Uni-Tübingen

Grigorii Borisov

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Akademischer Werdegang

Seit 02/2018
assoziierter Kollegiat am Graduiertenkolleg 1662 „Religiöses Wissen im vormodernen Europa 800 – 1800“

Eberhard Karls Universität Tübingen

seit 10/2017
Stipendiat des DAADs

Promotionsstudium an der Eberhard Karls Universität Tübingen.

09/2014 – 09/2017
Studium als Doktorand

an der Lomonossow Universität Moskau (ohne Promotion), Thema des Projekts „Kodifikation des frühmittelalterlichen friesischen Rechts und Rechtskultur in Friesland um 800“.

2009 - 2014
Studium der Geschichte, Historischen Hilfswissenschaften, Archäologie und Latein (M.A.)

Lomonossow Universität Moskau. Thema der Diplomarbeit am Lehrstuhl für Geschichte des Mittelalters und der Frühen Neuzeit: „Textüberlieferung, Sprache und Eigenarten der Lex Frisionum“. Auszeichnungen mit dem 1. Preis für russische Diplomarbeiten im Jahrgang 2014 des Deutschen Historischen Instituts Moskau und des Nederlands Instituut in Sint-Petersburg.

Berufliche Stationen

08 - 09/2018
Graduiertenkurs „Paläographie. Lateinische Schrift“

an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg.

03/2018
Forschungsaufenthalt

an der Universitätsbibliothek und Staatsarchiv Basel-Stadt, Basel.

02 – 03/2017
Stipendiat des Deutschen Historischen Instituts Moskau

Forschungsaufenthalt an der Russischen Nationalbibliothek und Archiv des Instituts der russischen Akademie der Wissenschaften, Sankt-Petersburg.

09/2016
Graduiertenkurs „Rituale und Inszenierungen im Mittelalter“

an der Universität Freiburg i.Ü.

09/2015 – 09/2016
Stipendiat der Programm Erasmus Mundus

Forschungsaufenthalt am Seminar für mittelalterliche Geschichte, Eberhard Karls Universität Tübingen.

06/2014 – 08/2015
wissenschaftlicher Redakteur am Verlag „Große russische Enzyklopädie“

Moskau

11/2013 – 05/2017
Tutor an der „Schule für junge Historiker“

bei der Lomonossow Universität Moskau

10/2013
Praktikum an der Handschriftenabteilung der Russischen Nationalbibliothek und Archiv des Instituts der russischen Akademie der Wissenschaften

Sankt-Petersburg

2010 – 2013
Archäologische Ausgrabungspraktika

in Gnjosdowo und Weliki Nowgorod (Russland)

Publikationen

Переписывая закон: создание законодательного кодекса Lat. Q.v.II. № 11 нач. IX в. из собрания Отдела рукописей РНБ [Transcribing a Law: Creation of the law-book Lat. Q.v. II. № 11 from the Department of Manuscripts of the National Library of Russia], in: Vspomogatel’nye istoricheskie diszipliny. Vol. 35. St. Petersburg, 2016. P. 243 – 270.

Христианизация в пламени войны. Формулы жестокости в Capitulatio de partibus Saxoniae [Christianization in the flames of war. Formulae of violence in Capitulatio de partibus Saxoniae], in: Casus. Individual’noe i unikal’noe v istorii. 2014–2016. Vol. 11. 2016. P. 52 – 81.

In co-authorship with Anastasia Anufrieva: Перевод «Донесения о посольстве в Константинополь» Лиутпранда Кремонского из фонда академика Ф.И. Успенского [An unedited Russian Translation of the “Relatio de legatione Constantinopolitana” of Liutprand of Cremona from the archive papers of Academician F.I. Uspensky in the Archive of Russian Academie of Sciences in St. Petersburg] in: Vizantiyskiy Vremennik. Vol. 74 (99). 2015. P. 318 – 343.

Контакты Древней Руси и Нидерландов в раннее Средневековье: материалы
коллекций российских музеев [Contacts between Ancient Rus’ and the Low Countries in the early Middle Ages: Materials from Collections of Russian Museums], in: Vth International Congress of Petrine Cities. Russia – the Netherlands. Cross-European Dialog of Cultures, St. Petersburg, 2014. P. 458 – 463.

Promotionsprojekt

Studien zur Lex Frisionum und zur Lex Thuringorum: Entstehung, Rezeption und Textgeschichte (Arbeitstitel)

Betreuer: Prof. Dr. Steffen Patzold (Tübingen), PD Dr. Thomas Kohl (Tübingen)

In der Reihe der Reformen Karls des Großen nehmen Aufzeichnungen und Verbesserungen der leges als berühmter Bestandteil der reformatorischen Tätigkeit des fränkischen Kaisers eine besondere Stellung ein. In der jüngeren Forschung sind die karolingischen Fassungen der Lex Salica sowie anderer leges und Kapitularien gründlich aufgearbeitet worden. Wenig beachtet bleiben bislang dagegen die Lex Frisionum und Lex Thuringorum, nicht zuletzt wegen der schlechten Überlieferung der beiden Rechtstexte. Die Lex Frisionum ist nur in einem frühneuzeitlichen Druck von 1557 von dem schwäbischen Pfarrer und Historiker Johannes Herold erhalten. Die Lex Thuringurum ist, neben dem Druck Herolds, auch im Corveyer Codex aus der Mitte des 10. Jh. überliefert. Dieser Quellenstand erfordert Untersuchungen in drei verschiedenen historischen Zeitschichten der Vormoderne, die aufeinanderfolgend mit der Veränderung der Texte in der humanistischen Edition aus dem 16. Jh., Texttransformationen bei der Kompilation im ottonischen Kloster Corvey im 10. Jh. und Aufzeichnung der Rechtstexte während der leges-Reform um 800 erfolgen werden.

Das Projekt fokussiert in der ersten Phase auf die Fragen nach der Arbeitsweise Herolds, die von ihm untersuchten Bibliotheken und Handschriften, und schließlich die Druckgeschichte der leges-Ausgabe von 1557. Als Grundlage dafür dient der Katalog der Werke Herolds und der von ihm benutzten mittelalterlichen Handschriften. In der zweiten Phase ist die Vorgehensweise der Kompilatoren und die Bedeutung des Inhalts des Corveyer Codex in der Tätigkeit des Scriptoriums von Corvey, der klösterlichen Umwelt und der konkreten politischen Situation Mitte des 10. Jh. zu untersuchen. Die Erforschung der kodikologischen Anlage, der Paläographie und des Inhalts dieser Rechtshandschrift sowie der anderen Corveyer Manuskripten lässt mehr über den Kontext der Abschrift der Lex Thuringorum und dementsprechend ihrer Überlieferung erkennen. Der dritte Teil des Projekts ist mit der ausführlichen Erforschung der politischen, religiösen und kulturellen Landschaft in den nordöstlichen Gebieten des Frankenreiches um 800 verbunden und befasst sich mit der Untersuchung des rechtlichen und religiösen Hintergrunds der Kodifikatoren sowie der Strategien, die sie nutzten, um die Strukturen der Rechtsaufzeichnungen und ihrer einzelnen Teile zu formulieren.

Der Prozess der Verschriftlichung des frühmittelalterlichen Rechts, das als religiöses Wissen betrachtet werden muss, steht im Zentrum des Projekts. Die verlässlicheren Texte der beiden leges, die derzeit nur unter Vorbehalt benutzt werden können, müssen aber zunächst rekonstruiert werden. Die Rezeption der Lex Thuringorum in Corvey in den 940er Jahren lässt zugleich nach der Bedeutung des karolingischen Erbes unter den sächsischen Eliten in Corvey fragen. Die genaue Analyse der Arbeitsweise Herolds bildet eine feste Basis für die Bewertung der Besonderheiten seiner Editionstechnik. Darüber hinaus gilt der schwäbische Humanist als Kenner für mittelalterliche Handschriften und einer der produktivsten Editoren des deutschen Südwestens. Nicht zuletzt leistet die Erforschung seiner literarischen Tätigkeit auch einen wesentlichen Beitrag zur Kulturgeschichte des 16. Jahrhunderts.