Uni-Tübingen

Aktuelles

07.07.2020

Quaternary International 2020 Special Issue

Wie sich frühneolithische Lebensweisen in Europa im 6. Jahrtausend v. Chr. entwickelten

Neolithische Lebenswelten

Die wichtigsten Ergebnisse der internationalen Konferenz “LBK & Vinča – Formation and Transformation of Early Neolithic Lifestyles in Europe in the second half of the 6th millennium BC” werden in einer Sonderausgabe der renommierten Fachzeitschrift Quaternary International veröffentlicht. Organisiert wurde die aus Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft und des Landes Baden-Württemberg finanzierte archäologische Fachtagung von Prof. Dr. Raiko Krauß (Universität Tübingen), Dr. Jörg Bofinger (Landesamt für Denkmalpflege in Baden-Württemberg) und Dr. Bernhard Weniger (Universität zu Köln), die auch Gast-Herausgeber des Sonderbandes sind. 

In 20 thematischen Beiträgen werden die kulturhistorischen Umbrüche in der zweiten Hälfte des 6. Jahrtausends v.Chr. thematisiert, welche in Südosteuropa zur Herausbildung von Gesellschaften mit komplexen Sozialstrukturen führten, in deren Folge sich in Mitteleuropa erstmals die sesshafte Lebensweise von bäuerlichen Gemeinschaften etablierte und damit eine fundamentale Zäsur in der Menschheitsgeschichte markiert. Die Einführung von Ackerbau, Viehzucht, Keramikproduktion und Hausbau in Mitteleuropa erfolgte nach Erkenntnissen der Archäologen aus dem westlichen Karpatenbecken; auch humangenetische Untersuchungen unterstützen diese Ansicht. Verbunden werden die Veränderungen in der Sozialstruktur der Gesellschaften in Südosteuropa und im östlichen Mitteleuropa mit der Vinča-Kultur, die nach einem Fundplatz nahe der serbischen Hauptstadt Belgrad benannt ist. Die ältesten neolithischen Gruppen in den Gebieten nördlich und westlich davon werden nach den charakteristischen Ziermotiven auf der ältesten Keramik als Linearbandkeramik (LBK) bezeichnet. 

Beispielhaft wird die neue sesshafte Lebensweise in Mitteleuropa im Rahmen eines Kooperationsprojektes der Universität Tübingen mit dem Landesamt für Denkmalpflege in einem Kleinraum westlich von Tübingen (Gemeinde Ammerbuch) untersucht. Erste Ergebnisse der laufenden archäologischen Grabungen und begleitenden naturwissenschaftlichen Untersuchungen zum Naturraum werden in dem nun vorgelegten Band vorgestellt. Die in der zweiten Hälfte des 6. Jahrtausends v.Chr. ablaufenden sozialen Änderungen in Südosteuropa bieten die Grundlage für neuartige Kulturtechniken, wie etwa die Entwicklung der Metallurgie, der Fortbewegung mit Rad und Wagen oder die Einführung neuer Landwirtschaftstechniken, die letztlich grundlegend für unsere heutige Lebens- und Wirtschaftsweise sind. In der Gegenüberstellung der Erkenntnisse der neuen Grabungen in der Region rund um Tübingen mit den kulturhistorischen Änderungen im Südosten werden die dahinter stehenden gesellschaftlichen Prozesse nun erstmals besser verständlich. 

Prof. Dr. Raiko Krauß

Publikation:

Quaternary International 2020 Special Issue: LBK & Vinča – Formation and Transformation of Early Neolithic Lifestyles in Europe in the second half of the 6th millennium BC
Guest Editors: Raiko Krauß, Jörg Bofinger, Bernhard Weninger
https://doi.org/10.1016/j.quaint.2020.05.015 
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1040618220302482 

 

Kontakt:

Prof. Dr. Raiko Krauß 
Universität Tübingen
Institut für Ur- und Frühgeschichte
und Archäologie des Mittelalters
 Tel: +49 7071/29-76794
raiko.kraussspam prevention@uni-tuebingen.de 

Dr. Jörg Bofinger, Landeskonservator
Landesamt für Denkmalpflege Baden-Württemberg
im Regierungspräsidium Stuttgart
 Tel: +49 0711 - 904 45-146
joerg.bofingerspam prevention@rps.bwl.de 

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