Internationales Zentrum für Ethik in den Wissenschaften (IZEW)

Changing Water Cultures (CANALS)

»Changing Water Cultures« (CANALS) untersucht, wie sich eine Kommune an die Erderwärmung anpasst, wenn es vor Ort klimatisch bedingt vermehrt zu Extremwettern wie Starkregen kommt. Das Projekt hat zwei Ziele, erstens zu verstehen, wie Wasser im urbanen Raum Beziehungen zwischen Menschen herstellt, und wie sich diese Beziehungen durch den Klimawandel verändern, und zweitens ein Verfahren zu entwickeln, wie sich Betroffene das Wissen erarbeiten können, das sie für die Anpassung benötigen, also um neue Beziehungen herzustellen.

Das Projekt setzt die Arbeit fort, die 2021 im gleichnamigen Marie-Curie-Projekt am Centre for the Study of the Sciences and the Humanities (Universität Bergen, Norwegen) begonnen wurde (EU Horizon 2020 framework programme – Marie Skłodowska-Curie grant agreement No 895008).

Aktuelles

Projektteam

Dauer

März 2021 – September 2023

Projektbeschreibung

Seit einigen Jahren werden die Zeichen des globalen Klimawandels in Deutschland immer sichtbarer. So treten Wetterphänomene, die bisher als sehr selten galten, häufiger und intensiver auf. Das gilt auch für die Stadt Reutlingen, die in den letzten Jahren mehrere Extremwetter und Hochwasserereignisse erlebte wie die Hagelstürme von 2013 und 2021 oder die Hochwassersituationen von 2013, 2018, 2019 und 2021. Viele Menschen empfinden Wetter- und Klimaerscheinungen als immer unberechenbarer und damit besorgniserregender. Das Projekt »Changing Water Cultures« (CANALS) widmet sich diesem Phänomen durch die ›Wasserbrille‹. Denn künftig wird es durch den Klimawandel voraussichtlich vermehrt in relativ kurzen Zeiten sehr viel Wasser geben (Starkregenereignisse) mit damit verbundenem kleinräumig wirkendem zu viel Wasser (Hochwasserereignisse) oder aber auch zu wenig (Trockenheiten und Dürren) – alles mit erheblichen Auswirkungen auf das öffentliche Leben in Siedlungsbereichen von Städten und Gemeinden.

CANALS wird von Dr. Simon Meisch in Kooperation mit den Universitäten Tübingen und Bergen (Norwegen) sowie der Stadt Reutlingen durchgeführt. Ansprechpartner auf Seiten der Stadtverwaltung ist der Umweltschutzbeauftragte Reinhard Braxmaier von der Task-Force Klima und Umwelt. Das Projekt besteht aus zwei Projektphasen: Phase 1: ›Erfassung von Erfahrungen, Expertise und Aktivitäten‹ (Januar-Dezember 2022), und Phase 2: ›Schaffung von nützlichem Handlungswissen‹, insbesondere auch in der und für die Zivilgesellschaft (Frühjahr 2023).

In der ersten Phase möchte Canals, neben der Fachexpertise in der Stadtverwaltung und den Fachbehörden des Landes, auch mit Reutlinger*innen darüber ins Gespräch kommen, welche Erfahrungen sie selbst mit dem Klimawandel gesammelt haben, wie sie bereits damit, z.B. durch eigene Handlungsansätze umgehen und was sie für ihr persönliches Umfeld, die Stadt Reutlingen und darüber hinaus in Zukunft erwarten. Die meisten werden sich vermutlich bereits in beruflichen oder ehrenamtlichen, viele in privaten Zusammenhängen mit den Folgen des Klimawandels auseinandergesetzt haben. Die Erfahrungen, Expertisen und Aktivitäten von Reutlinger*innen sollen in dieser ersten Phase sichtbar gemacht und gesammelt werden. Dies geschieht überwiegend durch Interviews oder Spaziergänge, die die Problematik vor Ort exemplarisch aufzeigen können.

Im Zentrum der zweiten Projektphase stehen fachübergreifende Workshops, in denen Reutlinger*innen vor dem Hintergrund persönlicher Erfahrungen und unterschiedlichem Wissen gemeinsam nützliche Handlungsansätze für die Anpassung an den Klimawandel vor Ort schaffen. In den Veranstaltungen werden die Ergebnisse der ersten Phase vorgestellt. Sie dienen als Ausgangspunkt für Überlegungen, wie die Stadt Reutlingen und die Fachbehörden des Landes, aber auch jede*r Einzelne potenziell Betroffene mit den Folgen des Klimawandels vor Ort in Reutlingen umgehen können.

Projektbezogene Publikationen

Zeitschriftenbeiträge

  • Bruns, A., Meisch, S., Ahmed, A., Meissner, R., Romero-Lankao, P. (2022): Nexus disrupted: Lived realities and the water-energy-food nexus from an infrastructure perspective. In: Geoforum 133, 79-88. https://doi.org/10.1016/j.geoforum.2022.05.007
  • Meisch, S., Bremer, S., Young, M.T., Funtowicz, S. (2022): Extended Peer Communities: Appraising the contributions of tacit knowledges in climate change decision-making. In: Futures 135, 102868. https://doi.org/10.1016/j.futures.2021.102868
  • Bremer, S., Glavovic, B., Meisch, S., Schneider, P., Wardekker, A. (2021): Beyond rules: How institutional cultures and climate governance interact. In: Wiley Interdisciplinary Reviews: Climate Change 12(6), e739. https://doi.org/10.1002/wcc.739
  • Meisch, S. (2019): I Want to Tell You a Story: How Narrative Water Ethics Contributes to Re-theorizing Water Politics. In: Water 11(4), 631; https://doi.org/10.3390/w11040631
  • Bremer, S., Meisch, S. (2017): Co-production in climate change research: reviewing different perspectives. In: Wiley Interdisciplinary Reviews: Climate Change 8(6), 1-22.
  • Leese, M., Meisch, S. (2015): Securitising sustainability? Questioning the ‘water, energy and food-security nexus’. In: Water Alternatives 8(1), 584-598. https://www.water-alternatives.org/index.php/alldoc/articles/vol8/v8issue1/272-a8-1-5

 

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