Prof. Dr. Annette Gerok-Reiter

Dissertationsprojekt

Arbeitstitel: Eine Frage der Männlichkeiten. Heldenkonzepte im Umbruch

Das Dissertationsprojekt möchte Heldenbilder in der mhd. Heldenepik erarbeiten und dabei wesentlich den Bezug zur Geschlechtlichkeit der Helden einbeziehen. Dazu verfolgt das Projekt zwei methodisch getrennte Schritte: Zunächst werden die Belegstellen für die Heldenlexeme helt, recke, degen und wîgant in Nibelungenlied und Klage sowie den historischen Dietrichepen mittels Annotationen kotextuell ausgewertet. In einem zweiten Schritt werden exemplarisch Heldenfiguren analysiert, wobei die Annotationsergebnisse Perspektiven für die Interpretationen vorgeben sollen, um eine Vergleichbarkeit der Heldenfiguren und Heldenkonzepte zu gewährleisten. Da Heldenvorstellungen aufgrund der kultur- und literaturhistorischen Situierung der Heldenepen im höfischen Umfeld um 1200 nur noch gebrochen tradiert werden, wird mit dem Konnex zwischen Heldentum und Männlichkeit eine wesentliche Achse einbezogen, um die Problematisierung der Heldenfiguren in den Texten zu verstehen. So soll gezeigt werden, dass die spannungsreiche Relation und Konfrontation von Helden- und Männlichkeitsbildern – gerade, weil diese nicht immer kongruent sind – ein analytisch sensibles Instrumentarium darstellt, das die komplexen Vorgaben und Diskussionen der Texte um männliche ‚Idealität‘ und Heldentum erschließen kann, um so neue Perspektiven auf die Problematik zu eröffnen, die das ‚Heldenhafte‘ auszeichnet.

Projekte / Tagungsorganisation

Gemeinsam mit Marion Darilek und Isabell Väth: Organisation des Panels „Erotische Zweifelsfälle. Zur ästhetischen Ambiguierung von Sexualität in der mittelhochdeutschen Literatur“ beim 27. Deutschen Germanistentag „Mehrdeutigkeiten“, Paderborn, 25.–28.09.2022.

Gemeinsam mit Alexa Bornfleth und Leslie Wentsch: Organisation des SmP-Seminars „Ästhetik der Krise“, Tübingen, 10.–12.06.2022 (gefördert in der Programm-Linie ‚StipendiatInnen machen Programm (SmP)‘ der Studienstiftung des deutschen Volkes).