Uni-Tübingen

Dr. Jürgen Michael Schmidt

Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Postdoc)

Teilprojekt B02: Hungerkatastrophen als Bedrohung religiöser und sozialer Ordnungen. Bedrohungskommunikation und Bewältigungshandeln in christlichen Gesellschaften (1570 – 1980)

Beruflicher Werdegang

Forschungsschwerpunkte

Post-Doc-Projekt im Rahmen des SFB 923

Thema: Hungerbedrohung, Sündenstrafe und Magie im "Zeitalter des zornig-gerechten Gottes" (1570–1715)

Abstract:Die Hungerkatastrophen der Frühen Neuzeit bedrohten nicht nur die Gesundheit und den materiellen Wohlstand der Unter- und Mittelschichten ­– sie konnten unmittelbar tödlich sein! Sie setzten den Alltag der Menschen radikal außer Kraft und stellten die bestehende Ordnung in Frage. Gegenüber den begrenzten Möglichkeiten einer gegensteuernden Versorgungspolitik scheinen lange die theologische Deutung und das religiöse Handeln im Vordergrund gestanden zu haben, finden sich aber auch magische Deutungen und magische Handlungsalternativen.

Den Grundfragen des Projekts B 02 entsprechend, wird die Verbindung von Bedrohungskommunikation und Bewältigungshandeln in Hungerkatastrophen auf zwei Ebenen untersucht: (1.) auf der Ebene theologischer Deutung und religiöse Praxis und (2.) auf der Ebene des Auf- und Umbaus von Sicherungssystemen für die Zukunft. Beides ist mit Fragen gesellschaftlicher Ordnung eng verbunden.

Ausgangspunkt der Untersuchung ist die durch die Klimakatastrophe der kleinen Eiszeit ausgelöste Häufung von Missernten, Preissteigerungen und Hungersnöten in zwei Bedrohungsphasen: der sog. "Second Period of Little Ice Age-type Impacts"und dem sog. "Maunder-Minimum" (ca. 1570–1630; ca. 1670–1715).

Ihren räumlichen Schwerpunkt legt die territorial vergleichende Untersuchung auf Südwestdeutschland: auf das evangelische Herzogtum Württemberg und die katholische Fürstpropstei Ellwangen. Die Auswahl folgt der Absicht, in einer territorial fragmentierten Region interkonfessionelle Vergleiche mit konstanten räumlichen Bedingungen zu kombinieren. Der Umgang mit Hungerkatastrophen soll auf den Ebenen der Diskurs-Experten, der politischen Herrschaft wie der Bevölkerung untersucht werden, als Analyse der Alternativen, die magische, religiöse und tendenziell säkulare Deutungskonzepte und Ordnungsbestrebungen boten.

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