Uni-Tübingen

Dr. Tanja Granzow

Wissenschaftliche Mitarbeiterin (Postdoc)

Teilprojekt E07: Re-ordering Prozesse in der Humanitären Nothilfe: Lokale und globale Aushandlungsstrategien

 

   
Dienstadresse: Keplerstraße 2
72074 Tübingen
Raum: 288
Telefon: 07071 29 75094
E-Mail: tanja.granzowspam prevention@uni-tuebingen.de

Beruflicher Werdegang

  • 2003-2009: Studium der Ethnologie, Neueren und Neuesten Geschichte und Politikwissenschaft an der Universität Tübingen und der American University in Cairo; Titel der Magisterarbeit: „Zar-Rituale in Cairo. Zwischen Tradition und Medialisierungen“
  • 2004-2009: Stipendiatin des Evangelischen Studienwerks e.V. Villigst
  • 2004-2009: Studentische Hilfskraft am Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen
  • 2010-2011: Prokuristin, ab 04/2011 Geschäftsführerin der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin
  • 2011-2012: Lehrbeauftragte der Abteilung für Ethnologie des Asien-Orient-Instituts der Universität Tübingen
  • 2012-2015: Promotion in Politikwissenschaft/Friedens- und Konfliktforschung an der Universität Tübingen; Titel der Dissertation: „Framing Threat, Mobilizing Violence. Micro-Mechanisms of Conflict Escalation in Yemen“
  • 2012-2015: Promotionsstipendiatin des Evangelischen Studienwerks e.V. Villigst
  • seit 2015: Wissenschaftliche Mitarbeiterin im SFB 923 „Bedrohte Ordnungen“

Forschungsschwerpunkte / wissenschaftliche Interessensgebiete

  • Medizinethnologie
  • Humanitäre Hilfe
  • Flüchtlingsstudien
  • Qualitative Konfliktforschung
  • Soziale Bewegungen
  • Umweltethnologie

Post-Doc-Projekt im Rahmen des SFB 923

Thema: Re-ordering Prozesse in der Humanitären Nothilfe: Lokale und globale Aushandlungsstrategien

Abstract: Humanitäre Notlagen stellen eine Bedrohung für die betroffene gesellschaftliche Ordnung dar. Wenn sie ein gewisses Ausmaß erreicht haben, werden sie nicht mehr rein lokal, sondern global wahrgenommen, als Bedrohung deklariert und bewältigt. Internationale humanitären Organisationen verfügen über Ressourcen, Einsatzpläne und Strategien, Logistik und Expertenteams, die in den Notstandsgebieten kurzfristig durch eine Erstversorgung das Leiden der Menschen mindern und ihr Überleben sichern, und mittel- bis langfristig durch Programme nachhaltig die gesellschaftliche Ordnung stabilisieren sollen. Dabei gehen sie von Grundelementen einer sozialen Ordnung aus, anhand derer sie ihre Hilfsleistungen organisieren und die Ordnungsbedrohung bewältigen. Auch wenn die Nothilfe als Ziel hat, nicht in große soziale, kulturelle, politische und wirtschaftliche Prozesse einzugreifen, sondern lediglich ‚Ordnung‘ soweit wiederherzustellen, dass weiteres menschliches Leiden verhindert wird, so importiert sie dennoch Konzepte und Materialien, stellt neue innergesellschaftliche Beziehungen her und bindet Regionen auf neue Weise in globale Netzwerke ein.

Im Blickpunkt des Teilprojekts stehen die unterschiedlichen Ordnungsvorstellungen, das Management und die Aushandlungsprozesse, die zwischen den verschiedenen Helfergruppen und den betroffenen Menschen nach einer humanitären Notlage stattfinden, sowie ihre Konsequenzen für die neu etablierte Ordnung. Fokussiert wird dabei auf die medizinische Nothilfe.

Untersucht werden:
1. Die unterschiedlichen re-ordering Ansätze sowie die involvierten Strategien, Materialien und Ressourcen und die damit verbundenen Kommunikations- und Aushandlungsprozesse zwischen den Akteuren von innen (Betroffene) und den Akteuren von außen (internationale Hilfsteams), die sich im Kontext von Diagnose und Management kurzfristiger und längerfristiger medizinischer Nothilfemaßnahmen ergeben und auf die jeweiligen Konzepte von idealtypischen Ordnungen verweisen.
2. Die unterschiedlichen Kategorien und Konzepte, die hierbei evoziert, verhandelt und transformiert werden, wenn soziale Gruppen, Institutionen, Bedürfnisse und Emotionen konzeptuell geordnet werden und sich in der Ordnung neu positionieren.
3. Die Einbettung dieser Prozesse in und Rückwirkung auf das, was Fassin (2012:269) als „moralische Ökonomie bezeichnet, die Kategorisierung in Opfer und Verantwortliche, die mit Schuld- und Unschuldszuweisungen einhergeht und damit Ansprüche und Subjektpositionen schafft.

Dissertationsprojekt im Rahmen des SFB 923, Teilprojekt C05: Die Bedrohung politischer Ordnungen in afrikanischen Entwicklungsländern (Assoziiertes Mitglied):

Thema: Framing Threat, Mobilizing Violence: Micro-mechanisms of Conflict Escalation among Identity Groups in Yemen

 

Abstract: Das Promotionsprojekt geht der übergeordneten Frage nach, wann innerstaatliche Konflikte von friedlichen Protestformen zu Gewaltszenarien eskalieren und welche Rolle die durch Eliten gesteuerte Bedrohungskommunikation bei der Mobilisierung für Gewalt spielt. Es betrachtet dazu vergleichend zwei aktuelle Fälle im Jemen (die Houthi-Rebellion im Norden des Landes und die Sezessionsbewegung al-Hirak im Süden) und analysiert unter Rückgriff auf den Framing-Ansatz der sozialen Bewegungsforschung die Entwicklung von Bedrohungskommunikation in den jeweiligen Kontexten und ihren Einfluss auf die Konflikteskalation.

Das assoziierte Projekt ergänzt so den geographischen Raum des Teilprojekts C05 (afrikanische Entwicklungsländer) um den Vergleich mit Fallstudien aus der arabischen Welt.

Publikationen

Monographien

  • "Framing Threat, Mobilizing Violence. Micro-Mechanisms of Conflict Escalation in Yemen", Dissertation, Universität Tübingen, eingereicht 2015, publiziert 2018 hier [http://hdl.handle.net/10900/81102]
  • "Zar-Rituale in Cairo. Zwischen Tradition und Medialisierungen", Magisterarbeit 2008, digital publiziert 2013 hier.

Herausgeberschaft und Mitherausgeberschaft

Aufsätze in Fachzeitschriften und Buchbeiträge

  • (mit Jan Sändig) Aligning with the UN: Nonviolent Self-Determination Movements in the Global South, Journal of Global Security Studies, Volume 3, Issue 3, 1 July 2018, Pages 322–338, https://doi.org/10.1093/jogss/ogy019
  • Mobilisierungs- und Eskalationsstrategien der Huthis im Spiegel ihres 'framing'. Problemdiagnose – Lösungsvorschlag – Motivationsaufruf, in: Jemen-Report. Mitteilungen der Deutsch-Jemenitischen Gesellschaft e.V., Jahrgnag 47, Heft 1/2 2016, S. 23-31.
  • Violent vs. Non-Violent Struggle: Investigating the Impact of Frames on Movement Strategies in Yemen, in: Civil Wars, Vol. 17, Issue 2, 2015.
  • (mit Andreas Hasenclever und Jan Sändig) Introduction: Framing Political Violence – A Micro-Approach to Civil War Studies, in: Civil Wars, Vol. 17, Issue 2, 2015.
  • (mit Fabian Fechner, Jacek Klimek, Roman Krawielicki, Beatrice von Lüpke, Rebekka Nöcker) 'We are gambling with our survival.' Bedrohungskommunikation als Indikator für bedrohte Ordnungen, in: Aufruhr – Katastrophe – Konkurrenz – Zerfall. Bedrohte Ordnungen als Thema der Kulturwissenschaften, Bd.1 der SFB 923-Reihe 'Bedrohte Ordnungen', hg. von Ewald Frie und Mischa Meier, Tübingen 2014, S. 141-173.

Vorträge

  • 16.08.2018: "Hope as a sine qua non of the post-disaster re-construction of lives", Vortrag im Rahmen der 15th EASA Biannual Conference "Staying, Moving, Settling", Stockholm, 14.-17.08.2018.
  • 30.09.2016: “Die Brüche zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft heilen: Hoffnung als sine qua non der Ordnungsherstellung” (gemeinsam mit Gabriele Alex), Vortrag im Rahmen der Tagung “Bedroht sein. Gesellschaften unter Stress im Vergleich“ des SFB 923 „Bedrohte Ordnungen“, Tübingen, 28.-30.09.2016.
  • 14.07.2016: "Das 'Recht auf ein Leben in Würde' sichern: Die Flüchtlingskrise als Herausforderung für die Humanitäre Hilfe", Vortrag im Rahmen der Studium Generale Reihe "Migration und Flucht: Historische Erfahrungen und aktuelle Herausforderungen ", Universität Tübingen (mit Gabriele Alex).
  • 23.06.2016: "'Intense Categorization' or Re-ordering in the Aftermath of a Disaster", Vortrag im Rahmen des 7th Medical Anthropology Young Scholars (MAYS) Annual Meeting "Intersections, temporalities and medical anthropology", Universität Lissabon, Portugal, 23./24.06.2016.
  • 09.06.2016: “The ‘Right to Health‘ during Emergencies: Managing Ascriptions, Resources, Identities – and Needs?” , Vortrag im Rahmen des Workshops "Marginalization - Medicalization - Healing: Strategies and Changes in Treating the 'Sick'", Tübingen, 09.-10.06.2016.
  • 31.03.2016: "Norms - Regimes - Realities: The Complexities of 'Re-Ordering' by Medical Humanitarian Assistance"; Posterpräsentation im Rahmen des "Annual Meeting of the Society for Applied Anthropology" in Vancouver, Kanada, 29.03.-02.04.2016.
  • 19.03.2016: "‘It is the UN that will determine’: Framing Non­-Violent Struggle for Self­-Determination in Nigeria and Yemen"; Vortrag im Rahmen der Konferenz "Exploring Peace" der International Studies Association (ISA) in Atlanta, Georgia, 16.-19.03.2016 (verfasst gemeinsam mit und präsentiert von Jan Sändig).
  • 10.12.2015: "Beyond Saving ‘Bare Life’: Re-Ordering Processes in Medical Humanitarian Assistance"; Posterpräsentation im Rahmen der Konferenz "NEEDS – The First Northern European Conference on Emergency and Disaster Studies", University of Copenhagen, 09.-11.12.2015.
  • 26.09.2015: "'Being Part of a Peaceful World Order': The Non-Escalation of Secessionist Movements in Nigeria and Yemen"; Vortrag im Rahmen der “9th Pan-European Conference on International Relations”, Giardini Naxos, Italien, 23.–26.09.2015 (mit Jan Sändig).
  • 17.09.2015: “Ideals – Interventions – Impacts: Investigating Re-Ordering Processes in Medical Humanitarian Assistance“; Vortrag im Rahmen der “9th Dealing with Disasters International Conference”, Newcastle upon Tyne, England, 17./18.09.2015.
  • 03.09.2013: "Violent vs. Non-Violent Struggle: Investigating the Impact of Frames on Movement Strategies in Yemen"; Vortrag im Rahmen des Workshops: "Framing Political Violence: A Micro Approach to Civil War Studies", Tübingen, 02.–04.09.2013.
  • 11.01.2013: "Framing Threat, Mobilizing Violence: Micro-Mechanisms of Conflict Escalation among the Huthis and al-Hiraak"; Vortrag im Rahmen der Konferenz: "Yemen: Challenges for the Future", British-Yemeni Society (BYS) in Zusammenarbeit mit dem London Middle East Institute (LMEI) der School of Oriental and African Studies der University of London, 11./12.01.2013.

Tagungen, Workshops, Konferenzen

  • 19.-21.04.2018: Panel Organizer (with Sverker Finnström), "Arenas of Vulnerabilities, Interventions, and Humanitarianism", im Rahmen der SANT/FAS Conference 2018 "Vulnerabilities", Uppsala.
  • 09.-10.06.2016: Gemeinsamer Workshop der TP E07, G05 und G06 "Marginalization - Medicalization - Healing: Strategies and Changes in Treating the 'Sick'", Tübingen.
  • 02./03.09.2013: Workshop "Framing Political Violence: A Micro Approach to Civil War Studies", Tübingen.

Summer Schools

  • 04.-08.07.2016: Summer School "Re-ordering Diversity: Humanitarian Assistance in the Context of Forced Migration and Displacement", Tübingen. In Kooperation mit dem Zentrum für Gender- und Diversitätsforschung (Universität Tübingen) und dem Max-Plack-Institut zur Erforschung multireligiöser und multiethnischer Gesellschaften (Göttingen).
  • 31.07.-06.08.2011: „2. Tübinger Sommerakademie Katastrophenmedizin und Humanitäre Hilfe“, veranstaltet von der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin, Tübingen.
  • 19.-26.09.2010: „1. Tübinger Summer School Katastrophenmedizin und Humanitäre Hilfe“, veranstaltet von der Stiftung des Deutschen Instituts für Katastrophenmedizin, Tübingen.

Lehrveranstaltungen

  • Sommersemester 2018: Seminar "Medizinethnologie und Humanitäre Hilfe"
  • Wintersemester 2017/18: Seminar "Haiti - Gesellschaft im Ausnahmezustand?"
  • Wintersemester 2011/2012: Übung "Einführung in die Vergleichende Kulturforschung"