Institute for Eastern European History and Area Studies

Vorschau auf die Lehrveranstaltungen im WiSe 2021/22

Vorlesungen & Repetitorien

Russland seit 1991. Von der Jelzin-Dekade zum Putinismus (Prof. Dr. Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Vorlesung
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin: 2 st., Fr 12-14 Uhr
Beginn: 29.10.2021
Ort: Online
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Bemerkungen: Die Vorlesung findet in asynchroner Form statt. Vollskripte mit veranschaulichenden Powerpoint-Dateien werden den Teilnehmenden zugänglich gemacht.
 
Inhalt

Nach dem Zerfall des Sowjetimperiums sah es so aus, als würde sich die Russische Föderation, die völkerrechtlich die Nachfolge der Sowjetunion antrat, nach Westen orientieren. Als aber die Einführung von Demokratie und Marktwirtschaft schmerzhafte Transformationswirren aufwarf und es nicht gelang, eine neue europäische Sicherheitsarchitektur zu schaffen, begannen Staat und Gesellschaft in Russland sich umzuorientieren. Die daraus entstehenden Konflikte führten schon gegen Ende der 1990er Jahre zu einer spürbaren Entfremdung Russlands von Europa und den USA. Nach 2014/15 beschworen die Annexion der Krim, die Aggression in der Ostukraine und die militärische Intervention in den Syrienkrieg mit Formen einer hybriden Kriegsführung eine neue von Konfrontation und Provokation geprägte Situation herauf. Überkommene geglaubte Feindbilder und Narrative sorgen auf beiden Seiten für Missverständnisse und belasteten damit das internationale Miteinander.

Während der „ewigen Präsidentenschaft“ Putins stützt der Kreml seine Macht auf den wiedererstarkten Sicherheitsapparat, auf weitverzweigte Oligarchenetzwerke und die russisch-orthodoxe Kirche. Auch wenn sich die sozioökonomische Lage in Russland seit der Weltwirtschaftskrise seit 2008 kaum mehr verbessert hat und aktuell Reformperspektiven fehlen, hat das Putin-Syndikat das Land fest im Griff. Die aggressive Ablehnung westlicher Werte und die Beharrung auf einer eigenen „russischen Welt“ trifft nicht überall auf Zustimmung; die kritische Zivilgesellschaft wird aber mit administrativen Schikanen, politischen Repressionen und mit Mordanschlägen eingeschüchtert.

Die Vorlesung gibt einen Überblick sowohl über die turbulente Jelzin-Dekade als auch den mittlerweile schon über zwei Jahrzehnte andauernden Putinismus. Sie bietet zeithistorische Analysen aktueller politischer, internationaler und soziökonomischer Probleme, um die Entwicklungen im heutigen Russland besser verstehen und einschätzen zu können.   

Einführende Lektüre

Margarete Mommsen, Wohin treibt Russland? Eine Großmacht zwischen Anarchie und Demokratie, München 1996; Tanja Wagensohn, Russland nach dem Ende der Sowjetunion, Regensburg 2001; Heiko Pleines/Hans-Henning Schröder (Hrsg.), Länderbericht Russland, Bonn 2010; dies., Das Putin-Syndikat. Russland im Griff der Geheimdienstler, München 2017; Karen Dawisha, Putin’s Kleptocracy. Who Owns Russia, New York 2014; Angela Stent, Putins Russland. Hamburg 2019; Catherine Belton, Putin's People, How the KGB took back Russia and then took on the West, London 2020, sowie die 2003 regelmäßig erscheinenden Russland-Analysen (https://www.laender-analysen.de/russland-analysen/).

Das Russische Reich im langen 18. Jahrhundert (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform:

Repetitorium

Dozent: Ingrid Schierle
Termin: 2st., Do 10-12 Uhr
Beginn: 21.10.2021
Ort:

Das Repetitorium ist als Online-Lehrveranstaltung konzipiert.

Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Bemerkungen: Keine Russischkenntnisse notwendig.
 
Inhalt

Das Repetitorium gibt anhand ausgewählter Quellentexte und der neuesten Forschungsliteratur einen Überblick über zentrale Ereignisse, Strukturen und Entwicklungen in der Geschichte des Russischen Reichs vom Ende des 17. bis Anfang des 19. Jahrhunderts.

Einführende Lektüre

Manfred Hildermeier, Geschichte Russlands: vom Mittelalter bis zur Oktoberrevolution, München 2013; Andreas Kappeler, Russland als Vielvölkerreich. Entstehung, Geschichte, Zerfall, München 2008; Valerie A. Kivelson / Ronald G. Suny, Russia's Empires, New York 2017; Ricarda Vulpius, Die Geburt des Russländischen Imperiums. Herrschaftskonzepte und -praktiken im 18. Jahrhundert. Köln 2020.

Hauptseminare

„Die Geschichte ändert sich ständig.“ Erinnerungskulturen und Geschichtspolitiken in Osteuropa (Prof. Dr. Klaus Gestwa, Dr. Stefan Guth)

Veranstaltungsform: Hauptseminar
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa, Dr. Stefan Guth
Termin:

3 st., Di 10–13 Uhr

Beginn: 26.10.2021
Ort: Großer Übungsraum des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 28)
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
 
Inhalt

Gegenwärtig lässt sich in Osteuropa gut beobachten, welche lange Schatten die Vergangenheit auf die Gegenwart wirft und wie die Geschichte durch die laufenden politischen Geschehnisse fortwährend umgeschrieben wird. Bei den sich nach aktuellen politischen Konjunkturen richtenden Erinnerungsoffensiven geht es neben der Schaffung von gesellschaftlichem Zusammenhalt und politischer Stabilität vor allem auch um internationale Anerkennung und Einflusserweiterung. Schlecht darin, Konflikte zu lösen, zeigen sich die Regierungen in Osteuropa umso besser darin, diese durch gegeneinander in Stellung gebrachte Geschichtsbilder weiter zuzuspitzen. Der Blick auf das „osteuropäische Schlachtfeld der Erinnerungen“ zeigt zudem, dass der geschichtspolitische Aktionismus mit seinen gezielten Salven nach innen und außen die wichtige Funktion hat, politischen Krisen und gesellschaftlichem Stillstand entgegenzuwirken. Aggressive Geschichtspolitik dient mit ihrem lauten erinnerungskulturellen Getöse oft als Ersatz für die ausbleibende oder fehlschlagende Modernisierung von Politik und Wirtschaft.

Ziel des Seminars ist es, genauer darzulegen, wie Geschichtsnarrative als gesellschaftliche „Cliotherapie“ sowie als Waffe in der hybriden Kriegsführung eingesetzt werden. Dabei werden zugleich die erinnerten historischen Geschehnisse systematisch und kritisch aufgearbeitet. Der Blick richtet sich auf die imperiale Vergangenheit des 18. und 19. Jahrhunderts, die beiden Weltkriege, die Revolution von 1917, den stalinistischen Terror, die Aufstände von 1956 und 1968, die Wende von 1989/91 und den Umgang mit Religion, Nationalismus, Völkermorden sowie Antisemitismus. Je nach studentischem Interesse werden die Erinnerungskulturen und Geschichtspolitiken in Tschechien, Ungarn, Polen, im Baltikum, in der Ukraine, in Weißrussland, Russland, Georgien und Armenien thematisiert. Im Mittelpunkt der Diskussion stehen sowohl geschichtswissenschaftliche und mediale Debatten als auch soziale Praktiken (so die Kampagnen zum „unsterblichen Regiment“ und zur „letzten Adresse“), Gedenktage und unterschiedliche Erinnerungsorte wie Denkmäler, Parkanlagen, Museen, literarische Werke und nicht zuletzt Filme. Teil des Seminars sind auch Gastvorträge im Rahmen des Institutskolloquiums.

Einführende Lektüre

Thomas Flierl/Elfriede Müller (Hrsg.), Osteuropa – Schlachtfeld der Erinnerungen, Berlin 2010; Florian Peters, Roter Mohn statt Rotem Stern. “Entkommunisierung” der Geschichtskultur in der Ukraine, in: Osteuropa 66,3 (2016), S. 59-77; Nikolay Koposov, Memory Laws, Memory Wars. The Politics of the Past in Europe and Russia, Cambridge 2017; Mischa Gabowitsch/Cordula Gdaniec/Ekaterina Makhotina (Hrsg.), Kriegsgedenken als Event. Der 9. Mai 2015 im postsozialistischen Europa, Paderborn 2017; Klaus Bachmann, Viel Feind, viel Ehr. Geschichtspolitik und Außenpolitik in Polen, in: Osteuropa 68, 3-5 (2018), S. 413-434; Philippe Perhoc, European Memory beyond the State. Baltic, Russian and European Memory Interactions (1991–2009), in: Memory Studies 12 (2019), S. 677-698; Andrej Kolesnikov, Erinnerung als Waffe. Die Geschichtspolitik des Putin-Regimes, in: Osteuropa 70, 6 (2020), S. 3-28; Sjargej Novikaú/Yuliya von Saal, Gebremstes Gedenken in Belarus. Maly Trascjanec und der Holocaust, in: Osteuropa 70, 10-11 (2020), S. 399-418.

Vernetztes Europa – Städtepartnerschaften zwischen Baden-Württemberg und Ungarn (Apl. Prof. Dr. Márta Fata)

Veranstaltungsform: Hauptseminar
Dozentin: Apl. Prof. Dr. Márta Fata
Termin: Mi 10-12 Uhr
Beginn: 20.10.2021
Ort: Seminarraum des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde (Mohlstr. 18)
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
 
Inhalt

Einander besser verstehen, Europa gemeinsam gestalten und einen europäischen Bürgersinn entwickeln. Dieses Programm der EU gehört in Baden-Württemberg seit der Unterzeichnung der ersten französisch-baden-württembergischen Städtepartnerschaft im Jahre 1950 zur Agenda der Kommunalpolitik. Hinter dem westlichen Nachbarland Frankreich steht Ungarn an zweiter Stelle bei den kommunalen Partnerschaften baden-württembergischer Gemeinden. Im Rahmen der Veranstaltung soll untersucht werden: Wie entstanden die ungarisch-deutschen Städtepartnerschaften? Wie haben sich die Beziehungen seit ihren Anfängen in den 1980er-Jahren entwickelt? Was passiert im Rahmen der Partnerschaften und wie aktiv sind diese heute noch? Gefragt werden soll auch nach Stellenwert, Austauschformen und Organisationsstrukturen der Kontakte.

Die Veranstaltung wird im Rahmen eines deutsch-ungarischen Forschungsprojekts angeboten. Geplant ist deshalb, Teilnehmer des Hauptseminars in dieses Projekt einzubinden.

Einführende Lektüre

Hans-Werner Retterath (Hrsg.), Kommunale Partnerschaften zwischen West und Ost, Freiburg 2009; Doris Orgonas: Alte Brücken - neue Wege. Baden-Württembergs Kulturaustausch mit Ungarn und dem mittleren Donauraum. Ulm 2016.  

Proseminare

Expansion, Absolutismus und Aufklärung: Das Russische Reich im 18. Jahrhundert (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform: Proseminar
Dozentin:

Ingrid Schierle

Termin: Mi 10-13 Uhr (inkl. Tutorium)
Beginn: 20.10.2021
Ort: Großer Übungsraum des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 28)
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Keine Russischkenntnisse notwendig
Leistungsnachweis: Lektüre von ca. 40 Seiten Text pro Sitzung. Aktive Teilnahme an den Diskussionen im Proseminar, Klausur, Hausarbeit.
 
Inhalt

Der Bau der neuen Hauptstadt St. Petersburg seit 1703 markierte den Aufstieg Russlands zur europäischen Macht an der Ostsee. An der äußersten Grenze des Imperiums gelegen, versinnbildlichte St. Petersburg als „Fenster nach Europa“ die neue Orientierung nach Westen. Die Annahme des Herrschertitels „Imperator“ 1721 knüpfte an römische Analogien an und postulierte die Gleichrangigkeit des Zaren mit dem Kaiser. Die Schaffung eines Behördenstaates orientierte sich an absolutistischen Modellen des Staatsausbaus in Nord- und Mitteleuropa. Die Reformpolitik Katharinas II. in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts stand unter der Losung „Russland ist eine europäische Macht“. Die Kaiserin konkurrierte mit anderen europäischen Monarchen bei der Durchsetzung von Reformen im Geiste aufgeklärter Maximen. In ihrer Regierungszeit expandierte das Reich weiter Richtung Westen und Süden.

Das Proseminar führt in die Methoden und Fragestellungen der Geschichte der Neuzeit ein. Am Beispiel Russlands werden wir die Geschichte von polyethnischen Reichen im Zeitalter des Absolutismus und der aufgeklärten Reformpolitik besprechen und die Anwendbarkeit gängiger Periodisierungen auf die Geschichte Russlands überprüfen. Schwerpunktthemen werden sein: Etappen der Expansion, akademische Expeditionen zur Erforschung des Reiches, Staatsausbau im Spannungsverhältnis zur Tradition eines vormodernen zusammengesetzten Herrschaftsverbandes, Rechtskodifikationsprojekte, Leibeigenschaft und Adelsprivilegien, Vielfalt der deutsch-russischen Beziehungen, russisch-osmanische Kriege, die Eroberung des Krimkhanats im Jahre 1783.

Einführende Lektüre

Nancy Shields Kollmann, The Russian Empire, 1450–1801, Oxford 2017; Jan Kusber, Katharina die Große, Stuttgart 2021; Claus Scharf, Katharina II., Deutschland und die Deutschen, Mainz 1995; Barbara Stolberg-Rilinger, Europa im Zeitalter der Aufklärung, Stuttgart 2000; Ricarda Vulpius, Die Geburt des Russländischen Imperiums. Herrschaftskonzepte und -praktiken im 18. Jahrhundert. Köln 2020; Reinhard Wittram, Peter I: Czar und Kaiser; zur Geschichte Peters des Großen in seiner Zeit, Bd. 1-2, Göttingen 1964.

Das Ende der Sowjetunion: Gorbatschow, Perestroika und Glasnost (Alexa von Winning, M.A.)

Veranstaltungsform: Proseminar
Dozentin: Alexa von Winning, M.A.
Termin: 3 st., Mo 13-16 Uhr (mit Tutorium)
Beginn: 25.10.2021
Ort: Großer Übungsraum des Instituts für Osteuropäische Geschichte (Raum 28)
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Keine Russischkenntnisse notwendig. Für die Teilnahme am Proseminar sind fundierte Englischkenntnisse Voraussetzung.
 
Inhalt

Nachdem Gorbatschow im März 1985 die Macht im Kreml übernommen hatte, kündigte er mit Perestrojka und Glasnost die längst überfällige Modernisierung der Sowjetmoderne an. Mit seinen Mitstreiter:innen wollte Gorbatschow den Sozialismus fit für das 21. Jahrhundert machen und nahm mit seiner Begeisterung weite Teile der sowjetischen Bevölkerung und auch der Weltöffentlichkeit für sich ein. Nach einem mitreißenden Aufbruch in größere Freiheit und Menschlichkeit wuchsen jedoch bald die Schwierigkeiten: Die wirtschaftlichen Reformen brachten keine schnellen Erfolge, nationale Spannungen eskalierten. Die Sowjetbevölkerung litt unter politischen Unsicherheiten und sozialen Verwerfungen. Der anfängliche Enthusiasmus für einen neuen Sozialismus wich einer zunehmenden Desillusionierung. 1991 schien niemand mehr die Sowjetunion zu brauchen. Nationale Selbstständigkeit, parlamentarische Demokratie und Marktwirtschaft versprachen die bessere Zukunft.

Im Proseminar werden wir vielfältige Themen behandeln: Internationale Beziehungen; innergesellschaftliche Schwierigkeiten (Jugend und Alter, Frauen und Männer, Gesundheit); nationale Spannungen in den Sowjetrepubliken (z.B. im Baltikum); Literatur, Film und Musik; gesellschaftliche Debatten zur sowjetischen Vergangenheit und zur Stellung der Religion. Reiche Sekundärliteratur und vielfältige übersetzte Quellen erlauben es, sich der Epoche aus verschiedenen Perspektiven zu nähern und die wissenschaftliche Auseinandersetzung ebenso in den Blick zu nehmen wie gesellschaftliche Erfahrungen. Am Beispiel der sowjetischen Geschichte führt das Proseminar in grundlegende Kategorien der Zeitgeschichte ein. 

Das Proseminar wird als Präsenzveranstaltung durchgeführt. Wir werden aber zu Beginn gemeinsam überlegen, welche positiven Erfahrungen aus der digitalen Lehre beibehalten werden sollen und uns über die konkrete Seminargestaltung verständigen. Möglich sind z.B. die Arbeit mit Podcasts oder einem kooperativen WIKI zum Seminarthema.

Beachten Sie auch die Übung von PD Dr. Katharina Kucher zu Film und Kino am Ende der Sowjetunion: „Kinokultur und Film im Zeichen der Perestroika und nach dem Ende der Sowjetunion“.

Leistungsnachweis:

Lektüre von ca. 50 Seiten Text pro Sitzung (oftmals in englischer Sprache), aktive Teilnahme an den Diskussionen im Proseminar, Übernahme kleiner schriftlicher Aufgaben, Klausur, Hausarbeit.

Einführende Lektüre

Klaus Gestwa, „Von der Perestroika zur Katastroika. Michail Gorbatschow und der Zerfall der Sowjetunion. Teil 1“, in: Einsichten und Perspektiven 1/16 (2016), S. 22-33. Url: www.km.bayern.de/epaper/LZ/EuP/2016_1/index.html; Klaus Gestwa, „Von der Perestroika zur Katastroika. Michail Gorbatschow und der Zerfall der Sowjetunion. Teil 2“ in: Einsichten und Perspektiven 2/16 (2016), S. 4-25. Url: www.km.bayern.de/epaper/LZ/EuP/2016_2/index.html; Dietmar Neutatz, Träume und Alpträume. Eine Geschichte Russlands im 20. Jahrhundert, München 2013.

Übungen

Russland als Imperium im 18. und 19. Jahrhundert (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform: Übung zum wissenschaftlichen Lesen und Schreiben
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin:

3 st., Di 14-17 Uhr

Beginn: 19.10.2021
Ort: Großer Übungsraum des Instituts für Osteuropäische Geschichte und Landeskunde (Raum 28)
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Bemerkungen: Diese Veranstaltung ist speziell für die Studieneingangsphase konzipiert und sollte daher möglichst im ersten Fachsemester besucht werden. Keine Russischkenntnisse notwendig. Die Übung ist zweistündig konzipiert, die dritte Stunde ist vorgesehen für Einzelbesprechungen von schriftlichen Arbeiten.
 
Inhalt

Das 18. Jahrhundert gilt als „century of empire“ (Nancy Shields Kollman). Die „Beharrungskraft“ der Imperien zeigte sich im 19. Jahrhundert, nur wenige neue Nationalstaaten entstanden. Was hielt diese multiethnischen Imperien zusammen? Wie lebte es sich in diesen Großreichen? Wie lassen sich Imperien und Nationalstaaten idealtypisch voneinander unterscheiden? Diese Fragestellungen der neueren Imperienforschung werden wir am Beispiel der Geschichte Russlands vom 18. bis Ende des 19. Jahrhunderts diskutieren.

Wissenschaftliches Argumentieren ist zentraler Bestandteil des Geschichtsstudiums. Auf Grundlage von Texten, die gemeinsam gelesen und analysiert werden, lernen Sie in dieser Übung grundlegende Verfahren wissenschaftlichen Argumentierens. Sie verfassen Essays, für die Sie inhaltliches und methodisches, aber auch sprachliches und stilistisches Feedback erhalten. Der abschließende Essay am Ende der Veranstaltung wird als Modulprüfung in Grundmodul 1 angerechnet.

Einführende Lektüre

Valerie A. Kivelson / Ronald G. Suny, Russia's Empires, New York 2017; Nancy Shields Kollmann, The Russian Empire, 1450–1801, Oxford 2017; Otto Kruse, Lesen und Schreiben, 3. Aufl. Stuttgart 2018; Jürgen Osterhammel, Russland und der Vergleich zwischen Imperien. Einige Anknüpfungspunkte, in: Comparativ. Zeitschrift für Globalgeschichte und vergleichende Gesellschaftsforschung 18 (2008), S. 11–26; Ricarda Vulpius, Das Imperium als Thema der Russischen Geschichte. Tendenzen und Perspektiven der jüngeren Forschung, in: Zeitenblicke 6 (2007), Nr. 2 [24.12.2007]; Ricarda Vulpius, Die Geburt des Russländischen Imperiums. Herrschaftskonzepte und -praktiken im 18. Jahrhundert. Köln 2020.

Rauchzeitalter. Luftverschmutzung, Gesundheit und Umweltschutz im östlichen Europa, 1800–1990 (Dr. Stefan Guth)

Veranstaltungsform: Übung
Dozent: Dr. Stefan Guth
Termin: Do 16-18 Uhr
Beginn:

21.10.2021

Ort:

Die Übung ist als Online-Lehrveranstaltung konzipiert.

Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Aktive Teilnahme, i.d.R. Referat
 
Inhalt

Gegen Ende des 20. Jahrhunderts erweckten die Bilder qualmender Schlote zwischen Karl-Marx-Stadt und Magnitogorsk den Eindruck, der Staatssozialismus sei nicht zuletzt an seinen Abgasen erstickt. Zu langfristig angelegten Perspektiven auf die Luftverschmutzung in Osteuropa haben diese Bilder bisher jedoch kaum Anstoß gegeben.

Greifbar wird das Thema bereits im 19. Jahrhundert an seinem sichtbarsten Auswuchs, dem Kamin. An der Entwicklung dieses Artefakts lassen sich grundlegende Umbrüche in der Umwelt-, Technik-, Sozial und Kulturgeschichte Ostmitteleuropas ablesen. In Zentren rascher Industrialisierung wie Łódź galten immer höhere Schornsteine rasch als probates Mittel der lokalen Luftreinhaltung – verlagerten das Problem aber ins Umland, wovon scharfe Auseinandersetzungen zwischen Fabrikeignern und rauchgeschädigten Waldbesitzern zeugen, etwa in Oberschlesien. Im städtischen Umfeld standen gesundheitliche Diskussionen (Smog) und soziale Aspekte (Kaminfeger) im Vordergrund. Auf dem Land lösten Behausungen mit gemauerten Kaminen allmählich die traditionelle bäuerliche Rauchhütte ab, begleitet von Diskussionen um Bevölkerungsgesundheit, Rückständigkeit und Fortschritt.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts galten rauchende Fabrikschlote in Osteuropa oft noch als Symbole wirtschaftlicher Stärke, bevor sie seit den 1950er Jahren zum Sinnbild fortschreitender Umweltzerstörung wurden. In der DDR bekam die „Rauchschadensforschung“ Konjunktur, und im oberschlesischen Industrierevier Polens versprach die kommunistische Partei um 1960 – fast zeitgleich wie Willy Brandt im westdeutschen Ruhrgebiet – die Rückkehr zum „blauen Himmel“. Eine transnationale Perspektive eröffnete sich schließlich seit den 1960er Jahren, als die Luftreinhaltung zum Gegenstand einer Blockgrenzen übergreifenden „Smokestack diplomacy“ wurde.

Einführende Lektüre

Franz–Josef Brüggemeier, Das unendliche Meer der Lüfte. Luftverschmutzung, Industrialisierung und Risikodebatten im 19. Jahrhundert, Essen 1996; Robert G. Darst, Smokestack Diplomacy: Cooperation and Conflict in East-West Environmental Politics, Cambridge, Mass. 2001, S. 91–134; Richard Hellie, The Russian Smoky Hut and its Probable Health Consequences, in: Russian History 28 (2001), S. 171–184; Tobias Huff, Natur und Industrie im Sozialismus. Eine Umweltgeschichte der DDR, Göttingen 2015, Frank Uekoetter, The Age of Smoke. Environmental Policy in Germany and the United States, Pittsburgh 2009.

Srebrenica: Transitional Justice nach Genozid (Dr. Sabina Ferhadbegovic)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Dr. Sabina Ferhadbegovic
Termin:

2 st., Fr 13-15 Uhr

Beginn: 22.10.2021
Ort: Die Übung ist als Online-Lehrveranstaltung konzipiert.
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
 
Inhalt

Das Konzept der Transitional Justice geht davon aus, dass nach gewaltsamen Konflikten ein klarer Bruch und eine offene Auseinandersetzung mit der Vergangenheit erforderlich sind, um Gesellschaften nachhaltig zu befrieden. 25 Jahre nach dem Genozid an den Bosniaken in Srebrenica sind die juristische und die narrative Aufarbeitung von Kriegsverbrechen weiterhin stark mit Konflikten belastet. Zugleich hat der Bosnien-Krieg wichtige Impulse für das internationale Strafrecht gegeben und die Debatte um das Konzept der Schutzverantwortung (Responsibility to Protect) auf neue Grundlagen gestellt. In der Übung werden entlang ausgewählter Quellen des International Criminal Tribunal for the former Yugoslavia (ICTY) die historischen Hintergründe des Bosnien-Krieges beleuchtet, die Entwicklungen zum Genozid in Srebrenica analysiert, die mediale Darstellung kritisch untersucht und die rechtlichen Folgen bewertet.

Einführende Lektüre

Marie-Janine Calic, Der Krieg in Bosnien-Herzegowina: Ursachen - Konfliktstrukturen - Internationale Lösungsversuche, Frankfurt a.M.1995; Julia Bogoeva / Caroline Fetscher (Hrsg.), Srebrenica. Ein Prozeß. Dokumente aus dem Verfahren gegen General Radislav Krstić vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien in Den Haag, Frankfurt a.M. 2002; Emir Suljagic, Notizen aus der Hölle, Wien 2009; Hasan Nuhanović, The Last Refuge. A True Story of War, Survival and Life Under Siege in Srebrenica, London 2012.

Russisch für Historiker I (Ingrid Schierle)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Ingrid Schierle
Termin:

4 st., Mo 16-18 Uhr, Do 14-16 Uhr

Beginn: 21.10.2021
Ort: Die Übung ist als Online-Lehrveranstaltung konzipiert.
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Keine Vorkenntnisse notwendig
 
Inhalt

Der Kurs wendet sich an alle, die sich für russische Geschichte interessieren. Auf dem Programm steht eine intensive Lektüre von Quellen und Literatur zur russisch-sowjetischen Geschichte.

Einführende Lektüre

Die Texte werden ausgegeben.

Stadtgeschichten an der mittleren Donau: Wirtschaft, Kultur und Politik vom 19. Jh. bis heute (Dr. Daniela Simon)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: Dr. Daniela Simon
Termin:

2 st., Mo 10–12 Uhr

Beginn: 18.10.2021
Ort: Die Übung ist als Online-Lehrveranstaltung konzipiert.
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Anforderungen: Die Übung findet in Präsenz statt. Erwartet werden eine aktive Teilnahme auf Grundlage vorbereitender Lektüre und Quellen.
 
Inhalt

In der Lehrveranstaltung werden fachliche und methodische Kompetenzen im Umgang mit der Stadtgeschichte geübt. Das Lernziel ist die Vermittlung grundlegender Kenntnisse zur Vergangenheit ausgewählter Städte an der mittleren Donau in ihren regionalen Kontexten. Im Fokus stehen insbesondere die Städte Vukovar, Belgrad und Novi Sad. Es gilt die zentralen Ereignisse, Strukturen, Prozesse und Personen in die jeweiligen historischen Zusammenhänge des 19. und 20. Jahrhunderts einzuordnen. Die thematischen Zugänge sind die Industrialisierung, kulturelle Vielfalt, Migration sowie die Erfahrung von Krieg und Zerstörung.

Lektüre

Nataša Mišković, Basare und Boulevards. Belgrad im 19. Jahrhundert. Wien, Köln, Weimar 2008; Ludwig Steindorff, Slawonien und Syrmien, in: Oliver Jens Schmitt/Michael Metzeltin (Hrsg.), Das Südosteuropa der Regionen, Wien 2015, S. 39-90; Michael Portmann, Vojvodina, in: Oliver Jens Schmitt/Michael Metzeltin (Hrsg.), Das Südosteuropa der Regionen, Wien 2015, S. 313-348.

Kinokultur und Film im Zeichen der Perestroika und nach dem Ende der Sowjetunion (PD Dr. Katharina Kucher)

Veranstaltungsform: Übung
Dozentin: PD Dr. Katharina Kucher
Termin: 3 st., Fr 10–13 Uhr
Beginn: 22.10.2021
Ort: Die Übung ist als Online-Lehrveranstaltung konzipiert.
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Zulassungsvoraussetzungen: Gute Kenntnisse der englischen Sprache ebenso die Bereitschaft, sich auf die einzelnen Sitzungen durch die angegebene Lektüre vorzubereiten; sofern vorhanden werden die Filme in deutscher oder englischer Synchronisation bzw. mit Untertiteln gezeigt.
Leistungsnachweis: Lektüre von ca. 20-30 Seiten Text pro Sitzung (vorwiegend englisch), Vorstellung eines Filmes, aktive Teilnahme an den Diskussionen in der Übung.
Inhalt

„Der Film ist für uns die wichtigste der Künste“ äußerte Lenin 1922. Zwischen diesem Statement und dem Zusammenbruch der Sowjetunion liegen mehrere Jahrzehnte, in denen der sowjetische Film zu einem zentralen (Unterhaltungs-) Medium avancierte. Dieses erfuhr – wie andere Künste auch – spezifische Ausprägungen im jeweiligen historischen Kontext und entwickelte sich zu einem bedeutsamen und von Historikern beachteten Zeitdokument. Auch im Zeichen von Glasnost’ und Perestroika sowie im Rahmen der Identitätssuche nach 1991 kam und kommt dem sowjetischen /russischen Film große Bedeutung zu.

In der Übung werden ausgewählte sowjetische/russische Filme der Jahre 1983 bis heute betrachtet und analysiert. Dabei spielen Gesichtspunkte wie Gesellschaftskritik, Geschichtsbewusstsein/Umgang mit der Vergangenheit, Identitätssuche, Generationenfrage sowie Einflüsse und Rezeption westlicher Kultur/Lebensweise eine wichtige Rolle. Einbezogen werden ebenso – soweit quellenbedingt möglich - Produktionsbedingungen und Rezeption der Filme durch das Publikum.

Einführende Lektüre

Birgit Beumers, A History of Russian Cinema, Oxford u.a. 2009.

The Sino-Soviet Conflict, 1956-1991 (Dr. Bernd Schäfer)

Veranstaltungsform: Übung
Dozent: Dr. Bernd Schäfer
Termin:

Mi 13-15 Uhr

Beginn: 20.10.2021
Ort: Die Übung ist als Online-Lehrveranstaltung konzipiert.
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
 
Inhalt

The so-called Sino-Soviet conflict was a major feature of the Cold War and heavily impacted the historical trajectory of the Soviet Union and the People’s Republic of China. Brewing for some time and breaking out after the XX CPSU Congress of 1956, it came to the fore in 1963, culminated in bloody clashes in 1969/70, and continued and lingered well until 1991. The Soviet-Chinese rapprochement through Mikhail Gorbachev’s May 1989 visit to China was immediately followed by the Tiananmen Crackdown and the different ‘lessons’ drawn from these events by both Beijing and Moscow. Ever since the Soviet Union dissolved itself in 1991, the PRC is analyzing the demise of the USSR in order to avoid ‘repeating mistakes’.

The course will run the various stages of the Sino-Soviet conflict: the struggle for leadership of the communist world movement; the fight over revolutionary leadership in the Third World; the Chinese alliance with global anti-Soviet forces; Soviet attempts to isolate China; and the competition over great-power status to foster, or avoid, a bipolar world order turning into a multipolar one. Various reasons and motives on both sides for launching and perpetuating this conflict will be analyzed: the ambitions of Chairman Mao Zedong; Soviet paternalism; ideological debates over communism; nationalism and xenophobic racism; and what the Soviet Union called ‘Chinese great-power chauvinism’ while China defined it as ‘becoming one of the economically strongest developed countries in the world by 2049’ (General Secretary Hu Yaobang in 1985).

We will draw extensively on archival sources in English translation from all over the communist world, other online resources, as well as on pathbreaking results of recent international scholarship on the subject, not the least from China itself.

 

Einführende Lektüre

Lorenz Lüthi, The Sino-Soviet Split: Cold War in the Communist World, Princeton, NJ 2008; Sergey Radchenko, Two Suns in the Heaven: The Sino-Soviet Struggle for Supremacy, 1962-1967, Stanford, CA 2009; Austin Jersild, The Sino-Soviet Alliance: An International History, Chapel Hill, NC 2014; Jeremy Friedman, Shadow Cold War: The Sino-Soviet Competition for the Third World, Chapel Hill, NC 2018; Zhihua Shen (Ed.), A Short History of Sino-Soviet Relations, 1917-1991, Singapore 2020; Wilson Center Digital Archive: International History Declassified, digitalarchive.wilsoncenter.org.

Kolloquium / Oberseminar

Kolloquium: Neuere Forschungen zur Osteuropäischen Geschichte (Prof. Dr. Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Kolloquium
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin 2st., Mo 18–20 Uhr
Beginn: 26.10.2021
Ort: Das Kolloquium ist als Online-Lehrveranstaltung konzipiert.
Voraussetzungen: Für alle, die sich für Osteuropäische Geschichte interessieren. Keine Anmeldung erforderlich.
 
Inhalt

Im Rahmen des Kolloquiums werden interessante neue Studien erörtert und interessante aktuelle Forschungsdiskussionen besprochen.

Studierende können durch regelmäßige Teilnahme, Protokolle und kleinere Essays ECTS-Punkte (1 und 3 ECTS) erwerben.

Oberseminar für fortgeschrittene Studierende, Examenskandidat*innen und Promovierende (Prof. Dr. Klaus Gestwa)

Veranstaltungsform: Oberseminar
Dozent: Prof. Dr. Klaus Gestwa
Termin: 2st., n.V.
Beginn: n.V.
Ort: Das Oberseminar ist als Online-Lehrveranstaltung konzipiert.
Anmeldung: Online-Anmeldung über ALMA
Voraussetzungen: Für fortgeschrittene Studierende, Examenskandidat/innen und Promovierende.
 
Inhalt

Im Oberseminar stellen Examenskandidat/innen und Promovierende ihre Studien zur Diskussion. Es finden Studientage und Kompaktsitzungen statt, auf denen ausgewählte Fachliteratur und Filme gemeinsam erörtert werden. Des Weiteren gibt es Sitzungen zur Vorbereitung auf die mündlichen Staatsexamensprüfungen und zur Abfassung der wissenschaftlichen Arbeit (Zulassungsarbeit).

Das Programm und die jeweiligen Termine werden zu Beginn des Semesters bekannt gegeben.

Studierende können durch regelmäßige Teilnahme, Protokolle und kleinere Essays ECTS-Punkte (1 und 3 ECTS) erwerben.