Uni-Tübingen

Sommeruniversität 2019

Vom 29. Juli bis zum 9. August 2019

Sommeruniversität an der Universität Tübingen heißt, dass Studierende und die interessierte Öffentlichkeit aus einer Serie von zehn allgemein verständlichen, aber dennoch forschungsaktuellen und spannenden Vorlesungen aus ganz verschiedenen Fachgebieten auswählen können. Die Sommeruniversität wird organisiert in Zusammenarbeit mit der Universitätsstadt Tübingen und ist Teil des Tübinger Kultursommers.

Die Vorlesungen finden jeweils um 10.15 Uhr im Hörsaal des Theologicums, Liebermeisterstr. 16, statt. Eine Anmeldung ist nicht nötig.

Montag, 29. Juli 

Interdisziplinäre Spitzenforschung bei Krebserkrankungen

Prof. Dr. Lars Zender

Der seit 2019 im Rahmen der Exzellenzstrategie von Bund und Ländern geförderte Exzellenzcluster iFIT ist ein Zusammenschluss weltweit führender WissenschaftlerInnen aus den Bereichen molekulare Tumortherapien, Immuntherapien und Bildgebungstechnologie. Dieser einzigartige Forschungsverbund erhofft sich durch intensive und enge Zusammenarbeit neue, umfassende Erkenntnisse, die zu einem tieferen Verständnis von Krebserkrankungen und deren Ursachen führen und somit neue, nachhaltige Therapien ermöglichen können. Lars Zender ist Sprecher des Clusters; er gibt einen Einblick in onkologische Spitzenforschung, deren Herausforderungen und Chancen.

Prof. Dr. Lars Zender ist Ärztlicher Direktor der Medizinischen Onkologie und Pneumologie am Uniklinikum Tübingen. Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit sind die Erforschung genetischer Faktoren für die Entstehung von soliden Tumoren sowie von zellulären Alterungsprozessen (Seneszenz) und der Reaktion des Immunsystems auf seneszente Tumorzellen.
 

Dienstag, 30. Juli

Kontrolle von Mikroorganismen zur Bekämpfung von Infektionen

Prof. Dr. Andreas Peschel

Mikrobielle Gemeinschaften, so genannte Mikrobiome, besiedeln die Oberflächen des menschlichen Körpers. Neben Bakterien, die die menschliche Gesundheit positiv beeinflussen, finden sich im Mikrobiom auch potenziell tödliche Krankheitserreger. Gegen diese Erreger wurden in den vergangenen Jahrzehnten oft Breitbandantibiotika eingesetzt. Inzwischen ist klar, dass dadurch nicht nur die Entstehung von Antibiotikaresistenzen gefördert, sondern in vielen Fällen auch das Mikrobiom als Ganzes geschädigt wird. Unser Ziel ist es, neue zielgerichtete Wirkstoffe zu entwickeln, die sich positiv auf Mikrobiome auswirken.

Prof. Dr. Andreas Peschel ist Professor der Mikrobiologie am Interfakultären Institut für Mikrobiologie und Infektionsmedizin Tübingen. Als Leiter der Abteilung Infektionsbiologie gehören das nasale Mikrobiom, die Physiologie der Staphylokokken und antimikrobielle Peptide zu seinen Forschungsschwerpunkten.

Mittwoch, 31. Juli 

Wie funktioniert maschinelles Lernen?

Prof. Dr. Ulrike von Luxburg

Das maschinelle Lernen ist die Technik, die hinter vielen Anwendungen der künstlichen Intelligenz steht: Objekterkennung für selbstfahrende Autos oder Erkennung von Hautkrebs, automatische Übersetzung von Texten, oder intelligente Steuerung von Energienetzen. In diesem Vortrag erkläre ich, was die Grundprinzipien des maschinellen Lernens sind und wie es prinzipiell funktioniert.

Prof. Dr. Ulrike von Luxburg ist Professorin für die Theorie des maschinellen Lernens an der Universität Tübingen. Sie ist eine der Sprecherinnen des neuen Exzellenzclusters "Maschinelles Lernen: Neue Perspektiven für die Wissenschaft".

Donnerstag, 1. August 

Dieser Vortrag muss leider entfallen!

(Un-) Doing Reading. Nichtlesepraktiken

Prof. Dr. Carolin Führer

Wenn im Feuilleton der ZEIT von einer "Ethik des Nichtlesens" die Rede ist, so steht diese Forderung scheinbar diametral zum Habitus ihrer Leserschaft, die Wissen doch zuallererst mit (Viel-?)Lesekompetenz in Verbindung stellen würde. PISA und die Stavanger Erklärung haben die öffentliche Diskussion um die Lesekompetenz im Bereich der Bildung stark beeinflusst; vor diesen Hintergründen diskutiert der Beitrag Diskursivierungen des Nichtlesens und stellt dem in empirischer Perspektive Praktiken und (kontextuelle) Normierungen des Nichtlesens in Bildungskontexten gegenüber.

Prof. Dr. Carolin Führer lehrt Deutsche Philologie/ Didaktik der deutschen Literatur am Deutschen Seminar der Universität Tübingen. Ihre Forschungsinteressen liegen im Bereich der Literatur- und Lesedidaktik, Professionsforschung sowie Erinnerungskultur und rekonstruktiver (multimodaler) Rezeptionsforschung.

Freitag, 2. August 

Die Kriminalitätsentwicklung in Deutschland: Von realen Fakten und gefühlten Wahrnehmungen

Prof. Dr. Jörg Kinzig

Jede schwere, in Deutschland begangene Straftat ist regelmäßig Gegenstand einer umfangreichen Berichterstattung in den Medien und einer teilweise sehr emotional geführten Diskussion in den sozialen Netzwerken. Zu kurz kommt dabei häufig eine rationale Betrachtung, was und aus welchen Quellen wir gesichert über die Kriminalitätsentwicklung der letzten Jahre wissen. Der Vortrag wird zum einen der Frage nachgehen, ob tatsächlich - wie vielfach behauptet - alles immer schlimmer wird. Zum anderen wird er zu analysieren versuchen, wie es hierzulande um die sogenannte Kriminalitätsfurcht steht.

Prof. Dr. Jörg Kinzig ist seit 2011 Direktor des Instituts für Kriminologie der Universität Tübingen. Nach einer Promotion über die Sicherungsverwahrung und einer Habilitation über organisierte Kriminalität liegt einer seiner Forschungsschwerpunkte in der Reaktion des Staates auf schwere Straftaten.

Montag, 5. August 

Motivation in der Schule: Ist Faulheit angeboren oder erlernt?

Prof. Dr. Ulrich Trautwein

Ohne Fleiß kein Preis: Das gilt auch in der Schule. Aber warum strengen sich manche Schülerinnen und Schüler mehr an als andere? Welche Rolle spielen dabei die Unterrichtsqualität und die Interaktionen im Elternhaus? Und kann man die Anstrengungsbereitschaft systematisch fördern?  Der Vortrag führt in zentrale Konzepte der Motivationspsychologie ein und beleuchtet dabei auch gängige Alltagsmythen über „fleißige“ bzw. „faule“ Schülerinnen und Schüler.  

Prof. Dr. Ulrich Trautwein ist Direktor des Hector-Instituts für Empirische Bildungsforschung an der Universität Tübingen. Seine Forschung befasst sich mit den Themen Effektivität und Reformen im Bildungssystem, Unterrichtsqualität, Motivation und Persönlichkeitsentwicklung sowie Hochbegabung. 

Dienstag, 6. August 

Wet Feet or Walking On Sunshine? Klimawandel im Zuge der Menschheitsentwicklung

Jun. Prof. Dr. Annett Junginger

Wie sah die Umwelt unserer frühen Vorfahren aus und was hat sie dazu veranlasst, sich kulturell weiter zu entwickeln und Afrika zu verlassen, um den Rest der Welt zu besiedeln? Könnten dramatische Klima- und Umweltveränderungen dabei eine Rolle gespielt haben? Unsere Arbeitsgruppe geht diesen Fragen nach, indem sie die Sedimente verschwundener Seen in Ostafrika unter die Lupe nimmt. In diesen Sedimenten suchen wir nach stummen Zeugen, die uns Aufschluss über das Aussehen der damaligen Landschaft geben, wie z.B. die Vegetation, Wasserqualität, Seegrößen, oder vulkanischen Aktivitäten, und wie und warum sich die Landschaft verändert hat. 

Jun. Prof. Dr. Annett Junginger leitet seit 2014 die Arbeitsgruppe Mikropaläontologie an der Universität Tübingen. Ihr Forschungsgebiet ist die Rekonstruktion von Klimaveränderungen in Ostafrika seit 2 Millionen Jahren mit Hilfe von Seesedimenten.

Mittwoch, 7. August 

Jane Austens Romane und die Welt der Fan Fiction

Prof. Dr. Angelika Zirker

Jane Austens Romane sind Bestseller der Weltliteratur, allen voran _Pride and Prejudice_. Doch die Romane werden nicht nur gelesen: sie regen Autor*innen seit jeher auch dazu an, Geschichten fortzuschreiben, Lücken in der Erzählung zu schließen, Perspektivwechsel vorzunehmen. In dem Vortrag geht es zum einen darum, die Geschichte der Fan Fiction zum Werk Jane Austens zu beleuchten, und zwar von ihren Anfängen im frühen 20. Jahrhundert bis zur (digitalen) Gegenwart. Zum anderen werden methodische Zugänge zur literaturwissenschaftlichen Analyse von Fan Fiction vorgestellt, darunter auch quantitative Methoden der Digital Humanities.

Prof. Dr. Angelika Zirker ist akademische Rätin am Englischen Seminar der Universität Tübingen. Sie arbeitet hauptsächlich zur Literatur der Frühen Neuzeit sowie zur Literatur und Kultur des 19. Jahrhunderts und ist in mehrere interdisziplinäre Drittmittelprojekte involviert, z.B. das Tübinger GRK 1808 zum Thema "Ambiguität".

Donnerstag, 8. August 

Wie liest man nordkoreanische Propagandaliteratur?

Jun. Prof. Jerôme de Wit

Nordkorea stellt sein Land und seine Ansichten der Welt gerne durch bombastische Paraden und heftige Kriegsrhetorik vor. Die Propaganda-Maschine dient dem Regime schon mehr als siebzig Jahre, und die Aussichten sind, dass dies auch in den kommenden Jahren so bleibt. Unter solchen Umständen ist es schwierig, ein legitimes Wissen über das Land, seine Gesellschaft und die Gefühle seiner Bürger zu erlangen. Ist es als Forscher jedoch irgendwie möglich, den Code unter den propagandistischen Botschaften Nordkoreas zu knacken und Anzeichen von Angst oder die Stimme der Bevölkerung zu sehen? In diesem Vortrag werden wir sehen, wie während des Koreakrieges (1950-1953) die nordkoreanische Propagandaliteratur zu Kriegszeiten Anzeichen sozialer und politischer Kritik unter ihrer selbstbewussten Fassade zeigte.

Jun. Prof. Jerôme de Wit ist Juniorprofessor an der Universität Tübingen in der Abteilung für Koreanistik. Er hat sich spezialisiert auf nord- und südkoreanische Kriegsliteratur und moderne koreanische Kultur. 

Freitag, 9. August 

Die Kinderstube der Sterne

Jun. Prof. Dr. Beate Stelzer

Sterne sind Bausteine des Universums und, ähnlich dem Lebenszyklus auf der Erde, einem ständigen Werden und Vergehen unterworfen. Unsere Sonne ist mit 4.5 Milliarden Jahren ein Stern mittleren Alters und ein gigantisches Kernfusions-Kraftwerk. Wie hat sich die Sonne zu ihrem jetzigen Zustand entwickelt? Die ersten Lebensformen entstanden auf der Erde vor Milliarden von Jahren. Welchen Einfluss hat die langfristige Veränderung der Sonnenstrahlung auf die Entstehung von Leben? Antworten auf diese Fragen liefern Beobachtungen von jungen Sternen, die die Sonne in ihrem längst vergangenen Kindesalter repräsentieren. 

Jun. Prof. Dr. Beate Stelzer leitet seit 2017 die neue Arbeitsgruppe für Weltraumastrophysik an der Universität Tübingen. Sie ist Mitglied und Leiterin von Beratungsgremien des wissenschaftlichen Weltraumprogramms der Europäischen Raumfahrtagentur ESA. Ihre Forschungsschwerpunkte sind stellare Aktivität und Sternentstehung.