Uni-Tübingen

Felix Schaefer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Doktorand)

Teilprojekt F02: Von karolingischer Ordnung zur "société féodale"? Bedrohte Ordnung und re-ordering um 900

 

   
Dienstadresse: Keplerstraße 2
72074 Tübingen
Raum: 186
Telefon: 07071 29-77361
E-Mail: felix.schaeferspam prevention@uni-tuebingen.de

Beruflicher Werdegang

  • 2015 - 2019: Doktorand im SFB 923 “Bedrohte Ordnungen”
    Teilprojekt F02: Von karolingischer Ordnung zur société féodale? Bedrohte Ordnung und re-ordering um 900
  • 2015: Erstes Staatexamen für das gymnasiale Lehramt
    Thema der wissenschaftlichen Arbeit im Fach Geschichte: Lampert von Hersfeld und (s)eine Welt in der Krise. Konflikte um Heinrich IV. in narratologischer Perspektive
  • 2012 - 2015: Studentische Hilfskraft im SFB 923 Bedrohte Ordnungen Teilprojekt A01: Aufruhr in Städten und geistlichen Institutionen: Das 'Zeitalter des Investiturstreits' in europäischer Perspektive
  • 2008 - 2015: Studium der Fächer Geschichte, Germanistik und Latein auf Lehramt an der Eberhard Karls Universität Tübingen 

Forschungsschwerpunkte / wissenschaftliche Interessensgebiete

  • Handschriften und Skriptorien um 900
  • mittelalterliche Historiographie (Paulus Diaconus, Regino von Prüm, Lampert von Hersfeld)
  • historische und historiographische Narratologie
  • Erinnerungs- und Raumforschung

Forschungsprojekt im Rahmen des SFB 923

Thema: Karolingische Vergangenheit im Umbruch. Die Erinnerungsorte Metz, Prüm und Aachen an der Wende zum 10. Jahrhundert

Abstract:

Normanneneinfälle, Scheidungskonflikte, Attentate und eine einbrechende Schriftkultur – in der zeitgenössischen Wahrnehmung wie modernen Darstellungen gelten die Jahre um 900 als eine Zeit massiver Umbrüche. Die lokale Perspektive variierte jedoch erheblich: Was mancherorts als bedrohlich galt, war andernorts bereits bewältigt oder konnte gar als Chance begriffen werden. Im herrschaftspolitisch instabilen regnum Lotharii lockerte sich die etablierte Hierarchie königlicher Zentralorte und bot Aufstiegschancen sowie Gefahren des Abstiegs. Verstärktes Interesse erfuhr hierbei die lokal verfügbare Vergangenheit. Mit ihrer Hilfe ließ sich Einfluss behaupten, Macht legitimieren, Königsnähe suchen, der Herrscher kritisieren sowie die Normannenbedrohung historisieren. Die Rede vom schriftkulturellen wie politischen Kollaps hat jedoch lange Zeit den Blick auf die reichhaltige lotharingische Handschriftenüberlieferung mit ihren Glossen und Kompilationen älterer Texte verstellt. In diesem lassen sich mit einer erinnerungskritischen Methode verschiedene den Zeitgenossen bewusste Zugriffsweisen auf die Vergangenheit (Geschichte, Erinnerung, Tradition) nachverfolgen. Sie zeigen wie unterschiedlich einzelne topographisch konkrete Erinnerungsorte ihr karolingisches Erbe nutzten: Während es den Metzer Bischöfen zu Rang und Einfluss verhalf, schilderte die Chronik Reginos die 150-jährige Königsnähe seines ehemaligen Klosters Prüm in düsteren Farben, Aachen wiederum versank in einem erinnerungspolitischen Vakuum. Diese translokale Perspektive auf die Erinnerungsorte bricht mit der nach wie vor gängigen Teleologie eines ‚spätkarolingischen Untergangs‘. Sie blickt auf eine vitale Vergangenheitspolitik, die sich vor Ort und in actu keineswegs im Niedergang befand.

Publikationen

  • Memoria und silentium um 900. Karolingische Gründungsmomente und blinde Flecken in der Prümer und Metzer Erinnerungspolitik, in: Warren Pezé, Pierre Chambert-Protat (Hgg.), Knowledge and Culture in Times of Threat. Europe around 900, erscheint 2019 im Hiersemann Verlag in der Reihe „Monographien zur Geschichte des Mittelalters“.
  • Karolingische Erinnerungsorte im regnum Lotharii. Metz und die Arnulftradition in der späten Karolingerzeit, in: Jessika Nowak (Hg.): Deutsch-Französisches Forschungsatelier „Junge Mediävistik II“: Lotharingien, erscheint 2019.
  • zusammen mit Ernst Henning Peters, Jan Sändig, Annette Schramm, Marie Claudine Schreier, Joachim Werz: Macht und Mobilisierung in Bedrohten Ordnungen, erscheint 2019 im Mohr Siebeck Verlag in der Reihe „Bedrohte Ordnungen“.
  • Französische Rezension zu Klaus G. Beuckers / Beate Johlen-Budnik (Hgg.), Das Gerresheimer Evangeliar. Eine spätottonische Prachthandschrift als Geschichtsquelle, Wien u.a. 2016, in: Revue de l'IFHA, Online veröffentlicht 09/2017 unter journals.openedition.org/ifha/8849.
  • laufende Mitarbeit an einer prosopographischen Urkundendatenbank mit dem Arbeitstitel „Spätkarolingische Netzwerke um 900“ (wird 2019 online gestellt)

Vorträge

  • 05/2018 Memoria and damnatio. Glorious Moments and Blind Spots in the Late Ninth-Century Historical Knowledge of Metz and Prüm (Workshop “Knowledge and Culture in Times of Threat. Europe around 900” Teil II, École française de Rome)
  • 04/2018 Karolingische Tradition im Umbruch. Zur Kontinuität und Fragilität der Königsnähe bei Regino von Prüm und im Liber aureus Prumiensis (Workshop “The Hands of Laity. Lay Influence over Church Structures, c. 888-1049”, Universität Tübingen)
  • 06/2017 Bishops’ Lists, Roman Roots and the Carolingian Past. Politics of Memory in Late Ninth-Century Metz (Workshop “Knowledge and Culture in Times of Threat: Europe around 900” Teil I, Universität Tübingen)
  • 05/2017 Placing the Carolingian Past in the Late Ninth Century. Lotharingian Lieux de Mémoire and their Manuscripts (Eröffnungskonferenz des HERA-Projekts “Using and Not Using the Past”, FU Berlin)
  • 07/2016 Mobilising History around 900: Manuscripts as a Key to the Threatened Carolingian Order? (zusammen mit Luise Nöllemeyer, 23. International Medieval Congress, University of Leeds)