Russian and Soviet History, Pittsburgh 2018; Manfred Sapper u.a. (Hg.), Im Fluss. Umweltpolitik in Russland, Berlin 2020 (= Themenheft von Osteuropa 2020, Heft 7-9).

Das Russländische Imperium im 18. Jahrhundert (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform: Repetitorium
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin: 2 st., Mo, 10 c.t. - 12 Uhr
Beginn:

17.10.2022

Ort: Großer Übungsraum im Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 29)
Anmeldung:

Online-Anmeldung über das alma-Portal.

Anforderungen:

Keine Russischkenntnisse notwendig.

 
Inhalt

Das Repetitorium gibt anhand ausgewählter Quellentexte und der neuesten Forschungsliteratur einen Überblick über zentrale Ereignisse, Strukturen und Entwicklungen in der Geschichte des Russländischen Reichs vom Ende des 17. bis Anfang des 19. Jahrhunderts.

Einführende Lektüre

Manfred Hildermeier, Geschichte Russlands: vom Mittelalter bis zur Oktoberrevolution, München 2013; Andreas Kappeler, Russland als Vielvölkerreich. Entstehung, Geschichte, Zerfall, München 2008; Valerie A. Kivelson / Ronald G. Suny, Russia's Empires, New York 2017; Ricarda Vulpius, Die Geburt des Russländischen Imperiums. Herrschaftskonzepte und -praktiken im 18. Jahrhundert. Köln 2020.

Hauptseminare

Geschichte der Ukraine im 20. und 21. Jahrhundert (Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Hauptseminar
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin: Di, 10 c.t. - 13 Uhr
Beginn: 25.10.2022
Ort: Großer Übungsraum im Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 29)
Anmeldung: Online-Anmeldung über das alma-Portal
 
Inhalt

Die Ukraine ist lange vor allem in Deutschland nur als „Hinterhof“ oder „Vorgarten“ Russlands gesehen worden. Die Vorlesung thematisiert darum die Entstehung und Entwicklung der Ukraine zu einer europäischen Nation, die sich seit dem 24. Februar 2022 durch Russlands Angriffskrieg mit einem Überlebenskampf konfrontiert sieht. Der Blick richtet sich auf die vielfältigen russisch-ukrainischen Ver- und Entflechtungsprozesse sowie auf die zahlreichen Verbindungen zu Europa, Asien und anderen Weltregionen. Das Seminar behandelt zunächst die ukrainische Nationalbewegung und Nationalkultur im langen 19. Jahrhundert sowie den Aufstieg ukrainischer Städte wie Kyiv, Odesa und Charkiv zu urbanen Metropolen. Danach geht es um den Ersten Weltkrieg, die Oktoberrevolution und den Russischen Bürgerkrieg, als Versuche ukrainischer Staatsbildung fehlschlugen. 

Besonderes Augenmerk findet die Geschichte des Stalinismus, als es 1932/33 zu einer großen Hungersnot (Holodomor), zu ambitionierten Großprojekten sowie zu Terrorwellen und Deportationen kam. Während des Zweiten Weltkriegs entwickelte sich die Ukraine vollauf zu einem „Bloodland“ (Timothy Snajder). In den folgenden Sitzungen werden die spätsowjetische Zeit und die Atomkatastrophe von Tschernobyl im April 1986 genauso behandelt wie die Geschichte der Ukraine während und nach dem Zerfall des Sowjetimperiums. Abschließend beschäftigt sich das Seminar mit dem Euromaidan, der Annexion der Krim und dem russischen Angriffskrieg, bei dem es dem Kreml darum geht, die Ukraine als demokratisches Staatswesen sowie als Nation zu zerstören. 

Einführende Lektüre

Andreas Kappeler, Ungleiche Brüder. Russen und Ukrainer vom Mittelalter bis zur Gegenwart, München 2017; Kerstin Jobst, Geschichte der Ukraine, Stuttgart 2022; Serhii Plokhy, Das Tor Europas. Die Geschichte der Ukraine, Hamburg 2022.

Exkursionsseminar: StadtLesen und StadtBeschreiben. Kulturhauptstadt Novi Sad (Daniela Simon/ Reinhard Johler)

Veranstaltungsform: Hauptseminar
Dozierende: Prof. Dr. Reinhard Johler / PD Dr. Daniela Simon
Termin:
  • 21.10.2022, 13-16 Uhr, Ludwig Uhland Institut

  • 29.10.- 2.11. 2022, Exkursion nach Novi Sad 

  • 13.1.2023, 13-16 Uhr, Ludwig Uhland Institut 

  • 3.2.2023, 13-16 Uhr, Ludwig Uhland Institut 

Beginn: 21.10.2022
Ort: Ludwig Uhland Institut
Anmeldung: Eine Anmeldung zum Hauptseminar mit Exkursion ist bis zum 1. August 2022 per E-Mail (daniela.simon@uni-tuebingen.de) möglich. Danach erfolgt die Vergabe von Restplätzen online über das alma-Portal. 
 
Inhalt

Novi Sad ist das administrative, wirtschaftliche, kulturelle, wissenschaftliche und touristische Zentrum der autonomen Provinz Vojvodina und die zweitgrößte Stadt Serbiens. 2022 trägt Novi Sad den Titel der Kulturhauptstadt Europas. Ihr vielfältiges kulturelles Erbe verdankt sie einer bewegten Geschichte mit unterschiedlichen soziopolitischen Ordnungen und Migrationen. Das Seminar thematisiert die Grundfragen der Vergangenheit und Gegenwart der Stadt durch die Auseinandersetzung mit den Repräsentationen im Kulturhauptstadtjahr. Die Kulturhauptstadt 2022 rückte insbesondere die Themen Migration, kulturelle Vielfalt, konkurrierende Ordnungen und Erinnerungen in den Vordergrund. Entsprechend dem Verständnis von einem Stadtraum als soziale Konstruktion fragen wir nach den Wahrnehmungen des Einflusses des Kulturhauptstadttitels auf einzelne Aspekte des Stadtlebens, einschließlich des Stadtbildes. 

Das Seminar findet als Blockveranstaltung mit Exkursion statt. Die Exkursion beinhaltet Führungen, Gespräche, Besuche und Wahrnehmungsspaziergänge. Es handelt sich um keine Überblicksexkursion, sondern um eine problem- und erkenntnisorientierte Arbeitsexkursion. Unter Anwendung fachüberbergreifender wie fachspezifischer Methoden, darunter Anfertigung von Interviews, Texten, Beschreibungen, Filmen, Fotografien, Zeichnungen, Mental Maps, Tonaufnahmen etc. erarbeiten die Teilnehmenden in koordinierter Einzel- und Gruppenarbeit die Grundlage für eine online Veröffentlichung.  

Insgesamt werden 9 Studierende der Geschichtswissenschaft und 9 Studierende der Europäischen Kulturwissenschaft zugelassen. Die Literatur für die Vor- und die Nachbereitungsphase ist auf Ilias abrufbar. Die Teilnahme an allen Terminen ist obligatorisch. Englischkenntnisse erforderlich.

Pflichtliteratur für den 21.10: 

Daniel Habit: Die Inszenierung Europas? Kulturhauptstädte zwischen EU-Europäisierung, Cultural Governance und lokalen Eigenlogiken, München 2011; Ágnes Ózer, Neusatz/ Novi Sad. Kleine Stadtgeschichte. Regensburg 2022.

Proseminare

Postkommunismus: Russland in den "wilden" 1990er Jahren (Alexa von Winning)

Veranstaltungsform: Proseminar
Dozentin: Alexa von Winning
Termin: 3 st., Mo 13-16 Uhr
Beginn: 24.10.2022
Ort: Großer Übungsraum im Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 29)
Anmeldung: Online-Anmeldung über das alma-Portal.
Voraussetzungen: Keine Russischkenntnisse notwendig. Für die Teilnahme am Proseminar sind fundierte Englischkenntnisse Voraussetzung.
 
Inhalt

Die 1990er Jahre waren in Russland ein Jahrzehnt des radikalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs. Das Ende des Kommunismus brachte der russischen Gesellschaft Freiheit und ungekannte Vielfalt, hinterließ ihr aber auch zahlreiche Schwierigkeiten und Erblasten. Nicht alle Einwohner:innen des Landes konnten die neuen Freiheiten und Rechte nutzen: In der populären Erinnerung an die „wilden 1990er Jahre“ dominieren häufig Kriminalität, Armut und Unsicherheit. Die Weichenstellungen, Erfahrungen und verpassten Chancen der 1990er Jahre prägen Russland und seine Politik bis heute.  

Im Proseminar werden wir vielfältige Themen behandeln: Internationale Beziehungen; Spannungen im postsowjetischen Raum (insbesondere das Verhältnis Russlands zur Ukraine); Wirtschaftsreformen und Alltagsleben; politische Reformen und defekte Demokratie; innergesellschaftliche Schwierigkeiten (Frauen und Männer, Sexualität, Gesundheit); Literatur, Film und Musik; gesellschaftliche Debatten zur sowjetischen Vergangenheit, zur Stellung der Religion und zur „nationalen Frage“ Russlands.  

Reiche Sekundärliteratur und vielfältige übersetzte Quellen erlauben es, sich der Epoche aus verschiedenen Perspektiven zu nähern und die wissenschaftliche Auseinandersetzung ebenso in den Blick zu nehmen wie gesellschaftliche Erfahrungen. Am Beispiel der russischen Geschichte führt das Proseminar in grundlegende Kategorien der jüngsten Zeitgeschichte ein.  

Leistungsnachweis

Lektüre von ca. 50 Seiten Text pro Sitzung (oftmals in englischer Sprache), aktive Teilnahme an den Diskussionen im Proseminar, Übernahme kleiner schriftlicher Aufgaben, Quelleninterpretation, Hausarbeit.  

Einführende Lektüre

Dietmar Neutatz, Träume und Alpträume. Eine Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert, München 2013, S. 532-596; Margareta Mommsen, Wer herrscht in Russland? Der Kreml und die Schatten der Macht, München 2003.

Weltreisen und Weltwissen: Außereuropäische Topografien in den deutschsprachigen Reisebeschreibungen des 19. Jahrhunderts (Anna Ananieva/ Alexander Ananyev)

Veranstaltungsform: Proseminar
Dozentin: Anna Ananieva und Alexander Ananyev
Termin: 3 st., Freitag 14-17 Uhr
Beginn: 21.10.2022
Ort: Großer Übungsraum des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 29)
Anmeldung: Online-Anmeldung über das alma-Portal
 
Inhalt

In keiner Darstellung, die sich mit dem Thema Weltreisen oder, noch allgemeiner, mit der Vermessung der modernen Welt beschäftigt, fehlen die großen Expeditionen, die unter der Leitung von Adam Johann von Krusenstern (1770-1846) und Otto von Kotzebue (1787-1846) in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts stattgefunden haben. Die beiden Weltumsegler zählten zu den herausragenden Figuren des deutsch-baltischen Familiennetzwerkes Krusenstern-Kotzebue. Als Angehörige der deutschen Minderheit im Imperialen Russland waren sie in Estland beheimatet. Ihre Namen sind allerdings tief in die Globalgeschichte eingeschrieben und bleiben als Toponyme auf den Weltkarten bis heute präsent. In den lokalen Erinnerungskulturen solcher Weltregionen wie Ozeanien oder Alaska und Aleuten stellen die Begegnungen mit diesen Forschungsreisenden zuweilen einen Wendepunkt in der Selbst- und Fremdwahrnehmung dar. Auch in der europäischen Gegenwartsliteratur sind die Abenteuer der überseeischen Expeditionsreisen an Bord der Schiffe „Nadeschda“ (1803-1806) und „Rurik“ (1815-1818) inzwischen fest verankert. In diese Reihe gehören die Romane von Jurij Davydov (Južnyj krest. Moskva 1957; Plau vind Ili priključenija lejtenantov. Moskva 1996) und Adolf Muschg (Löwenstern. München 2012). In der deutschen populären TV-Kultur fand die erste russländische Weltumseglung ein fernes Echo in dem Namen der Figur „Nadeshda Krusenstern“, die als Ermittlerin des „Tatorts“ aus Münster zuweilen von ihrer Zugehörigkeit zur Gruppe der Russlanddeutschen kriminologisch profitierte. 

Im Mittelpunkt des Proseminars stehen die maritimen Expeditionsreisen des 19. Jahrhunderts, die in den Publikationen deutschsprachiger Forschungsreisender umfassend dokumentiert sind. Dabei geht es insbesondere um die Schriften von Adam Johann von Krusenstern, Otto und Moritz von Kotzebue, Paul von Krusenstern, Adalbert von Chamisso und Georg Heinrich Freiherr von Langsdorff. Im Rahmen der Textarbeit werden Verlauf und Ziele der Expeditionen erörtert, Kontakt- und Konfliktzonen analysiert sowie der Fremd- und Selbstwahrnehmungen zur Diskussion gestellt. Zusätzlich werden im Rahmen der Veranstaltungen die digitalen Visualisierungsinstrumente vermittelt und erprobt, die räumlichen Bewegungen und die textlichen Zeugnisse in Verbindung zueinander bringen und transkulturelle Interaktionen veranschaulichen. 

Die Beteiligung an dem Proseminar beinhaltet studentische Projektarbeit, die der Vorbereitung einer virtuellen Ausstellung zum Thema „Die Krusensterns und Kotzebues: Unterwegs auf Weltmeeren und Weltbühnen“ dient. Sie greift die Themenkomplexe auf, die wesentlich die Globalgeschichte des 19. Jahrhunderts prägten. Dazu zählen: der Kulturtransfer zwischen Europa und der Neuen Welt, Atlantik und Pazifik als imperiale Expansionsräume, Fremdbegegnung und Selbstbewegung auf Reisen durch Europa und Asien, Wissensproduktion, Medien und Zirkulation von Nachrichten. Die Ausstellung wird nach dem Abschluss des Proseminars im Frühjahr 2023 online präsentiert. 

Einführende Lektüre

Richard Wortman, Texts of Exploration and Russia’s European Identity, in: Cynthia Hyla Whittaker (Hg.), Russia Engages the World, 1453-1825. Cambridge, MA 2003, S. 90-117; Gabriele Dürbeck, Stereotype Paradiese: Ozeanismus in der deutschen Südseeliteratur 1815-1914. Tübingen 2007; Heinz Duchhardt (Hg.), Russland, der Ferne Osten und die „Deutschen“. Göttingen 2009; Elena Govor, Twelve Days at Nuku Hiva. Russian Encounters and Mutiny in the South Pacific. Honolulu 2010; Ilya Vinkovetsky, Russian America. An Overseas Colony of a Continental Empire, 1804-1867. Oxford, New York 2011; Martina Winkler, „Eine handelnde Nation werden“. Die erste russische Weltumseglung, 1803-1806, in: Martin Aust, Julia Obertreis (Hg.), Osteuropäische Geschichte und Globalgeschichte, Stuttgart 2014, S. 131-152; Joachim Rees, Die verzeichnete Fremde: Formen und Funktionen des Zeichnens im Kontext europäischer Forschungsreisen 1770 - 1830. Paderborn 2015; Michael North, Zwischen Hafen und Horizont: Weltgeschichte der Meere. München 2016, S. 213-240; Andreas W. Daum, German Naturalists in the Pacific around 1800: Entanglement, Autonomy, and a Transnational Culture of Expertise, in: Hartmut Berghoff, Frank Biess, Ulrike Strasser (Hg.), Explorations and Entanglements. Germans in Pacific Worlds from the Early Modern Period to World War I. New York 2019, S. 79-102; Henner Kropp, Russlands Traum von Amerika: Die Alaska-Kolonisten, Russland und die USA, 1733-1867. Göttingen 2020. 

Übungen

Einführung in das wissenschaftliche Lesen und Schreiben (GM 1): Russland als Imperium im 18. und 19. Jahrhundert (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin: 3 st., Do 10-13 Uhr
Beginn: 20.10.2022
Ort: Großer Übungsraum im Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 29)
Anmeldung:

Online-Anmeldung über das alma-Portal

Bemerkungen:

Diese Veranstaltung ist speziell für die Studieneingangsphase konzipiert und sollte daher möglichst im ersten Fachsemester besucht werden. Keine Russischkenntnisse notwendig. Die Übung ist zweistündig konzipiert, die dritte Stunde ist vorgesehen für Einzelbesprechungen von schriftlichen Arbeiten.

 
Inhalt

Das 18. Jahrhundert gilt als „century of empire“ (Nancy Shields Kollman). Die „Beharrungskraft“ der Imperien zeigte sich im 19. Jahrhundert, nur wenige neue Nationalstaaten entstanden. Was hielt diese multiethnischen Imperien zusammen? Wie lebte es sich in diesen Großreichen? Wie lassen sich Imperien und Nationalstaaten idealtypisch voneinander unterscheiden? Diese Fragestellungen der neueren Imperiumsforschung werden wir am Beispiel der Geschichte Russlands vom 18. bis Ende des 19. Jahrhunderts diskutieren.

Wissenschaftliches Argumentieren ist zentraler Bestandteil des Geschichtsstudiums. Auf Grundlage von Texten, die gemeinsam gelesen und analysiert werden, lernen Sie in dieser Übung grundlegende Verfahren wissenschaftlichen Argumentierens. Sie verfassen Essays, für die Sie inhaltliches und methodisches, aber auch sprachliches und stilistisches Feedback erhalten. Der abschließende Essay am Ende der Veranstaltung wird als Modulprüfung in Grundmodul 1 angerechnet.

Einführende Lektüre

Valerie A. Kivelson / Ronald G. Suny, Russia's Empires, New York 2017; Nancy Shields Kollmann, The Russian Empire, 1450–1801, Oxford 2017; Otto Kruse, Lesen und Schreiben, 3. Aufl. Stuttgart 2018; Jürgen Osterhammel, Russland und der Vergleich zwischen Imperien.

Einige Anknüpfungspunkte, in: Comparativ. Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung 18 (2008), S. 11–26; Ricarda Vulpius, Das Imperium als Thema der Russischen Geschichte. Tendenzen und Perspektiven der jüngeren Forschung, in: Zeitenblicke 6 (2007), Nr. 2 [24.12.2007]; Ricarda Vulpius, Die Geburt des Russländischen Imperiums. Herrschaftskonzepte und -praktiken im 18. Jahrhundert. Köln 2020.

Sprache und Propaganda in der Putin-Ära (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform:

Übung
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin: 2 st., Di 16-18 Uhr
Beginn: 18.10.2022
Ort: Großer Übungsraum im Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 29)
Anmeldung:

Online-Anmeldung über das alma-Portal

Anforderungen: Russischkenntnisse sind notwendig.
 
Inhalt

Sprache wird als politische Waffe gebraucht. Sie ist in der Putin-Ära durch eine semantische Entkernung von Begriffen geprägt. „Neonazis“, „Entnazifizierung“ oder „Genozid“ scheinen im Jahr des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine beliebig anwendbare Worte zu sein. Verstöße gegen Sprachregelungen wie der Gebrauch des Wortes „Krieg“ anstelle von „militärischer Spezialoperation“ werden strafrechtlich geahndet.

In der Übung werden wir die Entwicklung politischer Sprache von der Jahrtausendwende bis zur Gegenwart am Beispiel von Reden Vladimir Putins, Beschlüssen der Duma, Talk Shows im russischen Staatsfernsehen und patriotischen Liedern untersuchen.

Einführende Literatur

Die Texte werden ausgegeben.

Zur Begleitlektüre empfohlen: Klaus Gestwa, Putin, der Cliotherapeut. Überdosis an Geschichte und politisierte Erinnerungskonflikte in Osteuropa, in: Neue Politische Literatur 67 (2022) (https://doi.org/10.1007/s42520-021-00403-w); Riccardo Nicolosi zusammen mit Maria Wargin, Politische Rhetorik in Russland, in: Armin Burkhardt (Hg.), Handbuch Politische Rhetorik, Berlin 2019, S. 1113-1130; Tanja Penter, Sprache als Waffe. „Neonazis", "Genozid", "Entnazifizierung" und "Sondereinsatz" in der Kriegspropaganda Putins, in: Zeitgeschichte-online, März 2022, URL: zeitgeschichte-online.de/themen/sprache-als-waffe.

Russisch für Historiker:innen: Lektüre von Texten zur russisch-sowjetischen Geschichte (Kurs 3) (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin 4 st., Mo 16-18 Uhr; Do 14-16 Uhr
Beginn:

20.10.2022

Ort: Großer Übungsraum im Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 29)
Anmeldung:

Online-Anmeldung über das alma-Porta

Anforderungen:

Russischkenntnisse sind notwendig

 
Inhalt

Der Kurs wendet sich an alle, die sich für russische Geschichte interessieren. Auf dem Programm steht eine intensive Lektüre von Quellen und Literatur zur russisch-sowjetischen Geschichte

Literatur

Die Texte werden ausgegeben.

Die Ukraine im 18. Jahrhundert und die Teilungen Polen-Litauens (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin:

2 st., Mi 10-12 Uhr

Beginn: 19.10.2022
Ort: Großer Übungsraum im Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 29)
Anmeldung: Online-Anmeldung über das alma-Portal
Bemerkungen: Keine Kenntnisse osteuropäischer Sprachen notwendig.
 
Inhalt

„Diese wollen ein freyes Volck, und weder Pohlen noch Moscau unterworfen seyn,…“. So beschrieb der Stuttgarter Reiseprediger Johann Wendel Bardili die Situation der Ukraine und ihrer Bevölkerung im Großen Nordischen Krieg Anfang des 18. Jahrhunderts. Ukrainische Gebiete gehörten zum Königreich Polen-Litauen oder unterstanden der Oberhoheit des russischen Zaren. Im Verlauf des Krieges wechselte Ivan Mazepa, Hetman des Zaporoher Heeres, auf die Seiten Schwedens, um die Unabhängigkeit des ukrainischen Kosakenstaates zu erlangen. In der Schlacht von Poltava 1709 erlitten die schwedischen und kosakischen Heere jedoch eine Niederlage. Die kosakischen Staatsbildungsversuche und der Kampf um die Bewahrung kosakischer Freiheiten misslangen. 1764 kam es unter Katharina II. schließlich zur Abschaffung des Hetmanats und zur vollständigen Integration der betreffenden Gebiete in das Russländische Reich. Bei den Teilungen Polen-Litauens ab 1772 fielen weitere ukrainische Regionen an das Russländische Reich, während Galizien mit dem Zentrum Lʼviv habsburgisch wurde.

 

In der Übung werden wir uns mit der kosakischen Geschichte der Ukraine, der politisch-sozialen Organisation des Hetmanats und seiner Zerschlagung im Zuge des absolutistischen Staatsausbaus beschäftigen. Außerdem werden wir die Folgen der Teilungen Polen-Litauens als „Zäsur einer europäischen Strukturgeschichte“ (Hans-Jürgen Bömelburg) erörtern.

Literatur

Hans-Jürgen Bömelburg/ Andreas Gestrich/ Helga Schnabel-Schüle (Hg.), Die Teilungen Polen-Litauens. Inklusions- und Exklusionsmechanismen – Traditionsbildung – Vergleichsebenen, Osnabrück 2013; Hans-Jürgen Bömelburg (Hg.), Polen in der europäischen Geschichte. Ein Handbuch, Bd. 2, Stuttgart 2011; Andreas Kappeler, Kleine Geschichte der Ukraine, 7. Aufl. München 2022; Zenon Kohut, Russian Centralism and Ukrainian Autonomy: Imperial Absorption of the Hetmanate, 1760s - 1830s, Cambridge 1988; Michael G. Müller, Die Teilungen Polens: 1772, 1793, 1795, München 1984.

Leben erzählen: Biografie und Geschichte (Alexa von Winning)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Dr. Alexa von Winning
Termin: 2st., Mi 16-18
Beginn: 19.10.2022
Ort: Großer Übungsraum im Institut für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 29)
Anmeldung: Online-Anmeldung über das alma-Portal
Zulassungsvoraussetzungen:

Keine

 
Inhalt

Anhand von einzelnen Leben wird schon lange Geschichte erklärt und erzählt. Tatsächlich erfreuen sich Biografien konstanter Beliebtheit im Buchladen, während sie in der akademischen Geschichtswissenschaft in manchen Zeiten hart kritisiert wurden. Fanden früher vor allem die Leben „großer Männer“ Aufmerksamkeit, hat sich das Spektrum „biografiewürdiger“ Menschen in den letzten Jahrzehnten deutlich erweitert. Zentrale biografische Konzepte – Subjekt, Identität, Lebenslauf und andere – wurden grunderneuert. In der Übung diskutieren wir die Grundlagen der aktuellen historischen Biografik und wenden uns dann einzelnen Biografien zu, um ihren Ansatz und ihre Umsetzung zu bewerten. 

Literatur

Thomas Etzemüller, Biographien: lesen – erforschen – erzählen, Frankfurt 2012; Christian Klein (Hg.), Handbuch Biographie, Stuttgart 2009. 

Kolloquium / Oberseminar

Kolloquium/Studium Generale: Brennpunkt Ukraine. Geschichte, Kultur und Politik einer europäischen Nation

Veranstaltungsform: Kolloquium/Studium Generale
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa, Prof. Dr. Tilman Berger, Prof. Dr. Schamma Schahadat
Termin 2st., Mi 18-20 Uhr
Beginn: 02.11.2022
Ort: folgt
Anmeldung: Online-Anmeldung über das alma-Portal
 
Inhalt

Im Rahmen des Studium Generale findet eine Ringvorlesung statt. Studierende können durch regelmäßige Teilnahme ECTS-Punkte erwerben.

Oberseminar für fortgeschrittene Studierende, Examenskandidaten und Promovierende (Prof. Dr. Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Oberseminar
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin 2 st., Mo 18-20
Ort: Großer Übungsraum des Instituts für Osteuropäische Geschichte (Raum 29)
Beginn: n.V.
Anmeldung: Online-Anmeldung über das alma-Portal
 
Inhalt

Im Oberseminar stellen Examenskandidat/innen und Promovierende ihre Projekte zur Diskussion. Es finden Studientage und Kompaktsitzungen statt, auf denen ausgewählte Fachliteratur und Filme gemeinsam erörtert werden.  

Des Weiteren gibt es Sitzungen zur Vorbereitung auf die mündlichen Staatsexamensprüfungen, zur Konzeption von Abschlussarbeiten (Bachelor und Master) sowie zum akademischen Schreiben. Dabei werden typische Fehler analysiert und kleine Textübungen angeboten. 

Das Programm und die genauen Termine werden zu Beginn des Semesters bekannt gegeben. Studierende können durch regelmäßige Teilnahme sowie die Abfassung von Übungstexten sowie Essays ECTS-Punkte erwerben.

Aktueller Plan des Oberseminars.