Zentrum für Islamische Theologie

07.11.2019

Gegendarstellung

Stellungnahme von Professor Hibaoui zum Artikel „Weiterer Professor unter Islamismusverdacht“

Tübingen, den 06.11.2019

Professor Abdelmalek Hibaoui vom Zentrum für Islamische Theologie der Universität Tübingen nimmt zu den im Artikel „Weiterer Professor unter Islamismusverdacht“ (Stuttgarter Nachrichten vom 24. September 2019) erhobenen Vorwürfen wie folgt Stellung:

Am 15. September 2019 nahm ich an einer Konferenz in Ankara mit dem Titel “Die Zukunft der islamischen Welt und Palästina” teil. Eingeladen wurde ich vom Forschungszentrum „Center for Islamic Union Research“ (ISBAM), um einen wissenschaftlichen Vortrag “Zur gesellschaftlichen Situation in der islamischen Welt - Herausforderungen und Chancen” zu halten. Meine Teilnahme an dieser Konferenz führte dazu, dass die Stuttgarter Nachrichten mich verdächtigten, mit Islamisten zu paktieren. Zudem versuchte die Zeitung, mich in die Nähe von antisemitischen Äußerungen zu rücken. Gegen diese Vorwürfe verwahre ich mich in aller Deutlichkeit. Ich erachte das als einen Versuch der Diskreditierung und der Verunglimpfung.

Eine kurze Recherche zu meinem Wirken in den letzten 15 Jahren hätte jedem mein gesellschaftliches Engagement und meine feste Verortung in der deutschen Gesellschaft und ihrer freiheitlich-demokratischen Grundordnung offenbart. Ich habe mich in den letzten Jahren massiv im interreligiösen und interkulturellen Dialog eingebracht, aktiv an der Deutschen Islamkonferenz mitgearbeitet und ebenso am Deutschen Integrationsgipfel. Auch habe ich in den letzten Jahren eine Reihe von Publikationen veröffentlicht, Vorträge gehalten, Symposien organisiert und an Konferenzen teilgenommen, die sich mit der Stärkung unserer demokratischen Kultur und dem friedlichen Zusammenleben beschäftigen. In meinem gesamten Wirken habe ich mich immer gegen jegliche Form von Ideologisierung, Radikalisierung, Diskriminierung oder Segregation eingesetzt.

Insofern verwahre ich mich ausdrücklich gegen diese haltlosen Vorwürfe. 

Zu den im Artikel der Stuttgarter Nachrichten erhobenen Vorwürfen erkläre ich im Einzelnen:

Teilnahme an der Konferenz.

Meine Teilnahme an der Konferenz des „Center for Islamic Union Research“ (ISBAM) beruhte auf einer Fehleinschätzung. Als die Einladung ausgesprochen wurde, hatte ich keine Kenntnis von den Rednern und anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. ISBAM war mir bis zu diesem Zeitpunkt nicht bekannt, insbesondere nicht als Ableger der Saadet-Partei. Auch eine kurzfristig durchgeführte Internetrecherche brachte keine Klarheit.

Inhalt und Botschaft meines Vortrags auf der genannten Konferenz waren ein Aufruf zu mehr Selbstkritik in der muslimischen Welt. Ich bin in meinem Beitrag auf die positive Rolle unseres Landes und der deutschen Politik im Umgang mit dem Islam und den Muslimen eingegangen und habe von meinen Erfahrungen im christlich-islamischen Dialog berichtet.

Meine zentralen Aussagen waren ein Aufruf, Debatten zum Islam und seinem Verhältnis zum Westen weniger emotional und stärker differenziert zu führen; für Kriege und Spaltungen der islamischen Welt seien die Muslime zum Teil selbst verantwortlich. Mein Beitrag war zudem eine umfassende Absage an jegliche Formen radikalen Gedankenguts.

Foto mit Kamal El Helbawy auf Facebook

Kamal El Helbawy hat sich nach meinem Kenntnisstand im März 2012 von den Muslimbrüdern losgesagt und gilt seitdem als scharfer Kritiker dieser Organisation. Er war Mitglied und stellvertretender Vorsitzender der zivilgesellschaftlichen Kommission, die 2014 mit der Erarbeitung einer neuen demokratischen Verfassung in Ägypten betraut war.

Das Foto von Herr El Helbawy und mir wurde bei der o. g. Konferenz aufgenommen und befindet sich bis heute auf der Chronik meiner Facebook-Seite. Die Behauptung der Stuttgarter Nachrichten, dass ich diese Fotos gelöscht haben soll, ist wahrheitswidrig. Auch stellt dies aus meiner Sicht einen bewussten Versuch der Irreführung der Öffentlichkeit dar.

Tätigkeit als Imam an der Moschee Reutlingen

Ich war ca. sechs Jahre als ehrenamtlicher Imam an der Internationalen Islamischen Gemeinde (IIG) in Reutlingen tätig. Ich hielt dort, wenn möglich, die Freitagspredigt und vertrat die Moschee - u. a. bei der Stadt Reutlingen - zu Themen, die das Zusammenleben und die Integration von Muslimen betreffen (Schulung von Flüchtlingen, Beratung und Vorträge für Mitarbeiter der Stadt Reutlingen etc.). Zudem war ich als Vertreter der Gemeinde im interreligiösen Dialog mit den Katholischen und Evangelischen Kirchen (Friedensgebet, Internationale Woche gegen Rassismus, Abendgespräche etc.) tätig.

Finanzielle Angelegenheiten, Spenden und Einladungen von weiteren Predigern lagen im Verantwortungsbereich des Moschee-Vorstandes. Ich war ausdrücklich nicht damit befasst und wurde auch nicht im Detail informiert. Insofern hatte ich auch weder Kenntnis davon, dass der im Artikel genannte Taha Soliman Amer eingeladen wurde, noch hatte ich Kenntnis von einer angeblichen Spende aus der Schweiz.

Weitere Aussagen im Artikel

Die Stuttgarter Nachrichten behaupten in dem fraglichen Artikel zudem, dass ich „über Jahre hinweg immer wieder Referent an Einrichtungen, die dem Aktionsgeflecht der Muslimbruderschaft zuzuordnen sind“, gewesen sei und dass ich über „gewachsene Beziehungen zu Muslimbrüdern“ verfügen würde. Die Zeitung behauptet dies, ohne Belege anzuführen. Als Quelle wird lediglich eine fragwürdige Bloggerin benannt. Auf welche Quellen sich diese stützt, bleibt für den Leser unbekannt. Die Zeitung nennt auch keine weiterführenden Informationen oder Nachweise. So kann ich mich auch hier des Eindrucks nicht erwehren, dass es nur um die Diskreditierung meiner Person geht.

Als Bürger dieses Landes, als Theologe und Muslim bin ich fest entschlossen, mich weiterhin für die Belange unserer Gesellschaft einzubringen, für eine friedvolle und plurale Gesellschaft einzutreten und mich für einen konstruktiven Dialoge der Kulturen und Religionen einzusetzen, so wie ich es in den letzten 15 Jahren getan habe.

Kontakt:
Jun. Prof. Dr. Abdelmalek Hibaoui

Universität Tübingen

Zentrum für Islamische Theologie

 +49 7071 29-75387
abdelmalek.hibaouispam prevention@uni-tuebingen.de

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